Montag, 2. September 2013

Tätige Vereinigung mit Gott

»Sogar bezüglich des Maaßes der Gnaden und der Stufe der zukünftigen Glorie müssen wir mit dem Willen Gottes einverstanden sein. [...] Manche, welche mystische Bücher gelesen haben, verlangen nach jener außergewöhnlichen Vereinigung mit Gott, welche die leidende genannt wird; allein ich wünschte weit mehr, daß sie nach der thätigen Vereinigung, das heißt nach der vollkommenen Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes Verlangen trügen, in welcher, wie die heilige Theresia sagt, die wahre Vereinigung der Seele mit Gott besteht. Wenn wir uns selbst absterben, wenn wir auf die Befriedigung unserer eigenen Wünsche verzichten, damit nur der göttliche Wille in uns lebe, so findet auf uns das Wort des Apostels Anwendung: "Ich lebe, doch nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir." - Es wäre auch ein großer Fehler, Verzückungen, Visionen, Offenbarungen u. dgl. zu wünschen. Die Lehrer des geistlichen Lebens sagen sogar, daß diejenigen, welche sich mit solchen Gnaden beschenkt sehen, Gott bitten sollten, ihnen dieselben wieder zu entziehen, damit sie ihn auf dem einfachen Wege des Glaubens, welcher der sicherste ist, lieben könnten. Viele Heilige sind ohne diese außerordentlichen Gnaden zur Vollkommenheit gelangt; nur die Tugenden, insbesondere die Ergebung in den Willen Gottes, machen uns heilig.«

(Alfons Maria von Liguori, Schule der christlichen Vollkommenheit)

Kommentare:

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