Samstag, 3. August 2013

fragwürdiges Papstdreschen, Teil 2

damasus vom Beiboot Petri fragt (hier), ob Ruhe [d.i. "Mund halten"] jetzt Katholikenpflicht sei. Es geht um die (berechtigte?) Kritik an der Amtführung und den Äußerungen von Papst Franziskus (was sonst).

Es ist traurig, dass man sich gerade auf einem Blog der sich "Beiboot Petri" nennt, dazu herablässt, derart zu lästern. Mehr scheint es mir nicht zu sein.
Da wird die Tatsache, dass in ein und der selben Zeitung 2 (zwei!!) Artikel über ein und das selbe (immerhin eine Stunde und 22 Minuten lange!) Interview des Papstes gibt, als Ausweis der Notwendigkeit von "Beschwichtigungspillen" gedeutet.
Jede noch so banale oder frei konstruierte Auffälligkeit wird umgehend instrumentalisiert, um einen Schatten auf den Papst zu werfen. Und jeder weiß natürlich viel viel besser, wie er die Kirche zu leiten hat... Und um das Maß voll zu machen, fühlt man sich auch noch genötigt, welche himmelschreiende Arroganz!!, den Papst zu belehren (z.B. hier)!
Was soll das?

Die Tatsache, dass der Papst nicht bis zur Vollendung geschliffen redet, sondern aus seinem Herzen spricht und seiner Spontaneität Raum gibt, wird als gravierender Makel empfunden, obwohl wir doch alle genau wissen, dass man auch noch so klare Aussagen eines Papstes immer (schon) instrumentalisiert, umgedeutet und missbraucht (hat)... z.B. hier.
Übrigens sehe ich häufig, dass der Papst sich an den wirklich wichtigen Stellen durchaus sehr deutlich ausdrückt (siehe Link).
Seine freie Rede mag zu Unklarheiten führen, aber jeder weiß, dass auch Klarheit schnell verunklart ist. Entscheidend dafür, was beim Konsumenten ankommt, sind die Medien dazwischen! Ich persönlich schätze die (manchmal nicht ganz klare) ungezwungene und herzliche Art des Papstes sehr. Und ich sehe darin auch einen wichtigen Teil seiner Popularität begründet: Er ist dadurch authentisch, ehrlich,... menschlich.

Ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass viele "Konservative" es dem Papst einfach sehr übel nehmen, dass er nicht promoviert hat... könnte das etwas damit zu tun haben? Wisst ihr, wer der letzte Papst vor Franziskus war, der nicht promoviert war? Der hl. Pius X.!

Wo man früher noch ausgelassenes "Papsting" betrieben hat, sucht man jetzt mit heißem Bemühen nach Schwachstellen, Angriffsflächen, Flecken und Rissen... alles was sich als Munition gegen den Papst oder als Befeuerung des eigenen Unmuts eignet. Dabei wäre es unsere Aufgabe, liebe Blogger, wohmöglich Unklares zu klären, statt es als Munition gegen den Papst zu sammeln! Genau das (jedoch anhand der klaren Aussagen, die nicht in die eigene Agenda passen) tun nämlich die ZK's und WsK's dieser Welt! Wollt ihr es ihnen gleich tun?
 
Nein, liebe Blogger, v.a. ihr "Konservativen", "Mund halten" ist nicht Katholikenpflicht, sondern Gebet und Vertrauen auf den Heiligen Geist, der diesen Papst erwählt hat - das ist Katholikenpflicht!


Teil 1.

Diagnose: Zölibat

Ich bitte im Voraus um Verzeihung für die krude Sprache. Bin wütend.

»Lasst die Priester f*cken, dann werden sie auch nicht Rechtsradikal.«

So sinngemäß Dr. Wunibald Müller (siehe hier), ein Hohes Tier in der Priesterausbildung in Deutschland.

Gebet um gute Priester: hier.
Auftrag des Zweiten Vatikanischen Konzils zum Gebet um den Zölibat: hier.

Freitag, 2. August 2013

Der Gott der Muslime

Immer wieder kommt es mir vor die Augen, wie Katholiken den Anhängern des Islam absprechen wollen, dass diese an Gott (Allah, s. Bild) glauben.
Und jedesmal ist es die gleiche ignorante und arrogante Art, die da zu spüren ist.

Aus aktuellem Anlass mal ein paar Gedanken dazu.

katholisches.info dupliziert mal wieder (im Rahmen des derzeit wohl angesagten Papstbashings) Messa in Latino (hier und hier). Diesmal mit diesem haarsträubenden Schmankerl; ein, wie sie es nennen, "Promemoria" für den Heiligen Vater; Anlaß ist die Grußbotschaft des Papstes an die Moslems zum Ende des Ramadan. Es geht um Begriffe und es geht um Logik, was auch den systematischen Aufbau erklärt. Der Autor jener Zeilen will dem Leser etwas logisch zwingend "beweisen". Der Einfachheit halber nummeriere ich mal die einzelnen Sätze.

»1) Wer nur an Gott glaubt, ist Jude.
2) Wer nicht an Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch glaubt, ist nicht Christ.
3) Wer nicht an Gott Heiliger Geist glaubt, ist nicht Katholik.
4) Die Allerheiligste Dreifaltigkeit ist der wahre und einzige Gott.


5)Der Islam glaubt nicht an Jesus Christus als Gott, deshalb ist Allah nicht Gott.
6)Deshalb ist Allah nicht unser Gott-Vater, weil er nicht derselbe christliche Gott ist.
7)Es ist daher nicht wahr, daß der Gott der Juden und der Christen, derselbe Gott der Moslems ist.
8) „Wer mich sieht, sieht den Vater“, sagt Jesus.
9) Jesus ist der Weg, um zum Vater zu gelangen: ohne Jesus ist der Vater nicht derselbe.
10) Der Heilige Geist qui ex Patre Filioque procedit.


11) Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist sind die Allerheiligste Dreifaltigkeit, wahrer und einziger Gott.«

Zu 1): Nonsens. Hier herrscht eine ziemliche Begriffsverwirrung, da nicht nur Juden "nur an Gott" glauben. Wir Christen tun das auch. Und Muslime auch. Mir scheint, der Autor ziert sich hier etwas, weil er eigentlich auch den Juden absprechen möchte, dass sie an Gott glauben... wohl weil es unschick ist, tut ers nicht. Siehe Punkt 5).
Zu 2): Es gab v.a in der frühen Kirche einige "christliche Sekten", die die wahre Gottheit Jesu ablehnten. Inwiefern man diesen das "Christ"-sein absprechen kann, halte ich rein begrifflich für zweifelhaft, da sie sich ja durchaus auf Christus beriefen, ihn aber eben nicht als Gott anerkannten.
Zu 3): Das ist eine merkwürdige Aussage. Heißt das, man kann getrost orthodoxer oder protestantischer Christ sein, ohne an den Heiligen Geist zu glauben?
Zu 4): "Die Dreifaltigkeit ist Gott" halte ich für eine zumindest fragwürdige Formulierung. Gott ist dreieinig, ja. Vater, Sohn und Geist sind gleichermaßen der eine Gott. Aber "die Dreifaltigkeit" als Gott zu bezeichnen? Wir beten ja auch nicht "die Dreifaltigkeit" an, sondern Gott (in drei Personen).
Zu 5): Non sequitur. Nur weil Muslime nicht an die Göttlichkeit Jesu Christi glauben, heißt das noch gar nichts für ihren Gottglauben. Siehe Punkt 1): Auch die Juden glauben nicht an die Göttlichkeit Jesu Christi... wieso kann man denen dann aber zubilligen immerhin "nur an Gott" zu glauben?
Zu 6): Hier scheint der Autor selbst nicht mehr zu wissen, was er eigentlkich sagen will... im grunde ist es ein Zirkelschluss: Der islamische Gott ist nicht der christliche Gott, weil der christliche Gott nicht der islamische Gott ist. Klingt logisch, sagt aber nichts.
Zu 7): In der Scheinwelt des Autors ist genau genommen auch der jüdische Gott nicht der selbe wie der christliche.
Zu 8): Zitate Hinklatschen ist leicht. Aber was bedeutet es? Heißt das, dass Jesu Zuhörer, als sie ihn anschauten, den Vater sahen? Hat der Vater etwa die gleiche Frisur? Die gleichen Flecken und Narben? Was sahen denn Jesu Zuhörer (und Zuschauer)?
Zu 9): Richtig: Jesus ist der Weg. Und was bedeutet das? Der Rest ist falsch. Ohne Jesus gäbe es gar keinen "Vater", denn der Vater ist Vater in seiner Relation zum Sohn, wie der Sohn Sohn ist in Relation zum Vater. Ohne den Sohn kein Vater, ohne den Vater kein Sohn. Die Personen unterscheiden sich nämlich in ihrer Relation zu einander.
Zu 10): Abgesehen von der mangelhaften Übersetzung, gibt es an dieser Feststellung nichts zu mäkeln.
Zu 11): Siehe 4).

Der Autor dieser Zeilen, der sich offenbar als Hüter der katholischen Wahrheit betrachtet, begeht hier eine ganze Reihe von Fehlern, für die man in einer Prüfung im theologischen Grunstudium grandios durchfallen würde. Vor allem den, dass er "Gott" und "Gottesbild" nicht zu unterscheiden vermag. Dass es einen Unterschied gibt, zwischen dem, wie wir Menschen uns Gott vorstellen und was wir über ihn wissen (können), und dem, wie Gott in Wirklichkeit ist, kommt ihm gar nicht in den Sinn. Für den Autor scheint das Dogma sein ein und alles zu sein, aber zugleich hat er bestechend wenig Ahnung davon.
Krass ist auch, wie er, vielleicht unbewusst, eine Hierarchie in Gott einbaut, indem er Gott Vater andeutungsweise zum "eigentlichen" Gott erklärt. Jesus erscheint zuweilen nurmehr als der "Weg" zu jenem. Den Muslimen spricht er den Glauben an den einzigen Gott ja mit dem Argument ab, sie würden nicht an Christus glauben, der der Weg zum Vater ist, und folglich wäre der "Vater" ("Gott"?) für sie "anders"... Muslime würden also nicht an den gleichen Gott glauben, weil sie nicht an Jesus glauben... ganz dezent wird hier die Gottheit Jesu untergraben und Gott-Vater mit Gott per se gleichgesetzt. Wie sonst ist es zu erklären, dass Juden angeblich "nur an Gott" glauben? Ist der Christengott etwa "mehr" als "nur Gott"? "Gott Plus"? "Gott plus Jesus"?
Dass sich die exakt gleiche Argumentation auch auf die Juden anwenden ließe, ist dem Autor wohl nicht bewusst gewesen.

Zu sagen bleibt, dass die Tatsache, dass Juden und Muslime ein anderes Gottesbild haben, kein Urteil zulässt, wonach sie aufgrund ihres (verglichen mit dem christlichen, trinitarischen) falschen oder defizitären Gottesbildes, nicht den wahren Gott verehren. Ein Mangel an Wissen oder falsches Wissen schließt nicht von der Verehrung Gottes aus! Wir sind hier ja schließlich nicht bei den Gnostikern!
Das Gegenteil ist der Fall: Auch durch ein falsches Gottesbild hindurch (weil man es z.B. nicht besser weiß) wird, bei rechter (d.h. gottsuchender) Gesinnung, der eine und einzige Gott verehrt. Das ist sogar biblisch bezeugt, nämlich bei Paulus in Athen: "Denn als ich umherging und mir eure Heiligtümer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: EINEM UNBEKANNTEN GOTT. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch." (Apg 17,23)
Was tun denn die Juden und Muslime, die nicht an einen dreieinigen Gott glauben, anderes, als unwissend den einen wahren und dreieinigen Gott zu verehren, den sie zwar nicht als "den dreieinigen" kennen, den sie aber doch als den einen, den Schöpfer uvm. anerkennen?
Ihr Gottesbild mag fehlerhaft(er als das christliche) sein; aber das bedeutet nicht, dass sie nicht Gott verehren!

Schließlich gilt auch für katholisches.info, so sie ihr "katholisch" würdig tragen wollen, was das Zweite Vatikanischen Konzil darüber gesagt hat:
»Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft.« (NA 3)

Typisch: "Wir sind Kirche"

Ein schönes Beispiel, wie man Menschen mittels einfacher Wortspielchen und kleiner Auslassungen manipulieren kann.

Pro Spe Salutis berichtet (hier) etwas, worauf ich nur noch gewartet hatte: Ein WisiKi-Mensch meint, die päpstliche Äußerung, derzufolge "diese Tür geschlossen" sei, vonwegen Frauenpriestertum, würde insinuieren, man müsse die Tür eben öffnen.

Als ich diesen Punkt aus dem umfangreichen Interview mit Franziskus zum ersten Mal mitbekam, wusste ich schon, dass genau so ein Hirnschiss zwangsläufig passieren wird, und ich wartete nur noch darauf, zu erfahren, wer der Diarrhöpatient sein wird. Nun ist er da: Christian Weisner, Vorsitzender und altes Eisen von WisiKi (siehe hier).

Viel interessanter an der päpstlichen Aussage, fand ich indes einen Passus aus den diesbezüglichen Aussagen, der oft nicht zitiert wird. Zwei Sätze sind eigentlich hier entscheidend, meist wird aber nur ein dritter (Halb)Satz zitiert, der gar nicht mehr zur eigentlichen Aussage gehört, sondern eine Überleitung darstellt zu etwas anderem, was der Papst diesbezüglich sagen will (über die Bedeutung der Frau in der Kirche). Hier mal der komplette Abschnitt im Original:
»Io vorrei spiegare un po’ quello che ho detto sulla partecipazione delle donne nella Chiesa: non si può limitare al fatto che faccia la chierichetta o la presidentessa della Caritas, la catechista … dev’essere in più, ma profondamente in più, anche misticamente in più, con questo che io ho detto della teologia della donna. E con riferimento all’ordinazione delle donne, la Chiesa ha parlato e dice “No”. L’ha detto Giovanni Paolo II, ma con una formulazione definitiva. Quella è chiusa, quella porta, ma su questo voglio dirti una cosa. L’ho detto, ma lo ripeto. La Madonna, Maria, era più importante degli Apostoli vescovi e dei diaconi preti. La donna, nella Chiesa, è più importante dei vescovi e dei preti; come, è quello che dobbiamo cercare di spiegare meglio, perché credo che manchi una spiegazione teologica di questo.«

Uns kümmert hier vor allem der fett wiedergegebene Teil. Auf Deutsch:
In Bezug auf die Frauenordination hat die Kirche gesprochen und sie sagt "Nein". Johannes Paul II. hat dies gesagt, und zwar mit einer definitiven Formulierung. Diese Tür ist geschlossen, aber dazu möchte ich dir etwas sagen. ...

Es dürfte ersichtlich sein, was ich oben meinte: Der Gebrach der Redewendung von der geschlossenen Tür ist im grunde nur eine Feststellung im Übergang zu etwas anderem. Es ist nur eine in eine Redewendung gekleidete Feststellung des zuvor in aller Deutlichkeit ausgesagten. Das Entscheidende an der Aussage des Papstes hinsichtlich der Frage der Frauenordination ist also nicht, dass "diese Tür geschlossen" ist, sondern, dass die Kirche "Nein" gesagt hat!

Davon mal abgesehn: selbst wenn man die päpstliche Redewendung derart bedeutungsschwängern wollte, wäre die These von Herrn Weisner in keiner Weise belastbar.. sie dient wohl (wie so vieles immer und immer wieder) einzig dazu, Erwartungen zu wecken, um nachher wieder gemeinschaftlich schmollen und/oder heulen zu können, ob der Nichterfüllung des eigenen Plärrens.
Entweder ist Herr Weisner ein heimtükischer Irreführer und Lügner, oder er ist einfach nur unglaublich ignorant. Beides ist typisch für WisiKi & co. 

Dienstag, 30. Juli 2013

fragwürdiges Papstdreschen

Es erschreckt mich, wie die "sprungbereite Feindseligkeit" der
möchtegern Papsttreuen sich allethalben zeigt, sobald auch nur der Verdacht aufkommt, der Papst könnte etwas tun, was der eigenen Agenda zuwiderläuft.
Dass sich ZdK-Hampelmänner derart gebärden ist wenig überraschend. Dümmliches Papstbashing gehört da zum guten Ton. Aber gerade diejenigen, die sich selbst allzugern als Hüter des wahren Glaubens verstehen, sollten eigentlich besonnener vorgehen.

Wie es sich nun in Wirklichkeit um die Fraziskaner der Immakulata verhält, warum, wieso und weshalb, bleibt abzuwarten. Aber die Art und Weise, wie nun aus diesem Anlass heraus frühere Aussagen des Papstes geradezu zwanghaft als Angriff auf den eigenen Taschengott hin umgedeutet werden, die Art wie hier Seilschaften konstruiert und gar die Legitimität des Paptes (wiedermal) in Zweifel gezogen wird, ist einfach nur erbärmlich.
Allein schon die Aussage, dieser und jener Kardinal sei ein "Gegner der Tradition" und er sei zudem ein Vertrauter des Papstes, was ja nur den einzigen Sinn haben kann, zu insinuieren, der Papst würde sich allenthalben "gegen die Tradition" wenden, ist völlig inakzeptabel. Der Papst ist in besonderer Weise Inhaber des kirchlichen Lehramtes. Der Papst ist der Garant für das Lehramt aller Bischöfe in Gemeinschaft mit ihm und für die sichtbare Einheit der Kirche. Anzudeuten, ein Papst würde mit der kirchlichen Tradition brechen oder sich in seinem Magisterium in einen Widerspruch zum Willen Christi begeben, ist bereits eine ganz gewaltige Anmaßung. Soetwas, wenn es denn vorgebracht wird, muss verdammt gut begründet und untermauert werden! Anhand wilder Spekulationen, Gerüchte und aus der Luft gegriffener Behauptungen, kann man zwar am Stammtisch ganz nett gemeinschaftlich meckern, aber für mehr taugt es nicht.
Was gibt denen das Recht, über den Papst derart Gericht zu sitzen? Und worin unterscheiden sie sich in ihrem Tun von den Häretikern und Schismatikern aller Jahrhunderte? Die dachten auch alle, sie wüssten es besser...

Ich wiederhole mich:
Papsttreue ist nicht die Treue zu einem bestimmten Papst, der genau das vertritt, was man selbst auch vertritt. Das ist bloß die Treue zu sich selbst! Papsttreue ist das Vertrauen darauf, dass Gott seiner Kirche genau den Oberhirten schenkt, den sie braucht.

Paul VI. an die Bischöfe

»Der Auftrag der Bischöfe ist es, den Gläubigen die sittliche Lehre über die Sexualität darzulegen, wie groß auch die Schwierigkeiten sein mögen, die sich aus den heute gängigen Denk- und Lebensgewohnheiten der Erfüllung dieser Aufgabe entgegenstellen. Die überlieferte Lehre muß vertieft und so dargelegt werden, daß die Gläubigen auf Grund einer entsprechenden Gewissensbildung mit den neu entstandenen Situationen fertig zu werden verstehen. Ferner soll sie behutsam auch das mitbeachten, was an Wahrem und Nützlichem über Sinn, Bedeutung und Macht der menschlichen Sexualität gesagt werden kann. Indes müssen die Prinzipien und Normen des sittlichen Lebens, die durch diese Erklärung neu bekräftigt wurden, treu beachtet und auch dargelegt werden. Vor allem wird man die Gläubigen davon überzeugen, daß die Kirche bei der Wahrung dieser Grundsätze nicht veralteten »Tabus« nachhängt oder, wie oft behauptet wird, dem Vorurteil des Manichäismus erliegt; sie weiß vielmehr mit Sicherheit, daß diese Grundsätze der göttlichen Schöpfungsordnung und dem Geist Christi und darum auch der Würde des Menschen entsprechen.«
(Humanae Vitae 13)

Montag, 29. Juli 2013

Jetzt geht's aber ab! (Update!)

Es brodelt und blubbert an allen Enden, der Papst habe so mir nichts, dir nichts den Franziskanern der Immakulata die überlieferte Messe verboten. Von einem "Attentat auf die Alte Messe" ist die Rede. Seilschaften und Vetternwirtschaft, Verschwörung und Kirchenkampf werden beschworen. Jüngste Äußerungen des Papstes werden sehr kunstvoll gedeutet. Und wie so oft: Nichts genaues weiß man nicht.

Bekannt ist, dass der Orden einen Apostolischen Kommissar mit Leitungsvollmacht bekommen hat (P. Fidenzio Volpi O.F.M. Cap.), und das offenbar vom Papst verfügt wurde, dass die Priester des Ordens, die ansonsten intern die überlieferte Messe pflegen, diese nur noch mit Erlaubnis feiern dürfen. (Was in Teilen Deutschlands übrigens, leider, üblich ist...)

Interessant an den hochkochenden Emotionen allüberall finde ich, dass eine für die Beurteilung dieser Maßnahme notwendige Frage noch nicht beantwortet wurde: Warum?
katholisches.info redet von 6 Ordensmitgliedern (von 800), die sich in Rom beschwert hätten. Aber weder ist klar, worüber sie sich beschwert haben sollen (sicher nicht, dass ihr Orden sich besonders die überlieferte Messe zu Eigen gemacht hat, denn jeder ist frei, seinen Orden zu verlassen, wenn ihm sowas nicht passt), noch wird überhaupt irgend eine Quelle für die Behauptung angegeben.
Ich konnte bisher nichts Griffiges ausfindig machen. Eines ist mir aber klar: In dem Dekret (hier) wird als Ziel der Einsetzung des Kommissars benannt, "die interne Einheit des Ordens, die brüderliche Gemeinschaft, die angemessene Bildung des konsekrierten Lebens, die Organisation des Apostolats, und die rechte Verwaltung der zeitlichen Güter zu schützen und zu fördern". Dies zu gewährleisten, habe es erforderlich gemacht, nach einer bereits erfolgten Apostolischen Visitation einen Kommissar einzusetzen.
Für mich klingt das nicht gerade so, als ob "liturgische" Beschwerden einer Handvoll Ordensangehöriger hierfür der Auslöser sind!

Abwarten und Tee trinken. Solange nicht klar ist, was in dem Orden los ist und warum es zur Visitation kam und nun als Folge davon ein Kommissar eingesetzt werden musste, sollte man sich mit Polarisierungen (hier der supertolle mega doppelplusgute Kirchenrettungsorden, dort die Seilschaften im Vatikan, wohmöglich noch mit Freimarerunterfütterung) zurückhalten. Besonnenheit ist angesagt.


Appropos Besonnenheit: Die Äußerungen von Franziskus. Martina liefert dazu (hier) ein paar Beispiele.
Da wird z.B. das Folgende aus der Ansprache (hier zu lesen) von vor ein paar Tagen vor dem Koordinierungskommitee (was immer das ist) der südamerikanischen Bischofskonferenz angeführt (einer von vier vom Papst exemplarisch benannten Ideologisierungen des Evangeliums):
»d) Der pelagianische Entwurf. Er erscheint grundsätzlich unter der Form der Restauration. Angesichts der Übel der Kirche sucht man eine nur disziplinäre Lösung in der Wiederherstellung von überholten Verhaltensweisen und Formen, die nicht einmal kulturell bedeutend zu sein vermögen. In Lateinamerika gibt es ihn in kleinen Gruppen, in einigen neuen Ordenskongregationen, und er zeigt sich in Neigungen zu doktrineller und disziplinärer „Sicherheit".«
Man fühlt sich offenbar angesprochen. Ich bin ein Freund der überlieferten Messe, ich fühle mich nicht gemeint. Ich kenne aber einige Leute, die hier gemeint sind!
- Restauration bedeutet die Wiederherstellung überholter Zustände. Die Kirche an einem bestimmten (willkürlich) festgelegten Zeitpunkt einzufrieren, ist jedenfalls die Taktik der Piusbrüder. Insofern kann kein Katholik eine solche Restauration gutheißen. 
- Weil der Papst hier von "überholten Verhaltensweisen und Formen" spricht, meint man, er würde hier besonders die "überlieferte Form (AAAHHH!!! es ist das gleiche Wort: 'FOOORRRMMMM'!!)" des römischen Ritus meinen. Das steht da aber nicht!
- Die an anderer Stelle erwähnte "Umkehr in der Pastoral" wird schnurstracks als Gegensatz zur Hermeneutik der Kontinuität gedeutet. Wieso? Warum ist eine "Umkehr" (im Original: Conversion) etwas Schlimmes? Kann (darf?) es nicht sein, dass in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden?
- Die Ablehung einer "Neigungen zu doktrineller und disziplinärer 'Sicherheit'" wird als Relativismus interpretiert. Mal abgesehen davon, dass dies im Widerspruch zu allem steht, was dieser Papst sonst so sagt: Es ist doch tatsächlich so, dass sich manche in so eine "Sicherheit" (man beachte die Gänsefüßchen!) flüchten und dann, mit sich selbst und der Disziplin im reinen, so manche Christenpflicht vernachlässigen.
- Wichtig scheint mir, und dem widmet Martina keine Silbe, dass der Papst hier von einem "pelagianischen Entwurf" redet. Was meint das? Pelagianismus bedeutet, grob gesagt, Erlösung aufgrund eigenen Tuns. Und genau das behandelt der Papst hier: Versuche, sich durch äußere Formen (!) und Verhaltensweisen heilig zu machen, ohne den Geist der Wahrheit. Diese Tendenz gibt es überall, auch (und nicht zu knapp!) in den Kreisen der Liebhaber der überlieferten Messe.

Mit der richtigen Intention, kann man alles irgendwie so deuten, dass es zum Meckern Anlass gibt...


Update (22:50): Es gibt (hier) eine interessante Gegendarstellung aus dem Innern des Ordens selbst. Das geht es u.a. in eine ähnliche Richung, wie das was ich oben erwähnte. Da heißt es z.B.:
»The restrictions on our community are specific to us and have been put in place for reasons specific to us. Pope Francis has not contradicted Pope Benedict. The visitation of our community began under Pope Benedict and the Commission was recommended by Cardinal João Braz de Aviz who was appointed to the Congregation by Pope Benedict.«

Die Flitterwochen sind vorbei!

Frauenprietsertum: nein.
Kommunion "wiederverheiratet Geschiedener": nein.
Dieser Papst weiß haargenau, wo des Pudels Kern ist, wenn er seinen Vorgänger in Buenos Aires zitiert: "Für mich ist die Hälfte aller Ehen ungültig, weil sie heiraten, ohne zu wissen, dass es für immer ist..."
Die ewiggestrigen, ehemals "heißen" Eisen sind angepackt und erledigt. Schön, diese Prägnanz. Ich höre schon den Aufschrei der Empörer! :)

Mensch, genetisch

Die Chromosomen des Menschen (w)
Eugenie schreibt (hier), auf die Frage, ab wann der Mensch Mensch ist:
»Wenn nicht ab der Empfängnis: Warum hat noch keine Frau eine Qualle, einen Delphin, ein Eichhörnchen, eine Katze, einen Apfelbaum, ein Kälbchen, einen Grasbüschel oder eine Schwalbe auf die Welt gebracht?
Denn aus einem Zellklumpen kann schließlich alles werden. Oder?«

Sorry, aber das is mir viel zu billig. Aus einem Zellklumpen kann eben nicht alles werden, denn auch ein Zellklumpen, sogar jede einzelne Zelle, hat nämlich ein vollständiges Genom!
Genetisch ist es ab der Verschmelzung der beiden Kerne ein Mensch (Homo sapiens)... im Moment der Verschmelzung wird ein Programm gestartet, an dessen Ende, sofern der Prozess ungestört und ohne grobe Fehler abläuft, nach etlichen Jahren ein voll ausgewachsener Homo Sapiens steht (das ist das Thema der Entwicklungsbiologie). Das bezweifelt ja niemand. Wenn es so einfach wäre... Da aber nicht nur wir Christen sondern auch der handelsübliche Säkularmensch heute zumeist (wenn auch nur instinktiv und nicht immer vernünftig) das Menschsein an mehr als an seinem Genom festmacht, ergibt sich ein Problem. 

Die Ironie an diesem Hickhack ist doch dies: Die Vorstellung, der Mensch würde erst zum Menschen werden, nämlich aus einem unspezifischen Zellklumpen heraus, ist aristotelisch. Es ist die moderne Naturwissenschaft, die uns gezeigt hat, dass es nicht so ist. Die Bestreitung des Menschseins "von Anfang an" ist eine der großen Inkonsequenzen in unserer wissenschaftsgläubigen Welt. Und genau darum ist diese endlose Debatte auch so vertrackt.

Sonntag, 28. Juli 2013

falsches Beten

Raffael, betender Heiliger
»Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.« (Lk 18,10-14; Leseordnung im Messbuch von 1962)

Beide, der Zöllner und der Pharisäer haben eine Sehnsucht nach Gott, beide zieht es in den Tempel.
Aber der Pharisäer begegnet uns als ein exaltiertes Beispiel, was man dabei alles falsch machen kann. Und er macht wirklich alles falsch. Er stellt sich, wohl mit großer Selbstsicherheit, vorne hin und blickt unverwunden auf. Sein "Dank", den er Gott bringt, ist nichts weiter als Selbstlob. Er tritt nicht für den anderen ein oder betet gar für dessen Bekehrung, sondern verurteilt ihn, als sei er an Gottes statt (oder vielmehr an der des Teufels: Offb 12,10). Er bittet um nichts, sondern prahlt. Er schachert mit Gott, will ihn regelrecht bestechen. Im Gebet des Pharisäers kommt Gott nur als Hülse vor, als Wand auf die zu er sein Eigenlob spricht, als Spiegel, vor dem er sich in Pose bringt. Dieser Pharisäer ist richtiggehend krank im Kopf, krankhaft egoistisch und selbstherrlich; von sich selbst und Gott entfremdet, verblendet und eingeschlossen in einen selbstgebauten Kerker. Auf alles und jeden trampelt er für den kleinsten Vorteil, für das kleinste bisschen Prestige, für jede Prise  Bestätigung und Abgrenzung.
Dieser Pharisäer wird uns natürlich grell überzeichnet dargestellt. Das soll uns warnen: Ein jeder dieser Fehler ist schon fatal.

Der Zöllner hingegen ist gesund. Er weiß um seine Sünde, um seine Nichtigkeit, er weiß um die Notwendigkeit des göttlichen Erbarmens. Immer.
Ich hatte anlässlich der aktuellen superpeinlichen Priesterentblödung in Freiburg das Folgende (hier) erwähnt:
Einer der maßgeblichen Köpfe hinter dem Aufruf, der Freiburger Pfarrer Konrad Irslinger, hat in seiner Pfarrei das "Herr ich bin nicht würdig..." abgeschafft und durch "Herr, ich danke dir, dass du mich würdig gemacht hast" ersetzt. In der Erklärung "Kirche 2013" spiegelt sich das deutlich wieder, wenn es dort heißt: Christus habe "uns wür­dig gemacht [...] am Kreuz durch seine Lebenshingabe".

In Zeiten, da man um die Abschaffung des Zölibats, die Einführung des Frauen"priestertums" und ein "Recht auf Abtreibung" betet, ist die Aktualität von Jesu Gleichnis unübertroffen.
Mir scheint, die Zusage Jesu "bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten" ist leicht misszuverstehen, wenn man ignoriert, dass sie in einem Konditionalsatz verpackt ist: "Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten." (Joh 15,7)