Mittwoch, 20. Juni 2012

Vom falschen Ansatz

Das "Mysterium der Krönung" (orthodoxe Eheschließung)
Das größte Problem mit Memorandisten, Aufbrüchlern, Ungehorsamsaufrufern (vgl. c. 1373 CIC), etc. ist vielleicht dies, dass sie im Falle der "Wiederverheirateten" die Betroffenen instrumentalisieren und an den Pranger stellen, statt sie zu unterstützen. (Und mangels echter Katechese bringen sie diesen und all ihren Schäfchen auch noch bei, dass das so sein müsse.)

Meine vorherigen Beiträge zu diesem Thema mögen bei dem einen oder anderen den Eindruck erweckt haben, ich würde rigoristisch jeden "Wiederverheirateten" mit "Ehebrecher" abkanzeln und einfach "generell" jeden Sakramentenempfang ausschließen. Dem ist sicherlich nicht so. Das Generalisieren, genau das tun die oben genannten!

Es ist doch so: Es gab diese Fälle schon immer... eine Ehe geht (wohmöglich aus gravierenden und überaus tragischen Gründen) in die Brüche und es obliegt dem Pfarrer, für jeden Einzelfall nicht nur ein offenes Ohr sondern auch die nötige pastorale Sorge sicher zu stellen. Und dann ist es m.E. auch völlig legitim wenn dann eben der Pfarrer ohne viel Aufhebens zu machen (und v.a. ohne Öffentlichkeit!) sich hier gütig und weise erzeigt. Jeder kennt sicherlich Beispiele, wo Menschen nach schlimmen Erfahrungen nun treu und fromm seit Jahr(zehnt)en mit ihrem neuen Partner (zivilrechtlich) verheiratet sind. Darüber wird nicht öffentlich diskutiert oder abgestimmt, hier werden die Betroffenen in ihrer ernsten Lage auch dem entsprechend ernst genommen.

Wenn nun aber Kleriker und Akademiker sich hinstellen und eine "offizielle Anerkennung" solcher Praktiken fordern, dann ist das nichts anderes, als diese Praxis der weisen Güte und des wahrhaft seelsorgerlichen Eingehens auf den (oft tragischen) Einzelfall ungebührlich zu stigmatisieren und stattdessen eine allgemeine, "offizielle" und damit amtliche und öffentliche "Lösung" zu etablieren, welche die je eigene Situation nicht beachtet. Und das wird weder den Betroffenen noch der kirchlischen Disziplin irgendetwas Positives bringen. 
Statt des behutsamen Dienstes am Einzelnen soll ein "Recht auf Wiederheirat und Kommunionempfang" etabliert werden, das an Absurdität nicht zu überbieten ist.
So eine Praxis hätte dann auch zur Folge, dass Sünde nicht mehr Sünde genannt wird und somit auch keine Vergebung und keine Versöhnung stattfinden kann, auch wenn das die klerikalen Aktivisten gebetsmühlenartig behaupten... es wird das Gegenteil geschehen!

Oft wird der Verweis auf die Orthodoxie und die dortigen Praxis vorgebracht. Was man dann freilich verschweigt sind die Details: Wer weiß schon, dass es ein von der Kirche gewährter (oder versagter!) Gnadenakt ist, wenn eine zerbrochene Ehe für "moralisch tod" erklärt wird, und es keineswegs ein Anrecht darauf gibt?
Wer weiß schon, dass die zweite Ehe mit einer strikten Gesinnung der Buße verbunden ist und die Partner in der zweiten Ehe in der Regel eine oft jahrelange Bußzeit (samt Ausschluss von der Kommunion!) abzuleisten haben?
Wer weiß schon, dass in der Orthodoxie die Sakramente der Buße und der Eucharistie so eng mit einander verbunden sind, dass dort überhaupt nur sehr selten kommuniziert wird und i.d.R. nie ohne vorherige Beichte? Es herrscht dort also eine ganz andere sakramentale Praxis vor, die, nebenbei bemerkt, mit den Wünschen der Memorandisten völlig unvereinbar ist.
Solche Details werden gerne verschwiegen... Würde der Westen die orthodoxe Praxis übernehmen gäbe es einen Aufschrei: "Was fällt der Kirche ein, sich in unsere Privatangelegenheiten einzumischen?!"

Wichtig wäre es, dass den Priestern mehr Mittel, Wege und Kenntnisse an die Hand gegeben werden, damit sie die bisherige "inoffizielle", aber dafür der ernsten und sehr persönlichen Situation einzelner Betroffener gerecht werdenden Praxis noch besser mit der gebotenen Sorge begegnen können. Eine allgemein gültige offizielle Regelung wird weder der Sache noch der je eigenen Situation der Betroffenen gerecht.

Und wenn, wie Prof. Schockenhoff neulich bekundete, die Unauflöslichkeit der Ehe nicht infrage gestellt werden soll, dann müsste eigentlich jedem klar sein, dass eine offizielle Anerkennung einer Wiederheirat de facto unmöglich ist. Which is it?


Wenn nicht der Herr das Haus baut,
müht sich jeder umsonst, der daran baut.
Wenn nicht der Herr die Stadt bewacht,
wacht der Wächter umsonst.
Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und euch spät erst niedersetzt, um das Brot der Mühsal zu essen;
denn der Herr gibt es den Seinen im Schlaf. 
Kinder sind eine Gabe des Herrn,
die Frucht des Leibes ist sein Geschenk.
Wie Pfeile in der Hand des Kriegers,
so sind Söhne aus den Jahren der Jugend.
Wohl dem Mann, der mit ihnen den Köcher gefüllt hat!
Beim Rechtsstreit mit ihren Feinden scheitern sie nicht.
(Pslam 127; er wird seit dem 4. Jh. in der christlichen Eheliturgie gesungen)

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