Freitag, 23. Juli 2021

Die richtige Antwort auf Traditionis custodes

Es ließe sich viel über jenes schlampig geschriebene, auf Unwissenheit und Desinteresse beruhende, politisch-ideologisch motivierte, unbarmherzige, pauschal verurteilende, unnötige, theologisch abgründige, traditionsvergessene, in keiner Weise auf Versöhnung und kirchliche Einheit ausgerichtete, sondern letztlich schismatische Tendezen nur provozierende Motu proprio sagen... Aber die beste Antwort darauf hat bisher m.E. der Erzbischof von Sydney insbesondere in den ersten Abschnitten gegeben:




Sonntag, 18. Juli 2021

Traditionis custodes

zu Deutsch: "Wächter des Verrats"?

Buch Jeremia 23,1-6:

Weh den Hirten, die die Schafe meiner Weide zugrunde richten und zerstreuen - Spruch des Herrn.
Darum - so spricht der Herr, der Gott Israels, über die Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Schafe zerstreut und versprengt und habt euch nicht um sie gekümmert. Jetzt ziehe ich euch zur Rechenschaft wegen eurer bösen Taten - Spruch des Herrn.
Ich selbst aber sammle den Rest meiner Schafe aus allen Ländern, wohin ich sie versprengt habe. Ich bringe sie zurück auf ihre Weide; sie sollen fruchtbar sein und sich vermehren.
Ich werde für sie Hirten bestellen, die sie weiden, und sie werden sich nicht mehr fürchten und ängstigen und nicht mehr verlorengehen - Spruch des Herrn.
Seht, es kommen Tage - Spruch des Herrn -, da werde ich für David einen gerechten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln, für Recht und Gerechtigkeit wird er sorgen im Land.
In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit.

Samstag, 26. Juni 2021

Josemaría Escrivá über die Wirkung der Liturgie

Du sahst mich an einem schmucklosen Altar die heilige Messe feiern. Nur Tisch und Altarstein, kein Altaraufsatz. Das Kruzifix war groß. Die Leuchter kräftig und derb, mit großen Wachskerzen, stufenförmig aufsteigend, am höchsten beim Kreuz. Altarverkleidung in liturgischer Tagesfarbe. Weite Kasel. Streng in den Linien, kostbar und schalenförmig der Kelch. Ohne elektrisches Licht, das wir nicht entbehrten.

Und es kostete dir Mühe, die Kapelle zu verlassen. Du warst zu Hause hier. Siehst du, wie die Strenge der Liturgie Gott näher bringt?

(Der Weg, Nr. 543)

Montag, 21. Juni 2021

geschlechtersensibel von/zu Gott reden?

  Zum Glück nur wenig medial beackert wurde die Tatsache, dass das Bistum Hildesheim vor ein paar Tagen eine Handreichung über „geschlechtersensible Sprache“ veröffentlicht hat (hier). Alles erwartungsgemäß: Aus Mitarbeitern werden Mitarbeitende (Nr. 2; hoffentlich bekommen die, die beim Pfarrfest „mitarbeiten“ dann auch alle einen guten Stundenlohn!) und seelsorglichen Rat dürfen ab sofort nur noch die (bezahlten) Seelsorger geben, sonst wird es verwirrend (Nr. 5). Das ist mir alles ziemlich egal, ich benutze solche Sprache eh nicht.

Was mir nicht egal ist, ist die neue Gottesrede, die hier propagiert wird (s. Bild). Die ist meiner Meinung nach theologisch unhaltbar und nichts weniger als häretisch und blasphemisch.

Doch zunächst muss noch kurz darauf hingewiesen werden, dass bereits das erste hier gegebene Beispiel schon auf rein sprachlicher Ebene – wir lassen mal alle Theologie beiseite – ganz unterirdisch dämlich ist. Das zu ersetzende „Gott der Herr“ ist eine erzählende oder beschreibende Sprachform, d.h. der so Sprechende möchte jemand anderem etwas über Gott berichten: Gott der Herr machte/sprach/etc. (siehe z.B. den zweiten Schöpfungsbericht am Beginn der Bibel ab Gen 2,4b). Die als „auch möglich“ deklarierte Formel „Du, unser Gott“ ist dagegen eine Anrede, denn hier wird Gott direkt angesprochen. Es handelt sich um zwei gänzlich verschiedene Redeweisen mit unterschiedlichen Adressaten. Das dritte Beispiel hat das gleiche Problem, wobei hier noch extra darauf hingewiesen wird, man solle im „Du“, nicht im „Er“ fortfahren... dass das eine die zweite Person bezeichnet und das andere die Dritte, man diese also nicht beliebig vertauschen kann, ohne einen ganz anderen Text (und einen anderen Adressaten der Rede) zu erhalten, ist den Sprachgenies im Bistum Hildesheim offenbar nicht aufgefallen.

Schon die Einleitung ist sehr hilfreich:
Herr, Vater, König, Richter, Herrscher – Mutter, Trösterin,
Heilige Geistkraft, Liebe – Welches Gottesbild hilft uns
in unserem Glaubensleben und spricht die Menschen
an, die da sind?
Ich begrüße die Ehrlichkeit: Immerhin geben die Autoren zu, dass es hier nicht bloß um Sprache geht, sondern dass damit faktisch ein neues/anderes Gottesbild propagiert werden soll. Was für ein Gottesbild ist das? Nun, es ist jedenfalls nicht das, was uns in der Bibel begegnet.

Es ist bemerkenswert, dass den Autoren anscheinend keine Alternative zu „Gott der Herr“ eingefallen ist, weshalb sie offenbar nur den Ausweg sahen, gleich etwas völlig anderes zu schreiben. Durchaus angemessen, schließlich ist „Herr“ die Anrede für Gott und Jesus schlechthin, die tatsächlich durch nichts ersetzt werden kann!

Bekanntlich ist „Herr“ (gr. kyrios) die übliche Umschreibung des unaussprechlichen Gottesnamens, den Gott dem Mose aus dem Dornbusch offenbarte (vgl. Ex 3,14). Der Bezeichnung Gottes als Kyrios kommt biblisch besehen die gleiche Bedeutung zu wie dem Gottesnamen selbst (vgl. ThWNT 3, 1058), bis dahin, dass es heißt: „HERR ist sein Name“ (Ex 15,3) und das Volk bekennt: „Der HERR ist Gott, der HERR ist Gott!“ (1Kön 18,39)

Die für die Hildesheimer Handreichung Verantwortlichen müssen sich das Wort Josuas gefallen lassen: „Wenn es euch aber nicht gefällt, dem HERRN zu dienen, dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus, wir wollen dem HERRN dienen.“ (Jos 24,15)

Erst im vergangenen Jahr hatte ich mich HIER etwas eingehender mit der unsäglichen und unbiblischen Anrede Jesu als „unser Bruder“ befasst und gegen Ende dann den Schwenk zur Bedeutung der Herr-Anrede getan, die nichts weniger ist als ein Bekenntnis zum Gottsein Jesu, denn dieser wird im ganzen Neuen Testament ganz bewusst so angesprochen, wie im Alten Testament Gott angesprochen wurde:
Die von Bibel und Liturgie einhellig als vorrangig und ersatzlos bezeugte Anrede Jesu als Kyrios – Herr ist weit mehr als nur eine bloß zufällige oder austauschbare Betitelung. Sie ist auch mehr als eine „Hierarchisierung“, die man zu bestimmten Zeiten durch etwas Anderes ersetzen oder milieuspezifisch verflachen kann, damit Jesus irgendwie (aber dann verfälscht) kommunikabel bleibt. Es zeigt sich gerade darin die Vertrautheit, denn die den Herrn erkannt haben und die er erkannt hat, die nennen ihn auch so in ihren Gebeten: „Herr, der du aller Herzen kennst...“ (Apg 1,24) Die Anrede „Herr“ war von Anfang an und ist bis heute vor allem anderen das Bekenntnis der Christen schlechthin: „Darum hat ihn Gott über alle erhöht [...] damit [...] jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2,9-11) Dass Jesus der „Christus“ und der „Herr“ ist, ist ein wesentlicher Teil der Botschaft von Ostern: „Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“ (Apg 2,36) Die Anrede Jesu als „Bruder“ offenbart dagegen eine geradezu vorösterliche Sichtweise – nach Ostern wissen wir: „Dieser ist der Herr aller.“ (Apg 10,36)

Im Apostolischen Glaubensbekenntnis bekennen wir Jesus als „unseren Herrn“, im Nizäno-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis bekennen wir ihn als den „einen Herrn“ (parallel zum „einen Gott“). Das kürzeste und zugleich älteste Glaubenbekenntnis der Christen findet sich im Brief des Apostels Paulus an die Römer: „Herr ist Jesus“ (Röm 10,9; gr. Kyrion Iesun). So sollten wir auch zu ihm beten.

Dass der Heilige Geist, eine der drei Personen(!) der Dreifaltigkeit hier durch eine apersonale Geistkraft ersetzt wird, ist offenkundig. Das mag auch erklären, warum die Autoren den Kyrios entsorgt haben, denn „keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet.“ (1Kor 12,3)

Fassen wir zusammen: Der Gott Israels wird seines herr[!]lichen Namens beraubt, der Herr Jesus wird verleugnet und der Heilige Geist wird entsorgt. Was bleibt da noch übrig? Erst neulich habe ich es erleiden müssen, wie ein Gottesdienst „im Namen Gottes, uns Vater und Mutter, im Namen des Sohnes, uns Bruder und Freund und im Namen der heiligen Geistkraft“ eröffnet wurde, und ich kann nicht umhin zu rätseln, in wessen Namen die Leute da nun eigentlich versammelt waren…  *grusel*



Nachtrag 27. Juni: Übrigens hat das Erzbistum Paderborn schon im Januar 2020 einen "Praxisleitfaden für geschlechtergerechte Kommunikation" herausgegeben (hier). Hier war man immerhin klug genug, Gebetssprache und Gottesanrede ganz außen vor zu lassen. Es sind aber auch hier einige Beklopptheiten drin, etwa wenn "Wanderer" zu "Wer zu Fuß kommt," wird... offenbar glaubt man, beim Wandern ginge es nur darum, an ein verabredetes Ziel (eine Veranstaltung?) zu kommen... arme Leute.

Mittwoch, 2. Juni 2021

Verbot der "Weihe" von Frauen

Das erneuerte Strafrecht bietet insbesondere eine Neuerung, die in Deutschland bestimmt viel Resonanz hervorrufen wird. 

 

Bislang galt: "Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann." (c. 1024) und c. 1379 schrieb ganz allgemein vor, dass mit einer "gerechten Strafe belegt werden" "soll", wer eine "Sakramentenspendung vortäuscht". Nun konnte man c. 1024 ignorieren und behaupten, c. 1379 treffe ja gar nicht auf etwaige Diakoninnenweihe und dergleichen. So konnte man korrekt feststellen, dass nirgendwo im Kirchenrecht explizit drinsteht, dass man einer Frau nicht die Weihe spenden darf! Außerdem ist "soll mit einer gerechten Strafe belegt werden" eine ausgesprochen lasche Formulierung, an die sich offenbar niemand mit Verantwortung so recht gebunden wissen wollte. Es ist ebne nur eine "soll", keine "muss" Vorschrift, und "gerechte Strafe" scheint im Ermessen des Einzelnen zu liegen.

Damit ist es nun vorbei. Im neuen Canon 1379, §3 heißt es nun: 

»Jeder, der einer Frau die heilige Weihe zu spenden versucht, wie auch die Frau, welche die heilige Weihe zu empfangen versucht, zieht sich die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zu; ein Kleriker kann darüber hinaus mit der Entlassung aus dem Klerikerstand bestraft werden.«

 

Damit ist dreierlei klar: 

1. Es wird ausdrücklich der Versuch einer Weihe von Frauen (mulieres) als rechtswidrig verworfen (implizit ist damit nochmals bestätigt, dass so eine Weihe nicht möglich ist: es ist bloß der Versuch).

2. Wie c. 1024 betrifft diese Norm nicht bloß die "Priesterweihe", sondern jede "heilige Weihe" (sacrum ordinem).

3. Es gibt keine "soll" Vorschrift mit unklarem Strafmaß mehr, sondern ein solcher Versuch hat nun die Exkommunikation als Tatstrafe (latae sententiae) zur Folge (d.h. die Exkommunikation tritt im Moment des "Versuchs" automatisch ein).


Tja... und nun, Herr Bätzing?


PS. Ich bin überhaupt sehr froh um den ganzen neuen Abschnitt "Straftaten gegen die Sakramente" (cc. 1378-1389), den es vorher nicht gab und dessen Canones bisher anderweitig (etwa unter "Verletzung der Amtspflichten") verteilt und weniger deutlich waren.

Dienstag, 1. Juni 2021

Zum erneuerten kirchlichen Strafrecht

Papst Benedikt XVI. im Interview mit Peter Seewald in „Licht der Welt“ 2010 (aus JRGS 13/2, 865):

»[Seewald:] Es ist nicht nur der Missbrauch, der erschüttert, es ist auch der Umgang damit. Die Taten selbst wurden über Jahrzehnte ver schwiegen und vertuscht. Eine Bankrotterklärung für eine Institution, die sich die Liebe auf ihr Banner geschrieben hat.

[Ratzinger:] Dazu hat mir der Erzbischof von Dublin etwas sehr Interessantes gesagt. Er sagte, dass das kirchliche Strafrecht bis in die späten 1950er-Jahre hinein funktioniert hat; es war zwar nicht vollkommen – vieles ist daran zu kritisieren –, aber immerhin: Es wurde angewandt. Doch seit der Mitte der 1960er-Jahre wurde es einfach nicht mehr angewandt. Es herrschte das Bewusstsein, die Kirche dürfe nicht Rechtskirche, sondern müsse Liebeskirche sein; sie dürfe nicht strafen. So war das Bewusstsein dafür, dass Strafe ein Akt der Liebe sein kann, erloschen. Damals kam es auch bei ganz guten Leuten zu einer merkwürdigen Verdunkelung des Denkens. Heute müssen wir wieder neu erlernen, dass die Liebe zu dem Sünder und die Liebe zu dem Geschädigten dadurch im rechten Ausgleich stehen, dass ich den Sünder in der Form bestrafe, die möglich und die angemessen ist. Insofern gab es in der Vergangenheit eine Bewusstseinsveränderung, durch die eine Verdunkelung des Rechts und der Notwendigkeit von Strafe eingetreten ist – letztendlich auch eine Verengung des Begriffs von Liebe, die eben nicht nur Nettigkeit und Artigkeit ist, sondern die in der Wahrheit ist. Und zur Wahrheit gehört auch, dass ich denjenigen strafen muss, der gegen die wirkliche Liebe gesündigt hat.«


Papst Franziskus in der Apostolischen Konstitution Pascite gregis Dei vom 23. Mai 2021, mit der das Buch VI des Codex des kanonischen Rechtes erneuert wird (hier):

»Die Beachtung und Respektierung der Strafdisziplin der Kirche ist Aufgabe des ganzen Volkes Gottes, aber die Verantwortung für ihre korrekte Anwendung ist […] in besonderer Weise den Hirten und den Oberen der einzelnen Gemeinschaften aufgetragen. Es ist eine Aufgabe, die in untrennbarer Weise mit dem munus pastorale verbunden ist, das ihnen anvertraut wird. Sie soll als konkretes und unverzichtbares Erfordernis der Liebe gegenüber der Kirche, der christlichen Gemeinschaft und der eventuellen Opfer ausgeübt werden, aber auch gegenüber demjenigen, der eine Straftat begangen hat und der, zusammen mit der Barmherzigkeit, auch der Korrektur von Seiten der Kirche bedarf.

Das Unverständnis für den engen Zusammenhang, der in der Kirche zwischen der Ausübung der Liebe und der Umsetzung der Strafdisziplin besteht – immer, wenn es die Umstände und die Gerechtigkeit erforderlich machen –, haben in der Vergangenheit viel Schaden verursacht. Diese Art des Denkens – die Erfahrung lehrt uns das – steht in der Gefahr, dahin zu führen, dass man mit Gewohnheiten lebt, die der Rechtsordnung entgegenstehen und denen nicht nur durch Ermahnungen und mit Ratschläge begegnet werden kann. Eine solche Situation bringt oft die Gefahr mit sich, dass sich eine bestimmte Lebensweise im Laufe der Zeit verfestigt, eine Korrektur schwieriger macht und in vielen Fällen Ärgernis und Verwirrung unter den Gläubigen hervorruft. Aus diesem Grund ist die Anwendung der Strafen von Seiten der Hirten und der Oberen notwendig. Die Nachlässigkeit eines Hirten bei der Anwendung des Strafrechts macht deutlich, dass er seine Aufgabe nicht recht und treu ausübt […].

Es ist tatsächlich die Liebe, die es erforderlich macht, dass die Hirten das Strafsystem immer dann anwenden, wenn es erforderlich ist, und dabei die drei Ziele beachten, die es notwendig machen, nämlich die Wiederherstellung der Erfordernisse der Gerechtigkeit, die Besserung des Straftäters und die Beseitigung von Ärgernissen.«

 

Can. 1365 fand sich zuvor unter der Nummer 1371. Er ist also von den "Straftaten gegen die kirchliche Autorität und die Ausübung des kirchlichen Amtes" gewandert zu den "Straftaten gegen den Glauben und die Einheit der Kirche". Ob er nun auch vermehrt zu Anwendung kommt?

»Wer außer dem in can. 1364 § 1 genannten Fall [Apostasie, Häresie, Schisma] eine vom Papst oder einem Ökumenischen Konzil verworfene Lehre vertritt oder eine der in can. 750 § 2 oder in can. 752 behandelten Lehren hartnäckig ablehnt und, nach Verwarnung durch den Apostolischen Stuhl oder den Ordinarius nicht widerruft, ist mit einer Beugestrafe und Amtsverlust zu bestrafen; diesen Strafen können andere der in can. 1336 §§ 2-4 genannten Strafen hinzugefügt werden.«
 

Sonntag, 30. Mai 2021

Symbolum Athanasianum

John Henry Newman schätzte das aus dem 6. oder 7. Jahrhundert stammende sog. „Athanasianische Glaubensbekenntnis“ über alles, weil es die Essenz des christlichen Glaubens in unübertrefflicher Klarheit und Eindeutigkeit formuliert... früher wurde es am Sonntag Trinitatis im Stundengebet gebetet, heute ist es fast völlig in Vergessenheit geraten (auch der KKK erwähnt es nur einmal eher beiläufig).


Wer er immer selig werden will, der muss vor allem den katholischen Glauben fest halten.
Wer diesen nicht in seinem ganzen Umfange und unverletzt bewahrt, wird ohne Zweifel ewig zugrunde gehen.

Es ist aber katholischer Glaube, dass wir einen Gott in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit anbeten.
Ohne Vermengung der Personen und ohne Trennung der Wesenheit.
Denn verschieden ist die Person des Vaters, die des Sohnes und die des Heiligen Geistes.
Aber nur eine Gottheit ist im Vater und im Sohne und im Heiligen Geiste, gleich ist Ihre Herrlichkeit, gleich ewig Ihre Majestät.
Wie der Vater, so der Sohn, so der Heilige Geist.
Unerschaffen ist der Vater, unerschaffen der Sohn, unerschaffen der Heilige Geist.
Unermesslich ist der Vater, unermesslich der Sohn, unermesslich der Heilige Geist.
Ewig ist der Vater, ewig der Sohn, ewig der Heilige Geist.
Und doch sind es nicht drei Ewige, sondern nur ein Ewiger.
Wie auch nicht drei Unerschaffene und nicht drei Unermessliche, sondern ein Unerschaffener und ein Unermesslicher.
In gleicher Weise ist allmächtig der Vater, allmächtig der Sohn, allmächtig der Heilige Geist.
Und doch sind es nicht drei Allmächtige, sondern ein Allmächtiger.
Ebenso ist der Vater Gott, der Sohn Gott, der Heilige Geist Gott.
Und doch sind es nicht drei Götter, sondern es ist nur ein Gott.
Ebenso ist der Vater Herr, der Sohn Herr, der Heilige Geist Herr.
Und doch sind es nicht drei Herren, sondern nur ein Herr.
Denn wie wir nach Vorschrift der christlichen Lehre jede Person einzeln für sich als Gott und Herrn bekennen, so verbietet uns anderseits der katholische Glaube, drei Götter oder Herren anzunehmen.

Der Vater ist von niemand gemacht, auch nicht geschaffen, auch nicht gezeugt.
Der Sohn ist vom Vater nicht gemacht, nicht geschaffen, sondern gezeugt.
Der Heilige Geist ist vom Vater und Sohn, nicht gemacht, nicht geschaffen, nicht gezeugt, sondern hervor gehend.
Es ist also ein Vater, nicht drei Väter; ein Sohn, nicht drei Söhne; ein Heiliger Geist, nicht drei Heilige Geister.
Und in dieser Dreieinigkeit ist nichts früher oder später, nichts größer oder kleiner, sondern alle drei Personen sind sich gleich ewig und voll kommen gleich.
So ist in allem, wie schon vorhin gesagt, die Einheit in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit anzubeten.

Wer daher selig werden will, muss in dieser Weise an die heiligste Dreifaltigkeit glauben. Zum ewigen Heile ist es weiterhin notwendig, dass man auch an die Menschwerdung unseres Herrn Jesus Christus aufrichtig glaube.

Der wahre Glaube fordert also, dass wir glauben und bekennen: dass Jesus Christus, der Sohn Gottes, Gott und Mensch zugleich ist.
Gott ist Er, weil Er aus der Wesenheit des Vaters von Ewigkeit her gezeugt, und Mensch ist Er, weil Er aus dem Leibe der Mutter in der Zeit geboren ist.
Vollkommener Gott und vollkommener Mensch, der aus einer vernünftigen Seele und einem menschlichen Leibe besteht.
Er ist dem Vater gleich der Gottheit nach, Er ist geringer als der Vater der Menschheit nach.
Obgleich Er Gott und Mensch zugleich ist, so sind doch nicht zwei, sondern nur ein Christus.
Einer aber, nicht als ob die Gottheit in Fleisch verwandelt wäre, sondern weil Gott die Menschheit angenommen hat.
Einer ganz und gar, nicht durch Vermischung der Wesenheit, sondern durch Einheit der Person.
Denn wie die vernünftige Seele und das Fleisch nur einen Menschen ausmachen, so ist auch Gott und Mensch nur ein Christus.

Um unseres Heiles willen hat Er gelitten, ist zur Hölle abgestiegen und am dritten Tage wieder von den Toten auferstanden;
Er ist in den Himmel auf gefahren, sitzet zur rechten Hand Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen Er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.
Bei Seiner Ankunft werden alle Menschen auferstehen mit ihren Leibern und Rechenschaft ablegen über ihre eigenen Handlungen.
Und die, welche Gutes getan, werden hingehen zum ewigen Leben; die aber Böses getan, werden eingehen ins ewige Feuer.

Das ist der katholische Glaube; wer diesen nicht getreulich und fest bekennt, kann nicht selig werden.


[entnommen aus der deutschen Ausgabe des Breviarium Romanum von P. Morant, 1965]


Hat nicht speziell mit dem Athanasianum zutun: Etwas skurril fand ich es heute in der Predigt (fremder Prediger) als gegen Ende wie aus dem Nichts gegen die seit dem Mittelalter oft anzutreffende Darstellung des Gnadenstuhles (s. Bild) geschossen wurde (die Predigt war insgesamt eher flach und wenig erbaulich). Diese Darstellung sei kalt und starr und nicht einladend. Diese Bemerkung trug zum Thema der Predigt nichts bei und war im Grunde überflüssig.

Zunächst muss man wissen, dass unter „Gnadenstuhl“ eine ganze Palette an Nuancen zu finden ist. Wesentlich ist, dass Gott Vater seinen Sohn (mit oder ohne Kreuz) hält und (meist) der Heilige Geist in Gestalt der Taube bei ihnen ist. Eng verwandt ist die Darstellung der Taufe Jesu mit der Hand Gottes im Himmel, die den Geist als Taube auf Jesus herabsendet. Es gibt sogar Varianten als „Pietà“, wo Jesus im Schoß des sitzenden Vaters liegt, was, mittelalterlicher Mystik entsprechend, die Trauer des Vaters besonders stark ausdrückt (manchmal hat der Vater auch die gleichen Wundmale, das ist aber theologisch eher fragwürdig). Der Prediger hatte wohl eine frontale Darstellung mit Kreuz im Sinn. Trotzdem ist seine Äußerung fragwürdig: Mag ja sein, dass in seinem Kunstempfinden eine bestimmte Variante des Gnadenstuhls keine besonders einladende oder schöne oder sinnvolle Darstellung ist, aber so eine persönliche, pauschale, hingeworfene, und zudem wenig erleuchtete „Kunstkritik“ gehört nicht in eine Predigt. Aber sei's drum...

Dabei hätte so ein Verweis auf diese Darstellungsweise der Trinität an diesem Trinitatis-Sonntag eine Steilvorlage für eine nicht nur biblische, sondern auch liturgische Predigt geboten: Der „Gnadenstuhl“ ist nämlich untrennbar vom Römischen Kanon (1. Hochgebet), dem er bis heute (nur nicht im deutschen, völlig schmucklosen Messbuch) oft vorangestellt ist: "Dich, gütiger Vater, bitten wir durch deinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus…" Im Grunde ist diese Darstellungsweise eine Verbildlichung dieses Hochgebets, insbesondere der drei auf die Wandlung folgenden Gebete:

Darum, gütiger Vater, feiern wir, deine Diener und dein heiliges Volk, das Gedächtnis deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus. Wir verkünden sein heilbringendes Leiden, seine Auferstehung von den Toten und seine glorreiche Himmelfahrt. …“
Blicke versöhnt und gütig darauf nieder und nimm sie an…“
Wir bitten dich, allmächtiger Gott: Dein heiliger Engel trage diese Opfergabe auf deinen himmlischen Altar vor deine göttliche Herrlichkeit…“

Der Vater empfängt seinen Sohn, nachdem „alles vollbracht“ war (vgl. Joh 19,28-30), zurück, und er gibt ihn zugleich, reicht ihn uns dar zur Speise im Sakrament.

Die früheste Darstellung in Verbindung mit der Bezeichnung „Gnadenstuhl“ zeigt Gottvater, wie er den Gekreuzigten hält, und zwar über dem „Deckel“ der Bundeslade, denn der (neuzeitliche) Begriff „Gnadenstuhl“ stammt aus der Lutherübersetzung von Hebr 4,16; das gleiche griechische Wort meint in Hebr 9,5 den „Deckel“ der Bundeslade (vgl. Ex 37,6: Sühneplatte) und bezeichnet somit aus alttestamentlichem Blickwinkel nichts weniger als den Ort der Offenbarung Gottes. (Genau wie das Athanasianische Credo, das sich auch unter den lutherischen Bekenntnisschriften findet, ist also auch die Gnadenstuhl-Darstellung ausgesprochen ökumenisch.) Wiederum das gleiche Wort gebraucht Paulus in Röm 3,25 („Sühnopfer“) und er beschreibt damit wunderschön, was wir in einer solchen Darstellung sehen:

»Ihn hat Gott aufgerichtet als Sühnemal - wirksam durch Glauben - in seinem Blut, zum Erweis seiner Gerechtigkeit durch die Vergebung der Sünden, die früher, in der Zeit der Geduld Gottes, begangen wurden; ja zum Erweis seiner Gerechtigkeit in der gegenwärtigen Zeit, um zu zeigen: Er selbst ist gerecht und macht den gerecht, der aus Glauben an Jesus lebt.«

Nicht starr und kalt ist diese Darstellung, die es immerhin seit über 700 Jahren gibt, sondern ausgesprochen warm, denn sie stellt das Heilsmysterium selbst dar, das Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist für uns vollbracht haben und vollbringen. Es ist hoch dynamisch: Der Sohn hat uns erlöst, der Vater empfängt ihn und gib ihn zugleich, der Geist wirkt und beschirmt das Heilsgeschehen mit seinen sprichwörtlichen Flügeln. Das Athanasianische Glaubensbekenntnis macht passend dazu überdeutlich, dass und wie wir diesen einen Gott in drei Personen anbeten...

Freitag, 28. Mai 2021

Josephs-Litanei


Ida Friederike Görres

Entwurf zu einer Josephs-Litanei



Joseph,

du Schatten des Ewigen Vaters,

du Pflegevater des Ewigen Sohnes,

du Jünger des Heiligen Geistes,

Auserwählter des Dreieinigen Gottes.


Joseph,

Haupt der Heiligen Familie,

Gemahl der Gottesmutter,

Ernährer des Menschensohnes,

Vormund des Ewigen Wortes,

Erzieher Jesu,

Hüter deines Herrn,

Schützer der Quelle,

Bewahrer der Geheimnisse,

Wächter unsres Heiles,


Joseph, 

du Ehre Israels,

du Sohn Davids,

mit Maria verlobt,

von Zweifeln zerrissen,

von Engeln getröstet,

von Engeln belehrt,

von Träumen erleuchtet.

das Gesetz erfüllend,

von Gnade überwältigt,

Zeuge der Geburt Christi,

Flüchtling in Ägypten,

Zimmermann in Nazareth.


Joseph,

du gerechter Mann,

du treuester Knecht,

staunend und schweigend,

vollkommen in Einfalt,

Fels der Geduld,

demütig und weise,

großmütig und stark,

jedem Wink Gottes bereit,

allzeit gehorchend,

allzeit entsagend

glaubend ohne zu sehen,

lebend aus Vertrauen,

bewährt in der Liebe,

sterbend in der Erwartung,

harrend vor der Schwelle,

heimgeholt in der Himmelfahrt des Herrn.


Joseph,

Freund der Familien,

Spiegel der Ehen,

Beschützer der Kinder,

Vorbild der Priester,

Leuchte des Alltags,

Führer in Gefahren,

Geleiter ins Ungewisse,

Patron der Kinderlosen,

Tröster der Verzichtenden,

Ernährer der Armen.


Joseph,

gesegnet und selig,

erhöht von der Dankbarkeit Jesu,

gekrönt mit Herrlichkeit,

Fürst im Hause Gottes,

waltend über seine Güter,

austeilend Speise zur rechten Zeit,

mächtigster Fürbitter,

Schutzherr der Kirche, bitte für uns, Amen.



Bin ein großer Fan von Ida Friederike Görres. Habe aber der beiläufigen Erinnerung durch Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz (bei der heute und morgen in Heiligenkreuz stattfindenden Tagung über „Eros und Jungfräulichkeit“) bedurft, um, anlässlich des Josephsjahres, die Josephslitanei jener selbigen Ida Görres auszubuddeln. Ich wusste, dass es sie gibt, habe das entsprechende Buch auch da, aber sie war mir entschwunden... Hier ist sie zu finden: Ida Friederike Görres, Aus der Welt der Heiligen, Frankfurt a. M. 1955, 140f.

Wie Theologie heute funktioniert - 2

Am 30. April fand eine Fachtagung der zum Bistum Essen gehörigen "Katholischen Akademie Die Wolfsburg" unter dem Titel "Segen für alle. Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare" statt. Der Essener Generalvikar Pfeffer begrüßte und führte in die Tagung. Alle Vorträge können seit einer Woche HIER angesehen werden. Dabei kamen Vertreter vieler theologischer Disziplinen zu Wort und verkündeten einmütig und nicht wenig traurig/verbittert ("froh" war da wohl keiner... komisch), dass die Segnung gleichgeschlechtlicher Verbindungen ein Gebot der Stunde sei und im übrigen sowieso keine tragfähigen Argumente dagegen stünden. Ich finde diese Tagung bedenkenswert, weil sie den theologischen Mainstream in Deutschland mit allen Abgründigkeiten sehr zutreffend repräsentiert.


Ich habe mir nicht alles angesehen, aber besonders heraus sticht für mich bisher der Vortrag des Tübinger Neutestamentlers Michael Theobald. Im Kern argumentiert er: Weil die Bibel nichts davon wisse, dass Homosexualität auch Veranlagung sei, wie wir sie heute verstünden, urteile sie folglich gar nicht über den sittlichen Wert dessen, was heute darunter verstanden wird (aber in Gal 3,28 ließt Theobald dann doch Homo- und Heterosexuelle hinein, wobei er diese Stelle sowieso dermaßen grundfalsch versteht, dass es der Beschreibung spottet [nur soviel: es hat was mit der Taufe zutun!]). Über die Aussagen des Apostels Paulus am Beginn des Römerbriefes sagt er: "Wenn Gott die Menschen zur Strafe für ihren Götzendienst an ihre sündhafte Leidenschaften preisgibt [so Paulus], kann hier nicht von Veranlagung die Rede sein, sondern nur von entschlusshaften, sündhaften Taten, die unter das Gericht Gottes fallen."

Damit sagt er nichts anderes, als dass Gottes Gebote dann nicht gelten, wenn eine Handlung "aus Veranlagung" getan wird. Die Gebote gelten nur für "entschlusshafte" Taten (implizit mitgesagt: gegen die eigene Veranlagung). Damit entmündigt Theobald faktisch alle, die eine homosexuelle Veranlagung haben und sie ausleben, er sagt ihnen: Ihr könnt nichts dafür, ihr müsst so handeln, es ist eure Veranlagung; aber keine Sorge, dafür verurteilt euch Gott nicht, denn er hat euch schließlich so geschaffen.

Dass Menschen trotz Veranlagung auch anders handeln können, kommt ihm nicht in den Sinn. Auch nicht, dass mit dem exakt gleichen Argument z.B. auch Pädophile endgültig rehabilitiert sind: Die können nichts dafür, sie sind eben pädophil veranlagt, darum können wir das nicht als Sünde verurteilen. Dass Paulus mit der ganzen jüdischen Tradition gleichgeschlechtlichen Verkehrt als "widernatürlich" klassifiziert, wischt er mit einem Zitat des evangelischen Neutestamentlers Michael Wolter hinweg: "Was Menschen[!] als natürliches und als widernatürliches Handeln bezeichnen, ist in Wahrheit nichts anderes, als eine kulturelle Konstruktion."

Das gilt dann folglich auch für Pädophilie, Inzest, Sodomie, Nekrophilie...? Nicht Gottes Wille, sondern alles nur gesellschaftliche Konstruktion.


Theobald versucht am Beginn seines Vortrags auch, seinen Hörern zu verklickern, dass man in Rom geteilter Meinung zu dem Thema sei: Die Päpstliche Bibelkommission (die zur Kongregation für die Glaubenslehre gehört) sei demnach einer ganz anderen Meinung als die Kongregation für die Glaubenslehre. Das kann er natürlich nur behaupten, weil er das Dokument jener Kommission von 2019 "Was ist der Mensch?" (hier; der entsprechende Abschnitt ist hier auf Deutsch verfügbar) sehr selektiv zitiert und für den Rest seines Vortrags das Gegenteil von dem behauptet, was die Bibelkommission sagt.

Montag, 24. Mai 2021

Gedanken zum "synodalen Prozess"

Ein paar erste einordnende Gedanken und Hinweise zum in diesem Jahr startenden synodalen Prozess der Weltkirche:


1) Schon allein sprachlich wird man sich hierzulande viel Mühe geben, den weltweiten synodalen Prozess als Ausweitung des deutschen suizidalen Weges zu verkaufen indem man z.B. den schwachsinnigen Namen „synodaler Weg“ („gemeinsamer Weg Weg“) dafür verwendet. Man reklamiert jetzt schon für sich, diesen weltweiten Prozess (mit) inspiriert zu haben, ja dessen „Wegbereiter“ zu sein. Natürlich stimmt das nicht, allein schon deshalb, weil der deutsche „synodale Weg“ 1. rechtswidrig ist (siehe den Brief von Kardinal Ouellet an Marxens vom September 2019) und 2. alle seine Themen bereits von Rom kassiert worden sind. Der suizidale Weg in Deutschland ist per Definition nicht synodal, weil er nicht die Spielregeln einer Synode befolgt. Das Wort synodal im Namen macht es nicht automatisch zu einer Synode - so wenig wie Zitronenfalter Zitronen falten. Das ist ja auch der Grund, warum man ihn so bekloppt benannt hat, statt ihn „Synode“ zu nennen: Man wollte das für „Synoden“ verbindliche Reglement umgehen, und hat dafür in Kauf genommen, ein kirchenrechtlich nicht existentes Etwas zu erschaffen, das folglich auch keine rechtliche Verbindlichkeit für irgendwen beanspruchen kann. (Die „Würzburger Synode“ von 1971-75 hat übrigens auch keinerlei Rechtsgültigkeit, da ihre Beschlüsse von Rom nicht approbiert wurden, aber das nur am Rande. Irgendwie können wir Deutschen Synode nicht.)

2) Natürlich hat der weltweite synodale Prozess auch aus sich heraus nichts mit dem deutschen suizidalen Weg seit 2019 zutun oder gemein: Jener wurde im Grunde bereits 2015 vom Papst zwischen den Zeilen angekündigt als er sagte: „Die Welt, in der wir leben und die in all ihrer Widersprüchlichkeit zu lieben und ihr zu dienen wir berufen sind, verlangt von der Kirche eine Steigerung ihres Zusammenwirkens in allen Bereichen ihrer Sendung. Genau dieser Weg der Synodalität ist das, was Gott sich von der Kirche des dritten Jahrtausends erwartet.“ (Ansprache zur 50-Jahr-Feier der Errichtung der Bischofssynode am 17. Oktober 2015; hier) Was im Oktober losgehen soll, hat der Papst damals schon ziemlich genau ausformuliert: „Die synodale Reise[*] beginnt im Hinhören auf das Volk, das ‚auch teilnimmt am prophetischen Amt Christi‘ […]. Der Weg der Synode setzt sich fort im Hinhören auf die Hirten. Durch die Synodenväter handeln die Bischöfe als authentische Hüter, Ausleger und Zeugen des Glaubens der ganzen Kirche, wobei sie verstehen müssen, diesen von den oft wechselhaften Strömungen der öffentlichen Meinung zu unterscheiden. […] Und schließlich gipfelt der synodale Weg im Hören auf den Bischof von Rom, der berufen ist, als ‚Hirte und Lehrer aller Christen‘ zu sprechen: nicht von seinen persönlichen Überzeugungen ausgehend, sondern als oberster Zeuge der fides totius Ecclesiae [des Glaubens der gesamten Kirche], als ‚Garant des Gehorsams und der Übereinstimmung der Kirche mit dem Willen Gottes, mit dem Evangelium Christi und mit der Überlieferung der Kirche‘.“

3) Bereits seit 2014 hat sich zudem die Internationale Theologische Kommission mit dem Thema befasst und dazu 2018 ein entsprechendes Dokument veröffentlicht (das man für den deutschen suizidalen Weg geflissentlich ignoriert hat, das die Weltkirche aber nicht ignorieren kann), das jeder Interessierte lesen sollte (hier; vgl. Karl-Heinz Menke dazu hier).

4) Der nun angestoßene synodale Prozess zielt m.E. auch stark auf Fortschritte auf dem Weg der Ökumene mit den orthodoxen Kirchen. Verwiesen sei auf die „Gemeinsame Internationale Kommission für den theologischen Dialog zwischen der Römisch‐Katholischen Kirche und der Orthodoxen Kirche“; über die Jahre gehörten dieser Kommission so illustre Namen an wie z.B. Louis Bouyer und Joseph Ratzinger auf katholischer Seite, und John Zizioulas und Dumitru Staniloae auf orthodoxer Seite (hier gibt es alle Dokumente von 1980 bis 2010). Diese Kommission hat seit dem so genannten Valamo-Dokument (benannt nach dem Ort der Unterzeichnung) von 1988 immer wieder auch die Synodalität als wesentliches Element des kirchlichen Lebens herausgestellt: unter den „Formen der Ausübung der Gemeinschaft unter den Bischöfen“ wird dort als „hauptsächlich das synodale oder konziliare Leben“ benannt (Nr. 52). Auch 2007 hat diese Kommission im so genannten Dokument von Ravenna die Frage der Konziliarität/Synodalität thematisiert. Darin heißt es z.B.: „Diese konziliare Dimension des Lebens der Kirche gehört zu ihrem tiefsten Wesen. D.h. sie ist im Willen Christi für sein Volk begründet (vgl. Mt 18,15-20), selbst wenn ihre kanonische Verwirklichung notgedrungen auch durch Geschichte und den sozialen, politischen und kulturellen Kontext bestimmt wird.“ (Nr. 10) Der nun angestoßene synodale Prozess soll bekanntluch auf mehreren Ebenen laufen (Bistümre, Bischofskonferenzen, kontinentale Konferenzen, Rom); genau das fand sich 2007 im Ravenna-Dokument formuliert: „So definiert muß die konziliare Dimension der Kirche auf den drei Ebenen kirchlicher Communio, der lokalen, regionalen und universalen Ebene, zu finden sein“ (ebd.). Im Jahr 2016 wurde das so genannten Chieti-Dokument veröffentlicht (hier), das sich mit Synodalität und Primat der Kirche im ersten Jahrtausend befasste. Dort wird etwa mit Blick auf Johannes Chrysostomos gesagt: „Synodalität ist eine grundlegende Qualität der Kirche als ganzer.“ (Nr. 3) Auch hier findet sich wieder die dreistufige unterscheidung der lokalen, regionalen und universslen Synodalität, was dann im Einzelnen näher ausgeführt wird.

5) Die Meinungsmacher und Meinungsmachthaber in der deutschen suizidalen Kirche werden sich sehr bemühen, das Ruder an sich zu reißen und weltweit Druck auszuüben. Keine Sorge: Die Zeiten sind vorbei. Die katholische Kirche in Deutschland hat längst ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Auch die deutschsprachige Theologie, die einst das letzte Konzil maßgeblich bestimmte, und die aktuell das Loblied auf die Segnung gleichgeschlechtlicher Akte singt, wird weltweit mehr und mehr ignoriert.

6) Der suizidale Weg deutscher Machart wird durch den weltkirchlichen synodalen Prozess faktisch zur Marginalie. Alles was bisher dafür getan wurde und was noch getan werden sollte, kann direkt in die Tonne. Schon strukturell wird jener weltkirchliche Prozess völlig anders ablaufen und der Takt wird letztlich von Rom vorgegeben (hier der Ablauf). Die rechtswidrig erzielten „Ergebnisse“ des suizidalen Weges können nicht in das neue Format überführt werden.

7) In seinem Brief an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland (vgl. meine Gedanjken dazu hier, hier und hier) hat Franziskus deutlich gemacht, was für ihn bei der Frage der Synodalität die „bestimmenden Elemente“ sind: Evangelisierung und der Sensus Ecclesiae (vgl. dazu hier). Beides existiert beim deutschen suizidalen Weg nicht. Papst Franziskus am 30. April dieses Jahres an die Nationalversammlung der Katholischen Aktion Italiens (hier; eigene Übersetzung): „Eine Kirche des Dialogs ist eine synodale Kirche, die auf den Geist und auf die Stimme Gottes hört, die uns durch den Schrei der Armen und der Erde erreicht. In der Tat ist das Synodale nicht so sehr ein Plan, der geplant und verwirklicht werden muss, sondern vor allem ist es ein Stil, den es zu verkörpern gilt. Und wir müssen präzise sein, wenn wir von Synodalität, von einer synodalen Reise, von synodaler Erfahrung sprechen. Es ist kein Parlament, Synodalität bedeutet nicht, zu parlamentieren. Synodalität ist nicht die bloße Diskussion über Probleme, über verschiedene Dinge, die in der Gesellschaft existieren ... sie ist mehr. Die Synodalität strebt keine Mehrheit an, eine Einigung über pastorale Lösungen, die wir treffen müssen. Das allein ist keine Synodalität; das ist ein schönes ‚katholisches Parlament‘, okay, aber es ist keine Synodalität. Weil der Geist fehlt. Was die Diskussion, das ‚Parlament‘, die Suche nach Dingen[?] zur Synodalität macht, ist die Gegenwart des Geistes: Gebet, Schweigen, Unterscheidung von allem, was wir teilen. Ohne den Geist kann es keine Synodalität geben, und ohne Gebet gibt es keinen Geist. Dies ist sehr wichtig.“

 

Ich bin sehr gespannt. Die deutschsprachigen Mitraträger werden es in der Mehrheit und als DBK wohl tunlichst vermeiden, ihrer Hirtenpflicht nachzukommen, und sich stattdessen mit großer Begeisterung vor den Karren wechselhafter Strömungen der öffentlichen Meinung“ spannen lassen; aber ich bin zuversichtlich, dass die Weltkirche sich daran kein Beispiel nehmen wird.



[*] Das  italienische „cammino sinodale“ kann man mit „synodaler Weg“ übersetzen, aber dann ist es eben unsinnig, weil im griechischen Wort „Synode“ schon das Wort „Weg“ drinsteckt (syn = gemeinsam; hodos = Weg). Auf italienisch kann man das deshalb sinnvoll sagen, weil das italienische Wort „cammino“ eigentlich
das Gehen/Laufen oder „das zu Gehende/Laufende“ meint (it. camminare = laufen, gehen, wandern); stünde hier ein anderes italienisches Wort für „Weg“, z.B. sentiero (Pfad), via (Weg) oder passo (Pass, Schritt, Weg), ergäbe sich das gleiche Problem wie im Deutschen. Nur dooferwesie haben wir keine deutsche Entsprechung für cammino, die diesen Unfug vermeiden könnte, am ehesten scheint mir im Kontext noch das Wort „Reise“ zu funktionieren, daher von mir so wiedergegeben. Wer auch immer in der DBK sich für die Benennung des suizidalen Weges womöglich an jenen Worten des Papstes bedient hat, beherrschte vermutlich weder Italienisch noch Griechisch.