Donnerstag, 29. März 2012

Angst vor der Schönheit

supplices te rogamus
Vorab: Ich habe nichts gegen die "neue" Messe (wenn sie so gefeiert wird, wie es vorgeschrieben ist!). Sie hat einige merkliche Vorteile (for starters: mehr Schrifttexte in den Lesungen).

Hautnah erlebe ich gegenwärtig in meiner Heimatpfarrei die unbeschreibliche Angst und Feindschaft, die in den oberen Rängen der Diözese gegenüber der Messe in ihrer außerordentlichen Form besteht. Nicht nur darf(!) die regelmäßig stattfindende Messe in der außerordentlichen Form nicht im Pfarrblatt erscheinen, es ist sogar ausdrücklich von Oben (oben = höher als Dekanatsebene) untersagt worden, auch bloß in irgendeiner Weise diese Messe bekannt zu machen (etwa durch Mundpropaganda). Sie darf nur "unter Ausschluss der Öffentlichkeit" stattfinden. Der Vikar sieht sich regelrecht in die Mangel genommen. (*hust* CIC can. 837 §2 *hust*)

Es ist überaus aufschlussreich zu sehen, dass die Messe in der "alten" Form bei manchen (gottlob nicht allen) Kirchenoberen überhaupt nicht als irgendwie wertvoll oder auch bloß als ein geduldetes Kuriosum im katholischen Kosmos gilt, sondern es regelrechte Angst ist, die bei diesem Thema aufkocht.
Offenbar fühlen sich einige Alt-68'er nicht nur auf den Slips getreten, sondern regelrecht bedroht von der Idee, einige ihrer Schäfchen könnten etwas tun, was sie offenbar ausschließlich als einen "Schritt hinter das Konzil zurück" zu verstehen in der Lage sind.
Diese Angst bezieht sich zu einem nicht kleinen Teil auf die lateinische Sprache, zu einem anderen auf die Zelebrationsrichtung, aber sicherlich auf das ganze Messbuch an und für sich.
Sehr bemerkenswert, geht doch das Messbuch in seinen Rubriken nach wie vor von einer Zelebration versus dominum (z.B. bei der Einladung zum Gabengebet: "Der Priester steht, der Gemeinde zugewandt,...") und der CIC von Latein als der eigentlichen Liturgiesprache ("Eucharistica celebratio peragatur lingua latina..."; c 928) aus.
Es mag ja sein, dass manchem das Latein ein Hindernis zum Mitvollzug ist und der Rücken des Priesters nicht immer ganz so schön rüberkommt (bei vielen modernen Gewändern wenig überraschend). Aber wieso um alles in der Welt kann man diese (viele Jahrhunderte alten!) Schätze nicht für sich bestehen lassen? Katholisch = Allumfassend? Aber es herrscht Angst. Ein marx'sches Wort abwandelnd: Ein Gespenst geht um - das Gespenst der "alten Messe"? Jedenfalls: Echte Emotion, tief empfundene Bedrohung.
(Hoffentlich bemerken diese Leute nie, dass es in der katholischen Kirche zahlreiche verschiedenen Riten  gibt und unter diesen nur die "Römer" je auf die Idee kamen, allgemeines Vernakular und die generelle Zelebration vis-à-vis einzuführen... sie bekämen wohl den Schock ihres Lebens!)

Zugleich gibt es dann dieses Phänomen, das ich mal "Schwärmen für das Exotische" nennen will:  Die gleichen Leute, die alles tun, um die Feier der Messe in der außerordentlichen Form in ihrem eigenen Dunstkreis gedeckelt zu halten, betonen im ökumenischen Gespräch freudig die "reichen Schätze" anderer christlicher Traditionen. Da wird selbst eine (den Altarbereich völlig verdeckende) Ikonostase zum "hohen Kulturgut", während ein römisch-katholischer Priester, der auch nur für einen Moment mit dem Rücken zum Volk steht, als unerträgliches Ärgernis empfunden wird.

Aber ich bin trotz allem hoffnungsvoll, denn ich merke immer mehr, dass die junge Generation sich wieder besinnt, ja, eine Sehnsucht hat, nach dem, was schön und wertvoll ist.


Hatte man unmittelbar nach dem Ende des II. Vaticanums annehmen können, das Verlangen nach dem Usus von 1962 beschränke sich auf die ältere Generation, die damit aufgewachsen war, so hat sich inzwischen gezeigt, daß junge Menschen diese liturgische Form entdecken, sich von ihr angezogen fühlen und hier eine ihnen besonders gemäße Form der Begegnung mit dem Mysterium der heiligen Eucharistie finden.
 [...]
Was früheren Generationen heilig war, bleibt auch uns heilig und groß; es kann nicht plötzlich rundum verboten oder gar schädlich sein. Es tut uns allen gut, die Reichtümer zu wahren, die im Glauben und Beten der Kirche gewachsen sind und ihnen ihren rechten Ort zu geben.
(Benedikt XVI., Brief an die Bischöfe anlässlich der Publikation des Motu proprio über die Liturgie in ihrer Gestalt vor der 1970 durchgeführten Reform [7. Juli 2007])

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