Freitag, 13. September 2013

Was Ehe löst?

Chagall - der verliebte Clown
In den letzten beiden Teilen (hier und hier) ging es darum, was Ehe nicht bindet. Es ist nicht unser Tun, was eine Ehe bindet, was ihr letztlich Bestand verleihen kann. Zwar begründet letztlich eine Entscheidung eine Ehe, nicht ein Gefühl, aber weder das eine noch das andere ist letztlich Garant für ihren Bestand.
Was aber "löst" denn eine Ehe?

Vor ein paar Wochen wurde das Ergebnis einer Umfrage zu diesem Thema veröffentlicht (hier). Als Gründe für eine Scheidung wurden genannt: 
- Untreue 
- Unerfahrenheit und Unreife
- autoritäres bzw. dominantes und auch gewalttätiges Verhalten

Mal von Hinten nach Vorn: 

- Autoritäres und gar gewalttätiges Verhalten. Wie kann es passieren, dass man solche Charaktereigenschaften nicht vor der Eheschließung bemerkt? Oder wurden sie bemerkt, aber hingenommen, in der Hoffnung einer eventuell irgendwann hoffentlich vielleicht einmal eintretenden Wandlung?
Tip: So wie ein Mann mit seiner Mutter umgeht, so wird er auch mit seiner Ehefrau umgehen!

- Unerfahrenheit und Unreife. Ehm... ja. Bzgl. Unreife gilt das gleiche wie eben schon: Sowas kann man feststellen! Erfahrung: Woher soll die Erfahrung denn stammen, wenn nicht aus dem gemeinsamen Leben? Das ist so ähnlich wie bei den Handwerksbetrieben, die keine Lehrlinge einstellen, weil sie nur qualifiziertes Personal wollen... wo soll das qualifizierte Personal herkommen? Wachsen die auf Bäumen? Woher soll die "Erfahrung" in Sachen Partnerschaft/Ehe kommen, wenn nicht durch das Leben einer solchen? "Mein Partner hat keine Erfahrung mit Kindern, darum will ich mit ihm keine Kinder."? WTF?

- Untreue. Was oft nicht gesehen wird ist, dass in den meisten Fällen (wenn der untreue Partner nicht schon to begin with ein promiskuitives A****loch ist) durchaus zwei Schuldige auszumachen sind. Wenn etwa die Frau ihrem Mann willkürlich (etwa um ihn für irgendwas zu "bestrafen") oder einfach aus fahrläßiger Ignoranz Zärtlichkeit und Nähe vorenthält. Nicht wenige ansonsten treue Männer werden so regelrecht in die Untreue getrieben. Männer brauchen körperliche Nähe. Viel davon! Und wenn sie die "zuhause" nicht bekommen, dann schauen sie sich anderswo um... (Weswegen auch ausgerechnet die Baby- und Kleinkind-Phase die ist, in der Untreue am häufigsten passiert. Liebe Mütter: Das Kind braucht viel Nähe. Aber vernachlässigt um Gottes Willen nicht die Väter!) Besonders wenn Frauen böswillig oder sonstwie intentional (manche Frauen meinen auch, ihren Mann durch einen planmäßigen Entzug von Nähe "erziehen" zu müssen/können!) den Männern die Nähe vorenthalten, dann führt das v.a. zu einem Ergebnis: Frust. Zum Fremdgang bedarf es dann oft nurnoch einer Gelegenheit. Andersherum gibt es das übrigens auch.
Außerdem ist Untreue nicht automatisch ein Grund für eine Trennung, denn wenn Christen eines tun sollen, dann Umkehren und Verzeihen (das gilt für alle Beteiligten)!

Also, die in der genannten Umfrage angegebenen Gründe für das Scheitern einer Ehe scheinen mir doch ziemlich befremdlich.
Ich bin immer mehr der Meinung, dass es dringend ausgiebige Vorbereitungen auf den Empfang des Ehesakramentes geben muss. Es ist doch erstaunlich, dass Priesteramtskandidaten und Bewerber für das Ordensleben jahrelange Vorbereitungen durchmachen müssen, aber für eine Eheschließung verlangt die Kirche nur ein Brautgespräch. Es ist ohne Probleme möglich völlig überstürzt und in aller Eile zu heiraten. Weder wird eine Zeit der Prüfung (ähnlich einem Postulat in einem Orden) verlangt, noch wird überhaupt die Latte recht hoch gelegt... die Ehe wird geradezu "vor die Säue" geschmissen. Der ganze Fokus liegt auf dem Rechtsakt, auf den entsprechenden Formularen und Bestimmungen. Nur ein absolutes Minimum an "Zustimmung" zu dem, was die Kirche von der Ehe lehrt, ist notwendig: Man darf die zentralen Aspekte nicht explizit ablehnen.

Natürlich ist das problematisch, weil es im Unterschied zum Priester- und Ordensleben das Recht jedes Menschen ist, sich zu binden. Aber die Tatsache, dass es sich hier um ein Sakrament handelt das ein ganzes Leben lang, so glauben wir ja, zwei Menschen beansprucht, verlangt eigentlich nach einem regelrechten "Skrutinium" ähnlich dem für Priesteramtskandidaten.

Pfarrer sollten den Mut haben zu ermahnen, Fristen zu setzen, unbequeme Fragen zu stellen und nichts zu verheimlichen. Ich hege keinen Zweifel, dass gerade bei der Nachkonzilsgeneration (wo sowieso alles "Sakramentale" auf institutioneller Ebene infrage gestellt wurde), die jetzt v.a. mit dem Problem von Scheidung konfrointieret ist, eine grottige Vorbereitung und ein gewaltiger Mangel an Wissen und Verständnis dessen vorherrscht, was eine sakramenale Ehe eigentlich ist. Daher auch das viele Blöken bzgl. "wiederverheiratet Geschiedener", ungeachtet der Tatsache, dass eine gültig geschlossene und vollzogene Ehe zwischen Getauften nicht geschieden werden kann und es folglich auch keine "Wiederverheiratung" geben kann. Das oben behandelte kann offenbar zwei Menschen trennen... aber es kann eine Ehe nicht lösen!

Was bindet denn nun also eine Ehe?

Kommentare:

  1. Deine Entfaltung der Scheidungsgründe ist mir, ehrlich gesagt, zu pauschal und ich fürchte, sie werden dem Leben, das unzählige Zwischentöne und Schattierungen (Schatten?) kennt, nicht gerecht. Auch der Vergleich mit Priestertum oder Ordensstand hinkt meiner Ermessens (wobei ich übrigens große Vorbehalte hege gegen die heutige Laiisierungspraxis, die hier aber das Thema sprengen würden).

    Daß viele Ehen viel zu leichtfertig geschlossen werden, liegt aber auf der Hand, und hier wäre tatsächlich eine viel strengere Vorbereitung nötig; zu denken wäre an eine Art "Ehe-Katechumenat", vielleicht ein halbes Jahr mit Gesprächen, Abendseminaren und nicht zuletzt mit dem Bußsakrament.

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    1. Ich habe ja auch eine sehr pauschale Ausgangsbasis verwendet (siehe Link zu den "Ergebnissen" der "Umfrage"). Die Intention ist auch nicht, das hier detailliert zu besprechen.

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  2. Eine intensive Vorbereitung auf die Ehe ist nicht zuletzt deshalb schwierig, weil die Ehepartner viel öfter als früher von unterschiedlichen Konfessionen oder Religionen sind.

    Mir war überhaupt nicht bewusst, was nun so "sakramentell" am Ehesakrament ist. Ihr spendet es einander, hieß es, und das war es.

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    1. Man stelle sich vor, die anderen Sakramente würden so behandelt:

      Was ist die Taufe? Der Priester gießt Wasser über deinen Kopf.
      Was ist die Firmung? Der Priester beschmiert dich mit Öl.
      Was ist die Eucharistie? Keks!
      Was ist die Beichte? Du sagst dem Priester es tut dir Leid und er sagt dir "Is schon ok".
      Was ist die Priesterweihe? Der Bischof legt dem Mann die Hände auf.
      Was ist das Ehesakrament? Ihr spendet es einander.

      Sehr häufig ist das wohl wirklich so oder so ähnlich.
      Jedenfalls wird darum im kommenden Teil dieser kleinen Reihe gehen...

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