Mittwoch, 18. Mai 2022

Das ausgesetzte Lehramt

Jesu heilige Wut im Tempel kommt einem in den Sinn: Der heilige Bischof Nikolaus ohrfeigt den Häretiker Arius.

Über die arianische Krise im 4. christlichen Jahrhundert schrieb John Henry Newman in dem Text "On Consulting the Faithful in Matters of Doctrine":

»[...] there was a temporary suspense of the functions of the "Ecclesia docens." The body of Bishops failed in the confession of the faith. They spoke variously, one against another; there was nothing, after Nicæa, of firm, unvarying, consistent testimony, for nearly sixty years. There were untrustworthy Councils, unfaithful Bishops; there was weakness, fear of consequences, misguidance, delusion, hallucination, endless, hopeless, extending itself into nearly every corner of the Catholic Church. The comparatively few who remained faithful were discredited and driven into exile; the rest were either deceivers or were deceived.«


Das trifft erschreckend genau auf die aktuelle Situation in Deutschland und im Vatikan zu... nur leider fehlt nach jahrzehntelanger Vernachlässigung der Verkündigung ein gläubiges Volk, dass es herumreißen könnte... Damals brach die Krise relativ plötzlich aus, aber im deutschen Sprachraum hat man (vgl. den Frosch im langsam sich erwärmenden Wasser) geschickt über Jahrzehnte (und Generationen) hinweg nach und nach alles verrotten lassen, bis schließlich nichts Tragfähiges mehr da ist...

Hilf, Herr!

Montag, 16. Mai 2022

Vom Kreuz geprägt

»Müssen wir nicht vor allen Sachfragen des Weltdienstes, die vielfältig und kompliziert sind, uns selber fragen, ob wir so, als die neuen Menschen, als die mit Christus Gekreuzigten den anderen und der Welt dienen wollen oder nur als Konkurrenten anderer Gruppen und damit unter deren Wertmaßstäben und Erfolgsrechnungen?

Was der Welt zum Heile dient, was die Kirche wahrhaft trägt, ist das Kreuz des Herrn. Und mit Ihm, in Seiner Gnade sind es jene, die als Jünger Christi sich selbst verleugnen und ihr Kreuz tragen. Sie machen keine Schlagzeilen. Sie erscheinen nicht in den Statistiken. Sie polieren ihr Image nicht im Fernsehen. Sie sind nicht bei den Ordinariaten registriert. Vermutlich schreiben sie auch nicht jene Bücher, von denen es dann in den Besprechungen heißt, daß sie mit atemberaubender Kühnheit alles in Frage stellen und in völliges Neuland vorstoßen. Sie sind auch sicher nicht in den Kreisen geachtet, die bissig und stur ihren gewohnten Stil als das Unantastbare und Heilige verteidigen. Aber Gott kennt sie, und sie sind kostbar in Seinen Augen.

Eigentlich müssen wir von Herzen danach verlangen, zu ihnen zu gehören. Und wenn es nicht so ist? Wenn wir unter unserem Wortgepränge verbergen, daß wir das Kreuz nicht lieben, wie es die Heiligen taten? Dann sollten wir wenigstens nicht stolz darauf sein. Nicht so souveräne Verächter der Frömmigkeit früherer Zeiten. Nicht so überheblich sicher, daß wir jetzt erst das wahre Christentum entdeckt haben.

Und wir sollten um die kostbare Gnade beten, daß unser alter Mensch ein wenig mehr sterbe und der neue Fortschritte mache- wenigstens den nächsten Schritt versuche.« (Alfred Bengsch, Kirche ohne Kreuz?, 74-75)

Freitag, 6. Mai 2022

Das Neue Testament gegen das Neue Testament

In Diskussionen mit „liberalen“ Theologen und theologisch (halb)gebildeten Gläubigen kommt irgendwann der Punkt, an dem von diesen einzelne neutestamentliche Schriften/Autoren gegen andere neutestamentlische Schriften/Autoren in Stellung gebracht werden.

Beispiel Priestertum: Bei Paulus (und in der Apostelgeschichte) finden wir reichhaltige Zeugnisse über die Organisation der ersten christenlichen Gemeinden, aus denen klar hervorgeht, dass es hierarchisch (d.h. von den Aposteln ausgehend) übertragene autoritative Ämter der Leitung und der Lehre gab (siehe meinen längeren Beitrag dazu HIER). In Erwiderung darauf ist dann etwa zu hören: „Ja, aber das ist ja Paulus. Jesus hat das nicht so angerodnet/gewollt. Das widerspricht der Botschaft Jesu, für den ‚alle gleich‘ waren.“ Insbesondere Paulus ist in solchen Diskussionen regelmäßig der große Verfälscher der wahren Botschaft Jesu.


Wenn wir einmal jene Kleinigkeit beiseite lassen, dass auch mindestens ein Evangelist uns von solchen Ämtern berichtet, nämlich der Autor der Apostelgeschichte, aus dessen Feder auch das dritte Evangelium stammt, dann offenbart so eine Haltung doch etwas Grundfalsches: Hier wird offenkundig nach eigenem Gutdünken ausgewählt, welche Schriften des Wortes Gottes authentisch sind, und welche angeblich bereits Jesu „wahre Intention“ verfälschen. Stichwort: Frühkatholizismus. Solches Auswählen nennt man im Griechischen αἱρέομαι – haireomai: ich wähle aus. Davon kommt unser modernes Wort „Häresie“, und es ist schon seit den ersten christlichen Jahrhunderten ein guter Indikator häretischer Gruppen, dass sie Teile der Heiligen Schrift ablehnen (z.B. Markionismus).

Eine Verfälschung von Jesu Botschaft etwa durch den Apostel Paulus zu behaupten ist aber auch aus historischer Sicht wenig sinnvoll. Bekanntlich ging die Verkündigung des Paulus der Abfassung der (meisten) Evangelien um einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte voraus, und ihre Abfasser stammten womöglich aus von Paulus gegründeten Gemeinden, waren eng mit Paulus verbandelt (etwa als Reisegefährten) oder wussten zumindest von ihm und seiner Tätigkeit; in jedem Fall bestand ihre Zielgruppe, für die sie ihre Evangelien schrieben, zumindest teilweise auch aus den von eben jenem Paulus gegründeten (und mit Lehr- und Leitungsämtern versehenen) Gemeinden. Dass nun die Autoren der Evangelien die faktischen Zustände in den Gemeinden – aus denen sie selbst stammten, die sie mitbegründet oder für die sie ihre Evangelien geschrieben haben –, inklusive der von den Aposteln eingesetzten Ämter, nicht in die Evangelien hineingetragen haben, indem sie diese Gemeindeordnungen gar in den Mund Jesu legten (etwa: „Jesus sprach: Es wird Bischöfe und Presbyter und Diakone geben in euren Gemeinden, die euch leiten und lehren...“), spricht zunächst einmal für die Authentizität der Evangelien, die nicht für eine bestimmte Gemeinde oder für die Belehrung anlässlich einer bestimmten Situation in einer solchen geschrieben wurden, sondern etwas Größeres, Allgemeingültiges vermitteln wollten.

Aber es spricht durchaus auch für die Gewissheit der Evangelisten wie auch der Gemeinden, Jesu Auftrag treu zu sein: Sie wussten, dass Jesus diese Ämter, die sie haben, nicht im Einzelnen festgelegt hat, aber sie wussten auch, dass sie dennoch Jesu Willen treu sind. Darum brauchten sie diese konkreten Strukturen, die sie sich – so sind sie überzeugt – unter dem Beistand des Heiligen Geistes zugelegt haben (mit der Einsetzung solcher Amtspersonen ging stets Gebet und Fasten einher!), nicht Jesus unterzuschieben, um sie zu legitimieren. Es ist schließlich auch interessant, dass kein Autor einer neutestamentlichen Schrift irgendwelche Widerworte oder auch bloß Kritik gegen diese weit verbreitete – „sie setzten in jeder Gemeinde Älteste ein“ (Apg 14,23; vgl. Tit 1,5) – Ämter(struktur) äußert. Es gibt Konflikte um diese Ämter, sicher, aber genau deshalb wissen wir, dass die Apostel auf rechtmäßig (d.h. von ihnen direkt oder über Mitarbeiter) eingesetzten Ämtern bestanden haben (siehe meinen verlinkten Beitrag dazu). Das „königliche Priestertum“ aller Christen wird im NT zudem ausnahmslos ganz ohne irgendwelche Hinweise auf Leitung, Macht und „Partizipation“ erörtert (ebenso).

Schließlich, machen wir uns nichts vor: Hätten die Evangelisten in ihren Evangelien irgendetwas geschrieben, was für die konkrete Ämterstruktur in den christlichen Gemeinden relevant ist, wären die Theologen sofort zur Stelle, diese Passagen als nachträgliche Einfügungen zur Rechtfertigung des bereits (von Paulus?) verfälschten Evangeliums zu identifizieren. Oh, halt, das tun sie ja schon längst: Dass Jesus seine(!) Kirche(!) auf dem Felsenfundament (Petrus) gründen wollte, darf natürlich nicht sein... Die Argumentation solcher Theologie ist auch aus diesem Grund nicht wissenschaftlich (vgl. Meine Gedanken dazu hier), denn sie ist im Endeffekt nicht falsifizierbar: Es lässt sich immer ein „theologisches“ Argument herbeibringen, das die getätigte Behauptung „stützt“, nichts anderes ist ja letztlich die Behauptung, Paulus habe das „wahre Evangelium Jesu“ verfälscht. Und so dreht sich das „häretische“ (nach dem eigenen Gusto auswählende) Karussell weiter…


Eine Abwandlung dieses Vorgehens ist diese so oder so ähnlich oft zu hörende Stammtischfloskel: „So sicher/klar/eindeutig ist das mit [hier beliebiges, von der Kirche längst entschiedenes Thema einsetzen] gar nicht, man kann auch ganz anderer Ansicht sein, schließlich haben wir ja auch vier Evangelien, die sich oft deutlich unterscheiden oder sogar widersprechen!“

Hier wird die Tatsache, dass wir im Neuen Testament VIER Evangelien haben als Argument gegen die Existenz EINER (verbindlichen) Wahrheit oder Moral herangezogen. Das ist natürlich auch Unsinn, denn zwar stimmt es, dass wir vier Evangelien haben, die uns also vier Perspektiven auf Jesus ermöglichen. Aber es stimmt nun mal auch, dass sich diese vier Evangelien in allem Wesentlichen nicht widersprechen: Sie alle berichten über die Menschwerdung Gottes, über Jesu Tod und seine Auferstehung zu unserer Erlösung. „Widersprüche“ gibt es nur hinsichtlich der Orte oder Reihenfolge bestimmter Ereignisse, oder auch über manche Details (wie viele Engel waren in Jesu Grab? hat nur einer der mitgekreuzigten Schächer gegen Jesus gelästert, oder beide? ist Judas gestürzt, oder hat er sich erhängt?).

Bei diesem „Argument“ geht es meist noch nicht einmal um konkrete Fragestellungen, nach dem Schema: Weil Jesus nicht in jedem Evangelium Ehescheidung und Wiederheirat in gleicher Weise verbietet (nämlich nicht bei Johannes), ließe sich schlussfolgern, dass Ehescheidung und Wiederheirat also auch durchaus O.K. sein können. So „inhaltlich“ wird das „Argument“ nur äußerst selten gebraucht, denn das setzt eine gewisse Kenntnis der gegeneinander in Stellung gebrachten Schriften voraus. Sondern i.d.R. wird das schnöde Faktum der Mehrzahl der Evangelien – es geht also nur um die Quantität der Bücher, nicht um die Qualität ihres Zeugnisses – als Rechtfertigung der Legitimität einer Vielzahl von „Deutungen“ behauptet – wiederum rein quantitativ betrachten, nicht qualitativ im Hinblick auf deren Authentizität, Richtigkeit oder gar innere Kohärenz: Es gibt mehr als ein Evangelium, also darf es auch mehr als eine Vorstellung darüber geben, wer Jesus war, was er wollte etc. Es spielt dann auch keine Rolle, wenn sich diese Vorstellungen völlig widersprechen und mit allen vier Evangelien nicht in Einklang zu bringen sind. Dass die Evangelien in ihrer Darstellung dieses Jesus und seiner Verkündigung widerspruchsfrei sind und ein einmütiges Zeugnis abgeben, ist unerheblich, und es lässt sich in so einer Unterhaltung auch nicht mal eben beweisen. Die Behauptung ist schnell gemacht, ihre Widerlegung wäre zu aufwendig...


Die christliche Vorgehensweise besteht natürlich seit ältesten Zeiten darin, nicht ein biblisches Zeugnis gegen das andere auszuspielen, sondern das Ganze als authentisches Wort Gottes anzuerkennen. So kann es dann beispielsweise zugleich eine priesterliche Würde aller Getauften, und ein besonderes Priestertum des Dienstes geben, ohne, dass ein Widerspruch bestünde. Unterschiedliche Perspektiven auf das eine und selbe Geheimnis des Glaubens sind dann alle wertvoll, solange sie an der „gesunden Lehre“ festhalten und nicht jeder „nach eigenen Begierden Lehrer sucht, um sich die Ohren zu kitzeln“ (2Tim 4,3). Die vier Evangelien haben je eigene Akzente und Perspektiven, aber sie alle geben Zeugnis von der einen Wahrheit, die Jesus Christus ist. Und Paulus (und Petrus und Jakobus und Judas und Johannes...) ebenso.

Mittwoch, 4. Mai 2022

Das christliche Priestertum ist biblisch

Der Exeget Martin Ebner hat vor ein paar Tagen ein Interview gegeben (hier), in dem er behauptet, das Neue Testament kenne kein christliches Priestertum. Wem das bekannt vorkommt: Das gleiche hat er vor zwei Monaten schonmal öffentlichkeitswirksam behauptet (hier), siehe auch seine beiden Beiträge auf feinschwarz.net hier und hier. Natürlich hat beide Male katholisch.de die Story aufgegriffen, denn was könnte "katholischer" sein, als in schöner Regelmäßigkeit das katholische Priestertum öffentlich als evangeliumswidrig hinzustellen… Diese Taktik fördert ganz bestimmt Berufungen zum Priestertum und die allgemeine Festigkeit im Glauben!

Wie für seine Profession üblich, arbeitet Ebner mit einem geschickten Mix aus wahren Aussagen, Halbwahrheiten, Andeutungen, Falschbehauptungen und Auslassungen.

 

Ebner: „Erst ab dem 3. Jh. n. Chr. gibt es Priester in christlichen Gemeinden.“

Ja und nein. Es ist richtig, dass zu Anfang die Bezeichnung „Priester“ (gr. ἱερεύς, hiereus) keine nennenswerte Rolle spielte, das hängt aber v.a. mit dem reichhaltigen Vorhandensein heidnischer „Priester“ zusammen. Wie bei vielen anderen Dingen auch, konnten sich die Christen erst nach und nach bestimmte Begriffe oder Symbole aneignen (z.B. das Symbol des Kreuzes), sei es, dass sie sich vorher erst vergewissern mussten, sei es, dass Missverständnisse (z.B. Vergleiche mit heidnischen Kulten) vermieden werden mussten. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die Christen Zeit brauchten, um ihre eigene (Symbol-)Sprache zu finden für das, was sie glauben und leben.

Was Ebner nicht sieht oder sehen will (oder seinen Lesern absichtlich verschweigt), ist, dass zwar der Begriff des „Priesters“ (gr. hiereus) in den ersten zwei Jahrhunderten der Kirche unüblich war und etwa im NT nicht für die Verantwortungsträger in den christlichen Gemeinden auftaucht, aber die Sache selbst gab es durchaus und von Anfang an (s.u.).

 

Ebner fährt fort: „Für christliche Gemeinden sind Priester nicht vorgesehen. Und zwar nicht deshalb, weil es keine gegeben hätte. Nach Apg 6,7 sind auch viele Tempelpriester christusgläubig geworden. Aber sie haben keine Funktion in den Gemeinden. Und zwar aus prinzipiellen Gründen. Denn verschiedene Schriften des Neuen Testaments entwickeln eine Gemeindetheologie, die alles, was zur Zeit Jesu streng an die priesterlichen Opferriten im Tempel gebunden war, in die Hände der Getauften legt.“

Ja und nein. Es stimmt: Für Priester des Alten Bundes(!) gab es keine rituelle Funktion in den christlichen Gemeinden. Aber weiß Ebner nicht, dass es einen Unterschied gibt zwischen der rituellen Feier des Alten Bundes und der des Neuen Bundes? Die Sensation von Ebners Festsellung hält sich in Grenzen, wenn man nur etwa an Jesu Rede vom neuen Wein in neuen Schläuchen denkt: Es hat sich eben etwas geändert. Ein Priester in Israel ist etwas anderes, als ein Priester im Christentum, so wie ein Priester in einem heidnischen Kult nochmal etwas anderes ist. Vielleicht um genau dieses Missverständnis zu vermeiden, dem Ebner hier seine Leser mutwillig unterwirft, haben die Christen zu Anfang den Begriff „Priester“ (gr. hiereus) für ihre Amtsträger vermieden.

Dass das christliche Priestertum etwas ganz anderes ist, als was vorher oder im Umfeld des Christentums existierte, verdeutlicht schon die simplen Tatsache, dass es nur im Christentum das Sakrament der Priesterweihe gibt. Die christlichen Sakramente haben Vorbilder im Alten Bund (Beschneidung – Taufe, Paschalamm – Eucharistie, Salbung von Priester und Hohepriester – Weihesakrament, Reinigungsbad – Beichte), weswegen etwa Thomas von Aquin und andere Gelehrte durchaus von echten Sakramenten des Alten Bundes sprechen. Thomas sprach der Beschneidung sogar sündenvergebende Kraft zu (bezogen auf die Erbsünde). Ich vermute, dass Ebner Sakramente generell ablehnt, jedenfalls wäre das die logische Konsequenz seiner Position.

Ebners Feststellung darüber, dass „Opferriten im Tempel“ „in die Hände der Getauften“ gelegt wurden ist derweil richtiger Unsinn, denn die Christen haben mit den Opferriten im Tempel einfach nichts zu tun! Die ersten Christen gingen natürlich in den Tempel, schließlich war es nach wie vor Haus Gottes, in dem Gottes Wort verkündet wurde. In Ermangelung eines Neuen Testaments, waren die heiligen Schriften der Juden auch die einzigen heiligen Schriften der ersten Christen, darum konnten sie sich sozusagen für den „Wortgottesdienst“ im Tempel aufhalten (und um zu missionieren). Aber an den Opfern beteiligten sie sich eben gerade nicht, denn sie hatten ihr eigenes Opfermahl zu Feiern, das ihnen Jesus selbst aufgetragen hat. Und das taten sie nicht im Tempel, sondern in ihren Häusern: „Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel [...] brachen in ihren Häusern das Brot“ (Apg 2,46). (Man beachte auch: sie brachen täglich das Brot, die Eucharistie ist also nicht nur etwas für die Sonntage; und, anders als das Pessach der Juden, ist das Neue, was der Herr den seinen zu seinem Gedächtnis auftrug, erst recht nicht nur einmal jährlich zu feiern.)

Nein, was „an die priesterlichen Opferriten im Tempel gebunden war“ wurde nicht „in die Hände der Getauften“ gelegt, sondern es betraf die Getauften schlicht nicht!

 

Ebner: „Wer der Eucharistiefeier vorstehen soll, wird im Neuen Testament nirgends problematisiert.“

Ja und nein. Richtig ist, dass diese spezielle Frage nach dem Vorsteher der Eucharistie in den uns überlieferten Texten nicht explizit behandelt wird. Aber damit führt Ebner seine Leser in die Irre: Er greift dieses spezielle Thema heraus, weil er weiß, dass die Ämterfrage zwar zugespitzt auf diese eine spezifische Aufgabe des Vorstehers bei der Eucharistie nicht ausdrücklich behandelt wird, aber die Ämterfrage generell wird sehr wohl gestellt, und es geht dabei um mehr als nur die (zeitweise) Übernahme von Funktionen.

Ich finde es faszinierend, dass Ebner behauptet, es gäbe kein christliches Priestertum, er aber die wesentlichste Aufgabe, die das von ihm Verneinte seit 2000 Jahren erfüllt, nicht über diese Wegwerfformel hinaus thematisiert. Er wischt es beiseite mit „das wurde nicht problematisiert“… Also: Die Eucharistie. Die Tradition sieht genau dort den Ursprung des Priestertums. Jesus sagt schwer betroffen: „Mit großer Sehnsucht habe ich danach verlangt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen. […] Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22,15.19) Die Kirche hat Jesus beim Wort genommen: Seine Sehnsucht war es, mit diesem auserwählten Kreis von Leuten, seinen Aposteln, dieses besondere Mahl zu halten. Nicht mit den 72 „anderen Jüngern“ (Lk 10,1); nicht mit den zahlreichen „Frauen in seiner Nachfolge“ (Lk 23,55; Mk 15,41), die ihn begleiteten, beherbergten und unterstützten; nicht mit den 5000, die er in Galiläa gespeist hat (Mt 14,21); nicht mit den „Mühseligen und Beladenen“ von der Straße (Mt 11,28). Sondern hier an diesem Punkt wollte er nur mit seinen Aposteln zusammen sein, und nur diesen zwölf offenbart er etwa unverschämtes, nämlich seinen Leib und sein Blut in Brots- und Weingestalt. Und er erteilt ihnen(!) den klaren Auftrag, diesen Kult zu vollziehen zu seinem Gedächtnis.

Ebner kann das christliche Priestertum nur für nicht existent erklären, indem er es am alttestamentlichen Priestertum misst, das natürlich mit dem Neuen Bund in Jesu Blut hinfällig geworden ist. Das Eigene des neutestamentlichen Bundesschlusses (und das faktische Leben in den christlichen Gemeinden) muss Ebner für seine Argumentation ausklammern, im Grunde redet er also am Thema vorbei.

 

Tatsächlich finden wir auch im Neuen Testament eine Fülle von Diensten (Ämtern), die nicht allen, sondern eben nur bestimmten Gemeindegliedern zukommen bzw. übertragen werden. Ausdrücklich heißt es, Jesus(!) „setzte die einen als Apostel ein, andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer“ (Eph 4,11). Eigentlich simpel: „Es gibt verschiedene Dienste“, sagt Paulus, wie es auch „verschiedene Gnadengaben“ und „verschiedene Kräfte“ gibt (1Kor 12,4-6). Aber es gibt nur einen Gott und Herrn, Jesus Christus!

Wir haben sogar einen recht genauen Bericht davon, wie neue Ämter für den Dienst an der christlichen Gemeinde eingerichtet wurden: In Kapitel 6 der Apostelgeschichte wird das Amt der Diakone geschaffen, die sich „dem Dienst an den Tischen widmen“ sollen: „Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit“ (Apg 6,2-3). Wir sehen dabei auch, dass solche Ämter rituell übertragen wurden: „Sie ließen sie vor die Apostel hintreten und diese legten ihnen unter Gebet die Hände auf.“ (V. 6) Ähnlich mit den „Ältesten“: Paulus und Barnabas „setzten für sie [= die neu gewonnenen Jünger] in jeder Gemeinde Älteste ein und empfahlen sie unter Gebet und Fasten dem Herrn“ (Apg 14,23). An anderer Stelle lesen wir, wie Paulus den Timotheus an die Gnade erinnert, die ihm „durch die Auflegung meiner Hände zuteilgeworden ist“ (2Tim 1,6), und dass dieser selbst „keinem vorschnell die Hände auf[legen]“ (1Tim 5,22) soll. Diese Praxis kommt übrigens, wie die Sakramente überhaupt, nicht von irgendwoher, sondern schließt durchaus an die Tradition des Alten Bundes an: Schon Mose hatte dem Josua die Hände aufgelegt, um ihm seine Vollmacht weiterzugeben (vgl. Num 27,20-23).

 

Zwar hat Ebner mit der Feststellung recht, dass es im NT den Begriff „Priester“ (gr. hiereus) für diese Ämter nicht gibt, aber die simpelste Erwiderung darauf lautet: Na und? Auch den Begriff „Trinität“ finden wir nicht im NT, ist also der Glaube an den dreieinen Gott falsch?

Es steht außer Zweifel, dass bereits im Neuen Testament bestimmte Ämter durch „Handauflegung und Gebet“ an ausgewählte und entsprechend geprüfte Gemeindemitglieder „hierarchisch“ (d.h. von „oben“, von den Aposteln ausgehend) übertragen wurden. Genau das ist in schöner Kontinuität bis heute ein wesentliches Element des Lebens der Kirche. Ebner hat natürlich ein Problem damit, darum unterlässt er es tunlichst, diese Tatsache zu erwähnen oder er entsorgt sie einfach als nicht relevant für die Frage. Neben den schon zitierten Evangelisten, Lehrern, Propheten etc. gab es auch drei Bezeichnungen, insbesondere für die „Leitungsebene“ in den Gemeinden und für diejenigen, die autoritativ lehrten und den Glauben verteidigten, die uns heute nur allzu vertraut sind, wenn sie auch im NT noch nicht die exakt gleiche Bedeutung oder Aufgabenzuweisung haben, wie dies später der Fall war oder wie es heute der Fall ist.

- Diakon (gr. διάkovoς; dt. Diener/Gesandter): „Ebenso müssen Diakone sein: achtbar, nicht doppelzüngig, nicht dem Wein ergeben und nicht gewinnsüchtig; sie sollen mit reinem Gewissen am Geheimnis des Glaubens festhalten. Auch sie soll man vorher prüfen, und nur wenn sie unbescholten sind, sollen sie ihren Dienst ausüben.“ (1Tim 3,8-10)

- Presbyter (gr. πρεσβύτερος; dt. Ältester): „Presbyter, die das Amt des Vorstehers gut versehen, verdienen doppelte Anerkennung, besonders solche, die sich mit ganzer Kraft dem Wort und der Lehre widmen.“ (1Tim 5,17)

- Episkop (gr. ἐπίσκοπος; dt. Aufseher): „Denn der Episkop muss unbescholten sein als Haushalter Gottes, nicht überheblich und jähzornig, kein Trinker, nicht gewalttätig, nicht habgierig, sondern gastfreundlich, das Gute liebend; besonnen, gerecht, fromm und beherrscht, einer, der sich an das zuverlässige Wort hält, das der Lehre entspricht, damit er in der Lage ist, in der gesunden Lehre zu unterweisen und die Widersprechenden zu überführen.“ (Tit 1,7-9)

Davon leiten sich unsere modernen deutschen Wörter „Diakon“, „Priester“ und „Bischof“ ab. Dass das griechische Wort für „Priester“ (gr. hiereus) in den frühesten christlichen Gemeinden nicht in Gebrauch war, ist unerheblich. Letztlich mag es Zufall sein, dass sich gerade diese drei Begriffe für ein dreigliedriges Amt durchgesetzt haben und wir heute keine Ämter mit der Bezeichnung „Evangelist“ und „Prophet“ mehr haben. Das spielt aber keine Rolle: Es gab von Anfang an solche Leitungs- und Lehrämter, und es gibt sie bis heute. Das ist das Entscheidende, nicht, wie diese Ämter heißen.

 

Es ist inzwischen allgemein üblich, auf die Geschichtlichkeit der Kirche zu pochen, die sich nicht losgelöst von Zeitumständen entwickelt hat und auch weiterhin entwickeln wird. Und das stimmt auch! Interessanterweise provozieren Leute wie Ebner jedoch den Verdacht, dass sie diese Geschichtlichkeit aber dann doch wieder leugnen, weil offenbar etwas heute (oder seit 1800 Jahren) nicht sein darf, was nicht eindeutig und klar bereits im Neuen Testament genau so zu finden ist. Ebner behauptet: Es gibt im NT keine „Priester“ (gr. hiereus), darum darf es sie auch nie geben, und wenn es sie gibt, dann ist das ein Missstand, der gegen das von Jesus gepredigte Evangelium verstößt.

Ebner und andere leugnen nicht die Geschichtlichkeit der Kirche – sie selbst wollen diese Geschichte ja in Richtung Zukunft mitbestimmen! –, aber sie sprechen der faktischen Entwicklung der Kirche und ihrer Ämter jegliche Legitimität ab, weil sie nicht ihren Wünschen gemäß verlaufen ist. Es darf einfach nicht sein, dass alles, was die Kirche heute glaubt und lebt im NT bereits zumindest keimhaft zu finden ist und sich später so entfaltet hat, wie es das eben getan hat. Dann ignoriert man eben die im NT bezeugten Ämter oder erklärt diese Bezeugungen „wissenschaftlich“ für irrelevant. Das hat aber nichts mit Wissenschaftlichkeit zu tun, das ist einfach nur Ideologie. Welche Arroganz daraus spricht, 2000 Jahre Kirchengeschichte an den eigenen billigen Meinungen und drögen Vorlieben zu messen...

Die Implikation dieser Position ist freilich unausweichlich: Die Kirche damit meine ich nicht nur die katholische Kirche: alle alten Kirchen, ob nun ost- und westsyrisch, koptisch, äthiopisch, armenisch, oder byzantinisch, haben das dreigliedrige Priestertum hat sich offenbar 1800 Jahre lang geirrt, und jetzt kommt Herr Ebner (+ Kollegen) und führt sie endlich, nach so vielen Jahrhunderten des Irrtums! – auf den einzig wahren Weg des Evangeliums zurück... Aber eine Kirche, die sich (mindestens) 1800 Jahre lang in etwas so Grundlegendem wie dem Aufbau des Volkes Gottes so völlig geirrt hat, kann nicht „Säule und Fundament der Wahrheit“ (1Tim 3,15) sein. Die Zusage Jesu, der Heilige Geist werde „euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14,26) ist dann Schall und Rauch; der Kirche könnte man dann grundsätzlich nichts glauben. Auch die von der Kirche von all den zuvor genannten Kirchen uns bis heute überlieferte Heilige Schrift ist dann in Gänze unzuverlässig und alles, was Ebner über das Vorkommen oder Nichtvorkommen von Begriffen im NT redet, ist somit letztlich auch egal. Ebner und seine Gesinnungsgenossen ziehen sich, wie üblich, selbst den Boden unter den Füßen weg und merken es noch nicht mal.

 

Spannende finde ich es, dass sogar der Vergleich mit dem alttestamentlichen Priestertum Ebners These durchaus nicht sonderlich stützt. 

Zunächst: Viel ist die Rede vom „gemeinsamen Priestertum“ aller Getauften Ebner erwähnt das komischerweise nicht –, dass wir, die Christen, „ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm“ (1Petr 2,9) sind. Das ist übrigens keine nachkonziliare Neuentdeckung, schon vorher sprach man unter Theologen zuweilen, wenn auch etwas umständlich, vom „Laienpriestertum“. Peinlich für viele, die auf dieses gemeinsame Priestertum pochen, ist indes, dass es biblisch in Jesu Kreuzesopfer begründet ist, weil sich darin Jesus als Hohepriester und Opfer zugleich offenbarte: „sein Blut“ macht uns zu Priestern (vgl. Offb 1,5-6; 5,9-10). Die Kirche ist Leib Christi, des einzigen Hohepriesters, also ist das ganze Volk Gottes „priesterlich“.

Jedenfalls: Was gerne unerwähnt bleibt ist, dass auch schon das Volk des Alten Bundes „ein Königreich von Priestern und [...] ein heiliges Volk“ (Ex 19,6; vgl. 23,22) genannt wurde. Obwohl es also ein „Königreich von Priestern“ war, hatte Israel dennoch „Priester“ in einem engeren, besonderen Sinne. Das gemeinsame Priestertum aller Getauften, das es in analoger Weise auch schon bei den „Beschnittenen“ gab (siehe Thomas: Beschneidung als Sakrament), schließt also in keiner Weise die Existenz eines besonderen Priestertums aus. Im Gegenteil: Ein priesterliches Volk ist geradezu die notwendige Voraussetzung für ein besonderes Priestertum des Dienstes. Weil die Christen ein priesterliches Volk sind, kann es besondere priesterliche Ämter geben, wie dies auch im Alten Bund der Fall war.

Klar kann man nun behaupten „aber im Neuen Bund ist das eben anders“, aber dann muss man das belegen. Die im ganzen NT klar bezeugten Ämter in den frühen christlichen Gemeinden sprechen jedenfalls eindeutig dagegen. Natürlich gibt es Dinge, die im Neuen Bund „anders“ sind, Jesus war stets bereit, etwa die Rückbesinnung auf den „Anfang“ ins Spiel zu bringen, was jedoch regelmäßig nicht eine Entspannung, sondern eine Verschärfung brachte (vgl. Ehebruch und Scheidung); aber nirgends hat Jesus besonderen priesterlichen Ämtern eine Absage erteilt.

Zwischen dem priesterlichen Volk im AT und dem priesterlichen Volk im NT gibt es indes eine bemerkenswerte Verschiebung des „Rasters“, wenn man so will: Während im Alten Bund alle drei Ebenen – Hohepriester, Priester, Volk – rein menschlich sind, gilt mit Christus eine andere Logik: Er, Christus, ist der Hohepriester (vgl. Hebr 9,11), womit das Richtige an Ebners Behauptung in den Blick kommt: Was im Alten Bund nur für Priester galt, gilt nun für das ganze Volk, denn alle Getauften haben Zutritt zum Heiligtum, das Jesus Christus selbst ist. Aber es bleibt dennoch die Möglichkeit eines besonderen priesterlichen Dienstes offen, der für das Volk, das in der Welt lebt, unmittelbarer dem Allerheiligsten dient und es in geistlichen Dingen leitet, wie es ausgerechnet der Apostel Paulus vormacht, der von sich sagt, er würde dem „Evangelium Gottes wie ein Priester“ dienen (Röm 15,16).

Man beachte, dass das Priestertum aller Christen immer in einem eindeutig kultischen Kontext aufkommt; es geht nie um „Gemeindeleitung“, Macht oder Partizipation, sondern um die Verherrlichung Gottes und die Verkündigung des Evangeliums: Die Christen sind Priester, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen [und] damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ (1Petr 2,5.9) Zur Frage nach (Leitungs)Ämtern in der Kirche sagt das gemeinsame Priestertum also gar nichts aus. Dass es nicht nur faktisch in den ersten christlichen Gemeinden bereits eine sich entwickelnde Ämterstruktur gab, sondern dass Jesus selbst menschliche Hirten gewollt hat für die, die ihm nachfolgen, ist schließlich unbezweifelbar, wie er nach seiner Auferstehung gegenüber Petrus deutlich machte: Weide meine Lämmer! [...] Weide meine Schafe! [...] Weide meine Schafe!(Joh 21,15-17)

 

Für Ebner gab es am Beginn des Christentums kein besonderes Priestertum, alle Christen waren gleich, niemand tat etwas, was nicht auch ein anderer tun konnte. Es gab ihm zufolge folglich auch keine Opfer (denn das hieße, dass jemand es darbringt, und jemand anders nicht), sondern nur ein gemeinschaftliches Mahl. Wohl am schlagkräftigsten lässt sich alles das mit Klemens von Rom widerlegen, der in seinem Brief an die korinthische Gemeinde genau auf diese Themen eingeht... Es gibt indes keinen Grund, anzunehmen, dass irgendetwas daran neu war oder es von der korinthischen oder anderen Gemeinden als unchristlich abgetan wurde, Klemens legt einfach nur dar, was schon zu seiner Zeit allgemein üblich war. Welche Zeit ist das? Nun, wir können Klemens ruhig zu jener frühesten Zeit des Christentums rechnen, sein Brief ist wahrscheinlich älter als manche Schriften des Neuen Testaments (insbesondere die des Johannes). Zum Kontext: In Korinth war damals im Grunde das gleiche passiert, womit ein paar jahrzehnte zuvor bereits Paulus zu kämpfen hatte, nämlich die Infragestellung der heiligen Ordnung der Feier der Eucharistie, und damit zugleich die Ordnung der Dienstämter. Klemens schreibt in den Kapiteln 40, 42 und 44 seines Briefes das Folgende:

»40,1. Da uns also dieses ganz klar ist, und wir weit hinabgedrungen sind in die Tiefen der göttlichen Erkenntnis, müssen wir alles ordnungsgemäß tun, was der Herr an bestimmten Zeiten zu erfüllen angeordnet hat. 2. Er wollte, dass Opfer und Gottesdienst gehalten werde, aber nicht aufs Geratewohl und ohne Ordnung solle es geschehen, sondern zu festgesetzten Zeiten und Stunden. 3. Wo und durch wen er es verrichtet wissen will, hat er nach seinem allerhöchsten Willen selbst bestimmt, damit alles heiligmäßig geschehe und so in Wohlgefallen aufgenommen werde von seinem Willen. 4. Die nun ihre Opfer darbringen zur vorgeschriebenen Zeit, sind wohlgefällig und selig; denn wenn sie den Gesetzen des Herrn nachkommen, sündigen sie nicht. 5. Dem obersten Priester sind nämlich eigene Verrichtungen zugeteilt, auch den Priestern ist ihr eigener Platz angewiesen, und den Leviten obliegen eigene Dienstleistungen; der Laie ist an die Laienvorschriften gebunden.

42,1. Die Apostel haben uns das Evangelium verkündet, (das sie) vom Herrn Jesus Christus (bekommen haben), Jesus Christus aber ist gesandt von Gott. 2. Christus ist also von Gott und die Apostel von Christus (gesandt); beides ist demnach geschehen in aller Ordnung nach dem Willen Gottes. 3. Sie empfingen also ihre Aufträge, wurden durch die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus mit Gewissheit erfüllt, wurden im Glauben an das Wort Gottes gefestigt, und dann zogen sie voll des Heiligen Geistes hinaus zur Predigt, dass das Reich Gottes nahe sei. 4. Indem sie nun in Ländern und Städten predigten, setzten sie die Erstlingsfrüchte ihrer (Predigt), nach vorhergegangener Prüfung im Geiste, zu Bischöfen und Diakonen der zukünftigen Gläubigen ein. 5. Und dies war nichts Neues; denn schon seit langer Zeit war geschrieben über Bischöfe und Diakone. So nämlich sagt einmal die Schrift: „Ich will einsetzen ihre Bischöfe in Gerechtigkeit und ihre Diakone in Treue“ [Jes 60,17; ungenau zitiert].

44,1. Auch unsere Apostel wussten durch unseren Herrn Jesus Christus, dass Streit entstehen werde um die Bischofswürde. 2. Aus diesem Grunde setzten sie auch, da sie eine genaue Kenntnis hiervon zum voraus erhalten hatten, die oben Genannten ein und gaben ihnen dazu Auftrag, dass, wenn sie entschlafen wären, andere erprobte Männer ihren Dienst übernähmen.«



Fassen wir zusammen: Ebner leugnet die Legitimität besonderer, mit Autorität und Lehrgewalt versehener Ämter in der christlichen Gemeinde, indem er alle entsprechenden Zeugnisse aus dem NT einfach ignoriert. Das sei kein Thema gewesen, das wurde nicht problematisiert. Die Ämterfrage wurde im NT aber durchaus problematisiert, weswegen Paulus der zerstrittenen Gemeinde in Korinth die rhetorische Frage stellen muss: „Sind etwa alle Apostel, alle Propheten, alle Lehrer? Haben alle die Kraft, Machttaten zu wirken?“ (1Kor 12,29) Die Antwort ist natürlich: Nein! Heute haben wir in Deutschland offenbar genau das gleiche Problem erneut (nichts Neues unter der Sonne), und solche dümmlichen Behauptungen wie die von Ebner sind ein wesentlicher Grund dafür.

Samstag, 30. April 2022

Über Messstipendien

Bis vor kurzem nicht für möglich gehalten, nie einen Gedanken daran verschwendet... aber ich lasse mich ja grundsätzlich immer gerne von der Wirklichkeit eines Besseren belehren: Offenbar kann es in der katholischen Kirche in Deutschland passieren, dass das Pastoralteam einer Pfarrei beschließt, Messstipendien abzuschaffen.

Ach. Achso? Das geht?

Nein, natürlich nicht.

 

Aber der Reihe nach.

Was ist ein Messstipendium?

Ein Messstipendium (oder: Messintention) ist eine (Opfer)Gabe eines Gläubigen an einen Priester, mit dem Sinn, ihn zu verpflichten, eine Heilige Messe in der Intention (mit dem Anliegen, in der „Meinung“) des Gebers zu feiern. Heutzutage besteht es in einer Geldgabe. Diese Praxis ist so alt wie die Kirche, nur dass es sich bei den Gaben in den ersten ca. acht Jahrhunderten der Kirche meist um Naturalien (Lebensmittel) handelte. Diese auf die Feier der Messe konzentrierten Zuwendungen entwickelten sich aus den (Opfer)Gaben, die die Gläubigen generell für den Unterhalt und die wohltätige Arbeit der Kirche beisteuerten. Auf diese Weise sorgten die Gläubigen für den Unterhalt der für sie im heiligen Dienst stehenden Priester.

Die Bischöfe können festlegen, was die üblichen Beträge für ein Messstipendium sind (aber natürlich dürfen auch höhere oder niedrigere Beträge angenommen werden) und welchen Anteil an diesem Betrag der Priester selbst erhält, der Rest wird „nach oben“ weitergereicht und ist Zweckgebunden für die wesentlichen Aufgaben der Kirche.

Zumeist ist der von den Bischöfen festgesetzte Betrag in Deutschland 5€, wovon dem Priester 2,50€ zustehen. Hier in Deutschland ist der Anteil, den der Priester erhält, für diesen selbst eigentlich unerheblich, denn die Priester werden hierzulande im Allgemeinen ziemlich gut bezahlt (und dafür, dass sie keine Familie ernähren müssen und häufig nicht einmal Miete zahlen, sogar fast fragwürdig gut), weshalb sie i.d.R. dieses Geld unmittelbar einem guten Zweck zukommen lassen (andernfalls müssten sie es als Einkünfte versteuern). In vielen anderen Weltgegenden leben die Priester, wie es schon am Anfang der Kirche war, von diesen Stipendien, sie bestreiten damit ihren Lebensunterhalt.

Pro Priester und Messe darf nur eine solche Intention und folglich auch nur ein Stipendium angenommen und „erfüllt“ (Fachausdruck: „appliziert“) werden, sie wird dann im Verlauf der Messe erwähnt. Spätestens mit dem Priesterschwund der letzten Jahrzehnte und dem leider weit verbreiteten Wegfall der täglichen Zelebration können längst nicht alle Messstipendien, die – Gott sei Dank! – noch immer vergleichsweise zahlreich von den Gläubigen gegeben werden, von den Priestern erfüllt werden. Wenn man hierzulande oft eine ganze Reihung von Intentionen, etwa beim Totengedenken im Hochgebet, vernehmen kann, dann sind diese vielen Erwähnungen zwar legal, aber tatsächlich gilt diese Messe nur für die erste genannte Intention. Die anderen Intentionen werden samt Stipendium weitergereicht an andere Priester (z.B. in Klöstern), dank moderner Kommunikationstechnologie etwa auch an diejenigen in anderen Ländern, für die die Messstipendien die einzige Einkommensquelle sind. Über all das muss genau Buch geführt werden. Idealerweise nimmt der Geber eines Stipendiums auch an der entsprechenden Heiligen Messe teil, denn die Gabe des Stipendiums ist eigentlich nur der Anfang seiner Teilnahme, die sich in der Mitfeier der ganzen Messe verwirklicht und im Empfang der göttlichen Gegengabe – der Kommunion – ihren Höhepunkt erreicht.

 

Messstipendien abschaffen zu wollen ist aus verschiedenen Gründen falsch und zeugt v.a. von gravierenden Defiziten im Verständnis der Dinge des Glaubens und von erheblicher zwischenmenschlicher (pastoraler und diakonischer) Kurzsichtigkeit.

1) Zwar mögen Messstipendien für hiesige Priester keine relevante Einkommensquelle sein, weshalb die Frage aufkommen könnte „wozu?“, aber für andere Priester ist es das durchaus! Für Adveniat, Misereor etc. zu sammeln, aber dann Messstipendien abschaffen zu wollen, ist einfach zynisch. Hier mangelt es offenkundig an einem Bewusstsein für die kirchliche Gemeinschaft jenseits des eigenen Kirchturms.

2) Offenbar ist es eine hierzulande weit verbreitete Meinung, Messstipendien bezögen sich nur oder v.a. auf das Totengedenken in der Messe. Tatsächlich ist das nicht so, sie können mit jedem sinnvollen Anliegen verbunden sein (dann hört man etwa die Formulierung: „in einer bestimmten Meinung“). Faktisch sind sie hierzulande in der großen Mehrheit der Fälle mit den Verstorbenen verknüpft, eben weil man meint, es habe (nur) damit zu tun. Wenn wir das Totengedenken, oder besser: das Gebet für die Verstorbenen, als „Normalfall“ der mit einem Messstipendium verbundenen Intentionen annehmen, dann ist ihre Abschaffung erst recht als schwerwiegend, ja als grausam zu bezeichnen. Auch hier mangelt es an einem Bewusstsein für die Weite der kirchlichen Gemeinschaft, denn diese umfasst nicht nur die (vor Ort und auf der ganzen Welt) Lebendigen, sondern auch die Verstorbenen im Fegefeuer und im Himmel. Natürlich steckt hinter dem Versuch der Abschaffung der Messstipendien letztlich der weitestgehende Verlust des Glaubens an die Realität des Fegefeuers. Daher müsste das „Gebet für die Verstorbenen“, das Gott als Adressat und eben jene Verstorbenen als „Nutznießer“ hat, „für die“ gebetet wird, oftmals wohl eher „Aufforderung zur Erinnerung an die Verstorbenen“ heißen, weil als Adressat und zugleich Nutznießer eigentlich nur die Hinterbliebenen im Blick sind. Was würde ein „Gebet für die Verstorbenen“ auch bringen, wenn es kein Fegefeuer gäbe?


Mit dem letzten Punkt eng zusammenhängend ist die Verwirrung, die oft (auch unter pastoralen Mitarbeitern der Kirche) herrscht, über den Unterschied zwischen einem Stipendium für die Feier einer Heiligen Messe und einem fürbittenden Gebet zugunsten eines Verstorbenen, etwa im Rahmen einer Wort-Gottes-Feier. Tatsächlich gibt es immer wieder diözesane Verlautbarungen, die einschärfen, dass für Wort-Gottes-Feiern keine Messstipendien angenommen werden dürfen. Dass dies eigens (und wiederholt) eingeschärft werden muss, offenbart die weit verbreitete Ver(w)irrung, u.a. über den Unterschied zwischen diesen beiden Gottesdienstformen, über das Verhältnis von Wort und Sakrament, sowie bezüglich des priesterlichen Dienstes. Also:

3) Ein Messstipendium für einen Verstorbenen zu geben ist ein besonderer Akt der Nächstenliebe, der – wenn er nicht bloß „aus Tradition“ und dabei eher gedankenlos getan wird – allerdings das rechte Verständnis der Eucharistie voraussetzt. In „fromm“ ausgedrückt: Mit einem Messstipendium wird nicht nur eine Bitte zugunsten des im Fegefeuer Leidenden vor Gott gebracht, sondern diesem Leidenden werden die Früchte das rettenden Opfers Christi am Kreuz zugewendet. In „verständlich“ heißt das: Jesus hat denen, die ihm nachfolgen wollen, unmissverständlich den schwerwiegenden Auftrag erteilt: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19; 1Kor 11,24); gemeint ist die Feier der Eucharistie, und damit die Anteilhabe an seinem Leib und seinem Blut (vgl. 1Kor 10,16). Dieser Auftrag ist keine Nebensächlichkeit, und seine Erfüllung ist nicht „optional“. Sondern unsere Teilnahme an der Eucharistie ist von überragender Bedeutung, denn die Alternative ist schrecklich: „Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.“ (Joh 6,53) Wie können wir die Teilhabe daran, aber auch den Trost und die Hilfe daraus, unseren „lieben Verstorbenen“ vorenthalten?


Neben diesen Fragwürdigkeiten, die ein Defizit an (welt- und überirdisch-)kirchlichem Bewusstsein („kirchlicher Gesinnung“) vermuten lassen, gibt es aber noch ein weiteres Problem mit dem Versuch der Abschaffung von Messstipendien, das selbst denjenigen auffallen müsste, die nicht weltkirchlich zu denken und zu fühlen gewohnt sind, und die auch die bereits verstorbenen Glieder der Kirche, insbesondere die „leidende Kirche“ im Fegefeuer, nicht recht beachten (Stichwort: sentire cum ecclesia): Ein Messstipendium ist, wie aus dem vorherigen Punkten deutlich geworden sein müsste, auch eine besondere verdienstvolle Tätigkeit der Gläubigen. Nicht nur ginge eine Abschaffung von Messstipendien somit zu Lasten derer, für die die Intentionen gelten (z.B. im Fegefeuer), sondern auch die (noch auf Erden lebenden) Gläubigen vor Ort würden massiv in der tätigen Ausübung ihres Glaubens beeinträchtigt, und zwar gleich in zweifacher Hinsicht:

4) Zum einen wird den Gläubigen dadurch – insbesondere dann, wenn das Stipendium zugunsten eines Verstorbenen gegeben wird, aber auch generell – eine bedeutende Übung der tätigen Nächstenliebe verunmöglicht; sie könnten ihren „lieben Verstorbenen“ diese größtmögliche Hilfe nicht durch die bestellten Diener der Kirche zuwenden, und auch für andere (nicht verstorbene) können sie diesen großen Dienst der Nächstenliebe nicht leisten. Das allein ist schon schrecklich. Dass inzwischen bei nicht wenigen Gläubigen das Bewusstsein für die Möglichkeit und die Bedeutung dieses besonderen Dienstes fehlt, macht seine Verunmöglichung nicht weniger schlimm, sondern weist auf ein Defizit in Verkündigung und Glaubenspraxis hin. Es ist außerdem besonders grausam den Gläubigen gegenüber, die noch dieses gläubige (kirchliche) Bewusstsein haben.

5) Zum anderen wurde zu Anfang erwähnt, dass ein Messstipendium eine (Opfer)Gabe eines Gläubigen für den heiligen Dienst ist. Daran wird deutlich, dass es sich bei Messstipendien, ganz gleich, mit welcher berechtigten Intention es verbunden wird, tatsächlich um eine Form der tätigen Teilnahme (actuosa participatio) der Gläubigen am heiligen Dienst handelt, wie dies etwa Papst Paul VI. in seinem Schreiben über die Messstipendien von 1974 gleich im ersten Satz hervorgehoben hat: „Es ist feste Überlieferung der Kirche, dass die Gläubigen aus frommer und kirchlicher Gesinnung gleichsam ein gewisses eigenes Opfer dem eucharistischen Opfer anschließen, um daran tätiger teilzunehmen.“ (DEL 3312) Wenn also ein Pastoralteam die Messstipendien für seinen Zuständigkeitsbereich abschaffen will, dann beraubt es die Gläubigen dieser wichtigen Weise der tätigen Teilnahme am heiligen Dienst, die doch ansonsten immer so sehr eingefordert und befördert wird. Natürlich: Hierbei spielen sicher nicht wenig der Verlust des Verständnisses der Eucharistie als Opfer, sowie ein einseitig veräußerlichtes Verständnis von „tätiger Teilnahme“ eine wesentliche Rolle, darum werden es viele Gläubige nicht unbedingt merken. Aber auch das ist eher ein Hinweis auf ein Verkündigungsdefizit und macht die Vorenthaltung dieser Möglichkeit zur tätigen Teilnahme nicht weniger schlimm; und wiederum ist es gerade für diejenigen Gläubigen ein Schlag ins Gesicht, die den kirchlichen Glauben bezüglich der Eucharstie nach wie vor teilen, und die die Heilige Messe innerlich wie äußerlich tätig leben. Ob es klug ist, ausgerechnet diejenigen, die nach wie vor den Glauben in seiner Reichhaltigkeit leben, darin zu beschneiden?


Zu guter Letzt sei noch darauf hingewiesen, dass ein Pastoralteam (Priester, Diakone, Pastoral- bzw. Gemeindereferenten) natürlich keinerlei Kompetenz oder Befugnisse hat, Messstipendien „abzuschaffen“. Allein den Bischöfen kommt es zu, für ihren Zuständigkeitsbereich irgendetwas bezüglich der rechtlichen Ordnung des Messstipendienwesens zu ändern. „Abschaffen“ (verbieten) könnten aber auch sie es nicht, denn dazu haben sie kein Recht. Messstipendien anzunehmen ist nämlich ein Recht, das jedem Priester zusteht, einfach weil er Priester ist, und nicht, weil der Bischof es ihm gestattet (hat ein Bischof keine Regelungen getroffen, gelten ortsübliche Gewohnheiten etwa bzgl. der Beträge; verbieten kann es der Bischof nicht, es sei denn indirekt, indem er Priestern das Zelebrieren der Messe verbietet): „Gemäß bewährtem Brauch der Kirche ist es jedem Priester, der eine Messe zelebriert oder konzelebriert, erlaubt, ein Messstipendium anzunehmen, damit er die Messe in einer bestimmten Meinung appliziert.“ (Can. 945 §1 CIC) Ein Priester könnte es natürlich auch einfach generell unterlassen, Messstipendien anzunehmen, er ist schließlich nicht dazu verpflichtet (es wird ihm lediglich „eindringlich empfohlen“; ebd. §2), aber dann macht sich ein solcher Priester m.E. aus den vorgenannten Gründen schwer vor Gott und den Menschen schuldig (und ich frage mich, ob hier nicht ein schwerer Mangel hinsichtlich des Lebens seiner Berufung vorliegt).


Über die Gründe für den Willen zur Abschaffung von Messstipendien kann ich nur spekulieren. Der schlechteste wäre sicherlich, wenn man sich den Verwaltungsaufwand der Buchführung ersparen wollte. Ich vermute(!) – und habe dafür auch einige Anzeichen aus Gesprächen mit Akteuren, wenn auch an anderen Orten –, dass man dadurch die Bedeutung und Akzeptanz von Wort-Gottes-Feiern erhöhen möchte, indem man erklärt, dass das Gedenken an die Toten in ihnen nicht „weniger Wert“ ist als in einer heiligen Messe. Auch dem Selbstbild (und Prestige?) der WGF-Leiter wäre das sicher zuträglich. Die traurige Ironie ist allerdings, dass man dadurch etwaige Missverständnisse und Unklarheiten über die jeweils eigene Bedeutung dieser beiden Gottesdienstformen nur verstärkt. Womöglich sind die Verantwortlichen aber auch nicht Willens und/oder in der Lage, diesen Unterschied zu erklären, und sie wollen durch die Abschaffung dieser Peinlichkeit ausweichen? Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass einem solchen folgenschweren Entschluss besonders viel Nachdenken, Lektüre (z.B. des geltenden Kirchenrechts), Austausch mit den Betroffenen, Gebet und eigene Glaubenspraxis in diesem Bereich vorausgegangen sind... sonst würde man nicht zu einem solchen Entschluss gelangen.

 

 

PS. Die dargelegten Erwägungen verdeutlichen auch, warum Messstipendien keineswegs ein „klerikalistisches Relikt“ einer vergangenen „Priesterkirche“ sind, wie man das zuweilen hört: Die Laien müssen an die Priester Abgaben entrichten. Das ist natürlich eine durch dumme Vorurteile und Ressentiments befeuerte Verzerrung eines Sachverhalts, der sich kinderleicht auch genau andersherum deuten lässt: Messstipendien machen deutlich, dass die Priester den Laien zu dienen haben, denn jene werden von diesen beauftragt, in ihrem Anliegen in besonderer Weise vor Gott zu treten. Wollte man dieses besondere Vor-Gott-treten kritisieren, so würde man im Grunde nur die Tatsache kritisieren, dass es neben dem gemeinsamen Priestertum aller Getauften ein besonderes Weihepriestertum des Dienstes gibt. Messstipendien verdeutlichen besonders eindrücklich das Zu-, Für- und Miteinander von beiden, von denen keines ohne das andere vor Gott stehen kann.

Dienstag, 26. April 2022

Feinde auch im Inneren der Kirche

»Der Herr hat uns gesagt, daß die Kirche auf verschiedene Weise immer leiden würde bis zum Ende der Welt. [...] Unter dem Neuen, das wir heute in dieser Botschaft entdecken können, ist auch die Tatsache, daß die Angriffe gegen den Papst und die Kirche nicht nur von außen kommen, sondern die Leiden der Kirche kommen gerade aus dem Inneren der Kirche, von der Sünde, die in der Kirche existiert. Auch das war immer bekannt, aber heute sehen wir es auf wahrhaft erschreckende Weise: Die größte Verfolgung der Kirche kommt nicht von den äußeren Feinden, sondern erwächst aus der Sünde in der Kirche. Und darum ist es für die Kirche zutiefst notwendig, daß sie neu lernt, Buße zu tun, die Reinigung anzunehmen; daß sie einerseits zu vergeben lernt, aber auch die Notwendigkeit der Gerechtigkeit sieht; denn Vergebung ersetzt die Gerechtigkeit nicht. Mit einem Wort, wir müssen gerade das Wesentliche neu lernen: die Umkehr, das Gebet, die Buße und die göttlichen Tugenden. So antworten wir. Seien wir realistisch darauf gefaßt, daß das Böse immer angreift, von innen und von außen, aber daß auch die Kräfte des Guten immer gegenwärtig sind und daß letztendlich der Herr stärker ist als das Böse.«

Benedikt XVI. am 11. Mai 2010 auf den Flug nach Portugal (HIER nachlesbar).

Donnerstag, 7. April 2022

Niemandem das Katholischsein absprechen!

Im kirchlichen Diskurs kann man es immer wieder erleben, wie rechtgläubigen Katholiken vorgehalten wird: "Willst du X etwa das Katholischsein absprechen?"

Jene Katholiken täten gut daran, dies nicht zu tun, denn, ob richtig oder falsch, damit disqualifiziert man sich im Diskurs. Geschickter ist es, sich am Vorbild Joseph Ratzingers zu orientieren: Als dieser 2003 nach der (längst überfälligen) Suspendierung von Gotthold Hasenhüttl gefragt wurde (Hasenhüttl muss spätestens seit seinem Buch "Kritische Dogmatik" von 1979 als faktischer Atheist betrachtet werden, er durfte aber bis in die 2000er Jahre ungestört katholische Theologie lehren), und der Interviewer konkret wissen wollte, ob Hasenhüttl nach Ratzingers Ansicht "nicht mehr katholisch" sei, antwortete der Kardinal (bezogen auf jenes Buch Hasenhüttls): »Was im Innersten seines Herzens ist und vorgeht, das überlassen wir dem lieben Gott. Aber was er geschrieben hat, ist nicht katholisch.« Dies lässt sich nicht nur auf Geschriebenes, sondern auch auf Gesprochenes anwenden. Jeder Gesprächspartner muss eingestehen, dass es Statements gibt, die "nicht katholisch" sind, ob geschrieben oder gesprochen - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt - und sei es nur eben dieses, jemandem das Katholischsein abzusprechen.

Im übrigen lässt sich dieses Absprechen auch ganz einfach guten Gewissens dadurch vermeiden, dass man sich das vom Gegenüber gemeinte "Katholischsein" einfach als das denkt, was vor dem Standesamt in den Personalausweis ein- bzw. aus diesem ausgetragen wird. Hasenhüttl darf man daher inzwischen übrigens guten Gewissens absprechen, katholisch zu sein, schließlich hat er 2010 seinen Austritt aus der Kirche erklärt.

Mittwoch, 6. April 2022

Der offener Brief an die Kardinäle Hollerich und Marx

Der offene Brief von Father Philip G. Bochanski, Executive Director von Courage International an die Kardinäle Jean-Claude Hollerich und Reinhard Marx, die in letzter Zeit offen die kirchliche Lehre diesbezüglich abgelehnt haben (von HIER). Courage International ist ein seit über 40 Jahren bestehendes Netzwerk von Katholiken mit homosexuellen Neigungen und denen, die ihnen verbunden sind, die der katholischen Lehre entsprechend leben wollen. Infos gibt es HIER; das "Handbook" (als PDF frei verfügbar) ist eine sehr lesenswerte Ressource zu dem ganzen Themenkomplex.

In diesem Kurzen Schreiben steht im Grunde alles drin, mehr ist nicht dazu zu sagen, mehr braucht man nicht zu sagen.


Your Eminences,

As a priest engaged for many years in pastoral ministry to people who experience same-sex attractions, I read your recent public comments about Catholic teaching on homosexual acts with serious concern.

You suggested, Cardinal Hollerich, that “the sociological-scientific foundation of” the Catholic doctrine that homosexual acts are immoral “is no longer correct,” and you called for “a fundamental revision of Church teaching” and “a change in doctrine.” You took the same stance on this issue, Cardinal Marx, and justified your position by remarking that “the Catechism is not set in stone” and that “one may also question what it says” on this important moral teaching.

Yet the paragraph of the Catechism to which you refer presents this teaching in a remarkably firm way. That is, it notes that the teaching is clearly based on Sacred Scripture and consistently taught by the tradition of the Church (2357). This invocation of Scripture and Tradition is unusual in the Catechism, but appears often when the Church explains the charism of infallibility. Its use here clearly means that this teaching, which flows from the anthropological fact of the nature of sexed human bodies, is an infallible teaching of the ordinary universal magisterium.

When each of us was preparing for ordination, like all of our brother deacons, priests and bishops, we made a public Profession of Faith and swore an Oath of Fidelity. When we took that oath, we swore in regard to such teachings that we would “hold fast to” the Church’s doctrine, “faithfully hand it on and explain it, and … avoid any teachings contrary to it.” We invoked the Holy Trinity and the holy Gospels to witness to our honesty and sincerity.

Your Eminences, I beg you, please be faithful to your oath.

To violate your oath over this teaching would do great harm to the very people you sincerely want to help. “Neglect of the Church’s teaching prevents” these brothers and sisters of ours “from receiving the help that they need and deserve,” as the Dicastery for the Doctrine of the Faith wrote in 1986. To claim that this definitive teaching can change raises false hopes among our brothers and sisters, and is sure to leave them feeling more overlooked and resentful each time the Church faithfully restates it. By reinforcing this misunderstanding of the divine ordering of sexuality, you encourage them to seek happiness in relationships that ultimately cannot satisfy, rather than to seek fulfillment in chaste friendships.

To violate your oath would also wound our brothers and sisters who strive to live chastely in harmony with the Church’s teaching, or to encourage their loved ones to do so, at the cost of great personal sacrifice. They look to the bishops of the Church as their spiritual fathers, and seek from you affirmation and support for the commitments to chastity they have made, as faithful Catholics. When they hear you suggest that such commitments are unnecessary, they feel unseen and disrespected by the very people whose love and care they seek the most.

To violate your oath would certainly harm the moral credibility of the Church, in the eyes of the faithful and in the opinion of the world. On the eve of His Passion, Our Lord’s sincere prayer was for unity among his apostles, “so that the world may believe” (John 17:21). You stand in the place of those apostles and have undertaken the awesome responsibility of closely advising the successor of St. Peter. Your public dissent from the Church’s teaching can only create confusion and division among the faithful, and be a scandal to the secular world.

To violate your oath would, I fear, also create great harm for you. As a brother priest and collaborator in the sacred ministry, may I be so bold as to remind you, with great respect and fraternal concern, of the solemn significance of the oath we have taken? To break an oath is to commit the sin of perjury, and to deliberately persist in such a grave sin puts one’s eternal salvation in jeopardy.

It has been my privilege for almost half of my life to serve Christ’s Church as a priest, and an immense joy for more than half of my priesthood to serve Catholics who experience same-sex attractions and their loved ones. It is a great consolation to carry out this ministry with the support and encouragement of the universal Church and its eminent pastors.

Your Eminences, I beg you, please be faithful to your oath.

With sincere respect,

Father Philip G. Bochanski

Executive Director, Courage International

Dienstag, 8. März 2022

Bätzing verdreht Henri de Lubac

In seiner Predigt zur Eröffnung der Vollversammlung der DBK am 7. März 2022 hat der Vortsitzende der DBK ausgerechnet Henri de Lubac zitiert, um seine kruden Ideen über die Kirche Ausdruck zu geben. Er führte aus:

»Die Kirche Jesu Christi ist „katholisch“. Und das meint weit mehr als „römisch-katholisch“ in seiner konkreten Gestalt. Katholizität, so hat es der französische Jesuit Henri de Lubac (1896–1991) durch beharrliche Studien herausgearbeitet, ist ein Zielbild, geschichtlich stets eine Herausforderung und niemals Besitzstand, den es zu verteidigen gilt. „Der Katholizismus [...] ist die Form, die die Menschheit annehmen soll“, schreibt de Lubac, „um endlich sie selbst zu werden. Er ist die einzige Wirklichkeit, die, um zu sein, es nicht nötig hat, sich entgegenzusetzen, also alles andere als eine ‚geschlossene Gesellschaft‘“ (Henri de Lubac, Glauben aus der Liebe [„Catholicisme“, 1938 erschienen]. Übertragen und eingeleitet von Hans Urs von Balthasar, Einsiedeln-Freiburg 1992, 263: Weiter spricht er davon, den Katholizismus zeichne eine Unduldsamkeit seiner Grundsätze und zugleich eine unendlich umfassende Geschmeidigkeit aus). Katholisch, das ist gelebte Verbundenheit, nicht konfessionelle Enge, nicht Abschottung und Identität durch Grenzziehungen. [...] Katholizität meint Verbundenheit. Um dieses Zielbild zu verwirklichen, müssen wir wohl noch etliche Barrieren überwinden, Durchbrüche wagen und bisher gültige Denkweisen verändern – und zuallererst demütig bekennen, wie sehr wir uns in der Kirche an unseren eigenen Geschwistern schuldig gemacht haben; wie sehr wir deren Leben belastet und ihnen die Verbundenheit verwehrt haben.«


Bätzing möchte mit allen Menschen "verbunden" sein, und meint damit v.a., dass die Kirche alles, was diese Menschen tun, etwa in ihren Betten, akzeptieren soll.

Damit verkehrt er die Aussage von de Lubac in ihr genaues Gegenteil. Ja, de Lubac sagt: »Die Kirche ist überall zu Hause, und jeder soll sich in der Kirche zuhause fühlen können« (ebd.), aber er wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass dies bedeuten könnte, dass sich die Kirche entsprechend an alles anpassen müsse, am wenigsten in Sachen der Moral. De Lubac stellt vielmehr klar, dass die Kirche "ohne jede Naivität" auf die Menschen zugeht, d.h. sie nimmt nicht einfach alles an, sondern sie unterscheidet, sucht das "Gute" und das "Wahre" und meidet zugleich den Irrtum (ebd. 264-265) [gemäß der Mahnung des Paulus: »Prüft alles und behaltet das Gute!« (1Thess 5,21) Immer Eingedenk des darauffolgenden Verses: »Meidet das Böse in jeder Gestalt!« Vgl. ebd. 254-256]. Die sichtbare Katholizität, die sich in der Vielfalt zeigt, die sie beherbergt, ist so letztlich Ausdruck ihres inneren Reichtums.

Kurioserweise nennt de Lubac sodann etwas beim Namen, was Bätzing eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben müsste, denn er, Bätzing, tut genau das, was du Lubac hier verwirft, bis in die Wortwahl ("verbinden") hinein: 

»So wenig die Methode der Kirche naiv ist, so wenig ist sie synkretistisch. Künstlich erzeugt und häufig das Werk von Verwaltungsinstanzen und Gelehrten, setzt der Synkretismus einen niedergehenden Glauben voraus. Er ist eine Beleidigung des lebendigen Gottes. Im Geistigen ist er unfruchtbar wie die Politik und die Philosophie, der er entstammt. Er erniedrigt und verflacht alle Elemente, die er verbindet [...].«

Genau da sind wir: Die Kirche (in Deutschland!) ist im Niedergang begriffen und Bätzing möchte durch Verwaltungsinstanzen und mit gelehrten Redelsführern (suizidaler Weg) das Ruder herumreißen, indem er einen Synkretismus fabriziert, der allerlei wesentliche Elemente des Katholischen erniedrigt und verflacht (z.B. das Priestertum und eben die Moral).

Die Kirche kann Heimat für alle Menschen sein, weil sie die Fülle der Gnade und der Wahrheit Gottes ihr eigen weiß. Als Christen glauben wir, dass einer der Weg, die Wahrheit und das Leben für alle Menschen ist. Dass die Kirche "katholisch" ist bedeutet gerade nicht, dass sie allen Menschen angepasst werden kann oder gar soll, sondern im Gegenteil, dass alle Menschen sich ihr anschließen können auch in ihrer Strenge und Klarheit. De Lubac weiter (durchaus kämpferisch):

»Endlich kann hier auch nicht von "Liberalismus" die Rede sein, von Willfährigkeit gegenüber dem Irrtum oder vom Schalwerden des evangelischen Salzes. Wie das Christentum in der ganzen Strenge seiner Forderungen vorgetragen werden muss, so muss man es auch in seiner ganzen Reinheit hervortreten lassen. Es wäre sträflich, die sanfte Strenge des Evangeliums zu verschleiern; aber nicht weniger, es mit überflüssigem Ballast zu beschweren; dies hat schon das erste Konzil verkündet. Und wenn es auch ausgemacht ist, dass das Bekehrungswerk in seinem Wesen nicht darin besteht, die übernatürliche Wahrheit zu adaptieren, sie auf das menschliche Maß herabzudrücken, sondern umgekehrt den Menschen ihr anzupassen und ihn zum Maß dieser Wahrheit, die ihn beherrscht und ihn richtet, zu erheben, so müssen gerade wir, ihre Diener, uns vor nichts so sehr hüten als vor einer lästerlichen Verwechslung unserer Geschmäcker, unserer Gewohnheiten, unserer Vorurteile, unserer Leidenschaften, unserer Beschränktheiten und Schwächen mit der göttlichen Religion, von der wir noch so wenig durchdrungen sind. Wir sollen die Seelen für Gott, nicht für uns gewinnen, und ihnen. Gott schenken, statt uns selbst ihnen aufdrängen. Wenn man dies für Liberalismus hält, so ist es jedenfalls kein anderer als der der Liebe. Da mihi amantem et scit quid dicam.

Das große Beispiel des hl. Paulus ist am geeignetsten, vor jeder hier möglichen Verwechslung im voraus zu sichern. Keiner schämte sich weniger als Paulus, das Ärgernis des Kreuzes zur Schau zu tragen, und keiner fürchtete mehr als er, dessen Kraft abzustumpfen. Keiner hat vorbehaltloser als er die Notwendigkeit verkündet, mit dem Irrtum und der Sünde zu brechen und sich selbst zu sterben, um ein neues Leben in Christus zu leben: "Fegt aus den alten Sauerteig und seid ein neuer Teig." Aber Paulus weigert sich, auf die Forderungen der judaisierenden Christen einzugehen. Er erhebt sich sogar gegen jene, die seine Kühnheit einschüchtert. Geschieht es einzig deshalb, "um, wie er selbst sagt, dem Evangelium kein Hindernis zu schaffen" oder "für Christus eine große Menge" Heiden zu gewinnen? Diese Absicht erklärte sein Verhalten nicht ganz. Was den Apostel bestimmt, ist nicht vor allem das Interesse der Propaganda: es ist die Logik seines Glaubens. Seine Gegner werfen ihm vor, dass er aus politischer Klugheit das Joch des Herrn erleichtert, indem er das Gesetz aufgibt. Nein, erwidert er, nicht damit die Menschen mich gut aufnehmen, handle ich so, sondern um mich Gott verdient zu machen. Wenn ich das "Evangelium Gottes" predige, will ich es nicht "nach Menschen weise" verkünden. Weit davon entfernt, die Lehre aus Opportunitätsrücksichten zu kompromittieren, verteidigt Paulus vielmehr ihren wahren Charakter gegen die unklugen Zugeständnisse Petri. Er weigert sich, das Evangelium andern zuliebe zu ändern, weil er damit Christus untreu würde (1Kor 1,17; 5,7; 9,12 und 19-22; Gal 1,10-11; 2,11-24).

Der Geist, der den Apostel leitet, ist derselbe, der noch heute die Kirche lenkt, und der durch die Stimme der letzten Päpste spricht [gemeint sind Pius IX. bis Pius XI.]. Der Weg, auf den er uns verpflichtet, ist der einzig sichere. Ihm folgen ist weder Naivität noch Synkretismus noch Liberalismus, sondern einfach Katholizismus.« (ebd. 265-267)

Bätzing sollte nochmal genau nachlesen und sich dann schämen! Ich kann bloß hoffen, dass sein bischöflicher Mitbruder aus Regensburg, der ein ausgewiesener Experte für Henri de Lubac ist, ihn auf seine Verirrung (und die Irreführung seiner Zuhörer) hinweist.

Donnerstag, 24. Februar 2022

Gottesmutter von Potschajiw, bitte für uns!

Die Gottesmutter von Potschajiw ist eine spätbyzantinische Ikone (Typus Eleusa, die Mitleidende, Erbarmende) aus dem Mariä-Entschlafens-Kloster (das zweitgrößte Kloster der Ukraine, gehört zum Moskauer Patriarchat[!]) in Potschajiw, eine Stadt am Rande der Karpaten im Westen der Ukraine, die zuweilen als das "ukrainische Lourdes" bezeichnet wird.

Das erste Wunder, eine Erscheinung Mariens in einer Flamme, soll in Potschajiw im Jahr 1193 geschehen sein, es ist noch heute im Stadtwappen abgebildet. Am Ort der Erscheinung sei eine Quelle entsprungen, die noch heute fließt. Weitere Wunder, insbesondere in Zusammenhang mit der Ikone der Muttergottes, sollen v.a. im 16. Jahrhundert geschehen sein.

Die Ikone wird von Katholiken wie auch Orthodoxen gleichermaßen verehrt (im 18. Jahrhundert entstandte Papst Klemens XIV zwei Kronen für die Ikone, eine für Maria, eine für das Jesuskind, womit er die Wundertätigkeit der Ikone anerkannte); sie ist besonders für die ukrainisch-griechisch katholischen Christen von großer Bedeutung.

Gottesmutter von Potschajiw, bitte für uns!