Sonntag, 7. April 2013

offizielle Lügen und Halbwahrheiten

Auf der millionenschweren offiziellen Internetpräsenz der Katholischen Kirche in Deutschland ist aus aktuellem Anlass (Weißer Sonntag) einiges bezüglich der heiligen Eucharistie zu finden. So erklärt uns Anselm Grün, was es mit der Eucharistie auf sich hat (hier), und Dorethea Sattler (Uni Münster) sagt uns, was Protestanten und Katholiken davon jeweils halten (hier).

Doof nur, dass die Informationen die dort geboten werden an den entscheidenden Stellen schlicht falsch sind. Der Leser wird nichts weniger als belogen, in die Irre geführt und zum Missbrauch aufgefordert. (Dass das Wort "Opfer" nicht vorkommt, ist ja kaum mehr einere Erwähnung Wert, auch wenn es den Kern der kirchlichen Lehre zur Eucharistie bildet...)

So erklärt uns nun also Anselm Grün: »Fleisch und Blut sind Bilder für Jesu Hingabe am Kreuz und damit Ausdruck seiner Liebe bis zur Vollendung« und: »Durch das Essen des Brotes und das Trinken aus dem Kelch gelangen wir in eine Gemeinschaft mit Jesus Christus«.
Um des Kontrastes, Willen die Lehre der Kirche: »Das Opfer Christi und das Opfer der Eucharistie sind ein einziges Opfer: "Denn die Opfergabe ist ein und dieselbe; derselbe, der sich selbst damals am Kreuze opferte, opfert jetzt durch den Dienst der Priester; allein die Weise des Opferns ist verschieden". "In diesem göttlichen Opfer, das in der Messe vollzogen wird, [ist] jener selbe Christus enthalten und [wird] unblutig geopfert ... der auf dem Altar des Kreuzes ein für allemal sich selbst blutig opferte".« (KKK 1367)

Und Frau Sattler erleuchtet uns: »Alle Kirchen [ließ: und kirchlichen Gemeinschaften] sind der Überzeugung, dass Jesus Christus im Heiligen Geist in Brot und Wein tatsächlich gegenwärtig ist.« Ja ne, is klar... wer soll das bitteschön glauben?

Sie entblödet sich nicht einmal, den Protestanten eine größere Ehrfurch vor disem Sakrament zu unterstellen, wenn sie, über die Katholiken schweigend, zur protestantischen Abendmahlspraxis sagt »Aus Ehrfurcht vor dem großen Geheimnis dieses Sakraments wird es nicht überall an jedem Sonntag gefeiert«. Und um den Katholiken (sie ist selbst "katholische" "Theologin"!) noch eine Sinnverfälschung unterzujubeln, versichert sie uns, dass die Protestanten die wahre Intention Jesu ja viel besser kennen und umsetzen: »Der evangelischen Tradition ist sehr daran gelegen, dass der von Jesus Christus selbst gestiftete Sinn der Feier auch bei den Zeichenhandlungen bewahrt bleibt.«

Auf die Frage: »Ist das Weiterreichen des Kelchs auch in der katholischen Kirche erlaubt?« antwortet Frau Sattler: »Ja, dies wird allerdings leider zu selten praktiziert.«
Aha. Was sagt denn die Allgemeine Einführung ins Messbuch (das Ding wo drinsteht, was erlaubt is, und was nicht) dazu...: »Es ist den Gläubigen nicht erlaubt, das konsekrierte Brot, auch nicht den heiligen Kelch, selbst zu nehmen und erst recht nicht, sie von Hand zu Hand einander weiterzugeben.« (Nr. 160)
Übrigens folgt aus dieser Vorschrift auch, dass Laien z.B. das Ciborium nicht aus dem Tabernakel holen dürfen, denn auch dabei nehmen sie ja von sich aus die konsekrierten Gaben. Das führt dann vielerorts dahin, dass viele Priester überhaupt nicht mehr zum Tabernakel kommen und hier eine regelrechte Entkopplung und Enfremdung stattfindet, zwischen dem Priester und dem Tabernakel (was früher eine enge, regelrechte "vis a vis"-Beziehung war), deren Folgen noch nicht absehbar sind.

Und von dieser kruden Irreführung sind die beiden Machwerke auf katholisch.de, dem offiziellen Internetorgan der Katholioschen Kirche in Deutschland, durchgängig geprägt... Schämt euch! Schämt euch!

Kommentare:

  1. Ein Bild ist 'nur' ein Bild. Es wundert mich, dass Anselm Grün das so schreibt.

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    1. Von Anselm Grün erwarte ich gar nichts anderes. Mich wundert es eher, dass sie ihn konsultieren, statt z.B. den freiburger Dogmatiker Helmut Hoping mal zu befragen, der 2011 das aktuelle (und inhaltlich sehr gute!) Standardwerk zum Thema Eucharistie veröffentlicht hat.

      Besonders krass finde ich die schreiende Verdiesseitigung der Eucharistie, wenn er etwa sagt "Indem wir in der Eucharistie unser Leben miteinander teilen, schaffen wir Raum für Gemeinschaft und Gastfreundschaft"... Dass hier das einmal vollbrachte Opfer Jesu am Kreuz vergegenwärtigt wird, ist nunmal etwas in jeder Hinsicht anderes als "etwas miteinander teilen"... wenn überhaupt, dann ist es Jesus, der hier teilt, und nicht wir unter einander!

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  2. Wirklich schade. Wie soll man erwarten, daß "normale" Gläubige (also ohne Theologiestudium oder ausführliche Beschäftigung mit den Hintergründen) wissen, was richtig ist, wenn die "Offiziellen" es falsch oder zumindest unzureichend oder ungenau erklären?
    Man hört immer wieder, daß jüngere Priester und andere Hauptamtler es sehr schwer haben, wenn sie irgendwelche pastoralen Ausnahmeregelungen (z.B. Verzicht auf Antwortpsalm und 2. Lesung) wirklich nur in Ausnahmefällen anwenden wollen, weil die Vorgänger den Gemeinden was anderes beigebracht haben.

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  3. Ich neige mehr und mehr zur Verschwörungstheorie, daß es Anselm Grün eigentlich nicht gibt. Vielmehr handele es sich um eine Phrasendreschmaschine (mit obskuren Quellen gefüttert), die in gewissen Abständen einen geistlich anmutenden Schmus auszuspuckt, den man als Buch verkaufen kann. Als Werbeträger hat man dann einen bärtigen Benediktiner dazu erfunden ... Spaß beiseite: Einfach haarsträubend, der katholisch(?).de-Beitrag.

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  4. Das P. (Pater = Ordenspriester) vor seinem Namen hat Anselm Grün längst abgelegt, wie das Haus Benedikt in Würzburg, das den Münsterschwarzacher Benediktinern gehörte, das St. (Sankt, Heilig) vor dem Namen.
    Mich wundert das alles nicht - aber es erschreckt mich immer wieder ...

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  5. Zum Thema 'Befugnisse von Kommunionhelfern' habe ich vor längerem mal folgenden Blogartikel verfasst:
    http://introiboadaltare.blogspot.de/2012/09/messbuch-und-rubriken-befugnisse-von.html

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  6. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    1. Niemand zwingt Sie dazu, katholisch zu werden oder zu bleiben, wenn es Sie so dermaßen anwidert, was diese Kirche seit 2000(!) Jahren glaubt und heilig hält!
      Ihre Meinung können Sie gerne weiterhin verbreiten, aber ich bitte Sie, dies woanders zu tun. Dies hier ist ein katholischer Blog, wenn Ihnen das nicht in den Kram passt, ist das Ihr Problem.

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    2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    3. Ok, ich hoffe es hat Ihnen Spaß gemacht. Weiteren solchen esoterischen Nonsens (für den mein Theologenherz immerhin beinahe eine Träne vergossen hätte) von Ihnen auf diesem Blog werde ich kommentarlos löschen. Sie können sich hiermit als geblockt betrachten.

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    4. Ja Herr Sophophilo ich wusste nicht , daß dieser Blog ihr persönlicher ist und bin auch der Auffassung , daß meine Schreibereien hier wirklich nichts zu suchen haben ! Ich habe sie auch somit unkenntlich gemacht !
      Ich wünsche Ihnen und Ihre Freunde weiterhin gute Unterhaltungen!
      Hubert Popp

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  7. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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Ich freue mich über Meinungen, (sinnvolles) Feedback und Hinweise aller Art. Fragen sind auch immer willkommen, eine Garantie ihrer Beantwortung kann ich freilich nicht geben. Nonsens (z.B. Verschwörungstheorien, atheistisches Geblubber und Esoterik) wird gelöscht. Trolle finden hier keine Nahrung.