Dienstag, 9. April 2013

katholisch.de

Immer wieder, wenn ich mir die Artikel und Berichte auf der offiziellen Homepage der katholischen Kirche in Deutschland anschaue, passiert es, dass, trotz sicherlich guter Absichten, gravierende Fehler anzutreffen sind.
Vergangenen Sonntag hab ich mich darüber echauffiert (hier), dass anläßlich des Weißen Sonntags ein ganzer Haufen solcher gravierenden Fehlinformationen in den Vordergrund rückten. So wird etwa die Bedeutung der Eucharistie von Anselm Grün bis zur Unkenntlichkeit ans Diesseits gekettet, indem nurmehr die Rede davon ist, "Brot und Wein" und "unser Leben miteinander [zu] teilen". Der Titel des Beitrags, der dazu bestimmt sein soll, Nichtkatholiken und Katholiken das Wesen dieses Sakraments zu erklären, lautet daher "Leben und Brot teilen" (hier), was ich einfach nur als blasphemisch betrachte... Ich kenne Protestanten, die sich mit so einer abgeschmackten Erklärung, wie sie dort geboten wird, nicht zufrieden geben würden!

An anderer Stelle hat die münstersche "Theologin" Dorothea Sattler unter dem Titelm "Was uns trennt" (hier) auf die sehr spezielle Frage der Erlaubtheit einer bestimmten Kommunuionpraxis mit völliger Selbstverständlichkeit mit "Ja" geantwortet und ihr seltenes Vorkommen bedauert, obwohl ein flüchtiger Blick in die liturgischen Normen offenbart, dass dort mit Nachdruck(!) genau diese Praxis untersagt wird.
Derlei Falschinformationen, besonders, wenn sie für das ökumenische Gespräch entscheidend sind, werden dann zuweilen, etwa an der genannten Stelle durch Frau Sattler, freilich zu einer Augenwischerei und kackdreisten Vortäuschung von Tatsachen, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. 
Es herrscht ja bekanntlich ein katastrophales Bildungsdefizit in der Katholischen Kirche in Deutschland, weil die von der Würzburger Synode angedacht Aufsplittung von "staatlichem Religionsunterricht in der Schule" und "Katechese in der Gemeinde" grundsätzlich und von Beginn an gesceitert ist, da der zweite Teil, die Katechese, faktisch nie zustande kam. Daher ist es wenig verwunderlich, wenn viele Katholiken nicht mehr nachvollziehen können, warum sie nicht ein "gemeinsames Abendmahl" mit den Protestanten haben können. (Ganz simpel gesagt: Der Unterschied zwischen protestantischem Abendmahl und katholischer Eucharistiefeier ist exakt der zwischen den Gaben vor der Wandlung und den Gaben nach der Wandlung...: Es ist der Unterschied zwischen einem Stück Brot bzw. einem Schluck Wein und dem Leib und Blut Jesu Christi!)
Das Portal katholisch.de tut nun aber scheinbar alles dafür, diesen Missstand nicht zu beheben, sondern ihn zu zementieren, indem auf seinen Seiten "Theologen", ausgehend von ihrer ideologischen Warte (aber sicherlich um die wahre Sachlage wissend), die Früchte der bestehenden Unbildung anpreisen und auf dem medialen Markt feil bieten dürfen. Nur so ist zu erklären, wie Frau Prof. Dr. Sattler pauschal behaupten kann, auch Protestanten würden an die leibliche Gegenwart Christi in der Eucharistie glauben, ohne im Mindesten darauf hinzuweisen, dass z.B. eine katholische Wesenheit (die allem anderen zugrunde liegt), nämlich die Sakramentalität, von Protesntanten nahezu vollständig (außer für das Sakrament der Taufe) abgelehnt wird.
Das ist schon nicht mehr nur Tintenfisch Ökumenik (vgl. hier), das ist einfach nur stinkender ekelhafter Beschiss!

Ein anderes Beispiel, das mir heute per facebook vor die Augen kam, sei noch behandelt:

Im erleuternden Text über das Sakrament der Beichte (der ja, im Sinne des Selbstverständnisses der Seite, auch Nichtkatholiken den katholischen Glauben näher zu bringen, auf dieser Internetplattform einen hohen Rang einnimmt), der an sich sehr gut geschrieben ist und anregen kann, heißt es im Einführungstext: 
»Zunächst einmal: Beichten ist kein Muss. Theologisch gesehen müssen wir nur Todsünden beichten. Das sind schwere Verfehlungen, bei denen Menschen sich ganz bewusst gegen Gott entschieden haben.«
Diese Auskunft ist gefährlich irreführend. Der Grund ist der, dass im Allgemeinen sehr schwer zu bestimmen ist, was eine Totsünde (schwere Sünde) ist, und was nicht. Das "sich ganz bewusst gegen Gott entschieden" reicht nicht zur Bestimmung einer schweren Sünde
Es wird hier der Eindruck vermittelt, als könne jeder quasi selbst bestimmen, wann eine Sünde schwer ist und wann nicht und folglich stünde es jedem frei, ob er überhaupt jemals zur Beichte geht. So ließe sich z.B. das absichtliche Versäumen der Sonntagsmesse (eine "schwere Sünde", vgl. KKK 2181) mit Leichtigkeit durch den Gedanken rechtfertigen, man entscheide sich ja dadurch nicht "gegen Gott", sondern z.B. nur gegen den Pfarrar den man nicht mag oder gegen die Liturgie die einen nicht anspricht.
Das entsprechende Kirchengebot besagt, dass jeder Katholik mindestens einmal im Jahr die Beichte abzulegen und dabei alle schweren Sünden zu bekennen hat (vgl. hier). Der Aussageschwerpunkt der entsprechenden gesetzlichen Norm in CIC c. 989 ("Jeder Gläubige ist nach Erreichen des Unterscheidungsalters verpflichtet, seine schweren Sünden wenigstens einmal im Jahr aufrichtig zu bekennen.") liegt dabei jedoch nicht, wie im obigen Text suggeriert wird, darauf nur im Falle einer schweren Sünde Beichten zu müssen, sondern darauf, dass man verpflichtet ist seine schweren Sünden (obligatione tenetur peccata sua gravia) zu beichten, was, ausgedrückt im danach eingeschobenen Nebensatz, wenigstens einmal pro Jahr zu geschehen hat (saltem semel in anno). Das ist deshalb so formuliert, weil es in der Praxis eben kaum möglich ist, sicher festzustellen wann eine Sünde als "schwer" einzustufen ist. Die Verpflichtung zur regelmäßigen Beichte (mindestens jährlich) eliminiert diese Unsicherheit, die ja durchaus ihre Bewandtnis für das Heil der eigenen Seele hat (auch wenn man gerade diesen Aspekt heute gern verdrängt).


Summa summarum scheint es, dass katholisch.de schlicht und ergreifend vor der Macht des faktischen kapituliert hat. Man käut eigentlich nur das wieder, was im katechesebereinigten Einzugsgebiet der deutschen Kirche eh schon an Halbwissen und Falschem im Umlauf ist und getraut sich keinen Millimeter weit, die Katholiken mit der Wahrheit zu konfrontieren, die naturgemäß immer auch eine Herausforderung darstellt. Das ist überaus traurig, befördert es doch die faktische Ignoranz... und vllt. noch schlimmer: Es kehrt diese Ignoranz und die Fehlinformation ja auch nach außen, sodass jeder der sich vielleicht dafür interessiert, katholisch zu werden, de facto mit Falschen Informationen beliefert und entsprechend in die Irre geführt wird. Kuschelkurs statt Wahrhaftigkeit. Lüge statt Ehrlichkeit. Das Glaubensgut verschweigen und verschachern, anstatt es leuchten zu lassen. Das ist wohl auch die digitale Marschrichtung der katholischen Kirche in Deutschland. Echt schade.

... und eines Tages wachen wir auf und stellen fest, dass sich die Menschen einen anderen Schmuseteddy gesucht haben, der noch viiieeelll kuscheliger ist...


Nachtrag: Peter hat auch ein paar Gedanken dazu.

Kommentare:

  1. Ich glaube nicht, daß es sich um eine "Kapitulation" vor dem aktuell voraussetzbaren "Glaubenswissen" handelt. Ich denke eher, die Macher der Seite veröffentlichen aus Überzeugung ihre katholisch ummäntelten Häresien, derweil die Bischöfe einmal mehr nicht handeln - warum, sei für heute dahingestellt.

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  2. hm, es gibt doch so einen schönen Aphorismus von Davila a la: Die Leute tun nicht, was die Kirche lehrt, deswegen lehrt die Kirche nun was die Leute tun...
    Diese Mentalität scheint unser offiziöses Portal der deutschen Kirche(n!?) verinnerlicht zu haben.
    Und Paulus wusste es doch auch schon: "Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden. Du aber sei in allem nüchtern, ertrage das Leiden, verkünde das Evangelium, erfülle treu deinen Dienst!“ (2 Tim 4,1ff)

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  3. Im Prinzip d'accord, Soweit ich weiss glauben aber zwar nicht die evangelisch-reformierten, wohl aber die lutherischen Christen durchaus an die Realpräsenz des Herrn in Brot und Wein des Abendmahls. Nur dass dafür nach ihrer Auffassung kein Priester sondern der Glaube notwendig ist.

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    1. Wie du ja angedeutet hast, ist die Wirklichkeit sehr komplex. Es gibt im "Protestantismus" so ziemlich jede Auffassung darüber: von quasi-katholisch bis hin zur völligen Nichtbeachtung der Eucharistie/des Abendmahls. Und genau darum ist die obige Aussage absolute Augenwischerei.

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  4. Hoppla, da echauffiert sich aber einer! Lieber Sophophilo, bei deinen Ansichten kann ich nur hoffen, dass du nicht Student der Theologie bist - nicht, weil ich nicht deiner Meinung wäre (ganz im Gegenteil) sondern weil du mit selbigen in unserer deutschen Kirche nicht weit kommst. Und das sagt dir einer, der es wissen muss! Lass dich nicht verbiegen, aber falls du ein offizielles Amt anstrebst: Sei auf der Hut!
    Katholische Grüsse aus Bayern!
    Archangelus

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