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| Ecclesia am Freiburger Münster |
Johannes fragt nach der "wahren Kirche Christi".
Eine Sache die mich in der Zeit meiner Bekehrung (als die Frage im Raum stand, ob ich mich "katholisch taufen" lassen würde oder nicht) natürlich besonders umtrieb, war genau diese Frage.
Aber etwas machte mich stutzig: Alle Sekten, kirchlischen Gemeinschaften, schismatischen Gruppen und sonstiges Gewächs hat nämlich genau diesen Anspruch, genau das zu verwirklichen, was Christus gewollt habe. Seien es irgendwelche biblizistischen Evangelikalen, Zeugen Jehovas, Piusbrüder oder andere. Aber vor Allem: Sie haben diesen Anspruch hoch oben auf ihrem Banner stehen!
Als Gott mich damals fand und ich versuchte rauszukriegen, wo ich ihm wohl am authentischsten begegnen kann, fand ich Folgendes sehr bemerkenswert: Obzwar die Katholische Kirche sagt, in ihr subsitiere die Kirche Christi, offenbarte sie als einzige die Demut und die Ehrlichkeit, sich ihre Unzulänglichkeit einzugestehen!
Die erwähnten Sekten, schismatischen Gruppen etc. sind stets um Abgrenzung und Selbstprofilierung bemüht. In ihrer "Mission" ist immerzu und rabiat davon die Rede, sie hätten die Wahrheit mit Kellen gefressen und sie wüssten genau, was Jesus gewollt habe und sie würden das auch so umsetzen. Zugleich bemerkte ich aber bei den Katholiken ein sehr aufrichtiges Bewusstsein um die eigene Fehlbarkeit (eindrucksvoll etwa in den ersten zwei Interviewbüchern von Kardinal Ratzinger). Ein wichtiger Punkt ist dabei auch das Schuldbekenntnis der Kirche im Jahr 2000 gewesen.
Natürlich, sie ist die una sancta. Aber sie hat die Cojones sich einzugestehen, dass sie darum immer wieder zu kämpfen hat! Sie weiß, dass ihr Antlitz, obzwar heilig, doch beschmutzt werden kann. Sie weiß, dass die Wahrung der Apostolizität nur mit Verzicht und Hingabe zu bewerkstelligen ist. Nicht mit Demokratie, nicht mit Meinungen, nicht mit Larifari.
Diese Kirche ist sich dessen, was Kirche ist, wirklich bewusst: "Der Kampf der Unheiligen um die Heiligkeit." (J. Ratzinger) Und das unterscheidet sie m.E. von allen Möchtegernkirchen! Das macht sie zur "wahren Kirche", in der die Fülle dessen verwirklicht und treu verwaltet wird, was Gott seinem Volk, allen Menschen, zukommen lassen will (darum: äußere und innere Katholizität).
Dieses Selbstbewusstsein ermöglicht es der Kirche sodann, mit Respekt und Achtung anderen Konfessionen und Splittergruppen zu begegnen... sie ist eben doch eine Mutter!
Es gibt eine schöne Anekdote vom Zweiten Vatikanischen Konzil: Yves Congar (den ich sehr schätze!) und Hans Küng erklimmen gerade die Stufen zum Petersdom um dort einer Konzilssitzung beizuwohnen. Der schon damals reformwütige und unzufriedene Hans Küng beklagt minutenlang all das Ungemach in der Kirche, den (in seinen Augen) Ballast und alles was in ihr (tatsächlich) nicht ganz rund läuft. Oben angekommen erwiedert ihm Congar, mehr flehend als wohlweißlich, schlicht: „Aber, sie ist doch unsere Mutter!“






