Freitag, 5. Juli 2013

... in der Welt


Das Gebet eines Lebens in der Welt ist - quasi halbamtlich - eine öffentliche Funktion.
In so vielen Schichten gibt es keine glaubenden Menschen mehr und noch weniger Menschen, die anbeten. Selbst wenn man weiß, das christliche Gebet ist für alle da, liegen ihm doch diejenigen, mit denen man umgeht und die einem vor Augen sind, mit besonderem gewicht am Herzen.
Heute ist beten die größte Wohltat, die man der Welt erweisen kann.  

(Madeleine Delbrel, † 1964)

Glaube und Kirche

Nun haben wir also gleich zwei Päpste, die uns in wunderbarer Einmütigkeit die Kirche als unsere Mutter vor Augen stellen (vgl. hier).
»Die Kirche ist eine Mutter, die uns lehrt, die Sprache des Glaubens zu sprechen.« (LF 38)

Wie dann aber der Glaube bedroht ist und so auch die Nähe zu dieser Mutter, wird dann an der Einheit des Glaubens gezeigt: 
»Da der Glaube einer ist, muss er in seiner ganzen Reinheit und Unversehrtheit bekannt werden. Gerade weil alle Glaubensartikel in Einheit verbunden sind, kommt die Leugnung eines von ihnen, selbst von denen, die weniger wichtig erscheinen, der Beschädigung aller gleich.« (LF 48)

Der Glaube ist darum aber nicht monolithisch, sondern lebendig:
»Die Einheit des Glaubens ist also die eines lebendigen Organismus. Das hat der selige John Henry Newman sehr schön hervorgehoben, als er unter den Kennzeichen zur Unterscheidung der Kontinuität der Lehre in der Zeit ihr Vermögen aufzählte, alles in sich zu assimilieren, was sie in den verschiedenen Bereichen, wo sie hingelangt, und in den verschiedenen Kulturen, denen sie begegnet, vorfindet. Dabei läutert sie alles und bringt es zu seinem besten Ausdruck.« (Ebd.)

»Als Dienst an der Einheit des Glaubens und an seiner unversehrten Weitergabe hat der Herr der Kirche die Gabe der apostolischen Sukzession geschenkt. Durch sie wird die Kontinuität des Gedächtnisses der Kirche gewährleistet und ist es möglich, sicher aus der reinen Quelle zu schöpfen, aus der der Glaube kommt. [...] Dank des Lehramts der Kirche kann dieser Wille [Gottes] unversehrt auf uns kommen und mit ihr die Freude, ihn vollkommen zu erfüllen.« (LF 49)

Schön. :)

Ein Wort in Gottes Ohr?


»Da der Glaube ein Licht ist, lädt er uns ein, in ihn einzudringen, den Horizont, den er erleuchtet, immer mehr zu erforschen, um das, was wir lieben, besser kennen zu lernen. Aus diesem Wunsch geht die christliche Theologie hervor. Es ist also klar, dass Theologie ohne Glauben unmöglich ist und dass sie zur Bewegung des Glaubens selbst gehört, der die Selbstoffenbarung Gottes, die im Geheimnis Christi gipfelte, tiefer zu verstehen sucht. [...] Die großen mittelalterlichen Lehrmeister und Theologen haben darauf hingewiesen, dass die Theologie als Wissenschaft des Glaubens Teilhabe am Wissen ist, das Gott von sich selbst hat. [...] Zur Theologie gehören daher die Demut, sich von Gott anrühren zu lassen, und die Disziplin, die sich der Ordnung der Vernunft verpflichtet. 
Die Theologie teilt ferner die kirchliche Gestalt des Glaubens; ihr Licht ist das Licht des glaubenden Subjekts, der Kirche. Das schließt einerseits ein, dass die Theologie im Dienst des Glaubens der Christen steht, sich demütig der Bewahrung und der Vertiefung des Glaubens aller, vor allem der Einfachsten widmet. Außerdem betrachtet die Theologie, da sie vom Glauben lebt, das Lehramt des Papstes und der mit ihm verbundenen Bischöfe nicht als etwas, das von außen kommt, als eine Grenze ihrer Freiheit, sondern im Gegenteil als eines ihrer inneren, konstitutiven Elemente, weil das Lehramt den Kontakt mit der ursprünglichen Quelle gewährleistet und folglich die Sicherheit bietet, aus dem Wort Christi in seiner Unversehrtheit zu schöpfen.« (Lumen fidei , 36)

Ich weiß nicht recht, was ich davon halten soll... Ist ja alles richtig, aber... Im Grunde gibt es zwei Fraktionen (mit dezent verwaschenen Grenzen): Die die nicken, sich bestätigt fühlen und weitermachen - das ist die Minderheit. Und dann ist da die Mehrheit der Theologen, jene die sich müde lächelnd abwenden von dem "naiven alten Mann in Rom", und sich wieder ihrem Hans Blumenberg zuwenden (so wie der hier).
Ist ja schön, das mal wieder gesagt zu bekommen. Aber...

Donnerstag, 4. Juli 2013

Fortschritt

 
»Der Fortschritt der Seele besteht nicht im vielen Denken, sondern im vielen Lieben. Wie aber kann man sich diese Liebe erwerben? Ich sage, dadurch, dass sich eine Seele entschließt, für Gott zu wirken und zu leiden, und zwar so oft sich eine Gelegenheit dazu bietet.«

(Theresa von Avila, Buch der Klosterstiftungen, V. Hauptstück)

Die Stimme des Bischofs

Ich wurde neulich mal gefragt, worum ich immer so auf meinem Bischof rumhacke (z.B. hier). Spaß macht mir das nicht. Ich bin sehr traurig darüber und zuweilen regelrecht beschämt deswegen (z.B. hier)! Die Antwort ist einfach (Lektüre des ersten verlinkten Beitrags empfohlen): Darum.

Nun ist das EKD Papier zur Familie seit Wochen draußen und innerevangelisch befleißigt man sich, dazu Stellung zu beziehen. Manche deutschen Bischöfe tun das auch. Mein Bischof aber, der als "Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz" nunmal das Sprachrohr der deutschen Bischöfe ist, auf das sich nolens volens immer alle verzweifelt nach einer Stellungnahme herumsuchenden Mikrophone richten, schweigt. Zu diesem beispiellosen moralischen Bankrott in deutschen Landen hat er nichts zu sagen.
Das ist der Grund, warum ich immer so auf meinem Bischof rumhacke. Leider.

Bin gespannt ob/wann sich da mal was tut...

Dienstag, 2. Juli 2013

EKD: Ein Komisches Desaster

Ich habe mich bislang zurückgehalten, was jene "Orientierungshilfe" über Ehe und Familie anlangt. Es machte einfach zu viel Spass, einfach nur zuzuschauen.

Es entbehrt nämlich nicht der Komik, was da passiert. Denn an sich ist das Papier ja zunächstmal duchaus "realistisch", weil es das Faktische feststellt (herzlichen Glückwunsch dafür). Und natürlich verlässt es den Grund des biblischen Glaubens, wenn es vor diesem Faktischen nicht nur kapituliert, sondern es sich zu eigen macht. 
Hätten die Katholiken das "zuerst" getan, hätten die Protestanten all die Häme und all die Polemik aus alten Tagen hervorgekramt und die Katholische Kirche ob ihrer Bibelferne bepflastert um ihre Scham zu überdecken, dass es nicht sie (zuerst) erwischt hat! (Das ist wie mit dem NSA-Skandal: Wäre ein vergleichbarer Skandal in China aufgeflogen, wäre der betreffende chinesische Whistleblower von den USA als Held der Freiheit des Menschengeschlechts bejubelt worden... da nun aber der Aufflug in den USA passierte, haben wir einen die Freiheit gefährdenden und mit allen Mitteln verfolgten Landesverräter vor uns.) Aber, und das finde ich eben im wahrsten Sinne "komisch": Es kam eben anders. Was bleibt, wenn man von "sola scriptura" das "scriptura" abzieht? Na, die Wahrheit wohl nicht... wohl aber die Mehrheit.

Es war dann auch sehr amüsant, als der verantwortliche EKD-Chef verlauten ließ, die Diskussion sei gut, diese hätte man ja mit dem Papier auch erreichen wollen. Ich halte das für billige Ausflüchte und einen Versuch, sich das Desaster schön zu reden, denn: Wenn ich nur eine Diskussion anregen möchte, brauche ich nicht 3 (drei!) Jahre lang eine Komission von "Experten" arbeiten und über Formulierungen und ihre Außenwirkung knobeln lassen. Diskussionen kann man mit einem einzigen gut platzierten Wort in einem beliebigen Interview anregen (siehe hier). Nein, Herr EKD-Chef, dieses Papier ist ein groß angelegtes und als zukunftsweisend intendiertes Machwerk einer völlig säkularen, aber sich "christlich" tünchenden, Expertokratie. Kein Versprecher, kein freudscher Fehler, sondern ein Coming-out!

Das "komische" Sahnehäubchen hat freilich Bischof Vorderholzer aufgesetzt, als er, der katholische Bischof, Luthers enterbten Erben zurief, und mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen: "Kehrt bitte auf den Boden der Heiligen Schrift zurück!"

Montag, 1. Juli 2013

Herman Schell

Jakob Herman Schell, 1850 in Freiburg im Breisgau geboren, 1906 gestorben, war auf faszinierende Weise anachronistisch. Studiert hat er in Freiburg, Würzburg und Rom, 1872 (im Alter von 22!) hat er in Freiburg in Philosophie promoviert, 1873 wurde er zum Priester geweiht, 1883 dann die Promotion in Theologie in Tübingen.
Leo Scheffczyk sagte über ihn, er habe 50 Jahre zu früh gelebt. Und wie er damit recht hat!

Schell hat vieles (positive) was vor, mit oder nach dem Zweiten Vatikansichen Konzil in der Kirche geschah vorweggenommen. Als sein Hauptwerk kann wohl seine "Katholische Doagmatik" gelten, die 1889-1893 erschien und die in den 70ern eine kritische Neuausgabe erfuhr. So hat Schell etwa in seiner Dogmatik die gleiche Gottebenbildlichkeit von Mann und Frau gelehrt (was, siehe hier, noch bis mitte des 20. Jahrhunderts in Theologie und Kanonistik alles andere selbstverständlich war), er strich die Bedeutung der Predigt in der hl. Messe heraus (die nach damaligem Verständnis nicht zur Feier gehörte und eher lax gehandhabt wurde), er lehrte die Einheit des Weihesakramentes und als Materie des Sakraments der Priesterweihe (was es dann für ihn auch als ein einziges erweist) nannte er die Handauflegung und eben nicht die Überreichung des liturgischen Gerätes (wie man seit dem Mittelalter dachte). Letzteres wurde ein halbes Jahrhundert später von Pius XII. höchstautoritativ so festgelegt. Schell sprach sich außerdem für einen weiträumigeren Gebrauch der Volkssprache in der Liturgie und eine verstärkte Beteiligung der Laien an derselben aus.

Herman Schell starb recht früh an Herzversagen, was sicherlich auch damit zu tun hatte, dass er zeitlebens viel zu kämpfen hatte. Einige seiner Schriften fanden sich schließlich aus Gründen auf dem Index der verbotenen Bücher wieder, die nicht wenig fragwürdig sind (es ging dabei ausdrücklich nicht um seine theologischen Sondermeinungen!) und er scheint überhaupt der Lieblingssandsack vieler seiner Kollegen gewesen zu sein.
Er war ein Querdenker und seiner Zeit voraus, er liebte die katholische Kirche über alles und sprengte die damals übliche Neuscholastik für sich auf (was wohl der Hauptgrund für die Anfeindungen war), indem er, vereinfacht gesagt, den Glauben nicht aus sich selbst heraus zirkulär begründete indem er etwa einfach Thomas zitierte und damit die Argumente der Atheisten für erledigt betrachtete, sondern er ging wirklich die Argumente der Gegner an. Er betrieb im Prinzip das, was Thomas machte, nur eben im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, während seine Kollegen eher in der damals gesamtkirchlich anzutreffenden "Einkehr" verharrten.

Natürlich ist auch Schell nicht frei von Fehlern, aber immerhin wurde er nach dem letzten Konzil wieder entdeckt (und inzwischen weiderum quasi vergessen, da er für alles was mit dem "Geist des Konzils" zu tun hat nicht nutzbar ist) und es waren ja auch nicht alle seine Zeitgenossen gegen ihn. Matthias Joseph Scheeben etwa, hat ihn in höchsten Tönen gelobt und besonders die tiefe Kenntnis von Patristik und Scholastik, die Schell in seiner Dogmatik bewies, herausgestellt. Er war ein "apologetischer Dogmatiker", der das museale Mausoleum, wie es Schleiermacher nannte, in das die damalige Kirche sich hineinmanövriert hatte, aufbrach... 50 Jahre vor der Zeit.

Freitag, 28. Juni 2013

wie Abraham

»Da fiel Abraham auf sein Gesicht nieder und lachte.« (Gen 17,17)


Wie oft geht's mir so... dass ich IHM etwas nicht zutraue oder etwas nicht wahrhaben will... und wie oft hat ER mich schon aufgehoben und zum Schweigen gebracht.
Lässt mich jedesmal wundern, was er noch für mich bereitet hat... welches Schöne und... welches Schwere...

Mein Abschied von der Piusbruderschaft

TSCHÜSS!
BYE-BYE!
SALUT!
CIAO!
¡ADIÓS!
CZEŚĆ!
VALEAS!


Gääähn... 
Was gibt's sonst so?