Montag, 20. Mai 2013

Geistesgegenwart

Der "Geist der Wahrheit", der uns "in die volle Wahrheit führen" wird, ist es, der die Kirche zur "Säule" und zum "Fundament der Wahrheit" macht. So kann die Kirche nicht aus der Wahrheit herausfallen, ohne aufzuhören Kirche zu sein, was aber nicht passieren kann, denn die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.
Immer ist die Kirche Leib Christi, Christus ist immer in ihr gegenwärtig und der Geist erhält sie in der Wahrheit.  Das kann man Tradition nennen.
In der Kirche gibt es, so gesehen, kein Vorher und Nachher im Bezug auf die Wahrheit. Es kann nicht sein, dass die Wahrheit von "einer Kirche" erst erkannt oder "freigelegt" werden müsste.

Eine jede Häresie funktioniert anders. Diese haben solchen zeitlichen Charakter.
Vor fast einem Jahr habe ich hier zuletzt Möhler zitiert (hier). Wird mal wieder Zeit: 

»Die katholische Kirche weiß insofern von keiner Vergangenheit, in welcher die christliche Religion gegeben worden; Vergangenheit und Zukunft verlieren hier ihre Bedeutung und lösen sich in eine immerwährende Gegenwart auf: Christus ist immer da, sein Geist belebt die Kirche immer, und ebenso wird sein Ausdruck, das Wort, in der ganzen Weite der Kirche für und für ausgesprochen und vernommen. Im Gegensatz die Häresie, von welcher jede Art erst meint, das Christentum sei nirgends vorhanden, sie sei berufen, es erst aufzufinden.« (Johann Adam Möhler, Die Einheit der Kirche, in den Nachträgen aus den Manuskripten)

Wie ein Prophetenwort von vor nunmehr fast 190 Jahren (1825!) mutet da, mit Blick auf vielfaltige aktuelle und weniger aktuelle (nachkonziliare) Phänomene, das Folgende an:
»In dem Christentum gibt es keine Epoche als [nur die] eine; mit der Erscheinung Christi und der Herabkunft des Hl. Geistes ist sie gegeben, und alles übrige ist nur Periode, ist nur Ablauf und Entwicklung. Indem aber der kirchliche Egoist berufen zu sein glaubt, Epoche zu machen, so kann seine Erscheinung auch nur mit Entzweiung der Brüder, Trennung der Vergangenheit und Zukunft und Zerstörung des Gegebenen begleitet sein.« (ebd.)

Heute ist Pfingstmontag... Wir feiern den Geburtstag der Kirche, das Einsetzen jener "immerwährenden Gegenwart". Und noch immer hallt die für mein Empfinden in mehr als einer Hinsicht "geistleere" Diözesanversammlung nach. (Nach Berichten von Teilnehmern ist es wohl so, dass an der Versammlung nicht nur ehren- und hauptamtliche "Spitzenfunktionäre" der Diözese teilgenommen haben, wie ich bisher annahm, sondern wohl auch reichlich Leute, die kaum mehr ein Interesse an der Kirche oder ihrer Liturgie haben... Zur Veranschaulichung, ein Beispiel das mir zu Ohren kam: Eine Frau, die die Kirche der Pfarrei, aus der sie kam, nach eigenem Bekunden noch nie betreten hat und die auf eine Smalltalkfrage nach der Innenausstattung ziemlich verächtlich und desinteressiert antwortete.)
Ich kann beim besten Willen wenig mehr darin sehen, als eine Versammlung "kirchlicher Egosisten" die in der Mehrzahl zufällig die gleichen (stupiden) Ideen haben. Die wenigen Ausnahmen unter den "Mitgliedern" der Versammlung stechen dadurch umso mehr heraus. Da mag ein gewisser deutscher Kardinal völlig recht haben, wenn er hinter vorgehaltener Hand meint, der Freiburger EB spinne doch. Die Frage ist: wohin soll das führen? Die Freiburger Ungehorsamspriester werden sich demnächst treffen und "beraten"...  

Veni, Creator Spiritus, mentes tuorum visita!

Kommentare:

  1. Zumal sich der EB auch mal hätte Gedanken machen können, was für ein Chaos und welche daraus kriechenden Erwartungen er seinem Nachfolger hinterläßt ... aber wahrscheinlich wird das Domkapitel ohnehin wieder den Typ "lieber Onkel" favorisieren.

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    1. Was bisher über die aktuelle Kandidatenliste für die Nachfolge an mein Ohr gelangte, ist wenig erfreulich. Aber ich hoffe immer noch auf Ouellet, der ja, im Unterschied zu seinem Vorgänger, die Situation in D durchaus kennt und als "eiserner Ratzingianer" sowieso bestens geeignet ist, an diesem Prozess mitzuwirken.
      Die Hypothek für Zollitschs Nachfolger bleibt natürlich bestehen... und auf einen zweiten Huonder zu hoffen wäre wohl trotz Ouellet wenig aussichtsreich.

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