Dienstag, 1. April 2014

geistliche Mutterschaft

The Nativity Story, 2006
In den Kommentaren zu meinem kleinen Beitrag über "Die Frau in der Kirche" (hier), wo ich im Wesentlichen Gertrud von Le Fort zu Wort kommen ließ, weil ich mich selbst nicht für kompetent halte, entwickelte sich ein gewisses Hin und Her, was es mit der Mutterschaft, von der Le Fort spricht, denn nun eigentlich auf sich habe. Dass Psallite Deo so hartnäckig bleibt ist zu begrüßen, andernfalls gelangt man nicht zu einem Erkenntnisfortschritt! :)


Wenn einem das Konzept der geistlichen Mutterschaft so fremd ist, und offenbar ist es das, wenn, siehe die Kommentare, Psallite Deo immer wieder auf Äußerlichkeiten (Berufe, Charaktereigenschaften, Gewohnheiten) zu sprechen kommt, dann ist es vielleicht besser, von etwas auszugehen, was unter Umständen geläufiger ist: Geistliche Vaterschaft.

Ein römisch-katholischer Priester hat keine Kinder, und doch ist er seiner Gemeinde ein Vater. Im englischen Sprachraum spricht man noch heute einen Priester mit "father" an, der Abt hat seinen Namen von lat. abbas, "Vater", der Ordenspriester heißt lat. pater, "Vater" und das Wort Papst heißt auch nichts andere als "Vater" (Santo Padre, Heiliger Vater...). Väter überall, obwohl sie alle keine leiblichen Kinder haben. Was bedeutet das?
Le Fort spricht vom "geistig zeugenden Priestertum des Mannes", was so zu verstehen ist, dass der Priester gewissermaßen der Sämann ist, der den Samen ausstreut, v.a. indem er die Sakramente spendet. Außerdem obliegt dem geweihten Amtsträger je nach seiner Stellung überhaupt die Leitung, Belehrung und Heiligung seiner Gemeinde. Auch das hat etwas Väterliches.

Die geistliche Mutterschaft ist dazu analog zu verstehen im Sinne eines Nährens und Begleitens... es geht um das Wachstum und die Entfaltung dessen, was gesät wurde. So wie ein Kind nicht ohne eine nährende und behütende Mutter aufwachsen kann, so kann auch die Kirche und können die einzelnen Gläubigen nicht ohne die Begleitung von berufenen Frauen gedeihen und zur Vollkommenheit streben. Diese Begleitung sieht z.B. Johannes Paul II. besonders in caritativen und sozialen Diensten, sie findet sich besonders im Gebet etwa der Ordensfrauen, sie findet sich (oder fand sich zumindest früher vielfach) im Selbstopfer der geweihten Jungfrauen und treuen Witwen - und sie findet sich besonders in der religiösen Begleitung und Erziehung der Jugend, nicht nur der eigenen Kinder.
Wie es anima mea (hier) sehr schön aus dem familiären Alltag heraus schreibt:
»Wie wichtig es ist fuer ein Kind, Mama UND Papa zu haben, zwei verschiedene Persoenlichkeiten, Mann und Frau als Vorbild und als Erzieher. Mummys koennen Dinge, die Daddys nicht koennen. Daddys koennen Dinge, die Mummys nicht koennen«

Das muss man sich in der Praxis natürlich, wenn es um geistliche Vater- bzw. Mutterschaft geht, entsprechend anders denken, aber es trifft zu! Die Kirche braucht beides.

Das alles ist aber nicht zu verstehen als eine bloße Festellung, dass das bei jeder Frau SO IST, oder so, dass jede Frau eine solche geistliche Mutter sein muss um Frau zu sein, sondern eher ein Hinweis auf die Berufung der Frau, wie es "idealerweise" sein soll. Dieses Ideal muss einen im Vergleich mit der eigenen Veranlagung oder fkatischen Ausführung aber nicht irgendwie übel aufstoßen, denn auch die Rede von geistlicher Vaterschaft ist ja keine Beschreibung dessen, was bei jedem Mann per se anzutreffen ist. So wie die geistliche Elternschaft nicht bei jeder Frau idealtypisch gegeben ist, ist sie das auch beim Mann nicht, auch nicht bei jedem geweihten Amtsträger (was besonders schade ist)! Das Zurückbleiben hinter dem Ideal ist kein Grund, das Ideal zu schreddern.
Letztlich ist niemand von uns der perfekte Mann oder die perfekte Frau und ebensowenig der perfekte geistliche oder biologische Vater oder die perfekte  geistliche oder biologische Mutter. Und trotzdem beruft uns Gott dazu, genau dies, entsprechend unseren je eigenen Begabungen, zum Wohl des ganzen Leibes Christi zu verwirklichen.
Ich kann bei diesem Thema nur uimmer auf die vielen Beispiele der Heiligen verweisen, an denen man exemplarisch die Verwirklichung dieser geistlichen Elternschaft sehen kann, bei Männern wie bei Frauen.

Nun könnte man fragen, ob das nicht bedeuten würde, dass dem Mann ein "Mehr" zukommt, weil er nicht bloß als Laie biologisch und geistlich Vater sein kann, sondern eben auch als Kleriker.
Nun, so wie ich es verstehe, dass die Kirche es versteht, ist der Mann als Laie i.d.R. kein geistlicher Vater über seine biologische Familie hinaus. Und ich kenne das aus eigener Erfahrung, dass man als Mann sich immer nur einem relativ klar bestimmten Kreis von "Schützlingen" widmen kann... Steht man als Laie im normalen Berufsleben, ist das eben die eigene Familie. Beim Kleriker ist die Familie die Gemeinde (der Priester, sagt man, heiratet seine Gemeinde, wenn er geweiht wird; der Ring der Bischöfe ist wie ein Ehering!), sein Beruf besteht in seiner geistlichen Vaterschaft für diese Gemeinde.
Bei der Frau, so wie ich das verstanden habe, ist das etwas anders: Sie kann auch als Laie im Berufsleben noch über ihre Familie hinaus eine geistliche Mutterschaft pflegen.
Eine vollumfängliche geistliche Elternschaft, eine "priesterliche Elternschaft" analog der des Priesters, ist der Frau aber durchaus auch möglich, nämlich im Ordensstand oder als geweihte Jungfrau.
 
Das einzige, was dem Mann vorbehalten bleibt, ist das sakramentale Amt und ergo die Verwaltung der Sakramente. Le Fort reißt dies an, wenn sie vom "zeugenden Priestertum" spricht. Fakt ist, dass es nur so sein kann. Es ist nicht möglich, einer Frau die Priesterweihe zu spenden. Das mag man bedauern, ist aber nicht zu ändern. Warum das so ist, das ist ein überaus schwieriges Themenfeld, für dessen Bearbeitung es m.E. bisher leider keine zufriedenstellenden anthropologischen Untersuchungen gibt. Es gibt Ansätze, etwa bei Gertrud von Le Fort oder bei Johannes Paul II.. Die wohl wichtigste lebende katholische Philosophin, Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, argumentiert in dieser Frage leider rein theologisch. Eine tiefere v.a. anthropologische Ergründung wäre erforderlich, ist aber gegenwärtig, da die Anthropologie sich in einen Kriegsschauplatz verwandelt hat (Gender-Mainstreaming), wohl nicht zu leisten.
Eine katholische Anthropologie, die das Menschsein als Mann- und Frausein ausgehend von Mutterschaft und Vaterschaft her ergründet (siehe Gen 3,20: "Und der Mensch gab seiner Frau den Namen Eva, denn sie wurde die Mutter aller Lebenden."), das ist, gerade in unserer zunehmend kinder- und familienfeindlichen Gesellschaft (1,3 Geburten pro Frau!), wie man so schön sagt, ein Desiderat. Das könnte m.E. viel bewirken.


PS. Ich möchte nochnal betonen, dass ich mir meiner Inkompetenz in dieser Frage (jenseits der Dogmatik) sehr wohl bewusst bin und nichts anderes beanspruche. Man kann wohl nur dann halbwegs qualifiziert über (geistliche) Vaterschaft sich Gedanken machen, wenn man selbst Vater ist. Zur Theorie einer (geistlichen) Mutterschaft kann ich als Mann sowieso nichts beitragen.

Kommentare:

  1. Eine jüngere Frau, die sich um eine alte Frau kümmert, entwickelt - sofern sie diese Aufgabe ernst nimmt - je nach Dauer und Intensität des Kümmerns auch eine gewisse Mutterschaft. Der/die andere wird hilfloser und die - auch hier kann es natürlich ein Mann sein - wächst in die Rolle hinein und entwickelt ein "Mutter-" oder "Vater-Sein". Was ist daran so ungewöhnlich? Das gibt es täglich "überall".
    Warum also nicht auch im geistlichen Leben?

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  2. Sorry, vielleicht bin ich einfach zu blöd, aber ich bin da immer noch anderer Meinung: Auf der geistlichen Ebene kann doch genausogut eine Frau eine geistliche Vaterschaft (Belehrung der Gemeinde etc.) ausüben wie ein Mann eine mütterliche (Bewahren und Nähren des Glaubens).
    Und wieso soll der Mann als Laie nicht über seine biologische Familie hinaus im Glauben wirken können, die Frau aber schon? Wahrscheinlich gibt es da Neigungen, wem was mehr liegt, aber warum sollte bei einer geistigen Eigenschaft - und dazu gehört m. E. der ganze Bereich des Religiösen - dies der Biologie untergeordnet werden?
    Jenseits der Frage von Wertigkeiten oder des Ist-Zustandes von verschiedenen Frauen und Männern verstehe ich einfach nicht, warum das Ideal sein soll, daß Frauen diese Form des geistlichen Lebens haben sollen und Männer jene.
    Macht wirklich der biologische Unterschied aus, daß auf geistiger/geistlicher Ebene ein ebensolcher Unterschied bestehen muß? Muß nicht Religion und Glaube allgemein für beide Geschlechter gleichermaßen gelten?
    Ich will nicht abstreiten, daß die hormonellen und sonstigen geschlechtsspezifischen biologischen Vorgänge die Persönlichkeit von Männern und Frauen beeinflussen (sonst wäre es ja tatsächlich so, daß man sich sein Geschlecht aussuchen könnte), nur soll es wirklich das Ziel sein, da auf der religiösen Ebene ein Ideal aufzustellen, das Gläubige erster und zweiter Klasse schafft (die, die dem Ideal entsprechen, weil ihnen die ihnen zugeteilte "Glaubensform" ihres Geschlechts liegt, und die, die das Ideal nicht erreichen, weil für sie diese geschlechtsspezifische Form nicht das Richtige ist)?
    Natürlich soll man keinesfalls Ideale über Bord werfen, nur weil sie nicht eingehalten werden, aber gerade bei diesem Ideal frage ich mich: Ist es wirklich was Schlechtes, es nicht zu erfüllen? Gibt es nicht verschiedene gute Wege zu Gott, egal ob Männlein oder Weiblein? Muß man da werten: Das ist gut als Frau, das ist gut als Mann?
    Schließlich hat man sich ja nicht ausgesucht, was man ist, und ich möchte mich - jenseits von der rein biologischen Ebene, die man als gegeben hinnehmen muß (es ist müßig, sich darüber aufzuregen, daß Frauen sowas "Unpraktisches" wie ihre Periode bekommen und Männer davon verschont bleiben ;-) ....) - einfach nicht festlegen lassen, was "gelungenes Frausein/Mannsein" ist und was nicht - ich finde nämlich, das kann man gar nicht so pauschal sagen...

    LG Psallite Deo




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  3. Ich halte es für irreführend, die Biologie als das Determinierende, das "Bloße", das zu Überwindenden dem Geistigen als dem "Freien", dem Eigentlichen gegenüberzustellen. Wir sind als ganze Menschen geschaffen, und diese Trennung ist eine nachträgliche, die wissenschaftlich sicher sinnvoll ist, der Gesamterkenntnis der menschlichen Natur aber vielleicht nur wenig dient.
    Ich bin eine Frau, und ich vertraue darauf, dass das etwas bedeutet. Es gibt bei Gott keine bloße Biologie, ich bin immer als ganzer Mensch angesprochen. Und als ganzer Mensch bin ich Frau. Was das heißt, kann ich nur erfahren, in dem ich mich auf den Weg begebe. So wie wir ja auch berufen sind zu glauben, auch wenn nicht alle Fragen restlos beantwortet sind. Und dass ich als Mutter angelegt bin heißt eben nicht nur, dass da Fortpflanzungsorgane in mir herumlungern, sondern auch, dass Mutterschaft in meinem Wesen angelegt ist. Und diesen Schatz zu heben kann ja nicht weniger als eine Lebensaufgabe sein, für Frauen aller Form, Farbe und charakterlichen Grundausstattung. Natürlich kann eine Mutter auch lehren. Natürlich kann ein Mann auch fürsorglich sein. Es gibt keinen Kriterienkatalog für eine richtige geistliche Mutter. Aber wir sind geschaffen als Mann und Frau und nicht als Menschen mit austauschbarem Geschlechtsgebamsel dran, und das ist keine Einschränkung, sondern ein Geschenk.

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  4. Ich kann mir auch nicht verkneifen, zum Thema "nur" Biologie mich selbst zu zitieren:"Begreift man Christus als nächste Stufe der Evolution, so braucht dieser neue Mensch ebenso wie damals der Homo sapiens Mütter, die ihn gebären. Und der Christus, das geistliche Leben, die zoe, lässt eben den bios hinter sich und damit auch die Gebärmutter. Er braucht geistliche Mütter. Und ich glaube, wenn wir Frauen es zulassen, dass Gott uns als geistliche Mütter in den Dienst nimmt, dann stellt sich die Frage nicht mehr, was denn mit den Männern ist. (...)Und die Biologie, die wir zwar hinter uns lassen, die ja aber die Voraussetzung für die Entwicklung zur zoe und Gleichnis des geistlichen Lebens ist, beschränkt sich nicht auf die Fortpflanzungsorgane

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  5. Nee, ich meinte nicht, daß die Biologie quasi "schlecht" ist und das Geistige "gut", und na klar hängen Leib und Seele zusammen, alles andere wäre Blödsinn. Ich meine nur, daß im geistlichen Bereich - unabhängig davon, was an "geistigem Geschlecht" angelegt ist, die übergeordnete Kategorie "Mensch" wichtiger ist.
    Für mich persönlich steht diese "geschlechtsspezifische geistliche Berufung" - oder wie auch immer man das nennen will - jedenfalls nicht an erster Stelle - was natürlich bei anderen anders sein kann (vielleicht wäre es bei mir auch anders, wenn der passende Mann und die Frage nach biologischen Kindern im Raum ständen - wer weiß?).
    Ich finde mich z.B. in vielem davon wieder, was die Predigtgärtnerin hier
    http://gardinenpredigerin.wordpress.com/2014/03/21/die-frau-in-der-kirche-teil-1/
    schreibt. (Link von e.!)

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    1. Gardinenpredigerin meinte ich natürlich, Predigtgärtner ist jemand anders - sorry!

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