Sonntag, 25. Oktober 2015

Lektionen

Aus der Lesehore dieses Sonntags:
»Auf zweifache Weise suche ich meine Auserwählten heim: in Anfechtung und in Trost. Ich halte ihnen Tag für Tag zwei Lesungen [Lektionen]: in der einen tadele ich ihre Sünden, in der andern mahne ich sie zum Wachstum in der Tugend.« (Thomas von Kempen, Nachfolge Christi III,3)

Freitag, 16. Oktober 2015

Billige Gnade

»Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf geht heute um die teure Gnade.
Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderter Trost, verschleudertes Sakrament; Gnade als unerschöpfliche Vorratskammer der Kirche, aus der mit leichtfertigen Händen bedenkenlos und grenzenlos ausgeschüttet wird; Gnade ohne Preis, ohne Kosten. Das sei ja gerade das Wesen der Gnade, dass die Rechnung im voraus für alle Zeit beglichen ist. Auf die gezahlte Rechnung hin ist alles umsonst zu haben. Unendlich groß sind die aufgebrachten Kosten, unendlich groß daher auch die Möglichkeiten des Gebrauchs und der Verschwendung. Was wäre Gnade, die nicht billige Gnade ist?
Billige Gnade heißt Gnade als Lehre, als Prinzip, als System; heißt Sündenvergebung als allgemeine Wahrheit, heißt Liebe Gottes als christliche Gottesidee. Wer sie bejaht, der hat schon Vergebung seiner Sünden. Die Kirche dieser Gnadenlehre ist durch sie schon der Gnade teilhaftig. In dieser Kirche findet die Welt billige Bedeckung ihrer Sünden, die sie nicht bereut und von denen frei zu werden sie erst recht nicht wünscht. Billige Gnade ist darum Leugnung des lebendigen Wortes Gottes, Leugnung der Menschwerdung des Wortes Gottes.
Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders. Weil Gnade doch alles allein tut, darum kann alles beim alten bleiben. "Es ist doch unser Tun umsonst." Welt bleibt Welt, und wir bleiben Sünder "auch in dem besten Leben". Es lebe also auch der Christ wie die Welt, er stelle sich der Welt in allen Dingen gleich und unterfange sich ja nicht – bei der Ketzerei des Schwärmertums! – unter der Gnade ein anderes Leben zu führen als unter der Sünde! Er hüte sich gegen die Gnade zu wüten, die große, billige Gnade zu schänden und neuen Buchstabendienst aufzurichten durch den Versuch eines gehorsamen Lebens unter den Geboten Jesu Christi! Die Welt ist durch Gnade gerechtfertigt, darum – um des Ernstes dieser Gnade willen!, um dieser unersetzlichen Gnade nicht zu widerstreben! – lebe der Christ wie die übrige Welt! Gewiss, er würde gern ein Außerordentliches tun, es ist für ihn unzweifelhaft der schwerste Verzicht, dies nicht zu tun, sondern weltlich leben zu müssen. Aber er muss den Verzicht leisten, die Selbstverleugnung üben, sich von der Welt mit seinem Leben nicht zu unterscheiden. Soweit muss er die Gnade wirklich Gnade sein lassen, dass er der Welt den Glauben an diese billige Gnade nicht zerstört. Der Christ aber sei in seiner Weltlichkeit, in diesem notwendigen Verzicht, den er um der Welt – nein, um der Gnade willen! – leisten muss, getrost und sicher (securus) im Besitz dieser Gnade, die alles allein tut. Also, der Christ folge nicht nach, aber er tröste sich der Gnade! Das ist billige Gnade als Rechtfertigung der Sünde, aber nicht als Rechtfertigung des bußfertigen Sünders, der von seiner Sünde lässt und umkehrt; nicht Vergebung der Sünde, die von der Sünde trennt. Billige Gnade ist die Gnade, die wir mit uns selbst haben.
Billige Gnade ist Predigt der Vergebung ohne Buße, ist Taufe ohne Gemeindezucht, ist Abendmahl ohne Bekenntnis der Sünden, ist Absolution ohne persönliche Beichte. Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, Gnade ohne den lebendigen, menschgewordenen Jesus Christus.
Teure Gnade ist der verborgene Schatz im Acker, um dessentwillen der Mensch hingeht und mit Freuden alles verkauft, was er hatte; die köstliche Perle, für deren Preis der Kaufmann alle seine Güter hingibt; die Königsherrschaft Christi, um derentwillen sich der Mensch das Auge ausreißt, das ihn ärgert, der Ruf Jesu Christi, auf den hin der Jünger seine Netze verlässt und nachfolgt.
Teure Gnade ist das Evangelium, das immer wieder gesucht, die Gabe, um die gebeten, die Tür, an die angeklopft werden muss.
Teuer ist sie, weil sie in die Nachfolge ruft, Gnade ist sie, weil sie in die Nachfolge Jesu Christi ruft; teuer ist sie, weil sie dem Menschen das Leben kostet, Gnade ist sie, weil sie ihm so das Leben erst schenkt; teuer ist sie, weil sie die Sünde verdammt, Gnade, weil sie den Sünder rechtfertigt. Teuer ist die Gnade vor allem darum, weil sie Gott teuer gewesen ist, weil sie Gott das Leben seines Sohnes gekostet hat – "ihr seid teuer erkauft" -, und weil uns nicht billig sein kann, was Gott teuer ist. Gnade ist sie vor allem darum, weil Gott sein Sohn nicht zu teuer war für unser Leben, sondern ihn für uns hingab. Teure Gnade ist Menschwerdung Gottes.
Teure Gnade ist Gnade als das Heiligtum Gottes, das vor der Welt behütet werden muss, das nicht vor die Hunde geworfen werden darf, sie ist darum Gnade als lebendiges Wort, Wort Gottes, das er selbst spricht, wie es ihm gefällt. Es trifft uns als gnädiger Ruf in die Nachfolge Jesu, es kommt als vergebendes Wort zu dem geängsteten Geist und dem zerschlagenen Herzen. Teuer ist die Gnade, weil sie den Menschen unter das Joch der Nachfolge Jesu Christi zwingt, Gnade ist es, dass Jesus sagt: "Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht."«

(So der Anfang des ersten Kapitels über "Die teure Gnade" aus Dietrich Bonhoeffers "Nachfolge")

Samstag, 3. Oktober 2015

Soli Deo

von hier

Während der drei Wochen der Synode werde ich hier nichts posten, um der Versuchung zu wehren, sie zu kommentieren. Und weil ich in dieser Zeit einiges andere zutun habe, anstatt mich mit selbiger Synode zu beschäftigen.

Wie sagte noch Newman: Wer Kreuzfahrten liebt, sollte sich vom Maschinenraum fernhalten. Nun, jetzt werden erstmal drei Wochen lang Kohlen geschaufelt und allen Nichtbeteiligten bleibt das Gebet für die Hirten, der Sakramentenempfang und wahlweise auch das Fasten. Synoden und Konzilien waren schon immer auch ziemlich schmutzige Angelegenheiten, bei denen einiges an Geschirr flog. Das wird auch diesmal nicht anders sein. Und am Ende entscheidet eh der Papst. Der Geist wird die Kirche des Herrn führen, es ist jetzt seine Bühne.

Freitag, 2. Oktober 2015

Dürftige Theologie - 18 - Perspektive

von hier
Bitte die Einführung (hier) beachten!


»Nach populärer Vorstellung ist die Langlebigkeit einer Institution an sich schon ein Einwand gegen sie - weil und wie bisher Alter an sich schon als Empfehlung galt. Heute herrscht bereits die unbewußte, darum um so mächtigere Vorstellung, solches Überleben könnte nur auf verdächtigten Ursachen beruhen: wie Unwissenheit, Aberglauben, Geistesträgheit, Machtkampf und Sturheit. Daß etwa Vernunft und Bewährung im Bewahren auch mitspielen könnten, damit rechnet man nicht gerne. Diese Voraussetzung erschwert jedem, der für Tradition irgendwelcher Art eintritt, das Gespräch: denn wie einst der Neuerer, befindet sich nun der Verteidiger eines Überlieferten und vornherein im Unrecht und auf der Anklagebank.« (Ida Friederike Görres, Be-Denkliches)

Was Ida Görres vor 50 Jahren, mitten in den Wirren nach dem letzten Konzil konstatierte, ist heute allgegenwärtig. Das ist besonders traurig, weil die gesamte Kirchengeschichte (und schon die Überlieferung innerhalb der Schriften des Neun Testaments!) bezeugt, dass das Hergebrachte, das Überlieferte, das Tradierte die Priorität genießt und jedes "Neue" von dieser Tradition her im Sinne einer Unterscheidung der Geister geprüft werden muss. Heute ist es andersherum. Die Perspektive hat sich völlig verschoben.
Das ist übrgens das gleiche Phänomen, das wir besonders im liturgischen Leben der Kirche beobachten können: Das überall anzutreffende Missverständnis liegt darin, dass die Gemeinde sich selbst feiern will, "Gemeinschaft" und "Beisammensein" sucht, anstatt das uneingeschränkte und bedingungslose Lob Gottes, das ihm wohlgefällige Opfer, darzubringen (vgl. dazu hier).

Dieser Perspektivwechsel ist in der akademischen Theologie besonders krass zu beobachten, und ich meine nicht nur, was man gemeinhin "anthropologische Wende" nennt (die ja auch eine sehr wichtige, positive Seite hat, wie sie etwa in der Theologie des Leibes zum Vorschein kommt). Ich meine noch viel grundlegender die Infragestellung von jedweder Wahrheit und zwar in allen theologischen Disziplinen. Und das geht so:

Früher (also: bisher immer) galt die Offenbarung Gottes dem Menschen. Sie hatte normativen Charakter. Die Gebote Gottes galt es zu befolgen, ihre Nichtbefolgung galt als Sünde, gleichbedeutend mit einer Abwendung und Flucht vor Gott, die sich dann konsequent auch ins Ewige fortzusetzen drohte (= Verdammnis). Wer sagte: Ich habe ihn erkannt!, aber seine Gebote nicht hält, der war ein Lügner und die Wahrheit war nicht in ihm (vgl. 1Joh 2,4).
Heute ist ein Grundaxiom der meisten Theologie auf eine Formel gebracht, wie sie mir neulich in konziser Form im Kontext der Religionspädagigik begegnet ist: "Die göttliche Offenbarung hat nur dann Geltung für den Menschen, wenn sie von diesem angenommen und bejaht wird."

Der Satz klingt für den Laien (und die meisten Theologiestudenten) auf den ersten Blick insofern vernünftig, weil er syllogistisch anmutet: Nur wenn ich etwas annehme und bejahe, kann es in meinem Leben zur Geltung kommen. Klingt logisch, weil es eigentlich zweimal das gleiche sagt: annehmen - zur Geltung kommen lassen... Wenn etwas in meinem Leben zur Geltung kommt, heißt das, dass ich es angenommen habe. Aber hier schleicht sich beim aufmerksamen Leser bereits ein ungutes Gefühl ein... stimmt das denn? Der Kniff, der hier angewendet wird, ist die Nuancierung des Begriffs der Geltung: Geltung meint nicht nur, dass sich etwas manifestiert, dass es bemerkbar wird und Auswirkungen hat, sondern im engeren Sinne eben auch - und darin den eben genannten Bedeutungen semantisch wie existentiell vorgelagert -, dass etwas gilt! Und genau diese letzte Bedeutung ist es, die mit der oben gegebenen axiomatischen Formel einerseits kaschiert werden soll, obgleich sie andererseits durchaus primär intendiert ist. Zu Deutsch: Man erweckt den Eindruck, nur eine doppelt-gemoppelte Phrase über die sich im Leben auswirkende Offenbarung Gottes zu gebrauchen, weil man sich irgendwie doch noch subkutan bewusst ist - zumindest im öffentlichen theologischen Treiben und Schreiben -, dass hier etwas Steiles behauptet wird. Aber was man eigentlich tut, und was auch jedem irgendwann freudig (weil "entlastend") auffällt, kommt einer Abschaffung dieser Offenbarung gleich.
Wenn nämlich die Offenbarung Gottes - und darin besonders seine Gebote - nur dann für mich gelten, wenn ich sie auch annehme und bejahe, heißt das nämich im Umkehrschluss, dass sie für mich dann nicht gelten, wenn ich sie nicht annehme und bejahe. Die Wahrheit Gottes und seine Gebote haben keine Geltung, keine Gültigkeit, wenn ich sie nicht möchte - ich bin nicht an sie gebunden. Oder so: Gott verlangt von mir keine Erfüllung seiner Gebote, wenn ich das nicht auch selbst will und er sanktioniert auch keine Nichterfüllung.
Noch grundlegender gilt dies für die Wahrheit Gottes selbst: Was auch immer die Bibel und/oder die Kirche von der Wahrheit Gottes lehren, gilt nur dann für mich, wenn ich es möchte. Wenn ich es nicht möchte, ist es auch egal, und Gott findet sich damit ab. Das ist der Begriff von "Freiheit", den der Freiburger Fundamentaltheologe Herr Striet in seiner endlosen atheistischen Selbstreferenz meint, wenn er sagt, dass es "nichts [gibt], über das hinaus Größeres für den Menschen zu denken und zu ersehnen wäre als das Recht auf Freiheit" (vgl. meine Notiz dazu hier).

Solches Denken lässt sich dann noch auf vielerlei Weise ganz gut kaschieren, beispielsweise so, wie es mir erst diese Woche wieder einmal begegnete: Indem man sagt, man verstehe Christentum als ein "narratives" Geschehen - im betonten Gegensatz zu einem am überlieferten Erbe "starr festhaltenden" "dogmatischen" Christentum. Das klingt zunächstmal irgendwie gut, und man kann es auch im guten Sinne verstehen: Von Jesus muss immer neu erzählt werden, und jeder muss selbst mit Ihm seine Lebensgeschichte gestalten (erzählen). Was aber damit i.d.R. gemeint ist, ist nicht das neue Erzählen, sondern das Erzählen von etwas Neuem, das man sich selbst ausgedacht hat und das wie selbstverständlich ausdrücklich gegen die Überlieferung in Stellung gebracht wird. Also genau das, wovor besonders der Apostel Paulus immer und immer wieder warnt.
Interessant ist, dass die Unterhaltung, in der mir diese Aussage diesmal begenete, sich von einem konkreten Sachverhalt sehr schnell auf die Frage nach der theologischen Erkenntnis verschoben hat und dort dann auch konsequenterweise von meiner Gesprächspartnerin die Evangelien gegen Paulus in Stellung gebracht wurden, nachdem ich auf die vielfältigen Aussagen des Paulus über das Festhalten an der überlieferten Lehre hingewiesen habe. Darauf die Erwiderung: Paulus vertrete nämlich ein solches "dogmatisches" Christentum, aber in den Evangelien sei das nicht so. Dass die Evangelien später als die meisten Briefe des Paulus entstanden sind und zwar auch in Gemeinden, die von diesem Paulus sehr geprägt waren, schien sie genausowenig zu interessieren, wie die Tatsache, dass die Evangelien selbst Frucht eines "Festhaltens" und getreuen Überlieferns sind, das logischereweise stattgefunden haben muss, bevor sie geschrieben wurde. In der Apostelgeschichte können wir ebenfalls die Wichtigkeit getreuer Überlieferung in der frühen Kirche geradezu live, "narrativ", erleben: "Sie hielten an der Lehre der Apostel fest"; Apg 2,42. Von den vielen eindeutigen Aussagen Jesu gerade über die Gebote Gottes, das zu erwartende Gericht und seine Person - die eine Umdeutung zu etwas weniger als dem Fleichgewordenen einzigen Sohn Gottes, der wiederkommen wird als Weltenrichter, nicht erlauben - einmal abgesehen. (Das war besonders witzig [oder gruselig?], weil mir jene Gesprächspartnerin zuvor, als es noch um den konkreten Sachverhalt ging, einen Mangel an Kontextualität in meiner Bibelhermeneutik vorwarf...)

Es darf nichts mehr vorgegeben sein, sei es in Sachen Moral, sei es über die Realität Gottes. Alles, was uns überliefert ist von Gottes Taten und Gottes Weisung, hat im Grunde überhaupt keine Gültigkeit, Gott ist damit völlig machtlos. (Hier zeigt Karl Barth, wie diese Machtlosigkeit auch zur Abschaffung der Gnade führen muss.) Es ist alles irgendwie auf die Ebene von Meinungen herabgedrückt, die man am Stammtisch äußern kann. Wer sich auf etwas beruft, was er nicht einfach selbst meint, sondern was er als Empfangenes weitergeben will (vgl. 1Kor 11,13), der wird verlacht und ausgeschlossen.

»Ich beschwöre dich bei Gott und bei Christus Jesus, dem kommenden Richter der Lebenden und der Toten, bei seinem Erscheinen und bei seinem Reich: Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung.
Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden.
Du aber sei in allem nüchtern, ertrage das Leiden, verkünde das Evangelium, erfülle treu deinen Dienst!
«
(2Tim 4,1-5)

Dienstag, 29. September 2015

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Heiliger Erzengel Gabriel,
du starker Held Gottes,
steh mir in meiner Bedrängnis bei,
wie du einst in den Kampf zogst
gegen die Bedränger Israels.

Wie du dem Propheten Daniel
den Willen Gottes offenbart hast,
und die Zeichen zu deuten halfst,
so hilf jetzt auch mir,
dass ich die Zeichen erkenne
und den Willen Gottes tue,
auf dass ich Ihm gefalle.

Wie du die Geburt des Vorläufers
dem Zacharias verkündet,
und der heiligsten Jungfrau Maria
die Menschwerdung unseres Herrn
Jesus Christus
kundgetan hast,
so erleuchte auch mich,
dass ich immer mehr
zu dem Menschen werde,
den Gott in mir erdacht hat
und den Er jetzt schon in mir liebt.

Amen.

bzgl. Frauenpriestertum

Papst Franziskus wurde auf seinem Rückflug aus den USA nach dem Weiheamt für Frauen gefragt und sagte mit Berufung auf Johannes Paul II. in aller Deutlichkeit "Nein". Oh Wunder. Man reibt sich in den Medien die Augen. Der Papst vertritt eine katholische Position. Dazu ein längeres Zitat - es sind die einleitenden zwei Seiten eines kleinen netten Buches zu diesem Thema:


»"Deinen Vorschriften neige mein Herz zu, doch nicht der Habgier!", so ruft der Beter von Ps. 119 (36). Es mag absurd erscheinen, mit seinen Worten eine Brücke schlagen zu wollen zu unserem Thema "Priestertum der Frau". Und doch gibt dieser Vers, wie mir scheint, erste Denkanstöße. Ja, er regt an zu einigen provokativen Fragen.
Deinen Vorschriften neige mein Herz zu. "Vorschriften?" Schon bei dem Wort sehen viele heute 'rot'. Vorschriften: das klingt nach Unterdrückung! Unser Schlachtruf in Welt und Kirche heißt "Befreiung!" Wer gar noch von "Vorschriften Gottes" zu reden wagt, der gehört ins vorige Jahrhundert. Der ist konservativ, traditionalistisch, vorkonziliar, von gestern, erledigt! Und wer hat heute noch den Mut, ein derart miserables Image auf sich sitzen zu lassen? Der Hinweis auf Vorschriften Gottes ist zudem (um gleich 'in medias res' zu springen) von fortschrittlichen Theologinnen und Theologen längst entlarvt worden als Feigenblatt einer patriarchalisch strukturierten Kirche, deren Priester zwar viel von gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Gleichberechtigung der Frau reden, sie aber weit von sich weisen, wenn es um die innerkirchliche berufliche Gleichberechtigung geht.
Abgesehen davon: Wo steht denn eigentlich geschrieben, daß Frauen nicht Priesterinnen werden dürfen? Und gibt es überhaupt "Vorschriften Gottes", also so etwas wie eine ewig gültige Ordnung? Besteht nicht alle Ordnung unter Menschen, also auch in der Kirche, aus soziologisch-kulturell bedingten Übereinkünften, die sich je nach den Verhältnissen wandeln? Was aber hat sich tiefgreifender gewandelt als Bild und Stellung der Frau? Das Gerede von der "Ewigen Frau" ist doch bloßer "Mythos", einer Dichterin wie G. V. Le Fort allenfalls zuzugestehen, für das konkrete Leben auf Erden, für die Realität jedoch unbrauchbar!
"Deinen Vorschriften neige mein Herz zu..." Wie denn das? Vorschriften akzeptiert man mit dem Verstand, allenfalls zähneknirchend. Aber eine Bejahung von Vorschriften, und seien es Vorschriften Gottes, mit dem Herzen - das dürfte doch wohl zu weit gehen! Das ist Romantik, unbrauchbar fürs Leben! 
"Deinen Vorschriften neige mein Herz zu, doch nicht der Habgier!" Gewiß zielt Habgier zuerst auf materiellen Besitz. Doch gibt es dieses Laster auch im Blick auf andere Güter, die man nicht hat, aber haben will: Ämter, berufliche Stellung, Macht, Ruhm u.a.m. 'Haben-wollen' um jeden Preis unter Verneinung jeder Grenze! Darum der Ruf nach Egalität, nach Gleichheit für alle. Wenn sie erreicht ist, dann, so meinten schon die Väter der französischen Revolution und die des Kommunismus erst recht, - gibt es das von Menschen gemachte Weltfriedensreich auf Erden.«

(Barbara Albrecht, Vom Dienst der Frau in der Kirche, 1980)


Wenn ich die Zeit finde, werde ich demnächst mal eine detailliertere Auseinandersetzung zu dem Thema schreiben. Obwohl im Grunde die Lage klar ist, denn biblisch, kirchen-, kirchenrechts- und dogmengeschichtlich können sich die Befürworter nur auf Fiktionen und Fälschungen berufen.

Sonntag, 27. September 2015

Wenn die Propheten einbrächen

Wenn die Propheten einbrächen
durch Türen der Nacht,
den Tierkreis der Dämonengötter
wie einen schauerlichen Blumenkranz
ums Haupt gewunden -
die Geheimnisse der stürzenden und sich hebenden
Himmel mit den Schultern wiegend -

für die längst vom Schauer Fortgezogenen -

Wenn die Propheten einbrächen
durch Türen der Nacht,
die Sternenstraßen gezogen in ihren Handflächen
golden aufleuchten lassend -

für die längst im Schlaf Versunkenen -

Wenn die Propheten einbrächen
durch Türen der Nacht
mit ihren Worten Wunden reißend
in die Felder der Gewohnheit,
ein weit Entlegenes hereinholend
für den Tagelöhner

der längst nicht mehr wartet am Abend -

Wenn die Propheten einbrächen
durch Türen der Nacht
und ein Ohr wie eine Heimat suchten -

Ohr der Menschheit
du nesselverwachsenes,
würdest du hören?
Wenn die Stimme der Propheten
auf dem Flötengebein der ermordeten Kinder
blasen würde,
die vom Märtyrerschrei verbrannten Lüfte
ausatmete -
wenn sie eine Brücke aus verendeten Greisenseufzern

baute -

Ohr der Menschheit
du mit dem kleinen Lauschen beschäftigtes,
würdest du hören?

Wenn die Propheten
mit den Sturmschwingen der Ewigkeit hineinführen
wenn sie aufbrächen deinen Gehörgang mit den Worten:
Wer von euch will Krieg führen gegen ein Geheimnis
wer will den Sterntod erfinden?

Wenn die Propheten aufständen
in der Nacht der Menschheit
wie Liebende, die das Herz des Geliebten suchen,
Nacht der Menschheit
würdest du ein Herz zu vergeben haben?


(Nelly Sachs)

Donnerstag, 24. September 2015

... apostolische Kirche

»Die Kirche, der [der geweihte Amtsträger] dient, ist in ihrer Gesamtheit wie in jedem ihrer Glieder vom Geist beseelt und bewegt, da jeder Getaufte „vom Geist belehrt“ ist (1 Thess 4,9; vgl. Hebr 8,11ff.; Jer 31,33ff.: 1 Joh 2,20; Joh 6,45). Der priesterliche Dienst kann ihm somit nur mit Autorität in Erinnerung rufen, was anfangshaft schon in seinem Taufglauben eingeschlossen war, dessen Fülle er aber hienieden niemals ausschöpfen kann. Entsprechend muss der Gläubige seinen eigenen Glauben und sein eigenes christliches Leben durch die sakramentale Vermittlung des göttlichen Lebens nähren. Die Norm des Glaubens – die wir in ihrem formalen Charakter als regula fidei bezeichnen – ist ihm durch das Wirken des Geistes immanent und bleibt ihm im Bezug zum Menschen dennoch transzendent, denn sie kann niemals rein individuell sein, sondern ist wesenhaft kirchlich und katholisch.
In der Glaubensregel ist die Unmittelbarkeit des göttlichen Pneuma zu jeder Person notwendig mit der gemeinschaftlichen Form dieses Glaubens verbunden. Die Aussage des Paulus: „Keiner kann sagen ‚Jesus ist der Herr‘, außer im Heiligen Geist“ (1 Kor 12,3), bleibt immer gültig; ohne die Bekehrung, die allein der Geist den Herzen gewährt, kann niemand Jesus in seiner Qualität als Sohn Gottes erkennen, und nur wer ihn als Sohn erkennt, wird wahrhaft den erkennen, den er „Vater“ nennt (Joh 14,7; 8,19 usw.). Weil uns also der Geist die Erkenntnis des Vaters durch Jesus mitteilt, ist der christliche Glaube trinitarisch: seine pneumatische Form schließt diesen Inhalt notwendig in sich, der sich in der trinitarischen Taufe sakramental ausdrückt und verwirklicht.
Die Glaubensregel, das heißt die Form der Taufkatechese, in der sich der trinitarische Inhalt entfaltet, bildet in ihrer Einheit von Form und Inhalt den bleibenden Angelpunkt der Apostolizität und der Katholizität der Kirche. Sie verwirklicht die Apostolizität, weil sie die ersten Boten des Glaubens an die christologisch-pneumatologische Regel bindet; sie sprechen nicht in ihrem eigenen Namen, sondern bezeugen, was sie gehört haben (Joh 7,18; 16,13 usf.).
Jesus Christus erweist sich als der Sohn, insofern er verkündet, was vom Vater kommt. Der Geist erweist sich als der Geist des Vaters und des Sohnes, weil er nicht aus dem Eigenen schöpft, sondern sie offenbart und in Erinnerung ruft, was vom Sohn kommt (Joh 16,13f.). Dies wird im Weiterwirken des Sohnes und seines Geistes zum unterscheidenden Merkmal der apostolischen Sukzession. Das kirchliche Lehramt unterscheidet sich sowohl von einem bloßen Lehramt von Doktoren wie von einer autoritären Macht. Wo das Lehramt des Glaubens an die Professoren überginge, wäre der Glaube an die intellektuelle Einsicht von Individuen gebunden und damit zu einem großen Teil dem Zeitgeist ausgeliefert. Und wo der Glaube von der despotischen Macht gewisser Einzel- oder Kollektivpersonen abhinge, die von sich her dekretierten, was normativ ist, wäre die Wahrheit durch eine Willkürmacht ersetzt. Das wahre apostolische Lehramt dagegen ist an das Wort des Herrn gebunden und führt dadurch alle, die es hören, in die Freiheit
Nichts in der Kirche entgeht der apostolischen Vermittlung: weder die Hirten noch ihre Herde, weder die Glaubensaussagen noch die Vorschriften christlichen Lebens. Das ordinierte Dienstamt ist sogar doppelt auf diese Vermittlung bezogen, da es selbst einerseits der Regel der christlichen Ursprünge unterworfen ist, und andererseits – nach einem Wort des Augustinus – gehalten ist, sich durch die Gemeinschaft der Gläubigen belehren zu lassen, die es selber zu belehren verpflichtet ist.«

(aus: Internationale Theologische Kommission, Der apostolische Charakter der Kirche und die Apostolische Sukzession, 1973; hier nachzulesen.)

Dienstag, 22. September 2015

Liturgie ist Anbetung

»Die Tatsache, dass [die Konstitution Sacrosanctum Concilium über die heilige Liturgie] der erste Text war, der [vom Zweiten Vatikanischen Konzil] veröffentlicht wurde, weist darauf hin, dass es dogmatisch und pastorale Motive von erstrangiger Bedeutung gab. Vor allen anderen Dingen gibt es in der Kirche die Anbetung; und folglich Gott. Dieser Anfang antwortet, so sagt Benedikt XVI., auf das erste und wichtigste Anliegen der Regel des heiligen Benedikt: "Nihil operi Dei praeponatur", "Nichts darf dem Gottesdienst vorgezogen werden". Doch wenn es eine Realität gibt, die allzu oft unbeachtet gelassen wird, dann ist es wohl der konsubstanzielle Bezug zwischen der Liturgie und Gott. Das Fundament der Liturgie muss die Suche nach Gott bleiben. Wir können nur bestürzt sein angesichts der tatsache, dass dieser Wille der Päpste Johannes XXIII. und Paul VI., wie auch der Wille der Konzilsväter, zu oft unter den Teppich gekehrt und, schlimmer noch, verraten wurde ...
[...]
Leider wurde unmittelbar nach dem Konzil die Konstitution über die Liturgie nicht vom grundlegenden Primat der Anbetung her aufgefasst, vom demütigen Niederknien der Kirche vor der größe Gottes her, sondern eher wie ein Rezeptbuch ... Wir haben alle möglichen kreativen Gestalter und Animateure erlebt, die eher nach Finessen suchten, um die Liturgie auf eine anziehende und kommunikativere Weise zu präsentieren, indem sie immer mehr Leute darin einbezogen, dabei jedoch vergaßen, dass die Liturgie für Gott geschaffen ist. Wenn Gott zum großen Abwesenden wird, dann sind alle Abwege möglich - angefangen von den banalsten bis hin zu den abstoßendsten.
Benedikt XVI. hat häufig daran erinnert, dass die Liturgie kein Werk einer persönlichen Kreativität sein könne. Wenn wir die Liturgie für uns selbst machten, entfernt sie sich vom Göttlichen; sie wird zu einem lächerlichen, gewöhnlichen und langweiligen Theaterspiel. Wir enden schließlich bei Liturgien, die Operetten oder einem sonntäglichen Fest ähneln, bei dem man sich nach einer arbeits- und sorgenreichen Woche vergnügt und gemeinsam heiterer Stimmung ist. Folglich kehren die Gläubigen nach der Eucharistiefeier wieder nach Hause zurück, ohne Gott persönlich begegnet zu sein und ihm auch nicht im Innersten ihres Herzens gehört zu haben. Es fehlt dieses kontemplative und stille Zwiegespräch mit Gott, das uns verwandelt und das uns die Energien wiedergibt, die dafür sorgen, ihn einer gegenüber spirituellen Fragen zunehmend gleichgültger gewordenen Welt zu offenbaren. Das Herzstück des eucharistischen Mysteriums ist die Feier vom Leiden, vom tragischen Tod Christi und seiner Auferstehung; wenn dieses Mysterium in langen rauschenden und überladenen Zeremonien ertränkt wird, ist das Schlimmste zu befürchten. Manche Messen sind dermaßen unruhig, dass sie sich nicht von einer Kirmes unterscheiden. Wir müssen wiederentdecken, dass das Wesen der Liturgie für immer durch das Bemühen der kindlichen Suche nach Gott geprägt sein wird.«

(Robert Kardinal Sarah, Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, in dem biographischen Interviewband "Gott oder nichts")

Sonntag, 20. September 2015

Gebet von Sünde und Gewissen

Herr Jesus Christus, Du bist verborgen im Sakrament Deines Todes, durch den Du die Sünden der Welt gebüßt und uns den Frieden des Herzens gebracht hast. Ich knie vor Dir nieder und bete Dich an. Die alten Christen haben Dich in diesem Sakrament genannt: Arznei der Unsterblichkeit, Gegengift gegen das Sterbenmüssen. So oft schon habe ich Dich als das Brot des Lebens in mich aufgenommen, und man hat mir dabei gesagt: Der Leib Unseres Herrn Jesus Christus bewahre Deine Seele zum ewigen Leben. Siehe, da bin ich nun vor Dir und ich bin ein Sünder. Ein noch leiblich lebender Mensch, in dessen innerste Gewissensmitte schon einmal, ja vielleicht schon oft, der ewige Tod eingebrochen ist. Auch dann, wenn Du mich, der ich innerlich tot war, wieder lebendig gemacht hast durch das unbegreifliche Sakrament Deiner Versöhnung, auch wenn die heilige Gnade wieder in mir lebt, muß ich es täglich erfahren: Noch steht der seeliche Tod vor der Tür meines Herzens. Noch lebe ich in meinem zur Sünde hingierenden Fleisch. Noch dräut jener Feind, dessen Werke aufzulösen Du zu uns gekommen bist im Advent deiner Menschwerdung, den Du hinausgeworfen hast in der ohnmacht Deines Kreuzestodes. Noch ist das Geheimnis der Bosheit am Wirken. Ich spüre es in den Versuchungen meines Leibes, in den Zweifeln meines Geistes. O heilbringende Opfergabe, noch dräut der Krieg des Feindes. Ich habe den Kampf gegen Fleisch und Blut, gegen Welt und Satan noch nicht endgültig bestanden. Noch ist für mich Niederlage möglich, Seelentod, ewige Hölle.
Aber ich weiß es im Glauben, ich bekenne es vor dem Sakrament Deines Blutes: Du hast mich erlöst. Du hast meinem Herzen Deine Liebe wiedergeschenkt im Blut Deines durchbohrten Menschenherzens. Du hast die tödliche sieche Menschheit angehaucht und ihr Menschen gesandt, zu denen Du sprachst: "Empfanget den Heiligen Geist. Wem ihr die Sünden nachlasst, dem sind sie nachgelassen" (Joh. 20,22). Seitdem ist es wahr geworden: "Du sendest Deinen Geist und alles wird neu, und Du wirst umgestalten das Antlitz der Erde" (Ps. 103,30). 
Bilde darum auch das Antlitz meines Herzens um. Gib mir den christlichen Geist der lauteren und schönen Gewissensklarheit. Gib mir die von Deiner Gnade geschenkte und von Deinem Gesetz gelenkte Freiheit des Christenmenschen. Gib mir Deine eigene Ehrfurcht vor der Majestät des Gewissens in mir und in den anderen. Laß mich in den Entscheidungen meines Herzens nie das Wort Gottes überhören, Dein Wort, Du im Sakrament so stummes und unüberhörbares Wort Gottes.
Laß mich Deinen Willen erkennen, Deinen Willen für mich, Deinen Willen gerade jetzt und hier in diesem Augenblick meines Lebens. Ich weiß, Herr, daß ich immer wieder Deinen Willen umzubiegen suche nach meiner Laune. Mein Herz kennt die tausend Kunststücke der Dialektik des sündiogen Menschen, solange mit meinem Gewissen zu handeln und zu feilschen, bis es nachgibt und nur noch das befiehlt, was ich will und gerne tue. Von den vorentschiedenen Leitbildern meines Lebens befreie mich. Erleuchte mich. Gib mir den Mut, mit unerwarteten Forderungen von Dir zu rechnen, den Mut, mir von Dir etwas zutrauen zu lassen, wozu meine Kräfte nicht auszureichen scheinen, den Mut, an Deine Kraft in meiner Schwachheit zu glauben und nach Deinem Willen zu fragen. Gib mir die Nüchternheit des wahren und ehrlichen Knechtes, der weiß, daß in Deinem Dienst eine kleine Tat mehr wiegt, als ein großes Gefühl und tausend hochgemute Vorsätze. Du kannst über mich verfügen, wie es dir gefällt, o Herr. Du kannst die Wunder Deiner überströmenden Gnade auch in der mittelmäßigen Gewöhnlichkeit des Lebens von jedermann bergen, Deinen Schatz in irdenen Gefäßen. Aber laß diese Wahrheit mir nicht zum Vorwand werden, hinter dem mein Herz seine Feigheit, Trägheit und Mittelmäßigkeit versteckt. Solches ist nie Dein Wille. Zeige mir Deinen Willen. Gib mir Kraft, als guter und getreuer Knecht Deinen Willen zu sehen und allezeit zu erfüllen.
Gib mir Deinen Segen und laß in meinem Herzen etwas aufbrennen von jenem Frieden, den die Welt nicht kennt, von jener unsäglichen Freude der Erlösten, denen die Sünden vergeben sind und deren Gewissen in lauterer Klarheit vor Gott steht. Ich möchte mit dem bekehrten Augustinus beten: "Nicht mit zweifelsschwangerem Herzen, nein, mit sicherem Gewissen liebe ich Dich, o Herr, Du hast mein Herz durchbohrt mit Deinem Wort" (Bekenntnisse 10,6). Selbst wenn meine Sünden röter wären als Scharlach, so bitte ich Dich doch: Sei meinem Gewissen die Unruhe, ohne die es keinen Frieden gibt. "Spät habe ich Dich geliebt, o Du Schönheit, so alt und doch so neu, spät habe ich Dich geliebt. Aber Du hast gerufen und meine Taubheit gespalten. Du hast geblitzt und gestrahlt und meine Blindheit in die Flucht geschlagen. Du hast geduftet, und ich habe den Hauch eingeatmet und lechze nun nach Dir. Du hast mich angerührt, nun bin ich entbrannt in Sehnsucht nach Deinem Frieden" (Bekenntnisse 10,27).
Laß mich in Deiner erlösenden Gnade ein fröhlicher Mensch sein, erfüllt von der Freude, die da ist die schönste Gabe Deines heiligen Evangeliums.
Amen.

(Hugo Rahner)