Im Zeitalter der ständigen "Kontroversen" über bereits abschließend geklärte Sachverhalte, ist es schwer, den Überblick zu behalten...
Quizfrage an meine werten Leser:
Auf welche "Kontroverse" bezieht sich der folgende Text? Ein Tip: Das ganze spielt nach dem letzten ökumenischen Konzil. Den Autor des Textes
kann ich nicht nennen, weil man sonst Rückschlüsse auf das Thema ziehen könnte. Noch ein Tip: Der Zitierte Abschnitt bildet den Schluss eines längeren Textes. Der Gewinner bekommt einen Keks.
»Gerade jene, die nicht nur unentwegt "Dialog" und "Kommunikation" von anderen fordern, um ihre Meinungen ins Spiel zu bringen, sondern die zugleich den Weg vertiefter Wahrheitserkenntnis durch Studium, Nachdenken und Gebet abgelöst haben durch ein dauerndes sich-Stichworte-geben und diskursives Konsensmachen, gerade diese praktizieren mit Fleiß Kommunikations- und Dialogverweigerung denjenigen gegenüber, die das Mitmachen am Aufbau der Verweigerungsfront verweigern. Der heftig an anderen geforderte "herrschaftsfreie Diskurs" verkümmert zum Binnenritual von Gleichgesinnten. Andere werden, durchaus in Ausübung von sozialer Herrschaft, "exkommuniziert".
In der Sache ist zu beachten: die Kontestation beschränkt sich längst nicht mehr auf die Inanspruchnahme des klassischen Gewissensvorbehalts (unüberwindlich irriges, subjektiv lauteres Gewissen); auch stützt sie sich keineswegs nur auf die verbreitete, von den Kontestatoren aufgebaute und sorgfältig gehütete, Meinung, die Sache sei kontrovers, die Lehre nicht unfehlbar, das Gewissen könne also ggf. frei sein... Nein, dies alles wird strikt als zu kurz greifend abgelehnt. Man will eine öffentlich vertretene, lehrmäßige wie lebenspraktisch mindestens faktisch legitimierte, generell andere, zur authentischen Lehre konkurrierende Auffassung in der Kirche installieren. Die Irr-lehre soll in der Kirche personell, sozial und auf möglichst hoher Ebene etabliert werden, gleichsam Heimatrecht durchsetzen.«
»Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der
Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn.«
(Mt 7,14)
Von Churchill stammt der Spruch: "No one pretends that democracy is perfect or all-wise. Indeed, it has
been said that democracy is the worst form of government except all
those other forms that have been tried from time to time."
Das heutige Evangelium ist wohl der biblische Beleg dafür, und so manche Länder, etwa Frankreich, geben sich gerade alle Mühe das zu beweisen, dass man mit Demokratie nicht in den Himmel kommt.
Bin ich froh, dass die Katholische Kirche keine Demokratie ist, sondern eine absolute Monarchie... Jesus Christus ist dieser absolute Monarch!
Nachtrag: Ein schöner (exgetisch vllt. nicht ganz korrekter) Gedanke, der mir heute begegnet ist: Das enge Tor ist nicht darum so eng, damit nur "Wenige" durchpassen, sondern damit nur "Weniges" durchpasst... nämlich nur wir, ohne all die Lasten, die wir mit uns rumzutragen gewohnt sind.
»Da sind die beglückend emporgewachsenen Hoffnungen des Priesterberufs, der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Priester, die in großer Zahl - und doch niemals genug! - im reiche Gottes wirken, da die jungen Männer in den Seminarien, in den Ordenshäusern; da sind schließlich - warum auch nicht? sind nicht auch sie Christen? nicht auch sie berufen, Apostel zu sein? - die Studierenden auf den katholischen Universitäten; da sind die Hoffnungen all der anderen aufsteigenden Kräfte eines künftigen, noch nicht absehbaren Laienapostolates. Eines Apostolates, das sich ausbreitet, ungeachtet aller Schwierigkeiten und Hemmnisse, bis hinein in die Völker, die unter Verfolgungen zu leiden haben; dort opfert es und hört nicht auf zu opfern und ist so ein Schauspiel voller Trost, das zu Worten der Bewunderung und der Freude hinreißt. "Licht zur Erleuchtung der Heiden" (Lk 2,32), Herrlichkeit des auserwählten Volkes.«
Diese Prophetischen Worte, diese Hochschätzung und Betonung der Sendung der Laien, die nicht minder berufen sind, "Apostel zu sein" und "zu opfern", stammen vom seligen Papst Johannes XXIII (Geistliches Tagebuch, S. 388).
Interessant ist auch, woran er dies festmacht: Am Rosenkranzgebet.
Der Papst geht aus vom vierten Geheimnis des freudenreichen Rosenkranzes "... den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast." Die Opferbewegung Mariens sieht Johannes in der Kirche fortgesetzt, natürlich ist hier v.a. die Eucharistie gemeint . Aber er geht darüber hinaus und bezieht alle Gläubigen in diese Bewegung Mariens mit ein; alle Glieder der Kirche sollen Zeichen der Hoffnung sein, Trost spenden und zur Freude hinreißen.
Für Papst Johannes ist der Rosenkranz hierzu der Schlüssel. Ich kann ihn darin gut verstehen...
Paulus wird ja bekanntlich alle Nase lang Frauenfeindlichkeit unterstellt. So mancher Neutestamentler schwingt gern diese Keule, um die Bedeutung und die Sympathie des "Spätberufenen" zu minimieren.
Eine zentrale Textstelle dafür ist ein zugegebenermaßen schwieriger Text aus dem Ersten Brief an die Korinther. Der Text ist in der gegenwärtigen Leseordnung fein säuberlich ausgespart worden. Ob er im alten Messbuch auftaucht, konnte ich noch nicht klären. Es geht um die Anweisungen des Paulus zum Verhalten der Frauen beim Gottesdienst (1Kor 11,1-16). Dieses "eigentliche Thema" lasse ich mal unberücksichtigt und kümmere mich nur um die erklärenden Einschübe.
»3 Ihr sollt aber wissen, dass Christus das Haupt des Mannes ist, der Mann das Haupt der Frau und Gott das Haupt Christi. [...]
7 Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen, weil er Abbild und Abglanz Gottes ist; die Frau aber ist der Abglanz des Mannes.
8 Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann.
9 Der Mann wurde auch nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau für den Mann.«
Diese Passage kann als hauptverantwortlich dafür gelten, dass in der Geschichte des Christentums die Frau lange Zeit "entwertet" wurde. Aber natürlich nicht nur dort, auch die säkulare Philosophie beherrscht dieses Spielchen; ein prominenter Vertreter ist hier sicherlich Arthur Schopenhauer.
Es ist eine Steile These, die Paulus hier bringt: Der Mann ist Abbild Gottes, die Frau "nur" Abbild des Mannes. Daraus zogen schon die Kirchenväter den Schluss, dass die Frau nicht Abbild Gottes ist (trotz der klaren Aussage in Genesis 1: Gott schuf den Menschen als Mann und Frau nach seinem Bilde). Man sah darin fast so etwas wie einen wesensmäßigen Unterschied zwischen Mann und Frau. Bis ins 20. Jahrhundert wurde so auch hauptsächlich die Unmöglichkeit einer sakramentalen Weihe von Frauen begründet (auf der Grundlage von Thomas).
Ich fühle mich nun genötigt, Paulus wiedermal in Schutz zu nehmen. Ein Versuch. Dass damit nicht alles geklärt sein wird, ist mir klar.
Verse 3 und 7. Steigen wir direkt ein mit der brisantesten Frage, nämlich wer hier Abbild Gottes ist und wer (angeblich) nicht.
Zu sagen, Paulus behaupte, die Frau sei nicht Abbild Gottes, nur der Mann, scheint mir doch sehr oberflächlich und irrwitzig zu sein. Für Paulus ist die Beziehung Gottes zu seiner Schöpfung offenbar hierarchisch und mehrfach gestuft aufgebaut. In "absteigender" Linie wird das mit dem "(Ab)Bild von" oder "(Ab)Glanz von" angezeigt (im Griechischen steht hier doxa, was die Vulgata mit "gloria" wiedergibt), in "aufsteigender" Betrachtung mit "Haupt von" (im Griechischen ist das kephale, Kopf).
Ganz oben Steht für Paulus Gott (der Vater), der, von "unten" besehen, "das Haupt Christi" ist; in absteigender Sicht ist Christus dementsprechend "Bild des unsichtbaren Gottes" (Kol 1,15). Der Sohn, Christus, ist wiederum, so Paulus von "unten" in der aufsteigenden Perspektive, das "Haupt des Mannes" und der Mann dann folglich, von "noch weiter unten" betrachtet, das "Haupt der Frau". Von "oben" her betrachtet gilt dies umgekehrt in der Abfolge der "(Ab)Bilder".
Daraus kann man nun aber keineswegs schließen, dass die Fau nicht Christus zum Haupt hätte oder nicht sein Abbild sei, bloß weil Paulus in der Textkomposition noch je den Mann quasi dazwischengeschaltet hat.
Wollte sich die Frau beschweren: der Mann habe Christus zum Haupt, sie aber "nur" den Mann, oder: sie sei nur Abbild des Mannes und nicht etwas Bild Christi, so wäre das in etwa so, als würde sich der Mann beschweren, dass Gott Vater nur dem Sohn als Haupt gegeben ist, nicht aber ihm. Und als sei folglich er, der Mann, "nur" Abbild Christi, nicht aber auch Abbild Gottes des Vaters. Solch eine Beschwerde wäre aber Nonsens.
Die Lösung ist, dass diese angedeuteten "Stufen" offensichtlich nicht regelmäßig verlaufen. Zwischen Gott und Mensch, Vater/Sohn und Mann/Frau besteht ein Bruch, ein Abgrund geradezu. Zugleich besteht jeweils auf der menschlichen wie auf der göttlichen Seite dieses Abgrundes eine deutliche Verschrenkung der auf den ersten Blick scheinbar so schroff unterschiedenen "Stufen". Denn natürlich hat auch der Mann Gott Vater zum Haupt (wenn auch anders geartet, als Christus) und die Frau hat natürlich auch Christus zum Haupt.
Alle Menschen, Mann und Frau, sind nach der Lehre des Paulus gleichermaßen Abbild Gottes. Gottebenbildlichkeit bedeutet für Paulus immer Christusebenbildlichkeit. So kann Paulus sagen: "Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein" (Röm 8,29). Paulus glaubt sicherlich nicht, dass nur Männer von Gott erkannt wurden.
Wie eng diese Verschrenkung der scheinbar getrennten "Stufen" auf der Seite des Menschen sind, sagt Paulus in der selben Textstelle, in Vers 11 auch sehr deutlich: "Doch im Herrn gibt es weder die Frau ohne den Mann noch den Mann ohne die Frau." (1Kor 11,11)
Was die Verse 8 und 9 betrifft, so darf hier gleichfalls keine wesensmäßige Hierarchisierung und damit eine Abwertung der Frau herausgelesen werden, da diese Verse lediglich die Chronologie von Genesis 2 wiedergeben. Schließlich weiß auch ein Paulus, dass alle Menschen, auch die Männer, von Frauen geboren werden, also der Mann durchaus "von der Frau stammt". Und er sagt dies auch ausdrücklich und löst damit diesen kurzen Nachvollzug der Chronologie von Genesis 2 abrupt auf, wenn es in Vers 12 der selben Textstelle heißt: "Denn wie die Frau vom Mann stammt, so kommt der Mann durch die Frau zur Welt; alles aber stammt von Gott." (1Kor 11,12)
"Bild" bzw. "Abglanz des Mannes" (Vers 7) kann übrigens problemlos auch im Lichte dieser Chronologie gedacht werden. Und eben nicht so, als seien Frauen irgendwie weiter von Gott entfernt als Männer...
In Genesis 2 wird erzählt, dass Gott dem Menschen die Tiere zuführt, weil er nicht will, dass der Mensch alleine ist. Aber unter den Tieren findet er kein Gegenüber, nichts, was ihm "entspricht", kein Abbild. Gott schafft also, aus der Seite des Menschen, die Frau: Sie "entspricht" ihm, sie ist sein "Bild", sie ist Mensch wie er: "Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch." Der Mann erkennt sich in der Frau als Mensch und vice versa.
Eine Hierarchisierung kann man aus dem zweiten Schöpfungsbericht zwar herauslesen, man muss es aber nicht. Und tatsächlich wurde das in der jüdischen Tradition auch unterschiedlich getan. Paulus greift diesen Bericht auf, ohne damit eine Wertung zu verknüpfen. An anderer Stelle wird jedoch evident, dass Paulus gerade nicht "diskriminiert". Eine solche "Diskriminierung" würde seinem Denken ja auch völlig zuwiderlaufen (wie wir das auch heute in der zweiten Lesung hörten): »Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid "einer" in Christus Jesus.« (Gal 3,26-28)
Wie ist aber nun diese "Unter-" oder vielleicht besser "Nachordnung" der Frau zu erklären? Was sagt sie aus? Auch das ist weniger dramatisch, als es zunächst scheint.
Paulus erweist sich hier als Kind seiner Zeit und seiner jüdischen Kultur. Und er gerät dadurch keineswegs in Konflikt mit der Botschaft Jesu, dessen "Fraunfreundlichkeit" allzuoft deftig überzeichnet wird. Jesus hat ja keineswegs die bestehenden Geschlechterrollen abgeschafft (wer das anders sieht, möge mir die ensprechende Schriftstelle Zeigen). Jesus war außerordentlich offen und herzlich zu Frauen und gerade auch zu den notleidenden und "Unreinen". Er war gewiss auch von zahlreichen, wir wir heute sagen würden, "emanzipierten" Frauen umgeben, die ihm nachfolgten oder ihn (z.B. finanziell) unterstützen (vgl. Lk 8,1-3). Er hat dadurch so mache Konventionen gebrochen. Aber die damals übliche Stellung der Frau zum Mann zog er nicht in Zweifel. Das kann man beispielsweise andeutungsweise an dem sehen, was ich neulich im Zusammenhang mit der Frage nach der Ehescheidung erwähnte (hier): Eine Frau aus der Ehe zu entlassen heißt, so
Jesus, sie dem Ehebruch auszuliefern: "Wer seine Frau aus der Ehe entläßt,
liefert sie dem Ehebruch aus." (Mt 5,32) Denn um (etwa finanziell) überleben zu können,
muss sie sich einen neuen Mann suchen. Dass die Dinge in der damaligen Gesellschaft derart geordnet sind, kritisiert Jesus nicht.
Dies gesagt, können wir das Urteil des Paulus in dieser Hinsicht nicht plump als "unchristlich" abtun, sondern müssen vielmehr sehen, dass das Christentum in dieser Hinsicht keine Revolution gebracht hat. Jesus war ein Jude unter Juden und Paulus nicht minder: "Ich wurde am achten Tag beschnitten,
bin aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern,
lebte als Pharisäer nach dem Gesetz" (Phil 3,5). (Wesentliche Merkmale, die den Juden zum Juden machen: 1. Von einer jüdischen Mutter geboren. Check. 2. Unter dem Gesetz erzogen [v.a.: beschnitten]. Check. Paulus war Jude durch und durch. Jesus auch.)
Auf diesem, von seinem jüdischen Herkommen aus besehen selbstverständlichen Standpunkt, breitet nun Paulus in 1Kor 11 seine Ansichten (!) über das Verhalten der Frauen beim Gottesdienst aus. Und er verkündet hier übrigens auch schwerlich ein göttliches Gebot oder dergleichen... es hat eher was mit (jüdischer!) Gewohnheit und "gutem Ton" zu tun, was dadurch offensichtlich wird, dass er in seiner "Argumentation" dazu kommt zu sagen: "Urteilt bei euch selbst, ob es sich ziemt..." (1Kor 11,13). Paulus schließt denn auch seine Erläuterungen ganz locker ab, wenn er schreibt: "Ist aber jemand unter euch, der Lust hat, darüber zu streiten, so soll
er wissen, dass wir diese Gewohnheit nicht haben, die Gemeinden Gottes auch
nicht" (Vers 16).
Was uns aber die Ausführungen des Paulus mit ihren "Nachordnungen" dennoch lehren können ist dies: Der Gehorsam gegen Gott in Christus gilt absolut: "Alles hat er ihm zu Füßen gelegt und ihn, der als Haupt alles überragt, über die Kirche gesetzt." (Eph 1,22) Und dieser Gehorsam gilt auch im irdischen und alltäglichen Bereich: Da wo uns Gott will, wo er uns hinstellt. Sei es im priesterlichen Amt oder in der Ehe und der Familie. Der Gehorsam gegen Gott MUSS sich im konkreten Gehorsam gegenüber den Menschen äußern, wo wir diesen Menschen, und diese Menschen uns, zur Hilfe, zum Dienst, zur Liebe anvertraut sind. Das betrifft in besonderer Weise die Eheleute - und zwar alle beide! "Der Mann soll seine Pflicht gegenüber der Frau erfüllen und ebenso die Frau gegenüber dem Mann. Nicht die Frau verfügt über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt nicht der Mann über seinen Leib, sondern die Frau." (1Kor 7,3-4)
Paulus führt das in Eph 5,21-25 breit aus:
»21 Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus.
22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn (Christus);
23 denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist; er hat sie gerettet, denn sie ist sein Leib.
24 Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, sollen sich die Frauen in allem den Männern unterordnen.
25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat«.
Der Schlüssel zum Verständnis ist hier der erste Satz: "Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus." Oder, wie Luther und die Elberferlder Bibel es übersetzen: "Ordnet euch einander unter". Paulus geht natürlich von einer Unterordung der Frau unter den Mann aus, wie es in seiner Zeit allgemein üblich war, aber er bringt insofern eine großartige Neuerung, als er eine Reziprozität einführt, die in seiner Umwelt sonst unbekannt ist. Diese Wechselseitigkeit, die letztlich auch den Mann zur "Unterordnung" unter die Frau verpflichtet, ergibt sich aus der Liebe, die alle Glieder des Leibes Christi für einander pflegen müssen: "Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer. Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt."
(Röm 13,8)
Dass er diesen Aspekt in jenen Ausführungen über das Verhalten im Gottesdienst nicht benennt, mag schlicht daran liegen, dass dieses Verhältnis von Frau und Mann, wie schon gesgat, nicht Thema seiner Ausführungen ist; ihm geht es dort um das konkrete Geschehen beim Gottesdienst, nicht um den anthropologischen Unterbau. Anders, in der eben angeführten Stelle aus dem Epheserbrief.
Dass dieser schwierige Text nicht (mehr?) in der Perikopenordnung der römischen Messe auftaucht, ist auffällig. Es drückt sich darin aber wohmöglich eine gewisse Scham darüber aus, dass dieser Text jahrhundertelang dazu missbraucht wurde, der Frau regelrecht ihre Gottebenbildlichkeit abzusprechen; von ihrer Unterdrückung durch den Mann ganz zu schweigen.
Gestern war wieder einmal ein Konzert im Vatikan (hier zu sehen und v.a. zu hören). Der Stuhl des Papstes blieb leer.
Auf den Blogs brodelt es deswegen gerade mächtig. Und nicht nur diskutiert man die Gerüchte, denen zufolge der Papst die Veranstalter und Teilnehmer des Konzertes gestern absichtlich brüskiert habe. Nein: Man schüttet bei der Gelegenheit auch gleich mal all die Ressentiments aus, die man seit 100 Tagen aufgestaut hat. Ein Banause sei der Papst, ein Kunstverächter, ein Ungebildeter. Seine täglichen Predigten seien (im Vergleich mit den großen Festtagspredigten seines Vorgängers!) banal, seine Worte an die apostolischen Nuntien, denen zufolge er keine herrschaftlichen oder professoralen Bischöfe wolle, werden als Breitseite auf Benedikt uminterpretiert und und und...
Dass er die renitenten Ordensfrauen in den USA zurechtgestutzt hat, die Treue zum Nachfolger Petri predigt, politisch Unkorrektes beharrlich ausspricht, bei jeder sich bietenden Gelegenheit dem Relativismus den Spiegel vorhält, die "alte" Messe als kostbaren Schatz anerkennt, ein unbedingtes "Ja" zum Leben proklamiert und vieles mehr - all das genügt den "benedikttreuen", die sich fälschlich als "papsttreu" betracht(et)en nicht. Sie wollen ihren Akademikerpapst zurück. Darum!
Ein Papst der nicht singt? Schlimmer noch: Ein Papst, der nicht promovierter Theologe ist? Bloß nicht! An anderen Tagen regen sich dann die selben Leute über die vielen häretischen doctores theologiae auf...
Man heuchelt die Sehnscht nach einem treuen Hirten, nimmt es aber Franziskus übel, dass er genau dies nur sein will. Man sieht geradezu schon die Kathedra des Bischofs von Rom zu Kleinholz zerfallen...
Leute, wir sollten jetz' alle ma' wieder runter komm'n!
Mir ist es im übrigen gar nicht so unsympathisch, obwohl ich selbst durchaus für die Künste brenne, wenn der Papst seine Zeit "produktiver" d.h. für die Menschen einsetzt.
Wenn es Absicht war (und man beachte: wir kennen den Grund nicht!), dann zeigt das nur noch mehr sein unermüdliches und durchaus nonkonformistisches Engagement für die Menschen in jeglicher Not. Es kursierte ja schon kurz nach der Wahl jenes funfact, Kardinal Bergoglio habe den Ruf, sich bei derlei Anlässen und Empfängen nur so kurz wie möglich aufzuhalten. Damals fragte ich mich schon, was wohl passieren würde, wenn, wie so oft, der Pontifex wieder einmal ein Konzert geschenkt bekommt... Jetzt weiß ich es, und bin nicht überrascht.
Die Musik war trotzdem schön.
Oft übersehen und doch im Zeitalter der Neuevangelisierung von großer Bedeutung. Jesus stellt uns allen, noch bevor er uns fragt, für wen wir ihn halten, die Frage:
»Für wen halten mich die Leute?«
Ja... für wen halten die Leute eigentlich Jesus? Jener eine einzelne Mensch, der vielleicht aus Neugierde, vielleicht bei einem Nightfever auf der Straße eingeladen in die Kirche kommt... Für wen hält dieser Mensch Jesus? Könnten wir Jesus seine Frage beantworten?
Beim Studium der Dekrete des Konzils von Trient über die Ursünde und die Rechtfertigung, stieß ich in Ersterem auf ein winziges Detail, das mir prompt die komplexe Materie versüßte: Bei der Beschreibung der Tatsache, dass auch die Getauften Sünder bleiben, schreiben die Väter des Konzils:
»Dass aber in den Getauften die Begehrlichkeit bzw. der Zündstoff bleibt, bekennt und verspürt (sentit) dieses heilige Konzil«. (DH 1515)
Das Dekret wurde in der ersten Junihälfte 1546 ausgearbeitet und man kann sich sehr gut vorstellen, wie die Konzilsväter im italienischen Sommer vor sich hinschwitzen... Was war noch gleich die Folge der Ursünde für den Mann? "Im Schweiße deines Angesichts, sollst du dein Brot essen" (Gen 3,19).
Meines Wissens findet sich nirgends sonst in irgendwelchen Konzilsakten eine so "persönliche Note".
Da scheint für mich sehr deutlich das immer auch menschliche Antlitz der Kirche durch. :)
Erwähnte ich schon, wie gern ich katholisch bin?
PS. Mein Dogmatik-Prof ließ einmal das folgende Aperçu zum Tridentinum verlauten (in Anlehnung an die Tatsache, dass der Papst nicht selbst teilnahm und deswegen ständig Post zwischen Trient und Rom hin- und herging): "Das Faszinierendste am Konzil von Trient ist, wieviele Pferde dafür totgeritten wurden."
... no comment
Nun war ich ja schon am Beginn meines katholischen Weges Ratzinger- bzw. Papstfan und habe mir daher auch immer wieder seine öffentlichen Auftritte und die darin enthaltenen Predigten und Katechesen nicht entgehen lassen. Jede Woche gab und gibt es auch beim Nachfolger mindestens zwei Gelegenheiten dazu.
Immer wenn ich von manchen Theologen und Möchtegernkirchenvertretern höre, die Bischöfe sollten mehr Eigenverantwortung erhalten und weniger vom Papst abhängen, komme ich nicht umhin, mich zu wundern.
Zunächstmal, weil immer so getan wird, als dürften die Bischöfe nicht einmal den Mund aufmachen, ohne vorher in Rom um Erlaubnis zu fragen. Was nicht stimmt. Zum anderen, und das ist hier das Thema, sehe ich ehrlich gesagt nicht, womit das gerechtfertigt wäre.
Mein Bischof z.B., Eminenz Dr. Robert Zollitsch. Von dem bekommt man nur sehr selten etwas mit. Etwa 50 Wochen im Jahr lebt es sich in der Erzdiözese ganz prächtig, ohne dass der EB irgend eine Rolle spielt. Ich sehe ihn häufiger morgens, wenn er gerade aus seinem Haus kommt, als (auch vermittels Medien) in seiner Funktion als Bischof. Und wenn das dann doch mal passiert, hat er wiederum nur sehr selten etwas sinnvolles zu sagen (in sieben Jahren habe ich exakt zwei sinnvolle und aufrüttelnde Predigten von ihm gehört... können tut er es also... theoretisch). Den Papst im fernen Rom sehe, höre und lese ich jede Woche und ich nehme jedes Mal etwas mit im Herzen und im Kopf. Soll das etwa so sein?
Was ich sagen will: Wenn die Bischöfe mehr zu sagen haben wollen, dann müssen sie erst mal anfangen etwas brauchbares zu sagen! Bevor man anfängt, die von Gott gestiftete hierarchische Verfasstheit der Kirche (die auch Papst Franziskus bisher seinen Hörern sehr deutlich eingeschärft hat) zu zerpflücken um den Bischöfen vermeintlich mehr Relevanz und Einsatzfähigkeit zu verleihen, sollten die werten Herren Bischöfe gefälligst anfangen, sich relevant zu machen und Einsatz zu zeigen! Eine gähnend langweilige, lasche, nichtssagende und allen irgendwie genehme Rede alle paar Wochen reicht nicht! Ein Auftreten ohne Ecken und Kanten das sich an nahezu jede Meinung anschmiegt verdient gar keine Relevanz. Das Hasten von Gremium zu Gremium, von Sitzung zu Sitzung und das Dialogisieren, wo es nichts zu dialogisieren gibt, ist eben nur sehr bedingt ein Einsatz für die Menschen. Und Interviews, die die katholische Identität beharrlich verschweigen (hier), gehen gar nicht.
Wenn die Bischöfe wollen, dass ihre jeweilige Ortskirche sie als Hirten überhaupt wahr- und dementsprechend ernstnimmt, dann sollen sie bitteschön auch als Hirten handeln! Allein schon die beständige Sichtbarkeit des Hirten kann eine Herde beisammen halten.
Bischöfe sollen ermahnen und ermutigen, sie sollen sich einmischen, unbequem und v.a. DA sein. Sie sollen lehrend und fürsorglich auftreten und nicht nur von Gremium zu Gremium tänzeln (deren Vermehrung mein EB infolge der Diözesanversammlung fleißig zu betreiben scheint)... und Kunstwettbewerbe veranstalten. Ein Bischof soll Widerständen standhalten und die Herde stärken; sie verteidigen gegen die Wölfe von Außen und die schäflich umgarnten Karnivoren im Innern.
Die Ausrede, es sei ja die Abhängigkeit von Rom, welche die Bischöfe erst zu den violetten Verwaltungsbeamten die sie sind werden ließ, halte ich für Nonsens, da es genug Beweise für das Gegenteil gibt (also Bischöfe, die offenkundig keine reinen Verwaltungsbeamten sind). Der Wohlstandsstruktursumpf gerade in Deutschland ist das Problem.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier in Freiburg, sollte einmal ein absolutistisches Regime an die Macht kommen, sich die Gläubigen mit ihrem Bischof im Dom verschanzen würden um ihn vor der Deportation zu schützen... die meisten würden ihn vermutlich gar nicht auf der Straße erkennen und sein Fehlen wenn überhaupt erst an Fronleichnam bemerken... Wobei es bei der gänzlichen Unauffälligkeit des gegenwärtigen Bischofs vermutlich erst gar nicht zu solch einer Deportation käme...
Das "Aufrüttelndste", was ich im Verlauf der letzten Jahre von meinem Bischof mitbekommen habe war, dass er die neuen Pastoral- und Seelsorgeeinheitspläne jedesmal über Bord geworfen hat, just nachdem wir in monatelangem Ringen auf Pfarreiebene und zwischen den Pfarreien endlich damit zurande gekommen waren. So kann man natürlich auch die Ehrenamtlichen beschäftigen... und bürokratisch verheizen.
Ist das Hirtensorge?
Wenn die Hirten sich ihrer Herde zeigen und so beweisen würden, dass sie eine Daseinsberechtigung jenseits der Bürokrartie haben, dann werden wir ja sehen, wie nötig und v.a. berechtigt eine Reform der gesamtkirchlichen Verfassung wirklich ist. Eine gewisse Dezentralisierung wäre sicherlich nicht einfachhin schlecht... wenn nur, ja wenn nur der örtliche Hirte sich auch wirklich als ein solcher erweisen würde! Aber leider beweisen gerade auch die deutschsprachigen Bischöfe, wie nötig der Primat Roms ist... andernfalls ginge es bei uns vermutlich genauso drunter und drüber wie in der EKD... ein befreundeter evangelischer Theologe spricht mir zuweilen seinen Neid aus, weil wir Katholiken so ein überaus sinnvolles ständiges Korrektiv, einen beständigen Mahner und Ermutiger (d.i. Papst) haben, der den Protestanten schlicht fehlt.
Übrigens: Auch vor über 1600 Jahren hatte es ein Bischof nicht leicht...
»Du darfst dich nicht darüber wundern, daß du unter Prüfungen und
Hindernissen den Thron übernehmen mußt. Mit allem Großen sind
Heimsuchungen und Prüfungen verbunden. Es ist naturgemäß, daß
geringfügige Dinge sich mit leichter Mühe, Großes dagegen mit vieler
Anstrengung erreichen läßt. Du hast das Wort gehört: „Unter vielen
Trübsalen müssen wir in das Himmelreich eingehen.” (Apg 14,21) Auch du sollst sagen: „Durch Feuer und Wasser sind wir gegangen; aber du hast uns zur Ruhe geführt.” (Ps 65,12) Wie wunderbar: „Am Abend herrscht Wehklagen, am Morgen Jubel.” (Ps 29,6) [...] Lehre Gott, den Vater, Gott, den Sohn, Gott den Heiligen
Geist in drei Personen und in der einen Majestät und Herrlichkeit
anbeten! Suche das Verlorene, stärke das Schwache, erhalte das Starke (vgl. Ez 34,4)! [...] Von den höheren Führern
sollst du eine noch bessere Waffenrüstung erhalten, welche dich
befähigt, „die feurigen Geschoße des Bösen zu löschen” (Eph 6,16) und dem Herrn ein vollkommenes Volk, ein heiliges Geschlecht, ein königliches Priestertum (1 Petr 2,9) vorzuführen in Christus Jesus, unserm Herrn, dem die Ehre sei in alle Ewigkeit! Amen.«
(Aus der Rede von Gregor von Nazianz, siehe Bild, an den Bischof Eulalius zu dessen Bischofsweihe)
Die Quellen der kirchlichen Lehre (und also des Glaubens dieser Kirche und ihrer Glieder) sind die Bibel und die Tradition. Bei der Tradition kann man drei Teile Unterscheiden: 1. Die Lehre der Kirchenschriftsteller, besodners der Kirchenväter und Kirchenlehrer, 2. die Lehrtradition, v.a. in Form von Konzilien, päpstlichen Schreiben oder Katechismen, und schließlich 3. die Liturgie.
Die Liturgie ist eine Quelle der Lehre der Kirche. Sie ist zwar keine Offenbarungsquelle, aber sie ist doch hinreichend insofern, als man, theoretisch, allein anhand der Gesamtheit der approbierten liturgischen Texte (Gebete, Präfationen, Anrufungen, Segensformeln, Hymnen, Antiphonen etc.), ohne Katechismen oder sonstetwas zu konsultieren, die gesamte Glaubenslehre erfahren könnte.
Die Kirche betet, was sie glaubt und sie glaubt, was sie betet.
Das Zentralmassiv dieser liturgischen Texte war und ist das Messbuch der römisch katholischen Kirche. Weshalb sich ja auch Bonifatius, der Apostel der Deutschen, sehr darum bemühte, ein römisches Messbuch mit auf seine Mission zu nehmen, und warum Karl der Große mittels des römischen Missales nicht wenig zur Vereinigung des Abendlandes beitrug. (Leider enthält das aktuelle deutsche Messbuch zahlreiche gravierende Fehler [z.B. dies], weshalb schon seit Jahrzehnten an einer Neuübersetzung gearbeitet wurde, welche inzwischen abgeschlossen und von Rom abgesegnet ist.)
Der Text des aktuellen Freiburger Ungehorsamsaufrufs (s. hier) - der, obzwar er sich nicht so nennt, mit seiner "Befürchtung einer Spaltung" jedoch wenig subtil genau mit dieser Spaltung unverwunden droht - dieser Text offenbart in ungeahnter Freizügigkeit etwas Erstaunliches: Die Existenz einer eigenen Religionsgemeinschaft mitten in der Körperschaft des öffentlichen Rechts "Katholische Kirche in Deutschland".
Eine andere Erklärung will mir nicht einfallen, wenn die Unterzeichner des Aufrufs fabulieren, dass sie "hinter [den Textformulierungen] nur schwer stehen können", und sie vollmundig bekunden: "Wir können nur das glaubwürdig weitergeben, was wir selbst glauben."
Das heißt doch aber nichts anderes als: Das was im Messbuch der römisch katholischen Kirche (im Original!) steht, das glauben wir nicht.
Oder irre ich mich?
Liebe Aufbrüchler: Wenn ihr nicht glaubt, was die Kirche glaubt, dann seid so ehrlich und haut endlich ab! Niemand zwingt euch, dieser Kirche anzugehören.
Das Ganze ist, wiedermal, ein lächerliches Schauspiel. Hier geht es nicht um Wahrheit oder Redlichkeit. Es geht nur um das Brüllen an sich. Es ist der neue Konservativismus, der sich an das "Erreichte" klammert mit aller Macht und der kein Iota aufzugeben gewillt ist von der schönen Bausatz-Wunderwelt, die man sich geschaffen hat. Dass man überhaupt so sehr auf dieser einen speziellen Übersetzung des Messbuches beharren kann, zeigt so einiges:
Es offenbart einen bemerkenswerten Provinzialismus, der sich in einem Nischenglauben äußert, der nur im Geltungsbereich dieser Übersetzung anzuztreffen ist. Und es offenbart die Unzulänglichkeit dieser Übersetzung, da sie offenbar einen solchen Nischenglauben ermöglicht, und also die Notwendigkeit einer Korrektur, sprich: die Einführung der neuen Übersetzung.
Die Unterzeichner stellen sich selbst ins Abseits der Weltkirche. Diese schreitet ohne sie weiter.
Und die Dreistigkeit und Hinterlist trieft aus jeder Pore. Der
den Text des Aufrufs abschließende "Vorschlag" der Einführung einer
"Studienausgabe" ist ziemlich plumpe Augenwischerei: Seit Jahren zögern
die deutschen Bischöfe die Implementierung des neuen Messbuches hinaus.
Nun ist es endlich approbiert und fertig, und vermodert schön weiter in
irgend einer Schublade. (Nicht einmal die Herausgabe eines Überklebsels
"für viele" bringt man fertig, obwohl es vor einigen Jahren völlig
problemlos möglich war, alle "Brüder" und "Söhne" in altehrwürdigen
Liedern im Gotteslob zu überkleben, um auch ja nicht diskriminierend zu
erscheinen... Kulturzensur
ist nichts Neues.)
Jetzt eine Studienausgabe zu verlangen und einen
"offenen Dialog" führen zu wollen bedeutet nichts anderes als: Das ganze
Hickhack der letzten Jahrzehnte nochmal von Vorne zu beginnen. Es
kann eigentlich nur die eine Agenda dahinter stehen: Verzögerung.
Direkt
ins Gefängnis, nicht über Los.
Dass
man keinen Dialog will, sondern an der bestehenden, nicht selten
verfälschten Übersetzung festhalten will und v.a. das Wesen der
Eucharistie (weiterhin) beharrlich leugnen will ("Opfersprache"), stellt
der Text ja ohnehin offen heraus. Diese Leute haben m.E. den Boden des katholischen Glaubens verlassen.
Ich kann es nur als Realsatire werten, dass man sich zwar mit "Ein notwendiger Aufbruch" übertitelt, man sich dann aber die Verhinderung eines Fortschreitens (das gerade die ganze Weltkirche vollzieht!) zum Ziel setzt. Brecht auf, indem ihr bleibt, wo ihr seid!
Nachtrag (29.06.):
Inzwischen
sind es 146 Unterzeichner. Scheint nicht viel mehr zu werden. Der Trend
im Vergleich mit den vorherigen Initiativen ist merklich rückläufig
(beim Memorandum waren es ca. 300, beim Ungehorsamsaufruf vom letzten
Jahr um die 200). Zu beachten sind auch die vielen emeritierten und
pensionierten Unterzeichner...
Zum Staunen kann es demgegenüber
verführen, wenn man bemerkt, dass fast ein Fünftel der Unterzeichner ständige
Diakone sind. Warum Staunen? Naja: Mit welchem Recht unterzeichnen die denn eigentlich diese Erklärung? Man kann die Diakone hierbei eigentlich nur als
Stimmvieh klassifizieren.
In der Erklärung heißt es: "Für uns Priester und Diakone
wird es besonders schwierig, wenn wir
Textformulierungen benutzen sollen, hinter denen wir nur schwer
stehen können..." Nun zeige man mir bitte diese Texte, die der
Diakon aus dem Messbuch zu sprechen hat und hinter denen er nicht stehen kann! Abgesehen von "Geheimnis des
Glaubens", "Der Friede sei mit euch" und "Gehet hin in Frieden" gibt es da nämlich nichts... Der Diakon hat nämlich mit dem Messbuch nichts zu tun!
Noch deutlicher kann man Heuchelei (oder Dummheit?) gar nicht in Worte fassen...
Ich
bin jedenfalls gespannt, was der Erzbischof jetzt macht... im grunde
ist die Aktion ja bereits dadurch quasi abgesegnet, dass an dem Treffen,
aus dem dieses Papier hervorging, die Domkapitulare Peter Kohl
und Andreas Möhrle sowie der Pressesprecher des Erzbistums, Robert
Eberle, anwesend waren (womit man sich auch durchaus brüstet).