Samstag, 11. Mai 2013

Kleine Nachlese zur Diözesanversammlung

Die erschreckenden Ansichten des Referenten Striet habe ich ja schon gewürdigt (v.a. hier). Und auch die Ergebnisse und die erzbischöflische Stellungnahme kam hier schon vor (siehe Label). Einige weitere Anmerkungen und Beobachtungen hinter den Kulissen mögen hier nachgeliefert sein.
Die Homepage der Diözesanversammlung bietet nach wie vor kaum Informationen... die konkreten Ergebnisse (in aufgearbeiteter Form) sind nur für Mitglieder der Versammlung zugänglich. Man hält sich nach wie vor sehr bedeckt (vgl. meinen früheren Beitrag dazu).  In den spärlichen Videobeiträgen kann man ein paar Einblicke in die "Psyche" der Versammlung gewinnen... da wird dann z.B. die Kirche als "einer von vielen Anbietern auf dem Markt" definiert und die wichtigste Frage lautet dementsprechend: "was ist denn Nachfrage, was wollen die Leute?".


(Oft, glänzen essentielle Begriffe und die entsprechenden Inhalte ja gerade durch Abwesenheit. Natürlich kann nicht jede Rede immer eine völlig orthodoxe Dogmatik beherbergen, aber es gibt gewisse Kontexte, in denen dass Fehlen bestimmter Dinge, v.a. wenn es Zentralaspekte sind, einfach nur beschämend ist... etwa wenn ein Text der in das Mysterium der Eucharistie einführen soll, den begriff des Opfers gänzlich auslässt. Das ist in etwa so, als wolle man einem Kind erklären, was es mit einer Hochzeit auf sich hat und soetwas wie "Frau"/"Braut"/"Partnerin" völlig unerwähnt lassen.)

Wenig verwunderlich ist, dass im Eröffnungsreferat von Prof. Peter Walter, das eine Beschreibung der Kirche und ihres Seins in der Welt zwischen Orts- und Universalkirche zum Thema hatte, soetwas wie "Gehorsam" nicht vorkam. "Papst" und "Bischof" übrigens auch nicht wirklich.
Auch der alle anderen überragende biblische Zentralbegriff für das Gemeindeleben der Christen: "Liebe" kommt in solch einem Kontext überhaupt nicht vor. Eigentlich erscheint er nur zweimal: wenn gesagt wird, dass wir "in der gelebten Liebe Zeugnis ablegen für die Zuwendung Gottes zu den Menschen" und einmal im abschließenden Bibelzitat als Charakterisierung des Heiligen Geistes.
Und schließlich erscheint auch die wohl wichtigste Identitätsbezeichnung der Gemeinde in der Bibel nicht, von der Pius XII. sagte, dass "nichts Vornehmeres und Vorzüglicheres, nichts Göttlicheres gefunden werden" könne (Mystici corporis): "Leib Christi".

Eine merkwürdige dogmatische Verschränkung vollbringt Prof. Walter, wenn er schreibt: 
»Das Konzil greift jedoch nicht nur beim Gemeinsamen Priestertum auf reformatorisches Gedankengut zurück, sondern auch mit der Rede vom dreifachen Amt Jesu Christi, das neben dem Priesteramt auch sein Propheten- und Hirtenamt umfasst. [...] Alle Getauften haben, wenn auch auf unterschiedliche Weise, an diesen Ämtern Christi Anteil. Alle sind zur Verkündigung und zum Zeugnis und damit zur Teilhabe am prophetischen Amt Christi berufen, alle sind zur Lebenshingabe und zur Mitwirkung an der Liturgie und damit zum priesterlichen Amt Christi berufen und alle sind zum Dienst berufen, in dem sich das königliche Amt dessen verwirklicht, der nicht herrschen wollte, sondern dienen.«

Es ist auch eine dezente Lüge, zu beuhaupten, das Konzil habe mit der Erwähnung des gemeinsamen Priestertums "reformatorisches Gedankengut" aufgenommen. Als Dogmatiker muss er den Unterschied kennen zwischen "gemeinsamem Priestertum" (katholisch) und "allgemeinem Priestertum" (protestantisch), wenn er ihn nicht kennt, sollte er Nachhilfe in Anspruch nehmen.
Sehr fragwürdig finde ich auch die Tendenz, den Unterschied zwischen Klerikern und Laien zu vertuschen. Die bloße Formulierung "auf unterschiedliche Weise" kann leicht dazu verleiten, hier bloß disziplinarische Faktoren zu vermuten. Eine kurze Erwähnung des (zum Glauben der Kirche gehörenden!) wesenhaften Unterschieds zwischen Kleriker und Laien (nicht bloß dem Grade, und erst recht nicht bloß der "Weise" nach!) wäre so schwer nicht gewesen, zumal das Publikum die handverlesene Crème de la Crème der Diözese war, mit hohem Theologenanteil. Dem entspricht es dann auch, wenn er sein Referat nur minimal verschleiert mit der Forderung nach dem Frauenpriestertum abrundet.

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn der Redner den "übernatürlichen Glaubenssinn des ganzen Volkes [Gottes]", den das Konzil auf "ihre allgemeine Übereinstimmung in Sachen des Glaubens und der Sitten" bezieht (LG 12), einfach so auf die Diözesanversammlung anwendet... ob ihm das Wörtchen "ganz" sowie die von mir zitierte zweite Hälfte des Satzes entgangen sind?
Genau wie Prof. Striet in seinem Referat, wurde auch hier das Thema nicht wirklich behandelt... eher wurde mehr oder weniger subtil Politik betrieben und Parolen geprägt.


Ein ganz anderes Thema ist jene Sache die der Erzbischof bis in sein Abschlussstatement hinein nie müde wurde zu betonen: Der so genannte "geistliche Prozess". Es war ihm ja stets ein großes Anliegen, dass diese Versammlung und der ganze Dialogprozess ein "geistlicher Prozess" sein soll.
Wenig bekannt geworden ist, dass beispielsweise bei den großen Horen des Stundengebets, das die Versammelten jeden Tag beteten, extrem geschludert wurde. Ganze Pslamen, Cantica und sonsige Texte aus der zu verrichtenden Stundenliturgie wurden einfach spontan (und wie man hört, zuweilen sogar vom Erzbischof persönlich) gestrichen, das ganze Prozedere stets enorm beschleunigt und, man höre und staune, einige Teilnehmer der Versammlung beschwerten sich sogar ausdrücklich, weil zeitgleich mit der Versammlung im hiesigen Priesterseminar rund um die Uhr eucharistische Anbetung gehalten wurde... das könne man doch nicht machen!
Die Gebetszeiten wurden offenbar von nicht wenigen Teilnehmern als lästiges Pflichtprogramm angesehen, sodass regelrecht Druck auf den EB ausgeübt wurde, das Ganze zu beschleunigen. [Kaum eine Randnotiz ist es wert zu erwähnen, dass trotz der Anwesenheit zahlreicher Priester und Ordensleute, die komplette Stundenliturgie (was davon noch übrig war...) im Sitzen verrichtet wurde.] Die Rede vom "geistlichen Prozess" ist also zu einem nicht kleinen Teil eine Farce.
Am Samstag (die Versammlung ging von Donnerstag bis Sonntag) wurde im Rahmen der Anbetung im Seminar auch ein außerplanmäßiges Nightfever ebenda organisiert (normalerweise findet es in genau der Kirche statt, in der die Versammlung tagte). Ein paar Teilnehmer der Versammlung waren dort, andere haben sich nicht entblödet, die Einladenden auf der Straße regelrecht auszulachen. Und natürlich gab es auch Protest aus den Reihen der Diözesanversammlung dagegen, dass dieses Nightfever (also: Menschen einladen zur Anbetung Gottes) überhaupt stattfindet.
(Dass die Fürbitten während der Versammlung zum größten Teil nach dem Schema "Mein Wille geschehe" gehalten waren, habe ich schon erwähnt.)


Ein positives Wort zum Schluss:
»Daraus ergibt sich, dass jene in einem großen und gefährlichen Irrtum befangen sind, die sich nach Willkür eine verborgene und ganz unsichtbare Kirche ausdenken; genau wie jene, die in ihr irgendeine menschliche Anstalt sehen wollen mit einer Art äußerer Disziplin und einem äußeren Kultus, aber ohne immerwährende Vermittlung göttlicher Gnaden, ohne jene Zeichen, die täglich offenkundig dartun, dass die Kirche ihr Leben aus Gott empfängt.
Die Kirche kann nämlich nicht eins ohne das andere sein; das wäre ebenso widersinnig wie die Behauptung, der Mensch sei nur Leib oder nur Seele. Die Vereinigung und Zusammengehörigkeit dieser zwei Bestandteile ist zum Wesen der wahren Kirche ebenso notwendig, wie etwa die innige Vereinigung von Seele und Leib für die menschliche Natur. Die Kirche ist nicht etwas Lebloses, sondern der mit übernatürlichem Leben ausgestattete Leib Christi. Christus, ihr Haupt und Vorbild, wäre auch nicht vollständig, wollten wir in ihm nur die sichtbare menschliche Natur erblicken, wie ein Photius und ein Nestorius, oder nur die unsichtbare göttliche Natur, wie die Monophysiten. Er ist vielmehr ein Wesen aus beiden und in beiden Naturen, der sichtbaren wie der unsichtbaren. So ist auch sein mystischer Leib nur deshalb die wahre Kirche, weil ihre sichtbaren Bestandteile Kraft und Leben empfangen aus den übernatürlichen Gnaden und jenen übrigen Gaben, aus denen ihr eigentümliches Wesen und ihre Natur hervorgeht.« (Aus der Enzyklika "Satis cognitum" von Leo XIII., 1896)



PS. Keine Sorge: In der Zeit der Versammlung wurde der Herr aus dem Tabernakel im Hochaltar evakuiert... zu Denken gibt es mir aber noch, dass das Podest für die Redner genau vor einem der Beichtstühle (verdeckt von dem großen Logo der Veranstaltung) stand... ;)

Kommentare:

  1. Danke für diesen Bericht und v.a. für die PS-Anmerkung. Ich habe mich nämlich die ganze Zeit schon gefragt, wie es sein kann, dass eine solche Versammlung die ganze Zeit dem Herrn (der Leib dem Haupt) den Rücken zuwendet. Wo es doch heutzutage schon unerträglich zu sein scheint, wenn der Priester der Gemeinde "den Rücken zuwendet" ...

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  2. Danke für die kritische Nachlese. Bisher habe ich diesbezüglich noch nicht allzu viel gefunden. Gerne wüsste ich zum Beispiel mehr darüber, was bei der Diözesanversammlung zum Thema "homosexuelle Partnerschaften" gesagt wurde. Sporadisch lese ich gelegentlich irgendwelche Äußerungen dazu im Sinne einer Entwicklung von Segensfeiern, allerdings wünschte ich mir mehr Konkretes. Dann könnte man ordentlich dagegen hämmern ...

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    1. An sich "vorgeschlagen" (ließ: gefordert) wurde natürlich eine allgemeine Anerkennung "unterschiedlicher Lebensentwürfe", worunter neben dem faktischen Leben im Ehebruch auch Partnerschaften Homosexueller Menschen zählen (Letzteres wurde orwelliert zu "homosexuell Empfindende"). Konkret ist gefordert, dass die Kirche solche Verbindungen nicht nur anerkennen, sondern eben auch segnen soll, etwa in einer liturgischen Feier. Was natürlich Humbug ist.
      In seiner Stellungnahme verwies der EB auf eine vor zwei Jahren veröffentlichte Arbeitshilfe zu dem Thema Homosexuelle, die er nun (zwei Jahre später *räusper*... was sagt uns das? *hüstel*) umsetzen will. Ich kenne diese Arbeitshilfe nicht und auch im Netz ist sie niergends zu finden. (Diese Arbeitshilfe wurde wohl auch nicht sonderlich beworben, denn sie ist mir bisher weder in meiner ehrenamtlichen noch meiner hauptamtlichen Tätigkeit, noch an der theologischen Fakultät irgendwie begegnet).
      Bzgl. "wiederverheiratet Geschiedener" sagte er etwas, das so auch als loriotsche Satire durchgehen könnte. Kurzfassung: »intensiv im Gespräch mit den Räten ... eine Handreichung zu erarbeiten ... In der ... Themengruppe wurde berichtet ... ist eine Arbeitsgruppe intensiv an der Arbeit ... fand wieder eine Sitzung statt, um intensiv zu beraten und weiter zu arbeiten.« (Die Auslassungen sind nur minimal, ich habe nur einzelne Wörter oder Satzteile, keine ganzen Sätze ausgelassen!)

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