Mittwoch, 17. September 2014

Spielverderber

Lehrer der Weisheit
»Mit wem soll ich also die Menschen dieser Generation vergleichen? Wem sind sie ähnlich? Sie sind wie Kinder, die auf dem Marktplatz sitzen und einander zurufen: Wir haben für euch auf der Flöte gespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt nicht geweint.
Johannes der Täufer ist gekommen, er isst kein Brot und trinkt keinen Wein und ihr sagt: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagt ihr: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder!« (Lk 7,31-34)

Jesus ist Realist. Er erzählt nicht nur das Gute, Heile, Schöne, sondern er kennt und benennt auch die Sünde, die Eifersucht, den Neid, die Intrigen der Menschen. Sein Realismus, und durchaus auch seine Beobachtungsgabe, geht so weit, dass er selbst die Welt der Kinder, die er andernorts selig preist ("Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder..."), nicht einfach rosafarben sieht und schildert.
Das Gleichnis von den spielenden Kindern (hier und in Mt 11,16-19 überliefert) ist einzigartig und in seiner Alltäglichkeit schon wieder ganz außergewöhnlich. Man hat es meist in eine von (mindestens) zwei verschiedene Richtungen ausgelegt: Einmal innerhalb des Volkes, sodann zwischen dem Volk und Gott.

1) Da sitzen Kinder auf dem Markt und wollen spielen. Die einen wollen etwas fröhliches Spielen, Musik machen und tanzen. Doch die anderen Kinder wollen nicht mitmachen. Dann wird vorgeschlagen, etwas trauriges zu Spielen, doch wiederum setzen sich die Spielverderber durch. Und am Ende spielt niemand, weil die Spielverderber allen das Spielen madig gemacht haben.
Es scheint sich darin der Widerstreit innerhalb des Volkes Israel gegenüber Jesus auszudrücken: Zuerst kommt Johannes der Täufer, doch den wollen nur wenige; dann kommt Jesus, doch den wollen noch weniger. Die Parteiungen verderben sich gegenseitig das "Spiel" und Jesus gerät in die Mühlen zwischen den einen die etwas wollen und den anderen, die nicht wollen. Und am Ende sind alle die Verlierer.
Also: Lassen wir uns nicht von den Spielverderbern reinreden, sondern halten wir uns an Gott und seine Kirche!

2) Die einen Kinder wollen etwas tun und sie verlangen, dass die anderen Kinder mitmachen. Wenn sie sich weigern, dem Willen und den Launen der Ersteren nachzukommen, werden sie gescholten. Nie kann man es ihnen recht machen, immer haben sie etwas auszusetzen und verweigern sich.
So in etwa gehen die Kinder Israels mit den Gnaden Gottes um: Sie wollen selbst bestimmen, sie wollen, dass Gott im wahrsten Sinne nach ihrer Pfeife tanzt. (Die redensart leitet sich hiervorn allerdings nicht ab; die geht auf das Motiv des "Totentanzes" zurück.) Konkret: Sie wünschen sich einen politischen Messias, der tut, was SIE im Sinn haben. Wird ihr Wille nicht erfüllt, gibt es Rüge. So wie das störrische Kind im Zorn sein Spielzeug zerbricht, wurde auch Jesus "zerbrochen".
Also: Seien wir keine Spielverderber und suchen wir nicht alles unter unseren Willen zu zwingen!

»Und doch hat die Weisheit durch alle ihre Kinder Recht bekommen.« (Lk 7,35)
Gott versucht es mit verschiedenen Mitteln. Johannes der Täufer tat es mit Furcht, rief zur Umkehr; Jesus ruft zum Glauben. Johannes sagte: "fleht um Erbarmen!" Jesus sagt "dankt für das Erbarmen!" Das Volk aber verschränkte sich in sich selbst, suchte und fand vermeintlich die Schuld bei dem, der gesandt wurde es zu erlösen.
Am Ende setzt sich die Weisheit durch. Es sind die Kinder der Weisheit, die am Ende mit dem Herrn siegen werden.

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