Montag, 23. September 2013

Das Vermächtnis des Erzbischofs

Ich muss mich mal eben etwas auskotzen... das wird etwas harsch.

Dass mein ehemaliger Bischof nun als Apostolischer Administrator seiner früheren Diözese eingesetzt ist aber den Vorsitz der DBK ihrer Satzung zuwider bis zum Ende seiner Amtsperiode ausübt, ist ein ziemlich klares Zeichen, dass man ihn von Seiten des Vatikans schnell weg haben will ohne Aufsehen zu erregen. So ist sichergestellt und ihm klargemacht, dass er im Frühjahr seinen Abschied nimmt. Wäre es anders, hätte man ihn auch genausogut als Erzbischof bis zum Frühjahr belassen können.

Ich habe mich hier ja schon des öfteren über meinen Ex-Bischof aufgeregt und ich bin sehr froh, ihn los zu sein. Meine Enttäuschung hat im Grunde genommen schon vor drei Jahren Talsohle erreicht, als er den Dialogprozess aus der Taufe hob. Engelbert Recktenwald brachte es (hier; überaus lesenswert!) mit Bischof Kamphaus auf diese Worte:
»Der Maßnahmenkatalog, den der Erzbischof vorschlägt, scheint mir die Fortsetzung des Weges in die innerkirchliche Lähmung zu sein, den die Kirche Deutschlands seit über vierzig Jahren angetreten hat und den beispielsweise Bischof Kamphaus vor fünfzehn Jahren kritisierte, als er das Kirchenvolksbegehren mit den Worten ablehnte: “Wieder mal stehen innerkirchliche Fragen an erster Stelle. Und das ist schlecht. Es dreht sich alles um die Kirche. Die Kirche dreht sich um sich selbst. (...) Wir sind auf dem besten Wege, eine Beamtenkirche zu werden, eine Funktionärskirche, die sich überall anpaßt, es allen recht machen will und niemanden verletzen will, niemandem weh tut, aber am Ende auch niemanden mehr heilt. Eine solche Kirche brauchts eigentlich nicht."*«

Es fällt mir schwer, eine irgendwie positive Laudatio auf den nun seeehr laaangsam scheidenden Erzbischof zu denken, weil ich leider auch aus nächster Nähe mitbekomme, was er alles getan und was er nicht getan hat. 
Er beraumt eine Diözesanversammlung an, die vor Ignoranz und Selbszentrierung nur so trieft, und zugleich lässt er dummdreiste Kleriker und Professoren locker-flockig einen Ungehorsamsaufruf nach dem anderen proklamieren. Professoren, die auf Anti-Papst-Veranstaltungen vor dem Besuch des Pontifex als Referenten teilnehmen (und die zwei Jahre später an der Diözesanversammlung den Atheismus predigen *hust*); Priester, die gegen das Kirchenrecht verstoßen, andere zum Ungehorsam aufrufen und sich dann als Ritter der Barmherzigkeit medial feiern lassen (z.B. hier und hier). In meiner Diözese ist die Lage sogar dergestalt richtig lächerlich, dass es keinderlei Rechtssicherheit, etwa auf Pfarreiebene, gibt: Hier kann ein Pfarrgemeinderat (der laut Kirchenrecht eine den Pfarrer beratende Funktion hat!) ohne mit der Wimper zu zucken gegen Pfarrer und Ordinariat "Beschlüsse" fassen, und nichts passiert... im Ordi guckt man nur perplex und nimmt es hin (konkret geht es um ein Obdach für die hiesigen Summorum Pontificum-Leute: der Pfarrgemeinderat einer Gemeinde, die das Ordinariat ausgewählt hatte, will in einer ihrer Filialkirchen offenbar lieber gar keine hl. Messen, als dort die "alte" Messe zuzulassen). 
Und beim letzten Ungehorsamsaufruf waren sogar ein paar hochrangige Funktionäre bei der Verabschiedung des ziemlich dümmlichen Papiers dabei (siehe hier). Folgen? Nix. Nicht einmal eine harmlose Ermahnung gab es.

Was Robert Zollitsch tat hat Lähmung und dauernde Nabelschau zur Folge. Was er unterlassen hat wird Zersetzung zur Folge haben. Aus guter Quelle weiß ich, dass etwa beim jüngsten Meilenstein des Dialogprozesses, das Forum über Liturgie in Stuttgart, wieder viel (nichtliturgische!) Politik betrieben wurde (so wurde z.B. die Sexualmoral der Kirche vom ZK-Chef Glück recht ausschweifend beharckt...) und alles in allem ein riesiges Bildungsloch in der "Deutschen Kirche" (von der dort häufiger die Rede war) klafft... die Menschen die sich dort über "Liturgie" austauschten, haben in der Mehrheit keine Ahnung, was Liturgie ist. Das hindert den ehemaligen Erzbischof freilich nicht, ganz stolz auf dieses Getue zu sein.
Ich hoffe sehr, dass es möglich ist, den größten Schaden abzuwenden... Nochmal Engelbert Recktenwald:
»Der Ausstoß von Diskussionspapieren hat noch keinen Heiligen hervorgebracht.«


Aktuell noch dies: Es wundert mich nicht übermäßig, dass ausgerechnet jetzt, da in Limburg ein Versöhnungsprozess anläuft, Robert Zollitsch nochmal einen kräftigen Hieb in die Kerbe haut, die die Medien in den letzten Monaten so emsig geschlagen haben (siehe hier). Das teure Diözesanzentrum in Limburg schade der ganzen Kirche in Deutschland. Das passt irgendwie, dass er sich so von den Medien "inspiriren" lässt. Zumal er selbst sagt, dass erst noch ermittelt werden muss, WARUM es eigentlich so teuer wurde... er weiß also selber nicht, ob es vielleicht unvermeidbar war?
Ich meine, dass die Initiativen von Ex-Erzbischof Robert und sein Nichthandeln an entscheidenden Punkten der Kirche in Deutschland sehr viel mehr geschadet haben als die Ausgaben für ein Begegnungszentrum in Limburg!


* Weiß jemand, wann/wo genau Kamphaus das gesagt hat?

Kommentare:

  1. Ich denke, es ist äußerst SINNVOLL daran zu erinnern, dass das Christentum die Lieblosigkeit in dieser im Hinblick auf eine zukünftige Welt zurückdrängen will. Der Artikel vom "Auskotzen" trägt dazu sicher nicht bei, selbst wenn ich ihm inhaltlich sehr gut folgen kann. Mit Enttäuschungen umgehen zu lernen ist für mich das, was den Fortschritt ausmacht.

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  2. Lieblosigkeit würde ich diesem Artikel nun nicht bescheinigen; es werden - gewiß mit einem gewissen Eifer, der aber das Angemessene nicht hinter sich läßt - Kritikpunkte beleuchtet und nochmals abschließend bewertet. Das sollte - zumal auf einem Blog, der ja auch dient, um solche Befindlichkeiten öffentlich zu reflektieren - möglich sein.
    Angesichts diverser Entwicklungen in Teilen der Kirche halte ich die Rückzugsparole "mit Enttäuschungen umgehen lernen" für brandgefährlich - sofern (!) sie zu Passivität (ver-) führt. Der Herr hat sein Testament in menschliche Hände gelegt, Risiken und Nebenwirkungen inbegriffen: Das heißt auch, daß wir um das Reich Gottes Sorge tragen und - wenn nötig: besonderen - Eifer zeigen sollen: "Quoniam zelus domus tuae comedit me" (Ps 68, 10).

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    1. Ich verstehe das ja. Ich bin ja sogar der Auffassung, dass Splitter in den Augen meiner Nächsten nicht ignoriert werden dürfen. Aber da ist halt die Sache mit dem Balken... Ein katholisches Thema mit viel Tradition.

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    2. Also dürfen Gläubige ihren (Ex-)Bischof nicht kritisieren, weil sie ja selber auch Sünder sind? Also ist Kritik in der Christenheit gänzlich unmöglich?

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  3. Wir sollten endlich einmal wegkommen von diesen vordergründigen, in der Regel isolierten und verallgemeinernden Deutungen einzelner Herrenworte (wie etwa bei Mt 7, 3). Man mag sich damit besser fühlen (emotional gemeint!), springt aber zu kurz.

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