Samstag, 30. November 2013

Apostelbrüder und Schwesterkirchen

Alexander Iwanow - Apostel Andreas
In der Orthodoxie wird der Apostel Andreas besonders unter dem Ehrentitel Πρωτόκλητος ("Erstberufener") verehrt.
Wie Rom seine Bischofsreihe auf Petrus zurückführt, dessen erster Nachfolger auf dem apostolischen Stuhl in Rom der Bischof Linus († 79) war, so führt Byzanz seine Bischofslinie auf den Apostel Andreas zurück, als dessen erster Nachfolger auf dem Apostelsitz in Byzantion bzw. (ab 330) Konstantinopel der von ihm geweihte Bischof Stachys († 54; vgl. Röm 16,9!) gilt.
In einem Preislied des heiligen Presbyters Hesychios von Jerusalem († ca. 450), wird die Erstberufung des Apostels so besungen: 
»Andreas, der Erstgeborene der Schar der Apostel, der erste Schüler der Kirche, Petrus vor Petrus, Fels vor dem Felsenapostel, das Fundament der Fundamente, der Anfang der Anfänge, der berufen war, bevor er berufen wurde.«

Zuweilen wurde in der Vergangenheit der chronologische Vorrang, den der Evangelist Johannes (1,40) dem Bruder des Petrus einräumt, gegen den römischen Primat geltend gemacht, gerade mittels solcher Preislieder. Ich empfinde es aber im Gegenteil als Tröstlich und überaus passend diesen Aspekt hin und wieder in den Blick zu nehmen, zumal uns unsere orthodoxen Brüder durchaus als immer wieder auch Mahner gelten können uns zu erinnern, auf welchem Grund wir stehen müssen...


PS. Der erste zu diesem Anlass geschriebene Brief von Papst Franziskus an den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., kann hier nachgelesen werden.

Donnerstag, 28. November 2013

Petrus damals und heute

Auf Facebook kursiert gerade in etwa dieses Bild links, mit der Frage "Ist das noch die selbe Kirche?"

Worauf meine Erwiederung hier rechts wäre: War das noch die selbe Kirche?

Wobei es freilich sowieso ein merkwürdiges Unterfangen ist, einen Papst im vollen Ornat anlässlich seiner Krönungsfeier einem Papst bei einem Vier-Augen-Gespräch gegenüber zu stellen, aber seis drum. Dümmliche Aktion. Außerdem ist der Papst nicht die Kirche, er ist "bloß" der Papst. Wäre die Integrität der Kirche vom Brokatbehang des gerade amtierenden Pontifex abhängig, wäre das immer schon ein ziemlich trauriger Haufen gewesen.

Die Kirche kann das alles beherbergen. Und ich wette, dass auch Petrus und Paulus Sinn für Humor und Freude am fröhlichen Sozialisieren hatten...

(Bild: Francisco de Zurbarán, San Pedro)

Mittwoch, 27. November 2013

Papstprogramm

»Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient. Die Reform der Strukturen, die für die pastorale Neuausrichtung erforderlich ist, kann nur in diesem Sinn verstanden werden: dafür zu sorgen, dass sie alle missionarischer werden, dass die gewöhnliche Seelsorge in all ihren Bereichen expansiver und offener ist, dass sie die in der Seelsorge Tätigen in eine ständige Haltung des 'Aufbruchs' versetzt und so die positive Antwort all derer begünstigt, denen Jesus seine Freundschaft anbietet. Wie Johannes Paul II. zu den Bischöfen Ozeaniens sagte, muss "jede Erneuerung in der Kirche [...] auf die Mission abzielen, um nicht einer Art kirchlicher Introversion zu verfallen."
[...]
Die Seelsorge unter missionarischem Gesichtspunkt verlangt, das bequeme pastorale Kriterium des 'Es wurde immer so gemacht' aufzugeben. Ich lade alle ein, wagemutig und kreativ zu sein in dieser Aufgabe, die Ziele, die Strukturen, den Stil und die Evangelisierungs-Methoden der eigenen Gemeinden zu überdenken. Eine Bestimmung der Ziele ohne eine angemessene gemeinschaftliche Suche nach den Mitteln, um sie zu erreichen, ist dazu verurteilt, sich als bloße Fantasie zu erweisen. Ich rufe alle auf, großherzig und mutig die Anregungen dieses Dokuments aufzugreifen, ohne Beschränkungen und Ängste. Wichtig ist, Alleingänge zu vermeiden, sich immer auf die Brüder und Schwestern und besonders auf die Führung der Bischöfe zu verlassen, in einer weisen und realistischen pastoralen Unterscheidung.«

(Evangelii Gaudium 27, 30)

Dienstag, 26. November 2013

christliche Perspektive

Richte dein Auge auf dich selbst und hüte dich, das Tun anderer zu richten.
Wer andere richtet, macht sich vergebliche Arbeit, irrt sich oft und sündigt leicht; wer aber sich selbst richtet und erforscht, dessen Mühe ist allzeit erfolgreich.
Wie uns eine Sache am Herzen liegt, so urteilen wir oft darüber; denn das richtige Urteil verlieren wir leicht aus Eigenliebe.
Wäre Gott jederzeit das lautere Ziel unseres Verlangens, würden wir nicht so leicht in Unruhe kommen, wenn uns etwas gegen den Sinn geht.
Aber oft ist etwas in uns verborgen oder wirkt auch von außen auf uns ein, was uns in gleicher Weise anzieht.
Wiele suchen bei ihrem Tun und Lassen heimlich sich selbst und merken es nicht.
Sie scheinen auch in gutem Frieden zu sein, wenn eine Sache nach ihrem Wunsch und Sinn läuft.
Geht es aber anders, als sie wünschen, so werden sie schnell aufgeregt und mißmutig.
Aus gegensätzlichen Meinungen und Ansichten entspringen oft Mißhelligkeiten unter Freunden und Mitbrüdern, unter Ordensleuten und Frommen.
Eine alte Gewohnheit wird schwer aufgegeben, und niemand läßt sich gern wider seine eigene Meinung leiten.
Wenn du dich mehr auf deine Vernunft oder Betriebsamkeit als auf die siegreiche Kraft Jesu Christi verläßt, wirst du selten und nur sehr langsam ein erleuchteter Mensch, weil Gott will, daß wir uns ihm vollkommen unterwerfen und uns durch glühende Liebe über alle Vernunft erheben.

Um nichts in der Welt und keinem Menschen zuliebe darf man etwas Böses tun; wohl aber soll man ein gutes Werk manchmal unterlassen oder auch gegen ein besseres austauschen, um einem Bedürftigen zu helfen.
Denn dadurch geht das gute Werk nicht verloren, sondern wird in ein besseres umgewandelt.
Ohne Liebe nützt das äußere Werk nichts.
Alles aber, was aus Liebe geschieht, wie gering und unscheinbar es auch sein mag, bringt reiche Frucht.
Denn Gott sieht mehr auf den Grad der Liebe als auf das Werk, das einer verrichtet.
Viel wirkt, wer viel liebt.
Viel wirkt, wer recht wirkt.
Recht wirkt, wer mehr dem Allgemeinwohl als seinem Eigenwillen dient.
Oft scheint etwas Liebe zu sein und ist mehr sinnliche Zuneiung, weil Neigung, Eigenliebe, Hoffnung auf Vergeltung und Hang zur Bequemlichkeit im Spiele sind.
Wer die wahre und vollkommene Liebe hat, der sucht in keiner Sache sich selbst, sondern verlangt nur danach, daß Gottes Ehre in allem geschehe. Er beneidet auch keinen, weil er nicht für sich allein Freude begehrt und auch nicht in sich selbst sich freuen will, sondern in Gott über alle Güter beseligt zu werden wünscht.
Er schreibt keinem etwas Gutes zu, sondern führt es ganz auf Gott zurück. Von diesem Urquell geht alles aus, in diesem Endziel ist die selige Ruhe aller Heiligen gegründet.
Wer nur einen Funken wahrer Liebe hätte, der würde wahrlich empfinden, daß alles Irdische voll Eitelkeit ist.

Was man an sich oder anderen nicht zu bessern vermag, soll man geduldig ertragen, bis Gott es anders fügt.
Denke nur, so sei es besser für deine Erprobung und Geduld, ohne die unsere Verdienste nicht hoch zu bewerten sind.
Du mußt jedoch bei solchen Hindernissen beten, Gott möge dir gnädig beistehen, damit du sie mit Gelassenheit ertragen kannst.
Wenn jemand sich auf ein- oder zweimalige Ermahnung hin nicht belehren läßt, so streite nicht mit ihm, sondern stelle alles Gott anheim, damit sein Wille und seine Ehre bei all seinen Dienern gefördert werde; er weiß wohl das Böse zum Guten zu lenken.
Bemühe dich, fremde Fehler und Schwächen in Geduld zu ertragen, weil auch du vieles an dir hast, was von anderen ertragen werden muß.
Wenn du dich selber nicht so machen kannst, wie du wünschtest, wie wirst du einen anderen nach deinem Gefallen umschaffen können.
Es mißfällt uns, daß anderen so viel gestattet wird, und doch wollen wir uns selbst nichts versagt wissen, was wir wünschen.
Andere wollen wir durch Satzungen eingeschränkt sehen, aber wir selbst lassen uns nicht im geringsten einschränken.
Dies zeigt deutlich: Selten beurteilen wir unsere Mitmenschen so wie uns selbst.
Wenn wir alle vollkommen wären, was hätten wir dann noch von anderen für Gott zu leiden?
Nun aber hat Gott es so eingerichtet, daß einer des anderen Last tragen lerne! Denn keiner ist ohne Fehler, keiner ohne Bürde, keiner genügt sich selbst, keiner ist allein klug genug; wir müssen uns alle gegenseitig ertragen, trösten, stützen, unterweisen und ermahnen.
Wie tugendhaft aber jemand ist, das offenbart sich am besten in einer schwierigen Lage. Solche Gelegenheiten machen den Menschen nicht schwach, sie zeigen nur, wie er wirklich ist.

(Nachfolge Christi I,14-16)

Nachtrag: Evangelii Gaudium

Zu hier. Jetzt ist endlich Evangelii Gaudium, das erste Apostolische Schreiben von Franziskus erschienen, und ich bin gespannt zu sehen, wie sich wieder die Geier der jeweiligen Lager auf alle möglichen Passagen stürzen, um den Papst auf ihre Seite zu ziehen... großer Spaß...

Oh, der Papst schreibt, dass die Priesterweihe nur Männer vorbehalten ist!
Oh, der Papst spricht davon, dass Frauen an "stellen, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden" präsent sein sollen. 
Oh, der Papst hat nicht nur mit "Franziskus", sondern mit "Franziskus PP" unterschrieben!
Oh, der Papst spricht sich gegen "Klerikalismus" aus.
blablabla


Der Papst ist schlicht durch und durch katholisch und was ich bisher von dem Dokument gelesen habe, lässt in mir tatsächlich die Freude des Evangeliums, und auch die Freude darüber, katholisch zu sein, aufkommen!
Zugleich fordert der Papst auch viel und es stellt sich bei aufmerksamer Lektüre heraus: Jede "Gruppe" in der Kirche und auf jeder Ebene bekommt ihr Fett weg. Niemand sollte sich also brüsten oder andere verurteilen.

Montag, 25. November 2013

Jubel-, Pöbel-, und Binnenkatholizismus

Petrus mit Petrus
Achtung: lang... und evtl. nicht ganz so stringent und kohärent wie sonst...

Was mir in diesen Wochen gewaltig gegen den Strich geht, ist das synchronisierte Pöbeln und/oder Jubeln der Katholiken an den "Rändern" des kirchenpolitischen Spektrums. Diesmal geht es nicht um den neuen Heiligen Vater (vgl. hier und hier), sondern um eine imaginäre Größe deren Ausmessungen variabel sind... zuweilen "die Kirche in Deutschland" genannt, oft auch einfach "die Kirche". Und diesmal findet sich Jubel und Pöbel auf beiden Seiten, je nach Thema.

Bastian fragte vor einigen Tagen (hier): "ticken wir noch richtig?" Und Pro Spe Salutis bedauert "katholische Blogs, die sich - wenngleich eine Minderheit - aktuell vornehmlich bis ausschließlich darauf verlegt zu haben scheinen, unsere Tage zu bekeifen" (hier).

Da ist zum einen das Rumgehacke bzw. Hochgejuble im Bezug auf den Limburger Bischof... die einen WISSSEN, dass er allein unschuldig ist, die andern WISSEN, dass er allein schuldig ist (ich habe kein Urteil über TvE; was ich aber von Anfang an verurteilt habe, ist das zersetzende Handeln des Limburger Klerus, vgl. hier). Paul Baddes Artikel im aktuellen Vatican-Magazin (auch hier zu lesen) ist beinahe ein Grund, es abzubestellen, so sehr mieft es nach Hofberichterstattung, völlig unabhängig davon, was nun stimmt und was nicht.

Dann ist da jener Jubel vom rechten Rand über das Müllerche "Machtwort" aus Rom (s. hier). Die ungehorsamen Priester in Freiburg umjubeln derweil (hier) ihren großen Held Zollitsch, der sich von diesem Machtwort völlig unbeeindruckt gibt (keine Heldentat, denn abgesetzt ist er ja schon - er hat absolut gar nichts zu befürchten), und sie verkünden vollmundig, dass kein Grund bestehe, hinter die Handreichung zurück zu gehen... Auf Teufel komm raus schlägt man also die Pflöcke in den Boden, auf dass es "kein Zurück" mehr gibt... "gekommen um zu bleiben". Sehr schmunzeln musste ich, als ich laß, dass die Freiburger Memorandisten EB Müllers Intervention als nicht dialogisch und nicht communial bedauern... ja, denn der "Mir-ist-die-Weltkirche-scheissegal"-Alleingang in Freiburg ist ja soo viel communialer... Gemach...

Auf beiden Seiten wird gepöbelt und gejubelt was das zeug hält. Schlag auf Schlag.
Als ob das ganze Gekeife und Gejohle irgendwas ändert... Die Handreichung bleibt illegal und häretisch und sie ist ein offener Affront gegen die Weltkirche (vgl. hier). Aber auch wenn die Freiburger Handreichung nun brav zurückgenommen worden wäre, änderte das nichts am eigentlichen Problem. (Im Gegenteil: Es würde den von langer Hand vorsorglich befeuerten Frust zum explodieren bringen.)
Alles nur Symptom.

Der Glaube verreckt, die Morallehre der Kirche, über deren Kenntnis sich Rom nun informieren will, ist in Deutschland jahrzehntelang systematisch und höchst amtlich desavouiert worden und die Rede vom "Glaubensgehorsam" oder von der Bedeutung der kirchlichen Gemeinschaft (Communio!) entlockt den allermeisten Theologiestudenten und kirchlichen Angestellten heute bestenfalls noch ein müdes Lächeln, wenn nicht gar offen artikulierte Abscheu. Erst kürzlich vernahm ich in einer Kirchenrechtsvorlesung hinter mir im Flüsterton den faschistischen Grundsatz "Du bist nichts, Dein Volk ist alles!" als Erwiderung auf entsprechende Vorgaben des Kirchenrechts angewendet, die gewisse Rechte des einzelnen Gläubigen im Bezug auf das Wohl der gesamten Kirche einschränken (man will nicht, dass die Kirche ist, was sie ist, nämlich eine hirarchische Heilsanstalt, die immer mehr ist als ihre sichtbaren Glieder, weshalb auch das einzelne sichtbare Glied vor dem Gesamt zurückstehen muss).
Zugleich erlebe ich auf manchen "konservativen" katholischen Blogs und/oder Kommentaren auf selbigen, wie ein Schisma geradezu gefordert wird "um die Spreu vom Weizen zu trennen".

Dieses ganze Durcheinander, das manche Theologen sehr zutreffend als "Selbstzerfleischung der Kirche (in Deutschland)" bezeichnen, wird immer schlimmer, je dreister und emotionaler die Äußerungen auf beiden Seiten (!) werden. Wenn die Freiburger Ungehorsamspriester jetzt offen Bischöfe zum Ungehorsam aufrufen, dann deckt sich das passgenau mit jenem Wunsch nach einem Schisma, der von rechtsaußen kommt. Les extrêmes se touchent.

Es scheint, als ob nur noch ein Denken in Extremen möglich ist.
Alle sind sich offenbar einig darüber, dass ein Schisma die Lösung ist... Geht's noch? Ein Schisma ist das Schlimmste, was der Kirche passieren kann und es ist eine zentrale Aufgabe eines jeden Katholiken, soetwas in Wort, Tat und Gebet zu verhindern!

Andererseits: Paulus.
»Ich ermahne euch, meine Brüder, auf die Acht zu geben, die im Widerspruch zu der Lehre, die ihr gelernt habt, Spaltung und Verwirrung verursachen: Haltet euch von ihnen fern! Denn diese Leute dienen nicht Christus, unserem Herrn, sondern ihrem Bauch und sie verführen durch ihre schönen und gewandten Reden das Herz der Arglosen. Doch euer Gehorsam ist allen bekannt; daher freue ich mich über euch und wünsche nur, dass ihr verständig bleibt, offen für das Gute, unzugänglich für das Böse.« (Röm 16,17-19)

Es ist viel zu einfach, das den "Liberalen" vorzusetzen... denn auch die achso "Konservativen" müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, ihrem Bauch zu folgen.
Auch wenn ich sonst kein großer Fan von Pater Deneke bin, fand ich doch einen Text, der neulich beim Firschen Wind erschien (hier), überaus passend zu dem, was mich in diesen Wochen umtreibt. Ich würde zu dem dort Geschriebenen aber noch etwas ergänzen, nämlich den Moralismus der achso Konservativen.

Beispiel "Ehe": Am der Schöpfung gemäßen und im Schöpferwillen verankerten Ideal der unauflöslichen Ehe zwischen Mann und Frau ist natürlich festzuhalten. Ich nenne es aber bewusst ein "Ideal", denn de facto, ob uns das passt oder nicht, haben es auch wir Katholiken mit einer Unzahl "anderer Lebensentwürfe" zu tun. Wir können und dürfen es nicht dabei bewenden lassen zu sagen, das sei alles "ungeordnet" und daher "schlecht" und "schlimm" und "böse" und potentiell "von den Sakramenten ausschließend". So ein pauschales Urteil ist Moralismus. Damit macht man sich vor diesen Menschen zum Affen und zeigt alles andere als christliche Nächstenliebe.
Gleichzeitig ist auch ein Egalitarismus der falsche Weg, weil er weder die Menschen noch Gott ernst nimmt. Kurioserweise verfallen hier auch die "Liberalen" in ihren eigenen Moralismus, weil sie ihre Vorstellungen allen anderen aufzwingen wollen. (Ein theologischer Treppenwitz ist's, dass die "Liberalen" in so manchen Dingen wiederum päpstlicher sind als der Papst... im äußerst liberalen Freiburger Priesterseminar z.B. darf es keine weiblichen Ministranten geben, nie, koste es was es wolle!)

Die Kirche muss lernen mit der sich heute darbietenden und in der Geschichte tatsächlich "neuen" Situation (z.B. wegen längerer Lebenserwartung, Heirat "aus Liebe" statt aus politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Gründen, gewaltiger und extrem schneller gesellschaftliche und moralischer Umwelzungen, Betonung der Priorität des Individuums und seiner lebensgestalterichen Freiheit) zurecht zu kommen, sie kann nicht stupide auf ein Ideal pochen, alles andere diffamieren und weitermachen wie bisher. So dummdreist und häretisch auch die Freiburger Handreichung in ihren zentralen Punkten ist (vgl. dazu hier), so zeigt sie doch, dass hier eine Wunde klafft, die nicht länger vernachlässigt werden darf, sondern die versorgt werden muss. Weswegen ich sehr dankbar bin, dass der Papst der Kirche eben diese Behandlung für die nächsten Jahre ins Stammbuch geschrieben hat. Was dabei herauskommt, wissen wir nicht, aber wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott seine Kirche führt!

Wie mit dieser Situation umzugehen ist, weiß ich nicht. Niemand hat das Patentrezept, aber viele haben da so ihr Hausmittelchen von dem sie meinen, es heile alles und jeden... manche davon sind Placebos, andere machen es nur schlimmer. Allheilmittel gibt es nicht (meine Gedanken dazu finden sich z.B. hier und hier). Darum braucht es die Bischofssynode, damit die weltweite Kirche (!) sich damit befassen kann. 
Provinzialismus und Partikularismus, rechts wie links, hilft nicht: Während die "Liberalen" der Ansicht sind, provintialistische Lösungen seien möglich, legal, hilfreich oder gar notwendig, neigen die "Konservativen" dahingehend zum Provintialismus, dass sie der Meinung sind, dieses oder jenes Problem bestünde nur in Deutschland (etwa die grassierenden Konkubinate bei den Priestern). Wiederum treffen sich die Extreme, diesmal in der gleichen Blindheit und Stupidität.

Es nützt aber wenig, wenn nun von Links gejubelt und von Rechts geheult wird ob der je eigenen Erwartungen und Befürchtungen, die damit verbunden sind. Sowohl die, die jetzt feuchte Träume haben, wie auch die, die nun unter Alpträumen leiden (beide aus dem selben Grund: eine möglicher bevorstehender Bruch mit der Tradition), werden sich hinterher die Augen reiben: Die Katholische Kirche wird auch nach der Synode im kommenden Jahr noch katholisch sein. Und der ubiquitäre "Fragebogen" (der, trotz gegenteiliger Äußerungen einiger dummer Menschen, keine "Meinungsumfrage" ist, sondern eine Bestandsaufnahme!) ist eher noch etwas, wovor z.B. der deutsche Verbandskatholizismus Angst haben sollte (s. hier).
Jetzt bringt das ganze Gezeter jedenfalls wenig bis garnichts. Es ist nicht konstruktiv, nicht fruchtbar und ganz sicher nicht fromm.

Auch die Inanspruchnahme/Instrumentalisierung des Heiligen Vaters durch bzw. für die jeweiligen Lager, ist ziemlich bodenlos... In Freiburg betrachtet man eine falsche Übersetzung einer Passage aus einem Gedächtnisprotokoll einer inoffiziellen Nebenbemerkung des Papstes (s. hier) als Höherrangig, als einen offiziellen Brief des Präfekten der Glaubenskongregation der in Absprache mit dem Heiligen Vater an die deutschen Bischöfe erging. Auf der anderen Seite brodelt es auf den Blogs, der Papst habe dies oder jenes gesagt und darum sei er nun doch in Wahrheit "konservativ"... das brodeln ausgerechnet manche Blogs, die sich bisher mit der Abkanzelung eines potentiell häretischen Papstes nicht mit Ruhm bekleckert haben... Radio Vatikan rückt das mal eben richtig (hier).

...

Eine Darstellung aus der Passionsgeschichte hat mich vor einigen Jahren, noch vor meiner Taufe, sehr bewegt: Die Hände sind gefesselt, Folterwerkzeuge, Geißel und Stock, wie königliche Insignien in den Händen. Christus weint, und seine Tränen vermischen sich mit dem Blut, das die Dornenkrone aus seiner Stirn presst.

Wie stellen wir uns bei dem was gerade geschieht, was zukünftige Wohl der Kirche und also die fruchtbare Verkündigung des Evangeliums vor? Wir haben unsere Wünsche und Vorlieben, unsere vielen boden- und grundlosen Ängste die uns lähmen...  Tränen.

Die Polarisierung in der Kirche ist grauenhaft. Es scheint keine Diskussionskultur mehr zu existieren. Ich erlebe das an meiner Fakultät tagtäglich... Theologiestudenten (und -professoren *hust*) sind wohl die am wenigsten diskussionsfähigen Menschen. Alles ist politisch und jede Meinungsverschiedenheit führt zur wechselseitigen Exkommunikation. Es ist ein Politikum, wenn ich bei einer Hl. Messe im Rahmen einer Veranstaltung der Fakultät die Kommunion auf Knien und auf die Zunge empfange. Für manche auf der anderen Seite des Spektrums ist es wiederum ein Sakrileg, wenn jemand sie im Stehen auf die Hand empfängt.
Alles, jede Äußerung, jede Geste, jede Handlung ist zu allen Seiten bis zur unerkennbarkeit idiologisch verbrämt. Man schlägt grimmig um sich und aufeinander ein... Geißel und Bambusrohr.
Warum ist das so? Dient das Christus? Oder dem Wohl der Kirche?

Das fundamentale Problem ist, dass eine tragfähige Diskussionsgrundlage fehlt. Der Katechismus oder das Kirchenrecht, die Kirchenväter oder sogar die Bibel, alles nur sekundär oder tertiär. Die eigene "Überzeugung" (ließ: Meinung) ist der einzig verbliebene Maßstab nach dem alles beurteilt und bei Nichtgefallen ohne weiteres verworfen wird (s. dazu hier). "Persönlich verantwortete Gewissensentscheidung" ist das allheilende Mantra... damit geht alles... nur leider leider, steckt darin i.d.R. ein Gewissensbegriff, der mit dem der kirchlichen Lehre überhaupt nichts zu tun hat ("Gewissen" ist meist identisch mit "Meinung" oder "Ichwillaber!")!
Man täusche sich aber nicht: Auch die "Konservativen" beherrschen dieses Spielchen, obgleich sie es besser kaschieren... Die Piusbrüder zeigen formvollendet, wie man auch rechter Hand aus Schrift und Tradition wunschgemäße "Realitäten" schafft... aber so weit muss man gar nicht gehn... 
Das Wort Gottes muss zur Verfügungsmasse werden, wenn nicht das Lehramt, als authentische Auslegerin, gehört wird (vgl. UR 21). Dornen.

Ich sehne mich nach der Scholastik. Nie zuvor oder danach gab es eine so fundierte und belastbare DiskussionsKULTUR. Da wurde nicht gejubelt oder gepöbelt, sondern Verständnis (Verstehen!) gesucht. 

Vielleicht wäre ein allgemeines Schweigen die beste Lösung.  So für einige Monate... oder Jahre... Vielleicht kann das dazu beitragen, dass wir endlich aus diesen vertrackten Grabenkämpfen herausfinden... Wir fahren immer mächtigere Geschütze und Schlachtschiffe auf und merken nicht, dass wir uns auf einem klitzekleinen Binnenmeer tummeln, während die eigendliche Schlacht (die eigendlichen Krisenherde!) ganz woanders liegen (Stichworte Glaubens- und Gotteskrise, sowie die Krise der Moral). Die Welt um uns herum lacht uns aus. Fesseln.
Wir zerfleischen uns.

Es lohnt sich doch, vor dem Posten von Beiträgen nochmnal in die Blogozese zu schauen: Peter gemahnt (hier; sehr lesenswert!) ganz richtig zu Ruhe und Geduld: 
»Es ist in unserer hektischen Zeit auch von glaubenstreuen Katholiken oft gar nicht zu verstehen, mit welcher Ruhe und Gelassenheit die Universalkirche Fragen der Lehre und der Praxis klärt. Es geht nämlich nicht darum, auch da ist die Kirche der Welt fremd, daß ein Chef zu einer Entscheidung kommt und hierarchisch durchdrückt bis ins letzte Gleid. Es geht darum in der Welt den Willen Gottes zu verkünden und so weit möglich umzusetzen.«


Die prekäre und durchaus drängende Lage, wie sie sich gerade hier in Freiburg darstellt (aber ebenso auch in Limburg), kann nur Petrus richten (tata). Gott sei Dank, dass wir nicht einzelnen Bischöfen ausgeliefert sind!
Ein evangelischer Freund, der viele Erfahrungen in unterschiedlichsten protestantischen Denominationen gemacht hat, drückte mir einmal seinen Neid darüber aus, dass es in der Katholischen Kirche nur einen gäbe, der "unfehlbar" ist.

Gelassenheit! Ist das einzige, was hilft.



PS. Ein Dank an alle, die in Freibug so emsig arbeiten: Sie haben dafür gesorgt, dass man im Vatikan sehr genau darauf schauen wird, wer der nächste Metropolit der Oberrheinischen Kirchenprovinz werden wird!

Sonntag, 24. November 2013

Christus König

Das Königtum Christi durchzieht Jesu ganzes Leben. Es begegnet uns in den Evangelien wieder und wieder... und sodann auch im Kirchenjahr.
Ein paar Beispiele.


Weihnachten: Die Weisen huldigem dem König mit Gold, Weihrauch und Myrrhe:
»Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.« (Mt 2,10-11)

Taufe Jesu: Johannes sagt über die hohe Würde dessen, der nach ihm kommt:
»Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.« (Lk 1,7)

Palmsonntag: Das Volk empfängt den rechtmäßigen Erbern des Königs David:
»Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!« (Mt 21,8-9)

Karfreitag: In seiner Passion wird er als König verhöhnt und als vermeintlicher Aufrührerkönig gehängt:
»Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand. Sie fielen vor ihm auf die Knie und verhöhnten ihn, indem sie riefen: Heil dir, König der Juden! [...]
Über seinem Kopf hatten sie eine Aufschrift angebracht, die seine Schuld angab: Das ist Jesus, der König der Juden.« (Mt 27,29.37)

Christi Himmelfahrt: Nach seiner Auferstehung, begibt sich Jesus auf den Königsthron zur Rechten des Vaters:
»Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgeommen und setzte sich zur Rechten Gottes.« (Mk 16,19-20)

Christkönig: Am Ende der Zeiten wird er wiederkommen in königlicher Herrlichkeit:
»Danach wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen; dann werden alle Völker der Erde jammern und klagen und sie werden den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen. Er wird seine Engel unter lautem Posaunenschall aussenden und sie werden die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, von einem Ende des Himmels bis zum andern.« (Mt 24,30-31)


Vor allem in der orthodoxen Tradition, seltener im Westen, gibt es eine Darstellung des Königtums Christi, die für uns recht ungewohnt ist: Wir sehen einen Thron, auf dem niemand sitzt. (Bild: Basilika Santa Maria Assunta, Venedig)
In der Antike war es ein weit verbreiteter Brauch, bei Versammlungen für den Abwesenden König oder Kaiser den Thron leer zu lassen oder bei religiösen Kulthandlungen einen Stuhl für die Gottheit zu reservieren, damit diese, unsichtbar, etwa an einem Mahl teilnehmen konnte. Die Christen haben diesen Brauch ikonographisch übernommen, jedoch ließen sie den Thron nicht leer. Vielmehr thront das Evengelienbuch auf ihm.
Hinter bzw. über dem Thron, bildkompositorisch also dort, wo eigentlich das glorreich bekrönte Antlitz des Thronenden sein müsste, befindet sich das Kreuz sowie die übrigen Folterwerkzeuge der Passion, flankiert von Engeln. Es ist die Thronbereitung. Manchmal noch, wie auch hier, mit Adam und Eva in Anbetender Prostratio (analog zur Befreiung der Stammeltern aus der Unterwelt in der orthodoxen Osterikone).

Natürlich sind nicht die Folterwerkzeuge, allen voran das Kreuz, das "Thronende", sondern andersherum: Das Kreuz ist der eigentliche Thron dessen, für den in dieser Darstellung der Thron bereitet wird (die Darstellung ist daher auch eng verknüpft mit der Himmelfahrt). Christus ist auch König am Kreuz und durch das Kreuz. So hat der Schächer völlig recht, wenn er sagt:
»Jesus, denk an mich, wenn du in deine Königsherrschaft kommst.« (Lk 23,42)

Und Jesus kann ihm in Vollmacht antworten:
Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.« (Lk 23,42-43)

Die Folterwerkzeuge sind zu Siegeszeichen geworden; statt des geschmähten Verurteilten, ziert ein Lorbeerkranz das Kreuz.
Ich habe absichtlich in der obigen Auflistung dem Fest Christkönig den Text über die Wiederkunft Christi zugeordnet (obwohl es nach der Leseordnung die Kreuzigung nach Lukas ist), denn Christkönig ist ein eschatologisches Fest. Christi Wiederkunft in Vollmacht ist es letztlich, worauf uns dieses Fest, gerade aufgrund der Tatsache, dass es das Ende des liturgischen Jahres markiert, verweist: Nachdem wir im Verlauf des Kirchenjahres immer wieder mit der Königswürde des Christus konfrontiert wurden, mal subtil, mal herrlich, bleibt nun "am Ende", der Ausblick ins Ewige, das Herinbrechen wird mit der seiner Wiederkunft auf den Wolken des Himmels.


מרנא תא 
Komm, Herr Jesus!

Samstag, 23. November 2013

Der Abend vor Christkönig

Das (Kirchen)Jahr neigt sich dem Ende zu, die "Weihnachtsmärkte" bringen sich in Startposition und auch das Jahr des Glaubens geht zuende. Gut, in Deutschland herrschte was Letzteres angeht weitestgehend tote Hose und man reibt sich verwundert die Augen... "War was?" 
Offenbar spührt der deutsche Episkopat keinerlei Notwendigkeit, den eigenen Gläubigen etwas vom wahren Glauben (oder der daraus notwendig resultierenden christlicher Moral) zu erzählen.

Seis drum, morgen ist Christkönig!

Das Fest war 1925 durch Pius XI. eingeführt worden und spielte in den folgenden Jahren in diesem unserem Land eine unerwartet große Bedeutung, als es nämlich von den Katholiken als Antithese des aufkeimenden Führerkultes hochgehalten wurde. Wie das Fest ja überhaupt wunderbar dazu dienen kann, jedweden irdischen Dünkel (und sei er auch "demokratisch legitimiert") ins rechte Licht zu setzen.

Den Anlass (wohl aber nicht den Grund) zur Einführung bildete das Jubiläum 1600 Jahre Konzil von Nicäa. Es ist überaus passend, da das Königtum Christi eng verwoben ist mit seiner Gottheit. Mehr noch: Das Königtum Christi kann gerade auch am Ende des (in Deutschland abgesoffenen) Jahres des Glaubens eine große Zuversicht und ein herrliches Bekenntnis bezeichnen: 
»Die werden gegen das Lamm kämpfen und das Lamm wird sie überwinden, denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige, und die mit ihm sind, sind die Berufenen und Auserwählten und Gläubigen.« (Offb 17,14)

Mitten im Bericht über die "Hure Babylon", also über alles Ungemach, über Verrat und Versagen, über Untreue und die Bedrängnis der Heiligen, strahlt das Lamm auf, der Herr, der König der Könige. Die, die da gegen das Lamm kämpfen, sind ihrerseits Könige, Chefs, Waszusagenhaber, wenn auch nur vorübergehend:
»Die zehn Hörner, die du gesehen hast, bedeuten zehn Könige, die noch nicht zur Herrschaft gekommen sind; sie werden aber königliche Macht für eine einzige Stunde erhalten, zusammen mit dem Tier. Sie sind eines Sinnes und übertragen ihre Macht und Gewalt dem Tier.« (Offb 17,12-13)

Die Machthaber kämpfen gegen das Lamm, weil sie alle Macht für sich behalten wollen. Unerträglich ist ihnen der Gehorsam und die Treue zu einem anderen, und sei es Gott selbst. Sie beginnen den Kampf, weil sie es nicht ertragen können, dass sich Gläubige um das Lamm scharen. Das Lamm aber wird den Kampf aufnehmen und siegen, weil es seine Macht vom Vater hat.
Nicht nur tröstlich, sondern auch durchaus eine Herausforderung ist jenes Detail, wonach das Lamm nicht allein den Sieg erringen wird, sondern zusammen mit den "Berufenen und Auserwählten und Gläubigen". Der Christ kann sich folglich nicht zurückziehen, er kann es sich nicht bequem machen. Als Christen sind wir zu diesem Kampf - den wir nicht angefangen haben und den wir nicht wollen, den aber das Lamm gewiss siegreich beenden wird - gerufen und aufgefordert.

Der Kampf ist kein glorreicher. Der Sieg ists! Aber bis dahin haben wir noch einiges zu bestehen. Der König, der auch als solcher für alle Kreatur erkennbar ist, erscheint erst am Ende. Der Kampfplatz aber liegt im "Jammertal", der König trägt die Krone von Dornen.

Christkönig ist ein streitbares Fest. Der Kampf für Gott, der Kampf für die Kirche und ihr Bekenntnis, ist zugleich eine Pflicht gegenüber dem König und eine "königliche" Pflicht für uns, weil wir mit dem König kämpfen. Ich denke dabei weniger an die Guerra Cristera, sondern v.a. an den Alltag eines Katholiken z.B. in Deutschland. 

Es ist die Hoffnung und die Zuversicht auf ein glorreiches Ende, das die Christen rufen lässt:

Viva Cristo Rey!

Freitag, 22. November 2013

The congregational principle

Aus aktuellem Anlass.

»MY DEAR WORMWOOD, 
You mentioned casually in your last letter that the patient has continued to attend one church, and one only, since he was converted, and that he is not wholly pleased with it. May I ask what you are about? Why have I no report on the causes of his fidelity to the parish church? Do you realise that unless it is due to indifference it is a very bad thing? Surely you know that if a man can't be cured of churchgoing, the next best thing is to send him all over the neighbourhood looking for the church that "suits" him until he becomes a taster or connoisseur of churches. 
The reasons are obvious. In the first place the parochial organisation should always be attacked, because, being a unity of place and not of likings, it brings people of different classes and psychology together in the kind of unity the Enemy desires. The congregational principle, on the other hand, makes each church into a kind of club, and finally, if all goes well, into a coterie or faction. In the second place, the search for a "suitable" church makes the man a critic where the Enemy wants him to be a pupil. What He wants of the layman in church is an attitude which may, indeed, be critical in the sense of rejecting what is false or unhelpful, but which is wholly uncritical in the sense that it does not appraise - does not waste time in thinking about what it rejects, but lays itself open in uncommenting, humble receptivity to any nourishment that is going. (You see how grovelling, how unspiritual, how irredeemably vulgar He is!) This attitude, especially during sermons, creates the condition (most hostile to our whole policy) in which platitudes can become really audible to a human soul. There is hardly any sermon, or any book, which may not be dangerous to us if it is received in this temper. So pray bestir yourself and send this fool the round of the neighbouring churches as soon as possible. Your record up to date has not given us much satisfaction. 
The two churches nearest to him, I have looked up in the office. Both have certain claims. At the first of these the Vicar is a man who has been so long engaged in watering down the faith to make it easier for supposedly incredulous and hard-headed congregation that it is now he who shocks his parishioners with his unbelief, not vice versa. He has undermined many a soul's Christianity. His conduct of the services is also admirable. In order to spare the laity all "difficulties" he has deserted both the lectionary and the appointed psalms and now, without noticing it, revolves endlessly round the little treadmill of his fifteen favourite psalms and twenty favourite lessons. We are thus safe from the danger that any truth not already familiar to him and to his flock should over reach them through Scripture. But perhaps bur patient is not quite silly enough for this church - or not yet? 
At the other church we have Fr. Spike. The humans are often puzzled to understand the range of his opinions - why he is one day almost a Communist and the next not far from some kind of theocratic Fascism - one day a scholastic, and the next prepared to deny human reason altogether - one day immersed in politics, and, the day after, declaring that all states of us world are equally "under judgment". We, of course, see the connecting link, which is Hatred. The man cannot bring himself to teach anything which is not calculated to mock, grieve, puzzle, or humiliate his parents and their friends. A sermon which such people would accept would be to him as insipid as a poem which they could scan. There is also a promising streak of dishonesty in him; we are teaching him to say "The teaching of the Church is" when he really means "I'm almost sure I read recently in Maritain or someone of that sort". But I must warn you that he has one fatal defect: he really believes. And this may yet mar all. 
But there is one good point which both these churches have in common - they are both party churches. I think I warned you before that if your patient can't be kept out of the Church, he ought at least to be violently attached to some party within it. I don't mean on really doctrinal issues; about those, the more lukewarm he is the better. And it isn't the doctrines on which we chiefly depend for producing malice. The real fun is working up hatred between those who say "mass" and those who say "holy communion" when neither party could possibly state the difference between, say, Hooker's doctrine and Thomas Aquinas', in any form which would hold water for five minutes. And all the purely indifferent things - candles and clothes and what not - are an admirable ground for our activities. We have quite removed from men's minds what that pestilent fellow Paul used to teach about food and other unessentials - namely, that the human without scruples should always give in to the human with scruples. You would think they could not fail to see the application. You would expect to find the "low" churchman genuflecting and crossing himself lest the weak conscience of his "high" brother should be moved to irreverence, and the "high" one refraining from these exercises lest he should betray his "low" brother into idolatry. And so it would have been but for our ceaseless labour. Without that the variety of usage within the Church of England might have become a positive hotbed of charity and humility, 
Your affectionate uncle 
SCREWTAPE « (The Screwtape Letters, Kapitel 16)

Der Kongregationalismus ist eine Epidemie, die in Deutschland bereits flächendeckend grassiert...

Donnerstag, 21. November 2013

Bischofstheater

Es wird wohl ein tragikomischer Winter.

Der Freiburger Ex-Oberhirte gibt sich cool, pfeift auf die Anordnung aus Rom und die Bischöfe von Trier und München pflichten ihm offenbar bei. So weit, so schlimm.
Zum Lachen finde ich es, dass man Rom attestiert, eine Diskussion nicht beenden zu können, man selbst aber derjenige ist, der durch das Schaffen von Fakten jedwedem legitimen Diskurs den Boden entzieht. Denn die Freiburger Handreichung ist eben gerade nicht, wie der Freiburger Ex-Oberhirte gebetsmühlenartig fabuliert, ein "Diskussionsbeitrag", sondern, ich Zitiere aus dem Vorwort der Handreichung, "Sie ist gedacht als eine Orientierung für die pastorale Praxis in den kommenden Jahren." Die Handreichung versteht sich selbst als die praktische Umsetzung von... ja wovon eigentlich? Vom Ergebnis eines "Dialogs" (s. hier) wohl kaum, denn der wird ja angeblich noch geführt (und die Handreichung ist angeblich nur ein Impuls für selbigen)?

Anyway: Das Heiße bei den jüngsten Entwicklungen ist wohl die Sache mit der Vorbildfunktion... Wenn Bischöfe nun tun können, was sie wollen, und einer nach dem anderen einem römischen Einspruch ganz einfach eine Absage erteilen können, dann ist es nur logisch und konsequent, wenn die Priester ihren Bischöfen gegenüber in Zukunft genauso agieren. Zwar ist das ja de facto ohnehin schon so, aber jetzt, durch den expliziten Ungehorsam einzelner Bischöfen gegenüber Rom, ist der priesterliche Ungehorsam gegenüber dem Bischof vollumfänglich legitimiert! (Auch der bischöfliche Ungehorsam ist nicht neu, etwa wenn man an die Weigerung der Bischöfe denkt, die notwendige neue Übersetzung des Messbuches umzusetzen, nur war dieser Ungehorsam bisher nicht derart öffentlich und dermaßen dreist!) Sehr bedenklich... (über die Wirkung auf die Laien macht sich Frischer Wind gerade, hier, Gedanken)
Die letzten beiden Ungehorsamsaufrufe wurden ja inzwischen von den deutschen Bischöfen gewissermaßen ratifiziert (eben die Verweigerung der Messbuchüberarbeitung, s. hier, und die Sache mit dem Kommunionempfang, s. dazu hier). Der nächste Ungehorsamsaufruf kommt bestimmt, und diesmal wird man sich gewiss v.a. auf die nun "ungehorsamen" Bischöfe berufen, statt auf irgendwelche toten oder exkommunizierten Galionsfiguren! (Was wird wohl nächstes Mal Thema sein? Werden dann die ungehorsamen Priester ein Memorandum verfassen, in dem sie erklären, dass sie vorhaben zu heiraten [oder schon geheiratet haben], um so eine Abschaffung des Zölibats zu erzwingen? Man darf gespannt sein.)

Auf den Punkt gebracht: Warum soll denn nun bitteschön irgend ein Priester noch auf seinen Bischof hören, wenn sich doch auch der Bischof von seinem Vorgesertzten nichts mehr sagen lässt?

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll... Das fröhliche Selbstauflösen kann jedenfalls beginnen!


PS. Nur für alle Fälle führe ich mal "schisma" als neues Label ein... man weiß ja nie...

Dienstag, 19. November 2013

Der päpstliche Fragebogen

Meinungselite in Freiburg
Schon vor einigen Tagen bekam ich den berüchtigten Fragebogen samt vatikanischem und diözesanem Begleitschreiben von offiziell zugeschickt. Und ich kann nicht anders, als mich zu wundern. Besonders diesen Satz aus dem Begleitschreiben der Erzdiözese Freiburg finde ich beachtenswert: 
»[Bei der Befragung] stehen speziell bei uns in Deutschland die Fragen 3,4,6 und 9 im Fokus der Gemeinden und Diözesen. Die anderen Fragen werden seitens der Deutschen Bischofskonferenz beantwortet.«

Welche Fragen sind es damnach also, die nicht "im Fokus" stehen sollen, die "bei uns in Deutschland" nicht auf Pfarreiebene beantwortet werden sollen bzw. deren Beantwortung durch den Einzelnen dann wohmöglich rausgefiltert werden soll? Ach, nur so Nebensächliches wie die Frage nach Kenntnis und Verwirklichung von Heiliger Schrift und Lehre der Kirche im Bezug auf solch Nebensächliches wie Ehe, Familie und Sexualität (also z.B. nach Familiaris consortio und Humanae vitae).
Über die Kenntnis und die Annahme der kirchlichen Lehre möchte man offensichtlich nicht hören, was "die Basis" zu sagen hat, das machen "die da Oben" unter sich aus... Ob das damit zusammenhängt, dass "die das Oben" die "Basis" jahrzehntelang über eben jene kirchliche (und biblische) Lehre im Unklaren gelassen und zuweilen auch ohne rot zu werden belogen haben (s. Freiburger Handreichung)? Oder is das nur ein Zufall?

Die Sprüche auf den Schildern jener älteren Herrschaften (eine "Demo" gegenüber vom Erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg im jahre 2010) sind ein schlagender Beweis dafür, dass die Träger keine Ahnung von der kirchlichen Lehre oder jener der Bibel haben. Das ist die Generation der Religionslehrer und sonstiger für die kirchliche (Aus)Bildung Verantwortlichen! Hier in Freiburg (und anderswo) ist das der unangefochtene und überall reich vertretene Mainstream.

Wer die kirchliche Lehre von Ehe und Sexualität kennt und nach ihr leben will, wer auch nur mal Familiaris consortio, Humanae vitae u.a.m. aufmerksam und wohlwollend gelesen hat, gehört hierzulande automatisch zu einer "Diaspora innerhalb der Kirche" und muss darauf gefasst sein, von der kirchlichen Obrigkeit nicht nur ignoriert, sondern auch regelmäßig vor den Kopf gestoßen zu werden. Wenn wir kirchliche Unterstützung suchen, dann finden wir diese anderswo, nämlich weltkirchlich (z.B. was der Päpstliche Rat für die Familie herausgibt, was aber zumeist nicht von der DBK verlegt wird!), beim Salzburger Referat für Ehe und Familie oder auf den Homepages US-amerikanischer Diözesen. In deutschen Landen herrscht weitestgehend Ebbe. Peinlich. Aber verständlich, dass man diesbezügliche Rückmeldungen an "Rom" besonders energisch kontrollieren will.
Das ist jedenfalls die Realität, und genau das will man schön für sich behalten. Ich schicke meinen ausgefüllten Fragebogen jedenfalls nicht "an Abteilung I, Pastoral", sondern samt kleinem Begleitbrief direkt nach Rom, und ich werde auch diese Knebelung nicht unerwähnt lassen.

Goldener Reis

Vatikanflagge zum essen
Eine wichtige gentechnische Errungenschaft der letzten Jahre ist der so genannte "Goldene Reis". Er hat seinen Namen von der güldenen Färbung, die vom Beta-Carotin herrührt, welches aufgrund gentechnischer Veränderungen im Reis enthalten ist.
Dieser Reis kann eine der schlimmsten humanitären Katastrophen abwenden, nämlich den Vitamin A-Mangel v.a. in vielen asiatischen Entwicklungsländern. Man schätzt das gegenwärtig etwa 140 Millionen Kinder unter Vitamin A-Mangel leiden, was u.a. Blindheit zur Folge hat aber auch tödlich enden kann. (Beta Carotin ist eine Vorstufe von Vitamin A und wird daher auch "Provitamin A" genannt. Unser Körper kann daraus das notwenige Vitamin A herstellen.)

Wie die "Welt" berichtet (hier), hat jetzt auch der Papst das Projekt im wahrsten Sinne (ab)gesegnet. Auch der Präsident des päpstlichen Rates Justicia et Pax, Kardinal Turkson, hat sich durchaus unterstützend dazu positioniert.

Was in dem Welt-Artikel leider nicht erwähnt wird, was aber der Grund ist, warum ich das hier unbedingt erwähnen muss, ist die Tatsdache, dass eben dieser Goldene Reis maßgeblich an meiner (biologischen) Fakultät entwickelt wurde. 
Auf gutes Gelingen!

Samstag, 16. November 2013

Das 11. Gebot

Dieser Tage kam das Buch "Das 11. Gebot: Du sollst nicht darüber sprechen" von Daniel Bühling heraus und sorgt seither für Wirbel. Spiegel titelt (hier) pünktlich zu St. Martin: "Buch über Priesterausbildung: Hölle auf Erden". Auch das auf Spiegel-Niveau gehaltene Einbandbild passt ganz gut dazu.
Ich habe das Buch noch nicht gelesen und erwarte mir auch keine neuen Erkenntnisse davon. Ich halte es aber dennoch für wichtig.

Vor sechs Monaten habe ich mich bereits genau darüber geäußert und für mein Empfinden bereits alles gesagt. Um mich nicht zu wiederholen: Bitte HIER klicken!
Das Buch ist nun genau das, was ich damals "prophezeiht" habe...  und ich hoffe sehr, dass jetzt, in dem Sinne, wie ich es damals beschrieben habe, etwas passiert. Natürlich vereinfacht und verallgemeinert Bühling auch zuweilen über gebühr. Und anscheinend glaubt er wirklich, dass die Kirche Sex als Sünde betrachtet (jedenfalls behauptet er genau das gleich zweimal in diesem Interview). Aber im Wesentlichen beschreibt er wohl leider die Wirklichkeit!


PS. Eine wie große "Sünde" Sex ist, mag ein kurzes Zitat von Pius XII. illustrieren, auf das ich dieser Tage stieß (weil ein simpler Verweiß auf eine beliebige Lehräußerung der letzten 50 Jahre diesbezüglich - die dieses Vorurteil umgehend zerstören würde - auch wirklich zu leicht und für jeden möglich wäre):
»Derselbe Schöpfer, der in seiner Güte und Weisheit zur Erhaltung und Vermehrung des Menschengeschlechts sich des Wirkens von Mann und Frau in der ehelichen Vereinigung bedient, hat auch gewollt, dass die Ehegatten bei diesem Tun in Körper und Geist eine Lust und ein Glücksgefühl verspühren. Wenn also die Ehegatten diese Lust suchen und genießen, so tun sie nichts Böses; sie nehmen an, was ihne der Schöpfer bestimmt hat.« (Aus einer Ansprache an Neuvermählte, 1951)

Donnerstag, 14. November 2013

Gottes Weisheit


In ihr ist ein Geist,
gedankenvoll,
heilig,
einzigartig,
mannigfaltig,
zart,
beweglich,
durchdringend,
unbefleckt,
klar,
unverletzlich,
das Gute liebend,
scharf,
nicht zu hemmen,
wohltätig,
menschenfreundlich,
fest,
sicher,
ohne Sorge,
alles vermögend,
alles überwachend
und alle Geister durchdringend, die denkenden, reinen und zartesten.

Denn die Weisheit ist beweglicher als alle Bewegung
 in ihrer Reinheit durchdringt und erfüllt sie alles.
Sie ist ein Hauch der Kraft Gottes
und reiner Ausfluss der Herrlichkeit des Allherrschers;
darum fällt kein Schatten auf sie.
Sie ist der Widerschein des ewigen Lichts,
der ungetrübte Spiegel von Gottes Kraft,
das Bild seiner Vollkommenheit.

Sie ist nur eine und vermag doch alles; ohne sich zu ändern, erneuert sie alles.
Von Geschlecht zu Geschlecht tritt sie in heilige Seelen ein
und schafft Freunde Gottes und Propheten;
denn Gott liebt nur den, der mit der Weisheit zusammenwohnt.
Sie ist schöner als die Sonne und übertrifft jedes Sternbild.
Sie ist strahlender als das Licht;
denn diesem folgt die Nacht, doch über die Weisheit siegt keine Schlechtigkeit.

(Buch der Weisheit 7,22-30)

Mittwoch, 13. November 2013

Lehramt und Gewissen

Das Erzbistum Freiburg lässt (s. hier) auf die Forderung der Kongregation für die Glaubenslehre nach der Rücknahme der berüchtigen Handreichung verlauten (sinngemäß): "Das interessiert uns einen Scheiss!"

Aus diesem Anlass sei ein Abschnitt aus der Ansprache Papst Johannes Pauls II. vom 12. November 1988 vor den Teilnehmern des Zweiten Internationalen Kongresses für Moraltheologie wiedergegeben (s. hier, italiensich):



»Während dieser Jahre [seit HV] wurde im Anschluß an die Bekämpfung von Humanae Vitae auch die christliche Lehre vom moralischen Gewissen in Frage gestellt und der Gedanke eines Gewissens angenommen, das sich selbst die sittliche Norm schafft. Auf diese Weise wurde das Band des Gehorsams gegen den heiligen Willen des Schöpfers radikal zerschnitten, in dem gerade die Würde des Menschen besteht. Das Gewissen ist nämlich der "Ort", an dem der Mensch von einem Licht erleuchtet wird, das nicht von seiner geschaffenen und immer fehlbaren Vernunft herkommt, sondern von der Weisheit des Wortes, in dem alles erschaffen wurde. Wunderbar schreibt das II. Vatikanum ferner: "Das Gewissen ist die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinem Innersten zu hören ist" (Gaudium et Spes, 16).
Daraus ergeben sich einige Folgerungen, die ich betonen möchte.

Da das Lehramt der Kirche von Christus, dem Herrn, eingesetzt worden ist, um das Gewissen zu erleuchten, bedeutet die Berufung auf dieses Gewissen, gerade um die vom Lehramt verkündete Lehre zu bestreiten, eine Ablehnung der katholischen Auffassung sowohl vom Lehramt als auch vom sittlichen Gewissen. Wer von der unverletzlichen Würde des Gewissens ohne weitere Verdeutlichungen redet, setzt sich der Gefahr schwerer Irrtümer aus.

Sehr verschieden ist nämlich die Situation einer Person, die zunächst all ihre verfügbaren Mittel zur Suche nach der Wahrheit eingesetzt hat und dann doch irrt, und die einer anderen Person, die sich entweder einfach mit der Meinung der Mehrheit abfindet, die oft bewußt von den Mächten dieser Welt geschaffen wurde, oder aus Nachlässigkeit sich wenig um das Finden der Wahrheit kümmert. Die klare Lehre des II. Vatikanischen Konzils erinnert uns daran: "Nicht selten geschieht es, daß das Gewissen aus unüberwindlicher Unkenntnis irrt, ohne daß es dadurch seine Würde verliert. Das kann man aber nicht sagen, wenn der Mensch sich zu wenig darum bemüht, nach dem Wahren und Guten zu suchen, und das Gewissen durch Gewöhnung an die Sünde allmählich fast blind wird" (Gaudium et Spes, 16).

Unter den Mitteln, die die Erlöserliebe Christi zur Vermeidung dieser Gefahr des Irrtums vorgesehen hat, befindet sich auch das Lehramt der Kirche; in seinem Namen besitzt es eine echte und eigene Lehrautorität. Man kann daher nicht sagen, ein Gläubiger habe sich sorgfältig um die Wahrheit bemüht, wenn er das nicht berücksichtigt, was das Lehramt sagt; wenn er es mit irgendeiner anderen Erkenntnisquelle auf eine Stufe stellt und sich zum Richter über es macht; wenn er im Zweifelsfall lieber der eigenen Meinung oder der von Theologen folgt und diese der sicheren Lehre des Lehramtes vorzieht.
In einer solchen Situation noch von der Würde des Gewissens reden, ohne etwas hinzuzufügen, entspricht nicht der Lehre des II. Vatikanischen Konzils und dem, was die ganze Überlieferung der Kirche bezeugt.«

Montag, 11. November 2013

Martin einmal ungewohnt

Es ist jedes Jahr wieder schade, wenn in Predigten und sonstigen Ausführungen die Gestalt des Heiligen Martin auf die Mantelteilung und ein "freimütiges Geben" reduziert wird. So wichtig diese Episode auch ist, ist doch sein Lebenslauf, legendarisch oder auch nicht, viel komplexer und reichhaltiger.

Wer weiß denn heute schon, dass Martin von Tours einer der Väter des westlichen Mönchtums ist, weil er sich gute zehn Jahre in eine Einsiedelei zurückzog und mehrere solche gegründet hat (aus einer wuchs dann das erste gallische Dorf Kloster), weil ihm immer wieder die Leute hinterherzogen, um seiner Weisheit zu lauschen (das war der Grund, weshalb man ihn als Bischof wollte).

Zugleich wird auch die Mantelteilaktion selbst immer merkwürdig verniedlicht und verkürzt wiedergegeben... Für ein Publikum mit hohem Kindergartenanteil ist das ja schön und recht, aber das darf nicht alles sein. Jenseits aller Mantelteilungs- und Bettlerromantik sollte man sich einmal der Tatsache nähern, dass in dieser Szene Martin ein (ranghoher) Vertreter der römischen Besatzungsmacht ist und der arme Bettler wohmöglich ein unter eben dieser Besatzung Leidender.

Die Tatsache etwa, dass der Soldat Martin seine Waffen niederlegt und seinen Dienst quittiert (durchaus keiner Lappalie!), wie hier in einem Fresko in der Martinskapelle in der Unterkirche von San Francesco in Assisi, wird oft gar nicht erwähnt... hier ist er noch ein Soldat der, der Legende nach, den Mantel teilt, er Träumt von Christus der sich als der Bettler zu erkennen gibt, und plötzlich muss sich der arme Martin vor dem Volk zwischen Gänsen verstecken.
Der große Asket Martin, der der Welt entsagt und sich in eine Eremitage auf einer Insel vor jener verbergen möchte, ist weitgehend unbekannt.

Unbekannt ist auch, dass dieser Bishof, der zuvor Eremit war, heute insofern wieder eine neue Aktualität gewinnt, weil auch Martin für eine arme Kirche plädierte. Eine Kirche die nur für Gott und die Menschen da ist und nichts auf Strukuren (und ihre Anfälligkeiten) und Macht gibt... das zeigt sich sehr schön an dem Widerspruicht, den der designierte Bischof von Tours vom übrigen Klerus erhielt. Ich vermeine darin sogar eine gewisse Parallele zu unserem Papst Franziskus zu erkennen...


Sancte Martine, ora pro nobis!

Samstag, 9. November 2013

Franziskus informiert sich über Deutschland

Radio Vatikan vermeldet (hier): 
»Papst Franziskus beschäftigt sich in diesen Tagen intensiv mit der Lage der Kirche in Deutschland. An diesem Samstagmorgen empfing er Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, den Präfekten der Glaubenskongregation, in einer außerplanmäßigen Audienz; Müller ist ansonsten regelmäßig zu so genannten Tabellenaudienzen beim Papst. Im Anschluss sprach Franziskus mit dem neuen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic. Mit dessen Vorgänger Erzbischof Jean-Claude Périsset wird der Papst am Montagvormittag sprechen. Unmittelbar danach ist eine Audienz für den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer angesetzt. Eterovic wird am kommenden Donnerstag in Deutschland eintreffen, um in Berlin die Nachfolge Périssets anzutreten, der dieses Amt seit Herbst 2007 innehatte.«

Er fragt die richtigen Leute. Offenbar lässt sich der Papst nicht von einem deutschen möchtegern Chefbischof Zollitsch abspeisen. Way to go!


PS. Z.Z. ist es ruhig auf dem Blog, weil ich einiges um die Ohren hab. Hoffe aber, dass es demnächst wieder anders wird.