Samstag, 30. August 2014

Der selige Ildefons Schuster

Abt Ildefons
Alfredo Ildefonso Kardinal Schuster OSB (oder kurz und eingedeutscht: Ildefons Schuster) starb heute vor 60 Jahren, am 30. August 1954 im Alter von 74. Er war seit 1929 Erzbischof von Mailand und zuvor Abt von St. Paul in Rom. Sein Nachfolger in Mailand, Bischof Montini, der spätere Papst Paul VI., leitete für Schuster bereits drei Jahre nach dessen Tod ein Seligsprechungsverfahren ein, das 1996 mit der Seligsprechung durch Johannes Paul II. endete. Sein Gedenktag ist heute, am 30. August, sein Körper ruht im Dom in Mailand in einem gläsernen Schrein unter einem der Seitenaltäre.

Schuster leitete seine Diözese in den schweren Jahren des Weltkrieges mit großer Weisheit, nie seinen "Posten" verlassend, und legte besonderen Wert auf den direkten Kontakt mit den Gläubigen: Er machte so viele Pastoralbesuche, dass man seriös schätzt, er habe während seiner 25-jährigen Amtszeit jede Pfarrei fünf Mal besucht (bei entlegeneren Orten auch per Esel). Er verfasste  unzählige Hirtenschreiben an den Klerus und die Gläubigen seiner Diözese, die sich auch besonders mit der Liturgie befassten. In jeder Hinsicht ein Vorbild für unsere Bischöfe heute! Leider ist Ildefons Schuster heute in Vergessenheit geraten - selbst unter den "Konservativen" kennt man den Namen i.d.R. nicht.

Diese Vergessenheit gilt leider auch für sein literarisches Opus magnum: Das zehn Bände umfassende "Liber Sacramentorum", das "Geschichtliche und liturgische Studien über das römische Meßbuch" enthält (Bd. 10 ist ein nachträglich erschienener Registerband). Das Werk mit seinen gut 2500 Seiten ist in viele Sprachen übersetzt worden und wurde zwischen 1929 und 1932 von Pustet in Regensburg auf Deutsch herausgegeben (auch in einer Ausgabe die alle zehn Bände in vier Büchern versammelt).

Es werden in diesem Werk nicht nur die liturgischen Texte, die Festgeheimnisse und die Gestalten der jeweiligen Heiligen kommentiert und betrachtet (wie das anderswo, etwa von Pius Parsch oder Aemiliana Löhr sehr gut getan wurde), sondern gewissermaßen kulturhistorisch und auch archäologisch das die Liturgie in Rom (und darüber hinaus) betreffende und umgebende Leben erzählt, wie sich etwa ein Fest entwickelt hat, wie es begangen wurde und natürlich wie die Liturgie und ihre Texte zu ihrer (zu Schusters Zeit) gegenwärtigen Gestalt gelangten. Wer z.B. wissen will, wie das Fest Maria Himmelfahrt im 11. Jahrhundert in Rom gefeiert wurde oder warum das in Rom Verehrte "Haupt des Johannes" nicht das Haupt Johannes des Täufers ist, findet in diesem Werk reichlich Material. Dass das Werk sehr auf Rom fokussiert ist liegt in der Natur der Sache.

Der Autor über Ursprung und Ziel seines "Liber Sacramentorum":
»Vorliegendes Buch enthält die Konferenzen, die ich in einem kleinen Kreis von Studenten der päpstlichen Institute Scuola superiore di musica sacra und Instituto Orientale in Rom gehalten habe.
[...]
Das römische Meßbuch ist das erhabenste und bedeutendste Werk der kirchlichen Literatur, der wahrheitsgetreue Spiegel des Lebens der Kirche, das heilige Lied, an dessen Vollendung "Himmel und Erde mitgewirkt haben".
Auf den folgenden Seiten möchte ich kurze geschichtliche und archäologische Erläuterungen zu diesem Buche geben, an den wichtigsten Stellen die kirchliche Lehre darlegen und seine künstlerische und mystische Schönheit vor Augen führen.«

Wie Schuster bemerkt, ist das Werk ein Fragment, das wohl nur gut ein Drittel dessen umfasst, was er eigentlich gerne ausgeführt hätte, wäre er nicht auf den Mailänder Bischofsstuhl berufen worden... er nennt die Blätter "karge Früchte kurzer Stunden" (im italienischen Original noch etwas krasser: taube Frucht von Zeitkrümeln). Aber was für Früchte! 
Etwa 75% des Werkes hangeln sich am liturgischen Kalender entlang, 25% haben eher den Charakter wissenshaftlicher Aufsätze. Das Gesamtwerk ist darum kein im strengen Sinne "wissenschaftliches" Buch, zumal es in den genannten 75% kaum einmal Fußnoten gibt. Aber es bietet nichts desto trotz einen unerschöpflichen Fundus an historischen, liturgischen und geistlichen Inhalten. Vor allem aber spricht aus jeder Seite die große Liebe zur Liturgie, die dieser Selige sein Leben lang hegte und die er gekonnt in seinen Zuhörern und Lesern inspiriert(e).

Beate Ildephonse, ora pro nobis!

Kommentare:

  1. Vielen Dank für die Erinnerung an diesen großen Seligen! Ich schätze mich glücklich, sein Werk in meinem Regal stehen zu haben. Wenn ich auch nur einmal im Leben so eine "taube Frucht" hervorbringen könnte, dann wäre mein Lebenswerk getan...

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  2. Diesem Dank schließe ich mich an ... eine schöne Fügung zudem, daß die Bände just zum Gedenken bei mir meistens jenen Band gerade nicht gefunden, den ich gerade gebraucht hätte) ...

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