Samstag, 30. August 2014

Llovera-Verschwörung

Seit vor ein paar Tagen bekannt wurde, dass der bisherige Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Antonio Kardinal Cañizares Llovera, den Vatikan verlässt und den erzbischöflichen Stuhl in Valencia besetzen wird (er ersetzt dort den zugleich nach Madrid berufenen Erzbischof Carlos Osoro Sierra), rumort es auf den Blogs.
Letztlich wird dabei dem Papst unterstellt, er wolle einen unliebsamen "Konservativen" weghaben. So blökt etwa katholisches.info in die Weiten des Netzes (hier) unverhohlen von einer "Absetzung des Präfekten". Der ganze Artikel ist ziemlich ekelhaft.
Hach ist das schön, so eine einfache, klischeehafte, die eigenen Unzufriedenheit bestärkende Antwort zu haben!

Es ist seit mehr als einem Jahr bekannt, dass Kardinal Cañizares Llovera nach Spanien zurückkehren möchte. Diese Tatsache wird nun so umgedeutet, als hätte der Papst ihn bereits kurz nach seiner Wahl absetzen wollen.
Zwar stimmt es, dass zuweilen Leuten ein Wunsch nach Versetzung nahegelegt wird, aber das geschieht in der Regel dann, wenn etwas illegales oder sonstwie problematisches vorgefallen ist; in diesem Fall wäre es aber nur die "liturgische Sensibilität", wie es katholisches.info süffisant nennt, also bloß die Laune des Papstes, die ausschlaggebend ist.
Das ist natürlich furchtbar praktisch für die Verschwörungstheoretiker, aber mir scheint, ihnen ist die Konsequenz ihrer These nicht ganz klar: Wenn das stimmen sollte, dass der Wunsch von Kardinal Cañizares Llovera kein solcher ist, sondern er vom Papst aus einer Laune heraus dazu gezwungen wurde, dann haben wir im Vatikan einen ziemlich verlogenen Haufen vor uns. Dann wäre der Papst seit seiner Wahl ziemlich gezielt auf Menschenjagd gewesen und hätte fast schon augenblicklich Kandidaten für den Rauswurf identifiziert und auch bereits über ihr unabwendliches Schicksal informiert: "Du kannst schonmal deine Koffer packen, jetzt bin ich am Hebel!" (Vgl. hier)

Was bei alledem völlig außer Acht gelassen wird ist, was diese personellen Verschiebungen für Spanien bedeuten. Ist schonmal jemand auf den Gedanken gekommen, dass es der Kirche in Spanien gut tun könnte, so einen fähigen und gütigen Mann an so entscheidender Stelle bei sich zu haben? Die spanische Bischofskonferenz ist nämlich schon seit einer Weile dabei, sich selbst zu erneuern und umzumodeln. Es entgeht den gehässigen Kommentatoren auch die Person des designierten Madrider Erzbischofs Osoro Sierra, der nämlich als "aufgehender Stern" unter den spanischen Bischöfen durchaus "konservativ" gilt, und dessen Berufung nach Madrid dementsprechend von großer Bedeutung ist. Mit Cañizares Llovera in Valencia bekommt die Kirche in Spanien zudem eine wichtige Stütze in der Weltkirche.

Diese Bemühungen, dem Papst eine egozentrische Agenda zu unterstellen der jeder zum Opfer fällt, der ihm nicht in den ihm unterstellten Kram passt, funktioniert natürlich nur mit einer überaus krass selektiven Wahrnehmung. Die einzige wirkliche Information, die aus solchen Beiträgen (etwa dem oben verlinkten auf kathlisches.info) zu entnehmen ist, ist die Geisteshaltung des Autors. Ihn interessiert weder die Kirche in Spanien noch der Mensch Cañizares Llovera (der nun in sein Heimatbistum zurückkehrt), noch der Papst. Ihn interessiert nur sein heiß geliebtes Steckenpferd und die panische Angst, man könnte es ihm wegnehmen oder irgendwie madig machen.
Achja: Es steht dem Papst übrigens frei, die Personalien des Vatikans zu regeln wie es ihm beliebt. Vielleicht sollte man auch einfach mal abwarten, wer Nachfolger von Cañizares Llovera wird.

Was, wenn der Kardinal tatsächlich einfach gern in seinem Heimat zurückkehren und lieber wieder in der Seelsorge tätig sein will? Was, wenn in seiner Person der spanischen Kirche einer ihrer Söhne zurückgegeben und durch ein langes fruchtbares Wirken zum Geschenk wird? Was, wenn der Papst nicht der Buh-Mann ist?

Kommentare:

  1. Bedenkenswerte Argumente, aber ganz so harmlos ist die Geschichte wohl doch nicht,
    und keineswegs die bösen Blogger haben da irgendwas ausgegraben, sondern seriöse
    Journalisten wie der ZDF-Korrespondent in Rom und auch der KNA-Chefredakteur.
    Die werden sich hüten, sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen, wenn sie für ihre Vermutungen
    weder Belege noch Zeugen haben.

    http://kreuzknappe.blogspot.de/2014/08/wirbel-um-personalentscheidung-des.html

    http://www.katholisch.de/de/katholisch/themen/kirche_2/140829_franziskus_umbau_vatikan.php

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    1. ehm... "seriöse Journalisten"?...
      Nein, also die seriösen Journalisten sind mir eigentlich herzlich egal, denn ich habe es schon lange aufgegeben, im medialen Mainstream glaubwürdige Nachrichten über die Kirche zu erwarten. Manchmal werde ich überrascht, meistens aber nur bestätigt.
      Letztlich sind es alles Menschen die immer auch durch ihre eigene Brille schauen und eine mal mehr, mal weniger klare Tendenz haben. Die KNA ist davon auch nicht frei.
      Die Richtung meines Beitrags ist eher diese: Dass ausgerechnet Leute in der Kirche, zumal welche, die sich treu zur Kirche wähnen, solche Verschwörungstheorien (weiter)verbreiten, das ist es, womit ich ein Problem habe. Wenn jemand vom ZDF über sowas berichtet, messe ich dem zunächstmal instinktiv nicht mehr Wert zu, als der neuesten Schlagzeile vom "Protzbischof"...

      Das Witzige ist doch, dass sich hier der rechte und der linke Rand (bzw. die außerkirchliche "Öffentlichkeit") wiedermal einmütig treffen können (ähnlich wie bei der Berichterstattung über die kommende Synode): die einen voller Furcht, weil sie den Papst für einen Häretiker halten, die anderen voller Hoffnung, weil sie den Papst als ihren persönlichen Wunscherfüller betrachten. Beiden würde es wunderbar in die Schablone passen, wenn die Verschwörungstheorie der Wahrheit entspräche. Und beide irren sich... wie üblich.

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