Montag, 18. Juni 2012

Aufbruch Zweitausendzwölf


Eigentlich habe ich bloß eine Frage an die Unterzeichner von "Aufbruch 2012" und ihre Fans: Wieviele Heiligenbiographien kennen Sie, in denen zu lesen ist: "Und er/sie widersetzte sich seinem/ihrem Oberen/Bischof/dem Papst/Lehramt und war fortan ungehorsam"?
Es gibt da eine Geschichtem die einem beim Thema Ungehorsam immer sofort in den Sinn springt... die spielt allerdings in einem Garten und es waren insgesamt auch bloß zwei Menschen und ein Kriechtier beteiligt...

:(

Sonntag, 17. Juni 2012

Zur Nacht


Herr, himmlischer König, Tröster, Geist der Wahrheit, sei mir gnädig und erbarme Dich meiner, Deines unwürdigen Dieners. Vergib und verzeih mir Unwürdigem alles, womit ich heute als Mensch wider Dich sündigte, denn nicht wie ein Mensch, schlimmer als ein Tier sündigte ich vor Dir. Vergib mir meine vorsätzlichen und unvorsätzlichen Sünden, die bewußt und die nicht bewußt begangenen, die von meiner Jugend und aus bösem Vorbild, die aus Dreistigkeit und die aus Verzagen begangenen Übertretungen. Habe ich bei Deinem Namen geschworen oder denselben in meinen Gedanken gelästert, machte ich jemandem Vorwürfe, kränkte oder verleumdete ich ihn im Zorn, wurde ich böse, habe ich gelogen oder aber unmäßig geschlafen, kam ein Armer zu mir, und ich habe ihn verachtet, betrübte ich meinen Bruder oder geriet mit ihm in Streit oder richtete ich gar jemanden, erhöhte ich mich selbst oder wurde ich hochmütig, oder ergrimmte ich, betete ich, und mein Geist war doch von der Arglist dieser Welt gefangen, dachte ich an Verführung, habe ich unmäßig gegessen, getrunken oder sinnlos gelacht, sann ich Arglistiges oder wurde in meinem Herzen verwundet, da ich die Güte eines anderen sah, habe ich Unziemliches gesprochen, meinen Bruder ob seiner Sünde verhöhnt, während meine eigenen Sünden unzählig sind, war ich nachlässig im Beten, und alles, was immer ich Böses getan habe, dessen ich mich nicht erinnere, und noch Schlimmeres habe ich vollbracht. Erbarme Dich meiner, Deines verzagten und unwürdigen Dieners, mein Schöpfer und Gebieter. Erlaß, vergib und verzeih mir, Gütiger und Menschenlieber, damit ich verlorener und elender Sünder mich in Frieden niederlege, schlafe und ruhe, und mich verneige, besinge und lobpreise Deinen allgeehrten Namen mit dem Vater und seinem eingeborenen Sohne, jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit. Amen.
(Orthodoxes Gebet zum Heiligen Geist)

Moraltheologische Brillianz

Der Nabel der Welt in Delphi
Eberhrad Schockenhoff tut, was er, als freiburger Moraltheologe, tun muss, und gibt der BZ ein Interview. Da finden sich dann solche theologischen Glanzleistungen wie diese:
»Die Botschaft Jesu ist von einer großen inneren Weite bestimmt. Man muss deshalb seine Verkündigung und zugleich seine Praxis sehen. Jesus hat die Unauflöslichkeit der Ehe als Willen Gottes gelehrt, aber er hat auch Sündern, darunter der Ehebrecherin, bedingungslos Vergebung zugesagt.«
Ja, lieber Herr Professor, aber er hat der Ehebrecherin auch aufgetragen "Sündige von nun an nicht mehr"... Toll zu sehen, wenn, wiedermal (besonders neu is das ja nich) einfach die Hälfte weggelassen wird und die stolzgeschwellte Brust sich hebt! Es ist zum Heulen...

»Vielmehr muss die Kirche Gläubigen, die durch eigene Schuld oder unverschuldet in diese Situation geraten sind, einen Weg zur Versöhnung mit ihrer Lebensgeschichte aufzeigen.«
Soso, die  "Versöhnung mit ihrer Lebensgeschichte" ist nun also das Thema...

Angesprochen auf das seit 40 Jahren ausstehende positive Feedback aus dem Vatikan für die Würzburger Synode, schimmert dann noch ein wenig Größenwahn durch:
»Das fortgesetzte Nein aus Rom führt zu einer Selbstisolation des Lehramtes in der Kirche.«
Aha! Also isoliert sich der Rest der Kirche von Deutschland? LOL


Gute Nacht! ;)


PS. Für die Nichttheologen: "Große innere Weite" ist so ein typisches Mantra vieler Moraltheologen das ins Deutsche übersetzt ungefähr bedeutet: "Das können wir beliebig (um)interpretieren."

Samstag, 16. Juni 2012

Herz

»Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.« (Mk 2,27)

Für Israel sah es so aus, als sei das Sabbatgebot das höchste Gebot... so sehr, dass die Pharisäer sich selbst und das ganze Land so absolut diesem Gebot unterwarfen, dass es nichts gab, was darüber stand, selbst das Leben eines Menschen nicht (theoretisch...). Es lag hier also eine falsche Interpretation des Sabbatgebots vor, ein Irrweg, der von Jesus angeprangert wurde und dessen Gegenentwurf Jesu Dreifachgebot der Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe (Lk 10,27).

Es wird häufig, von dieser Stelle ausgehend, die Zulassung zivilrechtlich geschiedener und ebenso Wiederverheirateter zur Kommunion mit dem Stichwort "Barmherzigkeit" gefordert. Auf die Politisierung und zuweilen sinnwidrige Umdeutung der Sprache in dieser Causa habe ich schon hingewiesen (iterum).
Es ist eigentlich sattsam bekannt: "Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet." (Mk 10,10-12)
Nun, hier liegt aber ein anderes Problem vor, als in der Diskussion um das Sabbatgebot.

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass der Evangelist uns explizit sagt, dass Jesus diese Weisung an seine Jünger richtet und nicht etwa öffentlich das grassierende Ungemach im Judentum anprangert. Jesus spricht hier nur zu seinen Jünger, was er sagt soll ganz klar für die Christen gelten.

»Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen. Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und (die Frau) aus der Ehe zu entlassen. Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.« (Mk 10,2-9)

 Hier nun liegt der Hase im Pfeffer:
1) Jesu Kritik am Sabbatgebot wie es die Pharisäer lehrten bezog sich auf eine falsche Interpretation eines tatsächlich sehr wichtigen Gebots das aus der Schöpfungsordnung selbst hervorgeht (die Ruhe am 7. Tag). Und damit entsteht auch eine Harmonie zum Dreifachgebot der Liebe, das gleichfalls in der Schöpfungsordnung begründet ist.
2) Die Infragestellung der jüdischen Scheidungspraxis ist etwas ganz anderes: Hier handelt es sich ja gewissermaßen um ein "Kompromissgebot" (vgl. 5Mo 241ff): "weil ihr so hartherzig seid". Jesus greift nun radikal durch, indem er den eigentlichen Wert der Ehe und damit das "richtige" Gebot, welches auf der Schöpfungsordnung gründet, zum Vorschein bringt. Mit aller Radikalität, die es mit sich bringt. Aber eben gerade dadurch im Einklang mit dem schon genannten Dreifachgebot der Liebe.

Wenn Jesus Hand an das Gesetz legt, tut er dies im Sinne einer Rückführung auf den Ursprung, im Sinne der Schöpfungsordnung und damit im unbedingten Sinne des Schöpfers.

Es ist ein Unding, hier von "Barmherzigkeit" zu reden. Im Grunde wäre die Anerkennung einer Scheidung oder die Folgenlosigkeit von kontinuierlichem Ehebruch (denn das sind die Alternativen) ein Widerspruch zu dem konkreten Gebot Jesu und ebenfalls wieder nur ein Zugeständnis an menschliche Hartherzigkeit. Was hat das mit Barmherzigkeit zutun? Bedeutet Barmherzigkeit das belassen der Hartherzigkeit? Oder ist erstere nicht doch auf die Umkehr, auf den Wandel aus?
Das Kompromissgebot des Mose ist aufgehoben. Das Nachgeben gegenüber einem harten Herzen ist keine Barmherzigkeit, es ist nur traurig... und es dient gewiss nicht dem Heil der Seelen, wie es die freiburger Memorandisten behaupten.

Wie gut, dass heute Herz Mariä dran war... vllt. sollten wir uns mehr an ihrem Herz orientieren, statt das verstockte Herz von Ottonormalverbraucher zum Maßstab zu machen... Ein hartes Herz kann nichts aufnehmen, bewegen und bewahren (vgl. Lk 2,51)...

GL 160,2 drückt es schön aus: "Bekehrt euch alle, denn das Reich ist nahe; in rechter Buße wandelt eure Herzen. Seid neue Menschen, die dem Herrn gefallen."

Christus, unser Bruder?

Der Pantokrator im 12. Jahrhundert.
»Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.« (Mk 3,35)

Es hat mich schon in der Zeit meiner Bekehrung ziemlich irritiert, wenn manche Priester die verschiedenen Gebete während der Heiligen Messe mit "... durch Jesus Christus, unseren Bruder und unseren Herrn" beendet haben. Und noch mehr hat es mich aus der Fassung gebracht, als ich lernte, wie solche Gebete eigentlich zu enden haben(!).
Endgültig ist mir der Kragen geplatzt, als neulich ein Priester mit behänder Selbstverständlichkeit das Vaterunser mit den Worten einleitete, wir würden jetzt gemeinsam mit Christus beten. (Dass der betreffende Priester eine wichtige Funktion im freiburger Priesterseminar innehat und nicht etwa ein knuffig-freundlicher alter Landpfarrer ist, macht die Sache nicht besser.)

Warum mir diese prominente Redeweise von Christus als "Bruder" so aufgestoßen ist, ist freilich schnell erklärt: Weil Christus selbst immer fein säuberlich zwischen seinem Vater (z.B. Mt 5,48; 10,20; Mk 11,25; Lk 6,36; Joh 8,42) und unserem Vater (z.B. Mt 11,27; [Mk 8,38;] Lk 2,49; Joh 5,36.43) unterschieden hat. Nie, an keiner Stelle, spricht er von "unserem Vater"... auf die Frage wie wir beten sollen sagt er: "So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel,..." (Mt 6,9)!

Wenn mich nicht alles täuscht, kennt die Bibel die Rede von Jesus als "Bruderunser" nicht. Ich kann mir jene Redewendung nur aus oben zitierter Stelle heraus erklären. Interessant ist, dass sich hieraus eine gewisse Anmaßung ergibt, denn dann würde die Aussage, "Jesus ist mein Bruder" oder "Ich bin Bruder Jesu" implizieren "Ich tue den Willen Gottes"... Was zu der lustig verzwirbelten Frage führt, ob jemand, der ständig von Jesus als "Bruder" referiert, den Willen Gottes tut, welcher wiederum, Jesus ist gemeint, unablässig klargestellt hat, dass es einen Unterschied zwischen unserem und seinem Vater gibt...

Es ist zumindest äußerst unwahrscheinlich, dass Jesus mit der oben zitierten Stelle intendierte, seine Jünger zu seinen Brüdern zu erklären. Zumindest deutet darauf das erwähnte Faktum der Differenzierung hin und auch das Fehlen jener Bruderunser-Rede im restlichen NT. Mk 3,35 ist sehr viel konkreter: Vom Willen Gottes kann Jesus nichts losreißen. Auch nicht die Wünsche und Vorstellungen seiner Mutter und seiner Brüder. Die Bande zu seinem Vater ist stärker als die Familienbande: "Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig." (Mt 10,37)

Mir ist dieser Kuschelkatholizismus mehr als suspekt, und ich weiß jetzt auch warum: Weil er sehr leicht in Gefilde abrutscht, die im krassen Widerspruch zum christlichen Glauben stehen... Natürlich sollen auch wir Gott unseren Vater nennen. Natürlich dürfen wir, wie ich es bei den Jesus-Freaks immer mit Freude erleben durfte, auch einfach "Papa" zu ihm sagen. Aber es lässt sich ein deutlisches Aroma von Häresie/Blasphemie/Ignoranz/Volksverblödung kaum leugnen, wenn man sich allein nur vorstellt, der zur Rechten des Vaters erhöhte Christus würde gemeinsam mit uns beten "... und vergib uns unsere Schuld ... und führe uns nicht in Versuchung..."...


Nachtrag: "Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern." (Röm 8,28) Hier geht es freilich um die Vollendung im Himmel und weniger um den Pilgerweg dort hin. Es sei betont, dass hier von Christus als dem "Erstgeborenen" die Rede ist. Es besteht eine gewisse Parallelität zu Kol 1,18: "Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, damit er in allem der Erste sei." Auch hier ist er der "Erstgeborene", dennoch wird niemand annehmen, dass seine Auferstehung das gleiche ist, wie unsere Auferstehung. In gleicher Weise ist seine Sohnschaft von der unsrigen unterschieden... der Abstand ist unermesslich groß. Hier wie dort ist mit der Bezeichnung des Erstgeborenen keine Feststellung einer Sippe gemeint. Wohl nicht grundlos ist, außer an solchen Stellen wie den zwei erwähnten (also im Hinblick auf die Auferstehung bzw. die Vollendung!), ansonsten die Rede von den "Brüdern" unter Einschluss Jesu vermieden.

Freitag, 15. Juni 2012

Verschwörung der Bischöfe?

Summorum-Pontificum.de berichtet über einen angeblichen Notfallplan der deutschsprachigen Bischöfe, die Piusbrüder im Falle einer Rückkehr zur vollen Einheit mit Rom und der Errichtung einer Personalprälatur aus ihren Diözesen auszusperren.

Ich halte das für schlechte Satire oder ein politisch motiviertes Gerücht, solange es keine Quelle und darin v.a. harte Fakten gibt.

Quelle

 

... die Sakramente der geliebten Mutter Kirche strömen aus dem Herzen Jesu.

»Eile hin zu diesem Quell des Lebens und des Lichtes mit lebendigem Verlangen, du gottliebende Seele, wer immer du bist, und rufe zu ihm mit der innersten Kraft des Herzens: Du unsagbare Schönheit des höchsten Gottes, du reinster Abglanz des ewigen Lichtes, du Leben, das allem Leben das Leben gibt, du Licht das allem Licht das Licht verleiht und seit dem ersten Morgenrot die vielfältigen Lichter des Himmels in immerwährendem Glanz erhält, vor dem Thron deiner Gottheit.
Du ewiger, unzugänglicher, lauterer und süßer Strom aus der Quelle, die vor den Augen der sterblichen Menschen verborgen ist, deren Tiefe ohne Grund, deren Höhe ohne Grenzen, deren Weite ohne Schranken ist und deren Reinheit nicht getrübt werden kann!«
(Aus dem Opuscolum "Das Holz des Lebens" von Bonaventura; in der 2. Lesung der Lesehore vom Heiligsten Herzen Jesu, Reihe II)

Donnerstag, 14. Juni 2012

Freiburger Narren

... freiburger Narren
Richelieu nimmt sich des Freiburger Ungehosamsaufrufes an, den ich auch schon mehrmals behandelt habe. Dazu eine kurze Anmerkung:

Das Bekloppteste an dieser Aktion ist ja, dass die Initiatoren behaupten (und vermutlich sogar wirklich glauben!), dass sie ihrem Erzbischof den Rücken stärken wollen. Aber sie bewirken genau das Gegenteil, denn inzwischen ist der Erzrobbi in Rom unten durch und verbringt die hälfte seiner Freizeit damit, sich zu schämen... Im Höchstfall wird ihm das eine Jahr als Vorsitzender der DBK noch dazugegeben, aber allzulange wird er, wenn er nächstes Jahr 75 wird, nicht im Amt bleiben. Die "ungehorsamen" Kleriker sabotieren am Ende nur ihren eigenen Bischof und damit auch ihr eigenes Anliegen, für das jener ja (leider) der wichtigste "Fürsprecher" ist.


hoppla!

Dienstag, 12. Juni 2012

Gebet für den Zölibat

Der Zölibat ist, obzwar nicht wesensnotwendig mit dem sakramentalen Priestertum verbunden, dennoch ihm in höchstem Maße angemessen.

Ich habe, seit ich katholisch geworden bin, immer mehr seinen Wert erkennen dürfen. Allein aus praktischen Gründen: Wären die Priester mit denen ich fast täglich zutun habe verheiratet, könnten sie vermutlich nicht einmal die Hälfte von der Hirtensorge und Energie für unsereins (d.h. Laien) aufbringen, wie sie es durch den Zölibat können. So können sie immer für alle da sein, immer Vater und Bruder zugleich sein und immerzu bestrebt, die jungfräuliche Braut, die Kirche, ihrem HErrn zu vermählen. Durch ihren freiwilligen Verzicht auf das "große Mysterium" der Ehe (vgl. Eph 5,32), können sie ihr Urbild, die Vermählung von Christus und seiner Kirche, auf ganz besondere Weise fördern.

Und welch beredtes Zeugnis ist dieser Verzicht! Es ist eine unablässige Provokation und Mahnung, denn es bedeutet nichts weniger als den Verzicht auf etwas, ohne das man meint nicht leben zu können. Und es stimmt ja auch: Was ohne Zweifel zu den höchsten Freuden gehört die Gott und geschenkt hat und die er zudem im Sakrament gesegnet und zum Quell von Heiligkeit und Leben, biologisch wie spirituell!, erhoben hat: Darauf zu verzichten ist ein Zeugnis das diese Bezeichnung verdient! Es Zeugt von der unbedingten Hingabe an Gott und das völlige Hinwenden und Hinschauen auf das ewige Leben. Nicht vom Irdischen alles zu verlangen. Es ist ein eschatologisches Zeichen und Zeugnis!

Doch der Zölibat ist viel mehr als ein Verzicht, er ist eine Gabe in sich selbst! Ein Gnadenbrunnen sondergleichen und v.a. ein Katalysator für die vielen göttlichen Geschenke, die der HErr allen Gliedern seiner Kirche (und darüber hinaus) durch ebendiesen seinen mystischen Leib schenken will.
Es ist ein Großes Geschenk das es zu bewahren gilt und wofür wir auch beten sollen. Immerhin betet man allenthalben für die Treue der Eheleute zu einander. Doch auch die Priester bedürfen unseres beständigen Gebets um die von ihrem Stand geforderte Treue zu halten.
»So bittet diese Heilige Synode nicht nur die Priester, sondern alle Gläubigen, sie möchten sich die kostbare Gabe des priesterlichen Zölibates ein wirkliches Anliegen sein lassen, und alle mögen Gott bitten, daß er dieses Geschenk seiner Kirche stets in Fülle zukommen lasse.«
(Presbyterorum Ordinis 16)

Freitag, 8. Juni 2012

Buchreligionen

Es ist ein überaus weit von der Wahrheit weg und also in die Irre führender Weg, wollte man das Judentum oder das Christentum zur Buchreligion erklären und dann mit dem Islam in einen Pott werfen.

Der Islam ist tatsächlich eine Buchreligion, weil der Koran, so der Glaube, präexistent bei Gott war und 1 zu 1 Gottes Wort ist. Das hat erstens zur Folge, dass es eigentlich keine Übersetzung geben kann (denn Gott spricht arabisch) und zweitens, dass es in aller Regel keine kritische Exegese gibt (auch eine eher "mystagogische Exegese" wie etwa im Sufismus ist eher die Außnahme, weswegen die Sufis aber auch Verfolgung leiden mussten). Im Grunde zeigt das Verhältnis vom Koran zu Gott eine gewisse Parallelität zum Verhältnis von Jesus Christus zu Gott.
Und das ist auch schon der Unterschied und der Grund, warum das Christentum keine Buchreligion ist: Woran Christen glauben ist eine Person, nicht ein Buch. Wir sind also wenn überhaupt eine Personenreligion, und keine Buchreligion. Dass aber Gott Person ist, ist sowieso klar (für den Christen).

Das ist auch das Problem, das ich mit Evangelikalen habe: Regelmäßig hört man solche Wendungen wie "I believe in the Bible", "Ich glaube an die Bibel". Oder die hämische Frage "Glaubst du etwa nicht an die Bibel?", worauf ich klar und deutlich antworte: "Nein. ich glaube an Gott!" Das evangelikale Modell kann natürlich nur zu Scheuklappenindoktrination führen, denn hier wird die Wahrheit mit dem Buchstaben identifiziert, ja schlimmer noch, zuweilen sogar mit einer bestimmten Übersetzung der Schrift (etwa King James).
Das ist aber eine krasser Widerspruch sowohl zum Judentum als auch zum eigentlichen Mysterium des Christentums... auch das Judentum ist keine Buchreligion, denn ihr "Buch", die Tora, kündet nur den Willen Gottes, sie ist nicht selbst göttlich, nicht selbst die Wahrheit.
Das Neue Testament wiederum bringt Kunde von Christus: Zuerst war die Beziehung zum lebendigen Christus da, dann wurde darüber geschrieben.

Und das ist Grund Nr. 6701 warum ich gerne katholisch bin: Nur hier ist die Reihenfolge getreu bewahrt: Am Anfangs steht Gott selbst in Jesus Christus und die Gemeinschaft derer, die in Beziehung zu Ihm stehen. Dann, mittels dessen, was wir "Tradition" (lat. tradere: überliefern) nennen, kommt die Norm des Ganzen zustande, immer geleitet durch den Heiligen Geist.

Das mag der Grund sein, weshalb der große zivilisatorische Fortschritt (v.a. die Entwicklung der naturwissenschaftlichen Methodik) ausgerechnet im Christlichen (katholischen!) Kosmos erwachsen ist: Die Beziehung zu einer Person ist etwas lebendiges, etwas dialogisches... im Islam gibt es keinerlei Beziehung... es gibt nur den Buchstaben und der ist unveränderlich.